Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Die Geschichte der Fabel 3
2.1 Zum Begriff 3
2.2 Entstehungsgeschichte und Edition 4
3 Die Fabel als literarische Gattung 6
3.1 Zum Wesen der Fabel 6
3.2 Die Struktur 8
3.3 Funktion und Intention 9
3.4 Die Tiere als Akteure der Fabeln 10
4 Die äsopische Fabel 13
5 Martin Luther als Fabeldichter und Übersetzer 14
5.1 Standpunkte Martin Luthers 14
5.2 Martin Luther über Äsop 16
6 Bedeutende Autoren der Fabeldichtung 16
6.1 Gotthold Ephraim Lessing 16
6.2 Erasmus Alberus 18
7 Abgrenzung der Fabel gegenüber anderen literarischen Gattungen 20
7.1 Vergleich mit der Parabel 20
7.2 Vergleich mit dem Märchen 21
7.3 Vergleich mit der Kurzgeschichte 22
8 Didaktik 23
8.1 Geschichte 23
8.2 Erlebnispädagogische und literaturästhetische Fabeldidaktik 24
8.3 Literatursoziologische Didaktik 26
8.4 Lernziele 27
9 Zusammenfassung 28
10 Literaturverzeichnis 30
3
1 Einleitung
In der folgenden Arbeit widme ich mich der literarischen Gattung der Fabeln. Bei der Erarbeitung des Themas schien es mir als sehr bedeutungsvoll, die Entstehungsge- schichte und somit auch das Wesen der äsopischen und lutherischen Fabeln näher zu betrachten. Die Arbeit besteht zum größeren Teil aus literaturwissenschaftlichen Ge- danken. Im letzten Teil versuche ich, mich mit didaktischen Problemen der Fabeldich- tung auseinanderzusetzen. Das besondere Kennzeichen der Gattung ist die Verwen- dung von Wesen der belebten und unbelebten Natur, die mit Eigenschaften und Fä- higkeiten der Menschen versehen werden. Besonders in diesem Punkt hebt sich die Fabel von den anderen literarischen Gattungen ab. Um diesen Fakt zu bekräftigen, versuche ich die Fabel sowohl vom Märchen, als auch von der Parabel und der Kurz- geschichte abzugrenzen, in dem ich auch hier jeweils eine kurze Charakterisierung vornehme. Als geschichtlichen Schwerpunkt wählte ich das Schaffen Martin Luthers, der durch sein Wirken wesentlich zur Verbreitung der Fabeldichtung beitrug und durch dessen Beitrag die Fabel auch heute diese bedeutungsvolle Rolle in der Literatur und im Literaturunterricht einnimmt.
Inhalt meiner Arbeit sind in erster Linie Betrachtungen aus geschichtlicher Perspektive, denn ich halte diese für besonders wesentlich, stellt doch die Geschichte die Weichen für die heutige Bedeutung. Andererseits wählte ich die Historie, da sie für die Gegen- wart Basis für sämtliche Forschungsansätze darstellt.
2 Die Geschichte der Fabel
2.1 Zum Begriff
Den Ursprung des Wortes „Fabel“ finden wir in der lateinischen Sprache als „fabula“, das sowohl mit „fari“ als „sprechen“ als auch mit „fateri“ als „bekennen“ in Verbindung zu bringen ist. 1 In der mittelhochdeutschen Sprachepoche wählte man für diese Art der Literatur die Bezeichnungen bîspel oder bîschaft 2 , die beide ausdrücken, dass eine
1 Lange, Günter. Textarten - didaktisch. Schneider Verlag Hohengehren GmbH. Baltmannsweiler.
2.Auflage. 1998. Seiet 33
2 Dithmar, Reinhard. Die Fabel. Verlag Ferdinand Schöningh. Paderborn. 7., völlig neu bearbeitete
4
belehrende Erzählung vorliegt. Es wurde auf den Zusammenhang zwischen diesen Begrifflichkeiten und der Gattung Fabel hingewiesen. Thomasin von Zerklaere über- setzte fabula mit bîspel 3 , sogar die gesamten äsopischen Fabeln wurden als bîspel bezeichnet.
Hier kristallisierte sich das Wort „Fabel“ an sich heraus und wurde zum festen Be- standteil des Gemeinwortschatzes. Erst viel später, zu Beginn des 18.Jahrhunderts, wurde der Begriff als Bezeichnung einer literarischen Gattung verwendet. Es stand für eine Redeweise, bei der der Inhalt zunächst übertragen werden musste - von der be- lebten und unbelebten Natur in die menschliche Welt. Hier findet man eine Art der bild- lichen Rede, der Allegorie, der Übertragung des Sinns und der Lehre auf die Men- schen. Hier wurde erkannt und hervorgehoben, dass eine neue Form der Erzählung, nämlich in der Tiere und Pflanzen im Mittelpunkt stehen, zum Repertoire der Literatur gehörte.
2.2 Entstehungsgeschichte und Edition
Über das Ursprungsland der Fabeln ist bislang wenig Verbindliches bekannt. Fabelar- tige Texte sind zeitgleich und unabhängig voneinander in den verschiedenen Völkern anzutreffen. Zwei der ältesten Fabelmotive stammen möglicherweise aus Ägypten um die Zeit 1100 vor Christi 4 - dem „Streit zwischen Kopf und Leib,..., als Magen und Glie- der durch die Römische Geschichte,..., der Rangstreit der Pflanzen,...“. 5 Die eigentli- che Heimat der Fabeln ist nicht erforschbar, eher findet man zum Beispiel im Orient, in Indien, in Ägypten, in Griechenland den Ursprung einzelner Motive, wie erwähnt auch das Gleichnis vom Magen und den Gliedern, das nachweisbar ägyptisch ist. Es ist unsicher, welches die tatsächlich erste deutsche Fabelsammlung war. Bekannt ist eine mittelniederdeutsche Sammlung des Gerhard von Minden, die auf das Jahr 1370 datiert ist. Hier gibt es aber einige Unstimmigkeiten, denn diese Sammlung geht auf eine später folgende Magdeburger Sammlung zurück, bei der vermutet wird, man habe sich verlesen, denn ein Gerhard von Minden ist lediglich zwischen 1260 und 1278 als Dekan bekannt, nicht aber 100 Jahre später. In der Überlieferungsgeschichte fänden wir hier aber nicht das erste Beispiel, bei der Jahreszahlen falsch gelesen und
Auflage. 1988. Seite 163
3 Siehe oben. Seite 163 4 Dithmar, Reinhard (Hrsg.). Fabeln, Parabeln und Gleichnisse. Ferdinand Schöningh. Paderborn, München, Wien, Zürich. 1995. Seite 11 5 Siehe oben. Seite 11. (Brunner - Traut. 1968. 43)
5
übertragen wurden. Das kann an der Unleserlichkeit der Handschrift oder überhaupt an der mangelnden Qualität des Originals gelegen haben.
Später wurde eine Fabelsammlung in hochdeutscher Sprache bekannt, die der Berner Dominikaner Ulrich Boner 6 in den Jahren von 1324 bis 1350 schrieb und unter dem Titel „Der Edelstein“ veröffentlichte. Als Grundlage seiner Arbeit wählte er Fabeln aus dem Anonymus Neveleti. Dieses Werk wurde vielfach abgeschrieben und im Jahr 1461 als eines der ersten Bücher gedruckt.
Als bedeutungsvoll muss sicher erwähnt werden, dass in diese Zeit der Versuch Martin Luthers, die deutsche Sprache zu einer Gemeinsprache zu entwickeln, fiel. Zu dieser Zeit wurden erste Werke auch in der schriftlichen Form in deutscher Sprache notiert und gedruckt. Der Unterricht in den Schulen wurde nunmehr in deutscher Sprache gehalten, ebenso wie die Predigten, Lieder, Geschichten. Es führte dazu, dass mehr Menschen die Möglichkeit hatten, sich mit Literatur zu befassen und sich zu bilden.
Die Geschichte der Fabel ist gekennzeichnet durch Aktualisierungs - und Latenzpha- sen 7 . Die Latenzphasen sind durch einen relativen Stillstand in der Aktualität der Fa- beln gekennzeichnet. In diesen Zeiten verändern sich Fabeln nicht, entwickeln sich auch nicht weiter, finden im Schulunterricht wenig Beachtung. Solch eine „Ruhephase“ gab es unter anderem im Barock, im 19. und im beginnenden 20.Jahrhundert. 8 Fabeln erlebten, wie zahlreiche andere literarische Gattungen, ihre Blütezeiten wäh- rend gesellschaftlicher Umstrukturierungen.
Zum Beispiel gewann die Fabel während der Reformation, der Bauernkriege, der Ent- wicklung des Bürgertums im 15. und 16.Jahrhunderts als literarische Form der Aufklä- rung an Bedeutung. So finden wir in der reformatorischen Zeit namhafte Fabelautoren oder Fabelübersetzer wie Martin Luther, Hans Sachs, Burkard Waldis und Erasmus Alberus. 9 Die Blütezeit der Fabel begann mit den Werken Lessings zur Zeit der Aufklä- rung. Lessing verfasste nicht nur zahlreiche Fabeln, sondern widmete sich ihnen auch aus literaturwissenschaftlicher Sicht.
Tendenzen der Latenz und Aktualisierung zeichnen sich auch im 20.Jahrhundert ab. Allerdings finden wir in der Gegenwart eine thematische Neuorientierung, die man durchaus unter drei Schwerpunkten betrachten kann:
1 Negierung/ Umkehr
2 Entlarvung typischer Schwächen der modernen Gesellschaft und des
6 Vgl. Geschichte der deutschen Literatur. Seite 720
7 Lange, Günter. Textarten. Schneider Verlag. Hohengehren. 2.Auflage. 1998. Seite 35 [Doderer]
8 Siehe oben. Seite 35
9 Siehe oben. Seite 35
6
Menschen
explizite zeitkritische Dichtung. 10
3
Bedeutende Autoren der Gegenwart sind Schnurre, Arntzen und Thurber. Sie halten sich zwar an das historische Modell der Fabel, verwenden aber neue Themen und Formen, um der entsprechenden Zeit und Entwicklung gerecht zu werden. An späterer Stelle werde ich genauer auf die Entwicklungsgeschichte der Fabeln eingehen, die mit der äsopischen Fabel beginnt und mit der „modernen“ endet.
3 Die Fabel als literarische Gattung
3.1 Zum Wesen der Fabel
Es ist bis heute schwierig, eine genaue Definition der Gattung Fabel vorzunehmen, da jede begriffliche Eingrenzung autoren -, epochen - und typenabhängig ist. Die Fabel besteht gewöhnlich aus zwei Bestandteilen, „dem comparatum und dem comparandum, dem bildhaften Vergleichs - und Grundbereich“ 11 der gemeinten Sache. Eine Fabel hat einen belehrenden Charakter, deren Pointe meist eine Entlarvung der- jenigen Person ist, die falsch gehandelt oder gedacht hat. Sowohl die Tiere (Hund, Schaf, Wolf, Fuchs, Katze) 12 als auch die Pflanzen, so sie die handelnden „Personen“ sind, nehmen menschliche Züge an, sie können prinzipiell sämtliche Tätigkeiten aus- führen, wie es auch Menschen können. Bestimmte Tierfiguren mit ihren Charakteren werden immer bestimmten Typen von Menschen zugeordnet. Das kann zum einen den Grund gehabt haben, dementsprechende Menschen nicht zu beleidigen und so durch die allegorischen Mittel eine bestimmte Kritik und Ironie zum Ausdruck zu bringen. Zum anderen könnte man eine Ursache auch in der Tarnung finden, denn eine Fabel kann eine politische Gruppierung, Situation, gesellschaftliche Misstände kritisieren und angreifen. So dient das stilistische Mittel der Allegorie einer von vornherein gefährde- ten Veröffentlichung durch Zensur.
Das Ziel einer jeden Fabel ist die Erkenntnisgewinnung, eine Einsicht, die man haben kann, also appelliert eine Fabel auch an die Leser und Hörer.
Laut Dithmar haben Fabeln einen „problematischen“ Charakter, in dem immer ein be- stimmtes Thema oder Verhalten kritisiert und problematisiert werden. Allerdings wer-
10 Siehe oben. Seite 36
11 Vgl. Dithmar, R. Die Fabel. Seite 168
7
den die Probleme nicht einfach nur genannt, sondern sie werden als Vorwurf, als Poin- te formuliert, die jeder Rezipient auf eine für sich eigene Art und Weise auslegen muss. Der eigentliche Kern beziehungsweise die Aussage sind verschlüsselt darzustel- len, und es erweist sich als abhängig vom Horizont des Lesers und Hörers, welche Aussagen für ihn von Bedeutung sind.
Weitere Differenzierungen müssen vorgenommen werden. Die am häufigsten auftre- tenden Charaktererscheinungen, die dem Menschen in der fabulosen Verkleidung zu- geschrieben werden sind „Bosheit und Anstand, Zufriedenheit und Unzufriedenheit, Anmaßung und Bescheidenheit, Gier und Beherrschung, Falschheit und Ehrlichkeit, Schläue und Dummheit, Prahlerei und Zurückhaltung, Stärke und Schwäche“. 13 Es handelt sich ausschließlich um Eigenschaften, die sich auf Tiere, die vorwiegend als Fabelwesen verwendet werden, übertragen lassen.
Der Ausgangspunkt einer Fabel ist stets ein Konflikt oder eine Zwangslage, in der sich die Handelnden befinden. Das heißt, derjenige, der in der Zwangslage ist, hat dies durch vorhergehendes falsches Verhalten selbst herbeigeführt. Die eigentliche Hand- lung beinhaltet den Vorgang, in dem sich die Konfliktfiguren aus der gegebenen Zwangslage befreien. Zudem scheint die Situation ausweglos, so dass die genannten Eigenschaften von Nöten sind, um eine Lösung zu erreichen.
Die Hauptmotive einer Fabel sind Macht und Protest. Auf diese beiden oppositionellen Motive basiert die gesamte Handlungsbreite einer Fabel. Durch den Protest werden Misstände, Unzufriedenheiten, Ungerechtigkeiten bewältigt.
Die neueren Forschungsergebnisse über die Fabeldichtung gehen in zwei Richtungen. Man unterscheidet den phänomenologisch - strukturalistischen von dem literatursozio- logischen Ansatz. 14 Die erstgenannte Form beschreibt die Vielfalt der Erscheinungs- formen, Wirkungs- und Funktionsfelder. Nach dem Wissenschaftler Dauderer gibt es drei Gruppen, die sich unterscheiden lassen:
1 „die religiöse Belehrung
Die literatursoziologische Forschung unterstreicht eindeutig die sozialkritische Funkti- on, wobei davon ausgegangen wird, die Fabel fände ihren Ursprung in der Rhetorik. Aus der gleichnishaften Rede, einer Fabel kann also durchaus eine politische Rede hervorgehen.
Die Erzählform der Fabel ist mit dem Ziel der Erkenntnisgewinnung verbunden, die
12 Wehrli, Max. Geschichte der deutschen Literatur. Band I. Philipp Reclam. Stuttgart. 1980. Seite 719
13 Lange, Günter. Textarten. Schneider Verlag. Hohengehren.2.Auflage. 1998. Seite 35 [Doderer]
8
immer eine Herausforderung an Hörer und Leser ist, da der Inhalt auf das reale Leben zu übertragen ist.
3.2 Die Struktur
Laut Gotthold Ephraim Lessing sind Prägnanz und Kürze die eigentlichen Stilmittel, die die Wirkung unterstreichen und gegebenenfalls verstärken. Denn es ist die Kürze, die lehrt, nicht die sprachliche Ausdehnung, die schmückt. Lessing sprach sogar von „lee- ren Verlängerungen“, zu denen er lokale Erläuterungen und Zeitangaben zählte. Die Pointe, die eigentliche Lehre und Moral, wird am Schluss einer Fabeldichtung er- zählt. Diese Variante dient vor allem dazu, die Spannung aufzubauen und zu steigern. Fabeln sind Prosastücke, lehrhafte, meist sehr kurze, Erzählungen, Lehrstücke und Gleichnisse, in denen Tiere und Pflanzen die Handlungsträger sind. Die Ursache, dass nicht der Mensch auftritt, liegt in der Entstehungsgeschichte der Fabel. In der Fabeldichtung treten epische und dramatische Elemente kombiniert auf, in dem die dramatische Handlung in knappster Form in das Geschehen eingefügt wird. Nor- malerweise bilden Ort, Zeit und Handlung eine Einheit, die innerhalb kürzester Zeit abgehandelt wird.
Im Unterschied zu anderen Gattungen bietet die Fabel keine abgeschlossene Hand- lung, sondern nur einen Part. Der Zuhörer und der Leser erfährt keinerlei Informatio- nen über Hintergründe, Ereignisse, die vorausgegangen sind. Das muss auch nicht aufgeführt werden, da es prinzipiell unwesentlich ist, wann, wo und wie etwas gesche- hen ist. Wesentlich ist einzig und allein die kurze Episode, in der die Handelnden vor- gestellt und charakterisiert werden. Zudem lässt sich die Episode verallgemeinern und soll nicht nur in einem bestimmten Zeitintervall Aktualität besitzen.
Vorwiegend finden in einer Fabel Dialoge statt, nur ganz selten können wir einen Mo- nolog finden, bei dem statt eines Gesprächspartners ein Ereignis fungiert. Voraussetzung für die Gattung ist die Parallelität der Erzählung und der gleichnishaf- ten Rede, denn erst durch die Erzählung einer Handlung ergibt sich eine fabelartige Dichtung.
Das Schema des Aufbaus einer Fabel ist von der Antike bis zur Moderne konstant geblieben und kann in vier Abschnitte unterteilt werden:
1 situatio
14 Lange, Günter. Textarten. Schneider Verlag. Hohengehren. 2.Auflage. 1998. Seite 37
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Juliane Wagner, 2000, Die Fabel im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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Horst-Dieter Mathews
Shanty
Fabel???.
Hi Juliane,
wo steht hier eine Fabel??? In Google sagen sie das hier eine zu lesen ist! Ich sehe keine. Wenn hier doch eine stehen würde mach mich darauf aufmerksam.
Shanty
am Sunday, December 16, 2007-