Inhaltsverzeichnis :
Inhaltsverzeichnis I
Abk ürzungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Unterstützung der DDR für den kubanischen Sport 8
2.1 Erste Phase 9
2.2 Zweite Phase 13
2.3 Dritte Phase 18
2.4 Materielle Unterstützung 29
3. DHfK 30
4. Beispiel Alberto Juantorena 33
5. Schlussbetrachtung 35
Literaturverzeichnis III
Literaturverzeichnis III
Literaturverzeichnis III
Literaturverzeichnis III
I
I
Abkürzungsverzeichnis
BArch Bundesarchiv Bzw. Beziehungsweise BSTU Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des
ca. circa d. h. das heißt DHfK Deutsche Hochschule für Körperkultur DSV Deutscher Sportverband
DSB Deutscher Sportbund der BRD DTSB Deutscher Turn- und Sportbund EIDE Escuelas de Iniciatión Deportiva Educaciona, Schulen zur Einführung der Sporterziehung in Kuba Gen. Genosse
GTL Gemeinsame Trainingslager INDER Nationales Institut für Sport, Körpererziehung und Freizeitgestaltung der Republik Kuba KPK Kommunistische Partei Kubas M DDR- Mark MfS Ministerium für Staatssicherheit SGK Ständige Gemeinsame Kommission Sog. so genannte TL Trainingslager u. a. unter anderem z. B. zum Beispiel
II
1. Einleitung
Die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba im Bereich des Sports
Es wird häufig von den ehemaligen Sportgroßmächten DDR und Kuba gesprochen, es muss sich gefragt werden, wie kam diese Dominanz zustande?
Die meisten Menschen kennen die Legenden im Sport, wie Teófilo Stevenson, der1972 in München seine erste Goldmedaille im Boxen gewann und 1976 in Montreal sowie bei Olympia 1980 in Moskau diese verteidigen konnte. Dadurch wurde er der zweite Boxer nach László Papp, der drei aufeinander folgende olympischen Goldmedaillen gewinnen konnte. Eine weitere Chance auf einen Olympiasieg blieb ihm aufgrund des kubanischen Boykotts der Spiele in Los Angeles 1984 verwehrt. Bekannt ist sicherlich auch Alberto Juantorena, der zu den Ausnahmeläufern, bei den Olympischen Spielen in Montreal gehörte. 1976 lief er beide Strecken und gewann als erster Olympisches Gold über 400 m und 800 m. Doch wie kam es dazu, dass ein geographisch kleines Land wie die ehemalige Zuckerohrinsel Kuba solche erfolgreichen Sportler herausbringen konnte? Einzelfälle oder sogar Zufälle? Wenn man sich die Statistiken zu den Olympischen Spielen 1 und zu den Panamerikanischen Spielen 2 ansieht, stellt man fest, dass das kleine Kuba mit ca. 11 Millionen Einwohnern immer noch vor bevölkerungsreicheren Staaten wie Brasilien oder Argentinien steht. Wie konnte der karibische Inselstaat, der ehemals im Protektorat der USA stand, solche Erfolge verbuchen?
1 Vgl.: http://www.granma.cubaweb.cu/eventos/beijing/datos/cuba-123.htm [Zugriff: 19.08.2009, 22:55]
2 Vgl.: http://www.quadrodemedalhas.com/en/pan-american-games/pan-american-games-2007-riode-janeiro-medals-table.htm [Zugriff: 25.08.2009, 15:33] 1
Abb.: Quelle: http://www.granma.cubaweb.cu/eventos/beijing/datos/cuba-123.htm [Zugriff: 19.08.2009, 22:55]
3 Vgl.: http://www.granma.cubaweb.cu/eventos/beijing/datos/cuba-123.htm [Zugriff: 19.08.2009, 22:55] 2
Medaillenspiegel aller Panamerikanischen Spiele
R Country G S B T
1 United States 97 88 52 237
2 Cuba 59 35 41 135
3 Brazil 54 40 67 161
4 Canada 39 43 55 137
5 Mexico 18 24 31 73
6 Colombia 14 21 13 48
7 Argentina 11 15 33 59
8 Venezuela 10 25 34 69
9 Dominican Republic 6 6 17 29
10 Chile 6 5 9 20
11 Ecuador 5 4 10 19
12 Puerto Rico 3 5 12 20
12 Jamaica 3 5 1 9
14 Guatemala 2 3 2 7
15 Bahamas 2 2 2 6
16 El Salvador 1 3 6 10
17 Panama 1 1 - 2
18 Antigua and Barbuda 1 - 2 3
19 Netherlands Antilles 1 - 1 2
20 Peru - 4 8 12
21 Trinidad and Tobago - 1 3 4
22 Uruguay - 1 2 3
23 Cayman Islands - 1 - 1
24 Nicaragua - - 2
25 Barbados - - 1
25 Dominica - - 1
4
Abb. : Quelle: http://www.quadrodemedalhas.com/en/pan-american-games/pan-american-
games -2007-rio-de-janeiro-medals-table.htm Zugriff: 25.08.2009, 15:33
4 Vgl.: http://www.quadrodemedalhas.com/en/pan-american-games/pan-american-games-2007-rio-
de -janeiro-medals-table.htm Zugriff: 25.08.2009, 15:33
3
3
Das ist kein Zufall, sondern kontinuierliche und konsequente Arbeit auf höchstem sportwissenschaftlichen Niveau. Doch wie konnte die Insel Kuba, diesen hohen Standard in der Sportwissenschaft erreichen, nach der Batista Diktatur, war die allgemeine Körperkultur kaum existent in Kuba.
Welche Rolle spielte die DDR in dieser Entwicklung und wie sah die allgemein Bekannte Zusammenarbeit der beiden sozialistischen Staaten genau aus. Wie konnten zwei Staaten zusammen arbeiten, die geographisch nicht beieinander lagen, sondern vom kompletten Ozean Atlantik, sowie der Ostsee getrennt waren. Bilaterale Beziehungen auf einem hohen sportlichen Leistungsniveau, obwohl mehrere tausend Seemeilen zwischen den beiden Staaten lagen , oder eher fiktive Propaganda des kapitalistischen Klassenfeindes?
Wie sahen die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba im Bereich des Sports aus? Dieses wirklich interessante Feld der Forschung, was kaum oder fast noch gar nicht erforscht wurde, soll bestand Teil dieser Staatsexamensarbeit sein.
In der Literatur wird immer wieder auf die Zusammenarbeit beider Staaten hingewiesen, aber konkretisiert wurden die Aussagen so gut wie kaum. Dies lag sicherlich zum einen an der innerdeutschen Teilung und den dadurch nicht vorhandenen Informationsfluss aus der DDR zu diesem Thema, der natürlich zum größten Teil der Geheimhaltung unterlag, da der Sport, explizit formuliert, ein Bestandteil der Systemauseinandersetzung war. Sportliche Spitzenleistungen sollten die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Gesellschaftssystems darstellen. Aber auch nach der Wende im Jahre 1989 wurde kaum über das Thema geschrieben, obwohl die Möglichkeit bestand, Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BSTU) in Berlin, einzusehen.
Es ist augenscheinlich, dass nur sehr wenige Informationen zu diesem Thema bestehen, Dies zeigte sich auch in der recht schwierigen Recherche für dieses Thema.
4
Trotz intensiver Sichtung der Unterlagen bei der BSTU und die recht schwierige Befragung von einigen Zeitzeugen, die als Trainer in der ehemaligen DDR tätig waren, sowie mehrerer Wochen im Lateinamerika-Archiv der Universität Rostock, wo aus dem alten Lateinamerika Institut der DDR in Rostock, ein kleines Archiv mit über 650 Ordnern mit Zeitungsausschnitten zum Thema „DDR und Lateinamerika“ existiert, stellte sich heraus, das die Literatur-Lage als äußerst spärlich anzusehen ist. Erst die Recherche beim Bundesarchiv in Berlin, führte zu Informationen. Die Literaturnachweise für dieses interessante Thema, stellen sich jedoch immer noch als nicht umfangreich dar. Es stellte sich nun die Frage, wie sahen die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba konkret aus.
Ab 1955/56, nach dem Ende der ersten Phase der sowjetischen Deutschlandpolitik und dem nun folgenden endgültigen separaten Weg der beiden deutschen Staaten im Rahmen der Nato bzw. des Warschauer Paktes, verstärkte sich die systematische Funktionalisierung der Sportaktivitäten im Rahmen der internationalen Anerkennungspolitik der DDR nochmals. Dies war nicht zuletzt eine Konsequenz aus der seit 1956 durch die westdeutsche Bundesregierung praktizierten sog. „Hallstein-Doktrin“, womit diese die weitere internationale Ausgrenzung der DDR sowohl als Staat als auch in Bezug auf ihre gesellschaftlichen Subsysteme verfolgte. Bei der Anerkennungspolitik wurde jetzt die ganze Breite internationale Aktivitäten über die Sportorganisationen bis hin zu einem wie dem der Sportwissenschaft gezielt mit einbezogen. 5
Die bilateralen Sportbeziehungen zu sozialistischen Staaten entwickelten sich in etwa analog zu den außenpolitischen Beziehungen. 6
Nach der Revolution 1959 in Kuba hat sich die Regierung durch ihre Agrarreform und der dadurch im Streit mit den USA resultierenden Enteignungswellen (nicht amerikanische Firmen wurden entschädigt) von ausländischen Unternehmen, in die Richtung des Sozialismus bewegt.
5 Vgl.: Buss, Wolfgang, Becker, Christian, Der Sport in der SBZ und frühen DDR, Karl Hofmann Schorndorf, Bonn, 2001, S.315.
6 Vgl.: Buss, Wolfgang, Becker, Christian, Der Sport in der SBZ und frühen DDR, Karl Hofmann Schorndorf, Bonn, 2001, S.334. 5
Verstärkt wurde dies durch die damalige Politik der USA und der Invasion in der Schweinebucht. In dieser Zeit wurden auch die Kontakte zur DDR geknüpft, die Aufgrund der „Hallstein-Doktrin“, Probleme hatten außenpolitische Verbindungen ein zu gehen. Auf einzelne Sportarten bezogen, hemmte die Blockade Kubas durch die USA die Entwicklung zum Teil erheblich. Nur in den Sportarten, in denen sozialistische Länder ein hohes Leistungsniveau aufweisen und beispielsweise mit Trainern, Trainingslagern helfen konnten, gelang es Kuba, rasch zur Weltspitze aufzuschließen, während es in andren unmöglich war, das Niveau dadurch zu heben, dass Hilfe aus kapitalistischen Ländern geleistet wurde. 7
Um den Stellenwert des Sports im Kampf Sozialismus gegen Kapitalismus darzustellen ,soll an dieser Stelle Fidel Castro zitiert werden: „Sie (die USA) haben letzten Endes bis heute den Sport als ein Instrument benutzt - und davon sprechen wir gleich noch- denn sie haben gewisse Beschuldigungen erhoben, dass wir den Sport unter politischen Gesichtspunkten einsetzen, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt ist. Es war der Imperialismus, der sich bemüht hat, die Völker Lateinamerikas zu erniedrigen, in ihnen ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber den Nordamerikanern zu schaffen, ein Gefühl der Unfähigkeit ihnen gegenüber. Und in diesem Sinne haben sie den Sport ausgenutzt. (…) Man hat versucht, Cuba als denjenigen hinzustellen, der den Sport als Instrument der Politik benutzt. Und es ist genau umgekehrt: die Politik ist ein Instrument des Sports. (…) Weil die Sowjetunion und andere sozialistische Länder glauben, dass die Gelegenheit auf sportlichem Gebiet die Stärke des Systems zeigt, hat sich der Sport für sie in eine große politische und propagandistische Waffe verwandelt…“ Aber hört euch diese Unverschämtheit an! Diese Lügner! (…) Es tut ihnen natürlich weh, dass eine Waffe stumpf geworden ist, dass jenes Minderwertigkeitsgefühl, jener
Minderwertigkeitskomplex, den sie in unseren lateinamerikanischen Ländern schaffen wollten derart überwältigend zerstört worden ist. Und er wird eines Tages völlig vernichtet werden durch die Anstrengungen unseres Landes, durch die Anstrengung anderer lateinamerikanischen Länder. Früher ergaben die Medaillen der Vereinigten Staaten mehr als die aller Länder Lateinamerikas zusammen.
7 Vgl.: Krämer-Mandeau, Wolf, Sport und Körpererziehung auf Cuba, Pahl-Rugenstein Verlag, Köln, 1988, S. 237. 6
Heute jedoch, nach dem ungeheuren Aufschwung des Sports in Cuba, sieht es so aus, dass die Medaillen aller lateinamerikanischen Länder zusammen viel mehr ergeben, als die der Vereinigten Staaten. Das sollte man nämlich auch sehen: hier muss die andere Rechnung gemacht werden: nicht nur, dass Cuba die Vereinigten Staaten im Sport geschlagen hat, (…)“. 8
Die stärksten Politisierungstendenzen sind im internationalen Sport festzustellen. Die einzigartige Stellung der Nation im politischen Raum bringt es mit sich, dass bei Sportwettkämpfen zwischen Nationalvertretungen ein Gruppenbewusstsein aktualisiert wird, das hinsichtlich Intensität und Färbung völlig verschieden ist von Lokalgruppen oder Landsmannschaften aktualisiert wird. 9
Der Sport ist, mehr oder weniger explizit formuliert, ein Bestandteil der Systemauseinandersetzung; sportliche Spitzenleistungen sollen die Leistungsfähigkeit des sozialistischen Gesellschaftssystems in der DDR unter Beweis stellen. Es ist daher nur konsequent, wenn der Sportförderung innerhalb der DDR-Entwicklungshilfe, die gleichfalls als Feld der Systemkonkurrenz gilt, ein besonderes Gewicht eingeräumt wird. 10 Als 1964 eine Vereinbarung „über die Ausbildung von 200 kubanischen Sportstudenten in
der DDR zu Instrukteuren für die Einführung des obligatorischen Sportunterrichtes an den
kubanischen Schulen“ getroffen worden war, hatte die DDR damit einen wichtigen Beitrag
dazu geliefert, dass das kleine Kuba eines Tages zu einer „Sportgroßmacht“ aufsteigen
konnte. 11
8 Zitat: Castro, Fidel, Sport und Gesellschaft, Ibero-Amerikanisches Institut, Berlin, 1972, S. 9-14.
9 Vgl.: Buss, Wolfgang, Becker, Christian, Der Sport in der SBZ und frühen DDR, Karl Hofmann Schorndorf, Bonn, 2001, S.313.
10 Vgl.: Spranger, Hans-Joachim, Brock, Lothar, Die beiden deutschen Staaten in der Dritten Welt, Westdeutscher Verlag, Darmstadt, 1987, S. 188.
11 Vgl.: Lindemann, Hans, Die Politik der DDR gegenüber der Dritten Welt am Beispiel von Kuba, Nicaragua und Angola sowie die Konsequenzen für das Verhältnis der Bundesrepublik zu diesen Länder, in: Das geteilte Deutschland im geteilten Europa, Nomos Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 1879-1880. 7
2. Unterstützung der DDR für den kubanischen Sport
Im Jahre 1961 wurde ein Abkommen zwischen der Regierung der DDR und der Regierung der Republik Kuba über kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen. 12 In Artikel 9 wurde die Unterstützung der DDR für den Staat Kuba im Bereich des Sports zugesagt, explizit ging es zunächst um die Ausbildung von Trainern und Sportlehrern.
In dem Arbeitsplan wurden im Wesentlichen drei Ziele verfolgt.
-Die unmittelbare Vorbereitung auf die mittelamerikanischen Spiele im Juli 1962 in Jamaika.
-Es besteht die dringende Notwendigkeit der kubanischen Sportführung soweit als möglich zu helfen, die von den USA-Imperialisten über Kuba verhängte Blockade auf allen Gebieten, auf dem Gebiete des Sports zu durchbrechen, um damit den Beweis zu erbringen, dass die jungen unabhängigen Völker sich stets auf die Hilfe der sozialistischen Länder verlassen können.
-Um eine langfristige Planung und Entwicklung von Körperkultur und Sport in Republik Kuba zu gewährleisten, werden das Staatliche Komitee für Körperkultur und Sport und der Deutsche Turn- und Sportbund bei der Qualifizierung von Sportkadern der Republik Kuba Hilfe geben. 13
Aufgrund dieses Arbeitsplanes wurde eine Vereinbarung zwischen dem Deutschen Turn und Sport Bund der Deutschen Demokratischen Republik (DTSB: Massenorganisation mit über 3,6 Millionen Mitgliedern 1986) 14 und dem Nationalen Institut für Sport, Körpererziehung und Freizeitgestaltung (INDER) der Republik Kuba über den Austausch von Sportdelegationen und Trainern im Jahre 1962 vereinbart. 15
12 Vgl.: BArch, DR5/593
13 Vgl.: BArch, DR5/593
14 Vgl.: Dietz Verlag, Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin, 1989, S. 191.
15 Vgl.: BArch, DR5/594 8
Arbeit zitieren:
Björn Barchmann, 2009, Die Beziehungen zwischen der DDR und Kuba im Bereich des Sports, München, GRIN Verlag GmbH
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