Inhaltsangabe
1. Einleitung 2
2. Das Opfer: Kaiser Wilhelm I. 4
3. Die ersten drei Attentate
3.1. Das erste Attentat am 14. Juli 1861
3.1.1. Der Täter 12
3.1.2. Die Tat 12
3.1.3. Das Motiv 15
3.2. Das zweite Attentat am 11. Mai 1878
3.2.1. Der Täter 15
3.2.2. Die Tat 16
3.2.3. Das Motiv 17
3.3. Das dritte Attentat am 2. Juni 1878
3.3.1. Der Täter 18
3.3.2. Die Tat 18
3.3.3. Das Motiv 20
3.4. Politische Auswirkungen der Attentate 1878 20
4. Fazit 22
5. Literaturliste 24
3
1. Einleitung
Fast täglich liest man in der Zeitung oder sieht in den Nachrichten Meldungen über verübte Anschläge in der Welt. Viele dieser Anschläge berühren die Zuschauer und Leser dabei nicht besonders, sondern sie nehmen sie als irreales Ereignis teilnahmslos hin, ohne persönlich betroffen zu sein. Größere Anteilnahme wird von der Masse bekundet, wenn es Anschläge auf berühmte Personen sind, zu denen sie einen Bezug haben.
In solchen Fällen spricht man von Attentaten. Ein Attentat ist ein Anschlag auf eine Persönlichkeit von hohem politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Rang, welche der Attentäter versucht zu töten oder zu verletzten. 1 Auch Anschläge auf bekannte Gebäude werden als Attentat gesehen.
Eine solche Tat muss von einer politischen Hinrichtung unterschieden werden. Eine politische Hinrichtung ist von staatlichen Organen veranlasst und somit im Gegensatz zu einem Attentat nicht illegal wo hingegen ein Attentat verübt von einem Täter oder einer Tätergruppe meist illegal ist. In seltenen Fällen lassen sich politische Attentate gesetzlich legitimieren. Sogar heute noch ist im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Artikel 20, dem sogenannten Widerstandsgesetz, festgehalten, wann Widerstand gegen die Obrigkeit gesetzlich erlaubt ist.
Artikel 20
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer
Bundesstaat.
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus. Sie wird vom Volk in Wahlen und
Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der
vollziehenden Gewalt und der Rechtssprechungen ausgeübt.
(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende
Gewalt und die Rechtsprechung sind an das Gesetz und Recht gebunden.
(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle
Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich
ist. 2
Somit scheint der sogenannte Tyrannenmord in wenigen Fällen vom Gesetz her in Deutschland legitimiert. Schwierig gestaltet sich dabei die Interpretation des Gesetzes, da ein Ausschöpfen der Möglichkeiten und die Wahl der Mittel für den politischen Widerstand definitorisch unscharf sind. Eine Chance, sich für eine
1 Kellerhoff, Sven Felix: Attentäter - mit einer Kugel die Welt verändern. Köln 2003, S. 12.
2 Grundgesetz, 36. Auflage 2001.
4
Rechtfertigung eines Attentats auf dieses Gesetz zu beziehen, scheint als sehr unwahrscheinlich.
Große Unterschiede sind auch in den Motiven der Attentäter zu sehen. Dabei lassen sich, wie oben bereits erwähnt, politische Attentate klar von persönlichen Attentaten unterscheiden. Bei nicht politisch motivierten Attentaten sind die Täter oft psychisch kranke und desorientierte Menschen, die mit ihrer Tat entweder sich oder Missstände in den Vordergrund stellen wollen. Dabei steht die Verhältnismäßigkeit von Mittel und Ziel in keinem Verhältnis. Besonders die Taten auf berühmte Personen, begangen von geistig Verwirrten, lassen den Sinn hinter einer solchen Tat nur schwer erkennen.
In jedem Fall bleibt der Mord oder Mordversuch für jeden Menschen eine moralische Angelegenheit. Somit lässt sich auch nur schwer eine einstimmige Meinung über einzelne Attentate finden, da die Diskussionen immer auf der moralischen Ebene geführt werden.
Aus historischer Sicht vermitteln Attentate einen Einblick in Meinungen und Absichten einzelner oder mehrerer Täter und bieten die Grundlage für spätere Entwicklungen oder Ereignisse. So zum Beispiel das Attentat auf den Kronprinzen Franz Ferdinand in Sarajevo, welches gerne als Auslöser des Ersten Weltkrieges genannt wird.
Bei den in dieser Hausarbeit beschriebenen Attentaten, handelt es sich sowohl um politisch wie auch um persönlich motivierte Taten mit zum Teil weitreichenden Folgen. Zu hinterfragen ist hierbei, in welchem Zusammenhang die Taten mit den Folgen stehen und welche Rolle das Opfer hierbei spielt.
Spielte Wilhelm I. tatsächlich die entscheidende Rolle bei den Attentaten oder war er für die Täter nur eins von vielen möglichen Opfern?
5
2. Das Opfer: Kaiser Wilhelm I.
“Ein deutliches Geschöpf des preußischen Staates” 3 . So beschreibt Angela Schwarz den späteren König von Preußen und ersten Kaiser eines deutschen Nationalstaates im Buch „Das Kaiserreich“ von Michael Fröhlich. Das bedeutet, dass Wilhelm wie kein anderes Kind der Familie die preußisch gefassten Eigenschaften in sich vereinte.
Wilhelm wurde am 22. März 1797 im Kronprinzenpalais zu Berlin geboren. Er war der zweitgeborene Sohn Friedrich Wilhelm III. und seiner Frau, Luise von Mecklenburg-Strelitz. Als Zweitgeborener hatte er keinen direkten Anspruch auf den Königsthron von Preußen. Seine Kindheit verbrachte der junge Wilhelm mit seinen fünf Geschwistern in der Nähe seiner Eltern in Berlin. Das Verhältnis zu seinem Vater war eher spröde und geprägt durch den schuldigen Respekt, den der Sohn zu erbringen hatte, wo hingegen die Beziehung zu seiner Mutter außerordentlich herzlich und gefühlsbetont war. 4 Dennoch war die Kindheit Wilhelms nicht sorgenfrei. Das wohl einschneidende Erlebnis in dieser Zeit war der Bankrott Preußens 1806/07, was dazu führte, dass die Königsfamilie in den hintersten Winkel des Landes floh. Liberale Reformer leiteten nun die bürgerliche Umgestaltung ein und dennoch wurde Wilhelm nach alten Werten am Hof erzogen. 5 Seine Mutter beschrieb Wilhelm: „Unser Sohn Wilhelm wird, wenn mich alles trügt, wie sein Vater, einfach, bieder und verständig. Auch in seinem Äußeren hat er die meiste Ähnlichkeit mit ihm, nur wird er, glaube ich, nicht so schön.“ 6 Als Zweitgeborener war die Militärlaufbahn der vorgesehene Werdegang des Jungen. Da er weder besonders intelligent noch musisch begabt war, kam diese Karriere dem Wesen Wilhelms entgegen. Bereits im Alter von 9 Jahren trat er am 1. Januar 1807 der preußischen Armee bei und erhielt der Tradition entsprechend das Leutnantpatent, was in ihm einen inneren Genuss an den militärischen Übungen hervorrief. 7 Aber nicht nur das. Im Alter von 16 Jahren nahm er erstmalig an einem Gefecht bei Bar-sur-Aube teil und schrieb in seinem Tagebuch über diesen
3 Schwarz, Angela: Wilhelm I.. In: Das Kaiserreich: Fröhlich, Michael (Hrsg.), Darmstadt 2001, S. 15.
4 Ebenda, S. 16.
5 Börner, Karl Heinz: Wilhelm I., vom Kartätschenprinz zum deutschen Kaiser. In: Gestalten der Bismarckzeit:
Seeber, Gustav (Hrsg.), Berlin 1987, S. 58.
6 Marcks, Erich: Kaiser Wilhelm I., Leipzig 1910, S. 9.
7 Börner, S. 59.
6
„unbeschreiblich seeligen Moment“ 8 . Eine rasche militärische Karriere des jungen Wilhelm war somit vorgezeichnet. Seine Militärzeit wurde durch die Befreiungskriege gegen Napoleon geprägt und es bildete sich ein nachhaltiger Eindruck für den jungen Prinzen, dass sich politische Entscheidungen mit dem Schwert herbeiführen lassen.
Ebenso festigte sich in dieser Zeit eine eher untypische Religiosität und ein Gehorsam gegenüber den göttlichen Geboten, welche sich in seinen Lebensgrundsätzen manifestierten, die er 1815 schriftlich festhielt. 9 Bekräftigt wurde diese Verbindung zwischen Staat und Religion durch das Heilige Bündnis zwischen Russland, Preußen und Österreich, mit der sich eine absolutistische Regierung und monarchische Prinzipien mit Hilfe des Christentums legitimieren ließen.
In den Folgejahren der Restauration und nach der Anbindung der Landwehr an die regulären Truppen brachten die Friedensjahre für Wilhelm ein weitere Fortsetzung der Militärkarriere und er wurde 1825 zum Kommandierenden General des III. Armeekorps. Dies war die höchste militärische Dienststellung. Zuvor wurde er 1819 bereits zum Inspekteur des VII. und VIII. Armeekorps ernannt und hatte somit eine Sprecherrolle des Militärs inne, womit er deren und seine Interessen im Hause Hohenzollern vertrat. Sein höchstes Bestreben galt einer guten Ausrüstung, Schulung und personell starken Armee, denn für ihn, wie auch für seinen Urgroßvater Friedrich der Große, stellte die Armee das Rückgrat des Staates dar. Diese Einstellung kam deutlich bei der Frage nach der Reduzierung des Ausbildungszeit für Soldaten zum vorscheinen. Nach 1830 konnte die dreijährige Rekrutenzeit in der preußischen Armee nicht mehr aufrecht erhalten werden. Für Wilhelm war es mehr als eine finanzielle oder technische Frage. „Die Armee begründe die Größe und Stärke Preußens, die Schlagkraft der Armee gründe sich auf den Soldatengeist und dieser könne nur durch lange Gewohnheit erzeugt und verinnerlicht werden.“ 10
Seine Einstellung zum Staat und Militär und der damit verbundener Gehorsam kam ebenso im Privaten zur Geltung. Wilhelm hatte sich Anfang der zwanziger Jahre in Elisa von Radziwill, eine Tochter einer preußischen Prinzessin und eines polnischen Fürsten Anton Radziwill verliebt und eine Liaison begonnen. Als die Öffentlichkeit
8 Schwarz, S. 16.
9 Lebensgrundsätze. In: Briefe Kaiser Wilhelms des Ersten, a. a. O., S. 9-13.
10 Schwarz, S. 17.
7
davon erfuhr, entbrannte sogleich eine juristische Diskussion über Ehrenbürtigkeit der Geliebten, zumal durch die kinderlose Ehe des Kronprinzenpaares Wilhelm immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit als möglicher Thronfolger rückte. Eine weitere Diskussion über das Verhältnis der beiden, beendete sein Vater Friedrich Wilhelm III. mit einem Verbot der Beziehung, welchem sich Wilhelm auch erstaunlich kritiklos fügte. Weiterhin schlug der Vater ihm eine geeignete Kandidatin als Gemahlin vor, Augusta, die jüngere Tochter des Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen. Auch dieses Mal fügte sich Wilhelm dem Willen des Vaters und am 11. Juni 1829 ging er mir ihr die „Vernunftehe“ ein. 11 Seine Ehefrau wuchs in der Welt von Goethe auf und war im Gegensatz zu ihm musisch interessiert und begabt. Ihr Interesse galt der Literatur und so setzte sie sich auch mit liberal gefärbten Auffassungen auseinander. Immer wieder verstand sie es Wilhelm ein wenig von seiner extrem-reaktionären Position abzubringen. 12 Mit der Geburt seines Sohnes Friedrich Wilhelm im Oktober 1831 war die Thronfolge gesichert und die Verpflichtung war eingelöst. Auch ein zweites Kind entstand aus dieser Ehe. Am 3. Dezember 1838 kam Tochter Luise zur Welt. Zwischen den Eheleuten bildete sich bald eine emotionale Kluft und auch ihre politischen Ansichten unterschieden sich voneinander. Augusta unterstütze zwar nicht die revolutionären Vorstellungen der liberalen Opposition, sie war jedoch der Meinung, dass umfangreiche Reformen nötig sei, um einer Revolution entgegen zu wirken, wo hingegen Wilhelm grundsätzlich gegen jegliches Nachgeben gegenüber dem Liberalismus war. Aus seiner radikalen Meinung machte Wilhelm kein Geheimnis. So erläuterte er angesichts der französischen Revolution 1830, dass die „Irrlehren“ der Demokraten „zum Heile der Menschheit“ 13 mit Krieg bekämpft werden müsse. Dies galt nicht nur den Revolutionären in Frankreich, sondern ebenso den Liberalen in Preußen. „... gegen Demokraten hülfen letztlich nur Soldaten.“ 14 Am 7. Juni 1840 starb Friedrich Wilhelm III. und sein Sohn, Wilhelms älterer Bruder, wurde als Friedrich Wilhelm IV. neuer König von Preußen. Am 7. Juni 1840 verlieh er Wilhelm den Titel Prinz von Preußen und er wurde offiziell als Thronnachfolger anerkannt. Obgleich seine Chance auf den Thron gering erschien, setzte Wilhelm alles daran, den Weg für seinen Sohn als Thronnachfolger zu
11 Ebenda, S. 17.
12 Börner, S. 59.
13 Brief an Oldwig von Natzmer vom 1. April 1833, In: Großen Briefe, Reden und Schriften, a. a. O., S. 112.
14 Schwarz, S. 18.
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Stephan Lembke, 2007, Die ersten drei Attentate auf Kaiser Wilhelm I, München, GRIN Verlag GmbH
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