Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Aufbau und Ziel der Arbeit 2
3 Der Vater des „Social Business“ - Muhammad Yunus 3
4 Daten und Fakten zu Bangladesch 3
4.1 Grundlegende Gegebenheiten 4
4.2 Die ökonomische Entwicklung Bangladeschs 5
5 Die Grameen-Bank - keine Bank wie jede andere 6
5.1 Die Entstehung der Grameen-Bank 6
5.2 Das Prinzip Grameen - Struktur und Kreditvergabe 7
5.3 Die Finanzierung der Grameen-Bank 9
5.4 Weitere Merkmale der Grameen-Bank 11
5.5 Die Mitgliederentwicklung der Grameen-Bank 12
5.6 Verpflichtungen der Kreditnehmer der Grameen-Bank 13
5.7 Die unterschiedliche Kreditwürdigkeitsprüfung 14
6 Mikrokredite 15
6.1 Die Grundidee der Mikrokredite 15
6.2 Die Ziele der Mikrokredite 18
6.3 Unternehmensformen der Mikrokreditinstitutionen. 19
6.3.1 Das Unternehmen ASA 19
6.3.2 Das Unternehmen SKS - Hilfe für die Armen? 22
6.4 Problemfelder für Mikrokredite. 23
6.5 Die Wirkung von Mikrokrediten 26
7 Social Business vs. Gewinnmaximierung 30
7.1 Social Business: Zusätzlich oder Ergänzend? 31
7.2 Wirtschaftliche Vorteile des Social Business 34
7.3 Social Business in der Praxis 35
7.3.1 Das Telekommunikationsunternehmen Grameen Phone 35
7.3.2 Adidas und BASF - Hilfe für die Armen 36
7.3.3 Joint Venture zwischen Danone und Grameen 38
8 Zusammenfassung und Diskussion 40
9 Literaturverzeichnis V
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Mitgliederzahlen der Grameen-Bank
II
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Vergleich zwischen Bangladesch und Deutschland 4
Tabelle 2: Beispielrechnung zur Kreditzinssatzberechnung 10
III
Abkürzungsverzeichnis
BIP Bruttoinlandsprodukt bzw. beziehungsweise ca. circa d.h. das heißt km² Quadratkilometer MFI Mikrofinanzinstitut Mio. Million o.ä. oder ähnliches o.J. ohne Jahr p.a. pro Jahr sog. sogenannt u.a. unter anderem USA Vereinigte Staaten von Amerika USD US-Dollar vgl. vergleiche
IV
1 Einleitung
„Eine Bank ist eine Einrichtung, von der sie sich Geld leihen können - vorausgesetzt, Sie können nachweisen, dass Sie es nicht brauchen.“ 1 Dieses Zitat von Mark Twain scheint auf den ersten Blick sehr verwundernd, trifft die Problematik jedoch auf den Punkt. Arme Menschen werden von den Banken nicht mit Darlehen versorgt, obwohl diese einen Kredit am dringendsten brauchen könnten. Ihnen wird von Seiten des Instituts die Kreditwürdigkeit abgesprochen, da es ihnen an Sicherheiten, welche im Falle eines Ausfalls verwertet werden könnten, mangelt. 2 Wer jedoch das Darlehen absichern kann, benötigt es eigentlich nicht, denn er verfügt dann über genügend finanzielle Mittel. Da die benachteiligten Menschen von Finanztransaktionen jeglicher Art ausgeschlossen sind - vielen wird sogar die Eröffnung eines Kontos verwehrt - haben sie keine Möglichkeit, aus eigener Kraft der Armut zu entkommen. 3 Auf Grund dessen bleibt den armen Menschen nur die Wahl zwischen der Resignation bezüglich der mangelnden Unterstützung oder aber der Flucht in die Hände von privaten Geldverleihern, um dort ein (sehr teures) Darlehen für die Materialbeschaffung aufzunehmen, damit sie ihre selbständige Tätigkeit, wie beispielsweise das Anfertigen von Bambusstühlen, aufrecht erhalten und ein kleines Einkommen generieren können. 4 Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus erkannte diese Problematik und suchte nach Wegen, den benachteiligten Personen in diesem Bereich helfen zu können. Nach anfänglicher Bürgschaft von Yunus gegenüber den Banken, was allerdings keine Dauerlösung darstellen konnte, gründete er ein eigenes Institut, die Grameen-Bank, welche die Darlehen ausgibt. Die Bürger unterhalb der Armutsgrenze benötigen lediglich geringe finanzielle Mittel um der Armut zu entkommen, weshalb Yunus ihnen sogenannte Mikrokredite gewährt. Diese werden ohne Sicherheiten ausgegeben, wobei die Empfänger ausschließlich in Armut lebende Bürger sein sollen. 5
Die Grameen-Bank verfügt außer der Vergabe von speziellen Kleinkrediten über eine weitere Besonderheit. Wie Yunus feststellte, kann man „eine Firma schaffen, die den Armen dient und bei der Profit ein Nebenprodukt ist, nicht das Ziel.“ 6 Hintergrund hierfür ist, dass in Ländern mit kapitalistisch orientierten Unternehmen sowohl wirtschaftli-
1 Büschgen(1997), S. 102.
2 Vgl. Yunus (2007a), S. 46 f.
3 Vgl. Ebenda, S. 49 f.
4 Vgl. Counts (2008), S. 2 f.
5 Vgl. Yunus (2007a), S. 47 ff.
6 Muhammad Yunus.
1
cher, als auch technologischer Aufschwung zu verzeichnen ist, jedoch dies nicht weltweiten Nutzen schafft und teilweise sogar negative Entwicklungen generiert oder diese vergrößert. Dadurch öffnet sich die Schere zwischen arm und reich zunehmend. 7 Der Betrieb des Friedensnobelpreisträgers stellt eine neue Unternehmensform dar, welche das bisher bekannte Gefüge der reinen Gewinnorientierung ergänzen soll. Das sogenannte Social Business geht über die Profitmaximierung als alleiniges Ziel hinaus; der Gründer visiert ganz bestimmte Verbesserungen, vor allem im sozialen Bereich an. 8
2 Aufbau und Ziel der Arbeit
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Unterstützung der benachteiligten Menschen in Form von Mikrokrediten, wie es beispielsweise die Grameen-Bank verwirklicht, zu erläutern und zu bewerten, ob mit Hilfe dieser Vorgehensweise die Beseitigung der globalen Armut bzw. deren Eindämmung möglich ist. Auf die Vergabe dieser Kleinkredite liegt der Fokus dieser Arbeit, wobei im weiteren Verlauf auch auf das Social Business von Muhammad Yunus eingegangen wird. Diese neue Art des unternehmerischen Handelns, bzw. die Firmenstruktur wird ausführlich erläutert und dahingehend beurteilt, ob dieses als Ergänzung oder als Ersatz zum bestehenden, kapitalistisch orientierten Geschäftsmodell dienen kann.
Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich dahingehend, dass zunächst der Pionier des Social Business, sowie der Gründer der Grameen-Bank Muhammad Yunus vorgestellt wird, gefolgt von der wirtschaftlichen Entwicklung seines Heimatlandes Bangladesch. Im Anschluss daran wird in Kapitel 5 ausführlich auf die Grameen-Bank eingegangen; sowohl die Entstehung und die Struktur des Unternehmens, als auch die Vorgehensweise bei der Kreditvergabe und vor allem die Unterschiede zu konventionellen Banken wird erläutert. In Kapitel 6 werden die Ideen, welche der Vergabe von Kleinkrediten zu Grunde liegen, vorgestellt, sowie die unterschiedlichen Unternehmensformen von Mikrokreditinstitutionen. Nachfolgend daran wird der Fokus auf das Social Business von Muhammad Yunus gerichtet. Speziell der Vergleich zum bisher bekannten, profit-orientierten Firmenmodell soll in diesem Bereich betrachtet werden, darüber hinaus soll auch der Praxiseinsatz dieser Art aufgezeigt werden.
7 Vgl. Yunus (2007a), S. 3 ff.
8 Vgl. Ebenda, S. 24 f.
2
3 Der Vater des „Social Business“ - Muhammad Yunus
Muhammad Yunus wurde am 28. Juni 1940 in Chittagong, einer Stadt in Bangladesch, als Sohn eines Goldschmids geboren. Im Jahr 1966 begann er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Vanderbilt University in Tennessee (USA), an welcher er auch drei Jahre später promovierte. Nach seiner Tätigkeit an der Middle Tennessee State University kehrte er im Jahre 1972 nach Bangladesch zurück; er wurde Professor an der Universität seiner Geburtsstadt. Die in seinem Heimatland vorherrschende Armut, von welcher er während seiner Tätigkeit an der Hochschule, in der er nur Kinder aus gut betuchtem Elternhaus lehrte, abgesondert war, beschäftigte Muhammad Yunus sehr, weshalb er 1976 eine Bank für die Armen, die Grameen-Bank ins Leben rief und diese weiter ausbaute. Im weiteren Verlauf war er international als Berater für Mikrokredite gefragt, ab dem Jahr 1996 auch für die Regierung Bangladeschs. 9
Er erreichte einen hohen Bekanntheitsgrad durch sein Projekt, armen Menschen über Darlehen aus der Armut zu helfen. Außer der Grameen-Bank gründete er weiterhin auch die Grameen Trust, eine Stiftung, deren Ziel darin besteht weltweit Mikrokreditbanken zu errichten, um das Projekt auch auf andere Länder zu übertragen, sowie weitere Grameen-Unternehmen, wie beispielsweise einer Telekommunikationsfirma (Grameen Phone) oder Grameen Shikka, der Bildungsförderung armer Bevölkerungsschichten. Muhammad Yunus wurde für sein Lebenswerk im Dezember 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, was seinen Stellenwert in Bangladesch enorm ansteigen ließ. 10 Er vertritt die Auffassung, dass alle Bürger die Möglichkeit haben sollten, einen Kredit aufzunehmen, wobei er ausdrücklich das gegenleistungsfreie Überlassen von liquiden Mitteln in Form von Schenkungen ablehnt. 11
4 Daten und Fakten zu Bangladesch
Muhammad Yunus startete sein Projekt des Social Business nicht von ungefähr in Bangladesch. Zum einen ist es sein Heimatland, in welchem er geboren wurde und aufgewachsen ist, auf der anderen Seite ist die wirtschaftliche Lage in katastrophalem Zustand. Einen Überblick über die Situation in dem, im Südosten Asiens gelegenen Land, soll im Nachfolgenden gegeben werden.
9 Vgl. Seith (2006). Vgl. Yunus (2007b), S. 2. Vgl. Unicef (2008).
10 Vgl. Kazim (2010a). Vgl. Spiegel (2008), S. 155 f.
11 Vgl. Kazim (2010a). Vgl. Ott (2009).
3
4.1 Grundlegende Gegebenheiten
Das von muslimischer Religion geprägte Land Bangladesch ist in seiner Entwicklung gegenüber einem Land wie beispielsweise Deutschland sehr weit hinterher. Eindrucksvoll veranschaulicht wird dies durch die Tatsache, dass im Heimatland des Friedensnobelpreisträgers annähernd jeder zweite Bürger mit einem Alter von über 15 Jahren weder schreiben noch lesen kann. 12 Die nachfolgende Tabelle stellt verschiedene Bestimmungsgrößen Bangladeschs dar. Zur Verdeutlichung und Einschätzung soll zu Vergleichszwecken die Zahl von Deutschland dienen.
Tabelle 1: Vergleich zwischen Bangladesch und Deutschland
Im Vergleich der beiden Länder wird deutlich, dass auf etwa der Hälfte der Fläche ca. doppelt so viele Menschen in Bangladesch leben. Die Tendenz dieser Entwicklung
12 Vgl. Central Intelligence Agency (2011).
13 Vgl. Central Intelligence Agency (2011). Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2011).
4
verschärft diese Quote jedoch, da in Deutschland die Zahl der Einwohner in den letzten Jahren stetig abnahm. 14
4.2 Die ökonomische Entwicklung Bangladeschs
Nach dem Vergleich mit Deutschland soll nun die wirtschaftliche Situation bzw. die Entwicklung von Bangladesch näher erläutert werden. Im Laufe des letzten Jahrzehnts machte das Land gute ökonomische Fortschritte. So wurde ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von etwa fünf bis sechs Prozent pro Jahr erreicht, obwohl die politische Rahmenordnung nicht vollständig intakt war bzw. nicht die notwendige Stabilität aufwies. 15 Dieses Wachstum zeigt sich auch bei einem Blick auf die Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukts von Bangladesch. Im Verlauf der Jahre 2004 bis 2009 stieg dies kontinuierlich an. 16 Durch die sehr hohe Bevölkerung im Land beträgt das Pro-Kopf-BIP allerdings lediglich 23.620 Taka, was umgerechnet etwa 322 USD entspricht. 17 Das BIP wird hauptsächlich im Dienstleistungs- sowie im landwirtschaftlichen Sektor erwirtschaftet, insbesondere dadurch, dass fast die Hälfte der Einwohner des Landes im Agrarbereich beschäftigt ist. Wenn man die bereits genannte hohe Bevölkerungsdichte berücksichtigt, erscheint die Arbeitslosenquote in Bangladesch äußerst gering; diese lag 2010 bei knapp unter fünf Prozent. Allerdings lässt diese Zahl nur auf den ersten Blick einen positiven Schluss zu. Sehr viele Arbeiter im Land sind unterbeschäftigt, d.h. sie könnten viel mehr arbeiten, da sie derzeit nur wenige Stunden pro Woche im Dienst sind, bei dementsprechend niedriger Bezahlung. 18 Dieses geringe Einkommen hat auch Auswirkungen auf die Wohlstandsverhältnisse der Bürger. So lebten im Jahr 2005 etwa 40 Prozent der Einwohner unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Es ist jedoch ein positiver Trend zu verzeichnen, da diese Quote im Kontrast zum Vergleichsjahr 1990 um ca. 15 Prozentpunkte gesenkt werden konnte. Dennoch ist das Ziel immer noch in weiter Ferne; die Vereinten Nationen möchten diesen Anteil auf unter 30 Prozent bis zum Jahr 2015 senken, was sie im Rahmen der Millenniums-Ziele vereinbart hatten. 19
14 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2011).
15 Vgl. Central Intelligence Agency (2011).
16 Von 2.669.740 Mio. Taka (2004) auf 3.406.524 Mio. Taka (2009).
17 Vgl. Bangladesh Bureau of Statistics (2010), S. 4.
18 Vgl. Central Intelligence Agency (2011).
19 Vgl. United Nations Development Programme (2010), S. 1.
5
Ein weiteres ökonomisches Problem betrifft das Staatsdefizit von Bangladesch, an welchem unbedingt anzusetzen ist. Die öffentliche Verschuldung betrug im Jahr 2010 ca. 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und ist im Vergleich zu 2009 zwar auf einem stabilen, allerdings viel zu hohem Niveau. Damit einher geht auch eine sehr erhebliche Inflationsrate im Land, welche nun bei über acht Prozent liegt und allein zwischen 2009 und 2010 um die Hälfte gestiegen ist. 20
Hinsichtlich der Mikrokredite von Muhammad Yunus sei ein Vergleich gestattet, welcher ein Pluspunkt für das Projekt darstellt. Der Friedensnobelpreisträger gibt die Quote der Kredite, welche vollständig zurückgezahlt werden mit 99 Prozent an (siehe auch Kapitel 5.2). Die positive Entwicklung im Bereich der Darlehen wird dadurch verdeutlicht, dass im Jahr 1993 weniger als ein Fünftel der vergebenen Kredite bedient wurde. 21
5 Die Grameen-Bank - keine Bank wie jede andere
Die Grameen-Bank in Bangladesch vergibt Kredite an Privatpersonen und verlangt diese mit Zinsen zurück, was auf den ersten Blick kein außergewöhnliches Arbeitsgebiet für ein Finanzdienstleister bzw. Kreditinstitut darstellt. Die Vorgehensweise, aber im Besonderen auch die Zielgruppe der Kreditnehmer verdeutlicht, dass es sich bei der von Muhammad Yunus ins Leben gerufene Institution um eine besondere Bank handelt.
5.1 Die Entstehung der Grameen-Bank
Bevor die Unternehmung von Muhammad Yunus im Jahre 1983 die Bezeichnung Bank tragen durfte, war bereits viele Jahre früher die Idee geboren, den Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten zu helfen. Als im Jahre 1974 in seinem Heimatland Bangladesch zusätzlich zu einem bestehenden Bürgerkrieg eine fürchterliche Hungersnot ausbrach, wurde Yunus auf die bestehende Situation im Land aufmerksam und stellte fest, dass eine große Differenz zwischen dem universitären Leben im Hörsaal, in dem er als Dozent über ökonomische Themen referierte und dem realen Leben auf
20 Vgl. Central Intelligence Agency (2011).
21 Vgl. Neue Zürcher Zeitung (2006), S. 1. Vgl. Seith (2006).
6
Arbeit zitieren:
Björn Vielberth, 2011, Armutsbeseitigung durch Mikrokredite?, München, GRIN Verlag GmbH
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