Inhaltsangabe
1. Einleitung 2
2. Hartmann von Aue und der Artusroman Erec 3
2.1. Entstehung und Inhalt der Artusromane 3
2.2. Hartmann von Aue: biographische Daten und
Entstehungssituation des Erec 4
2.3. Hartmann von Aue: Erec 5
3. Begrifflichkeiten 6
3.1. Ekphrasis 6
3.2. Ikonographisches Motiv 6
3.3. Zelter 7
3.4. Apotheose 7
4. Kunstbeschreibungen als Spiegelbild im Mittelalter 8
5. Eintes neues Pferd und das ikonographische Motiv des Weltbildes 9
5.1. Die Übergabe des neuen Pferdes an Enite 9
5.2. Die Übergabe des neuen Pferdes an Enite 10
5.3. Die Beschreibung der Decke und des Sattels 12
6. Fazit 16
7. Literatur 17
7.1. Primärliteratur 17
7.2. Sekundärliteratur 17
1
1. Einleitung
„Weibliche Schönheit spornte den Mann zu Heldentaten an.“ 1 So beschrieb Sahra Bussmann die Rolle der Frau und ihrer Funktion in der mittelalterlichen höfischen Literatur. Diese Maxime kann ohne Probleme bis in die heutige Zeit übertragen werden und hat nichts an ihrer Bedeutung verloren. Sicherlich haben sich die Schönheitsideale im Laufe der Zeit geändert, jedoch kann an Hand ausführlicher Schilderung festgestellt werden, dass sie eine tragende Rolle in jeder Zeit besaßen. Dies gilt auch für das europäische Mittelalter, von dem wir eine Vielzahl an Texten besitzen, die über gängige Vorstellungen bezüglich der weiblichen Schönheit zeugen.
Schönheit als solche wird in der höfischen Dichtung nicht negativ gewertet, im Gegenteil. Als Inbegriff der Schönheit erfüllte die höfische Dame eine wichtige gesellschaftliche Funktion, indem sie die Werte, die sie repräsentierte, an den Mann vermitteln sollte. Frauen galten als Ursprung des Vollkommenen und Guten, sie vermittelten tugendhafte Gesinnung und gaben Anlass zu großer Freude. Schönheit besaß auch die Kraft, im Mann das Gefühl der hohen Minne zu wecken, wobei es durchaus möglich war, dass sich dieser allein aufgrund des Schönheitspreises in eine Dame verlieben konnte. Dies verdeutlicht, welchen hohen Stellenwert die Schönheit der Frau in der Literatur einnahm und nimmt. Wie bedeutungsschwanger diese in der höfischen Literatur ist und wie hoch ihre Wichtigkeit eingeschätzt wird, wird dadurch verdeutlicht, dass selbst so bekannte Literaten wie Umberto Eco sich mit dieser Thematik auseinandersetzten und ihre Funktion untersuchten. In dieser Arbeit soll jedoch nicht die Schönheit der Frau als primär zu untersuchender Gegenstand erforscht werden, sondern es soll an Hand von ausgewählten Textstellen des Artusromans Erec von Hartmann von Aue die Darstellung und Überhöhung durch zusätzliche Attribute der Schönheit aufgezeigt und ihre Funktion erklärt werden. Dazu bietet sich das Kapitel der Beschreibung Enites Pferds und dessen Zaumzeug und Sattel an, um eine Überhöhung zu verdeutlichen. Im Zuge dessen soll ebenfalls die Funktion des Dargestellten untersucht und mögliche Zusammenhänge diskutiert werden. Daher ergeben sich aus den Erläuterungen der Textstellen folgende Fragen. Warum verwendet Hartmann solch ausführliche Darstellungen und welche Funktion könnten sie haben? Diese gilt es nach einer kurzen Einführung in den Roman und die Thematik zu beantworten.
1 Bussmann, Sahra: An wîbe lobe stêt wol daz man si heize schœne. In: Entwürfe. Zeitschrift für Literatur. Ausg. 33, März 2003.
2. Hartmann von Aue und der Artusroman Erec
2.1. Entstehung und Inhalt der Artusromane
Wie beschrieben, handelt es sich bei dem Begründer der Artusromane um Chretièn de Troyes. Sie basieren auf dem sagenhaften britischen König Artus, der eine große Schar von Rittern, die sogenannte Tafelrunde um sich hatte. Einige dieser Ritter, wie z. B. Erec und Iwein, fanden einen Platz als Held in den Artuswerken. 2 Mit Sicherheit lässt sich jedoch nicht beantworten, wer Artus wirklich war. Es wird vermutet, dass es sich um einen britischen Kleinkönig im 6. Jahrhundert handelte. Bekannt wurde er durch das Geschichtswerk Historia regum Britanniae, das um 1138 vom Oxforder Geoffrey of Monmonth verfasst wurde. Hier wird König Artus als ein britischer Heerführer beschrieben, der Schlachten gegen die Sachsen führte und christlicher Gesinnung war, da er in Kriegszeiten sein Volk mit Hilfe der Bretonen gegen die Heiden geschützt und in Friedenszeiten ein prachtvolles, von Freigiebigkeit gekennzeichnetes Hofleben ermöglichte. Es fanden sich allerdings auch mündliche Überlieferungen, die den Epikern für ihre Romane dienten. 3 Die Artusromane spielen in einer durch den Namen Artus nicht weiter festgelegten Phantasiezeit und in einem geographischen Abschnitt, in dem zwar reale Orts- und Ländernamen benannt werden, allerdings diese mit wahllos eingeführten vermischt werden. Es handelt sich hierbei um eine phantastische, märchenhafte Welt voller symbolischer Bedeutungen, unerwarteten Gefahren, die der Held zu bestehen hat und rätselhaften und unberechenbaren Geschöpfen. Nur so kann sich der Protagonist bewähren, welches auch das Ziel dieser Romangattung darstellt. Im Gegensatz zur Heldenepik bezieht sich der Artusroman nicht auf reale kriegerische Konflikte, wie z.B. die Kreuzzüge, die Helden sind keine Träger politischer Ämter und es besteht niemals ein Zusammenhang zu historisch belegbaren Ereignissen. Es handelt sich nicht um historisch- relevante Aspekte, sondern um die wahre höfische Liebe. 4
2 Vgl. dazu: Hofer, Stefan: Chrétien de Troyes. Leben und Werke des altfranzösischen Epikers. Graz 1954.
3 Vgl. dazu: Goodrich, Norma Lorre: Die Ritter von Camelot - König Artus, der Gral und die Entschlüsselung einer Legende. München 1994.
4 Vgl.: Hamrouni, Muna: Enite in Hartmann von Aues "Erec" im Vergleich zu der Frau im Mittelalter. Berlin 2006, S. 3f.
2.2. Hartmann von Aue: biographische Daten und Entstehungssituation des Erec
Über Hartmann von Aue ist sehr wenig bekannt. Er ist etwa im Jahre 1160 geboren und verstarb um 1220. Einige Erkenntnisse über seine Herkunft lassen sich durch eigene Aussagen Hartmanns im Prolog seines Romans Der arme Heinrich erkennen. 5 Er scheint aus Süddeutschland zu stammen und beschrieb sich als einen Gelehrten, Ritter und Ministerialen.
daz er an den buochen las swaz er dar an geschriben vant: der was Hartmann genant, dienstman war er zu Ouwe. er nam im manige schouwe an mislîchen buochen . . . In den Liederhandschriften findet man Hartmann als gewappneten Ritter porträtiert, so wie sich adlige Herren präsentierten. Inwieweit das der Wahrheit entspricht, lässt sich nicht feststellen. Er verfügte über gute Lateinkenntnisse und wahrscheinlich war er auch des Französischen mächtig. Weiterhin besaß er souveränes, rhetorisches Können und gilt als einer der bekanntesten mittelalterlichen Dichter. Er schrieb neben einigen Minneliedern (etwa um 1180), Versepen um die Artusritter Erec (um etwa 1185) und Iwein (nach 1191), sowie überlieferte höfische Legenden wie Gregorius (um etwa 1185) und Der arme Heinrich (nach 1191).
Hartmann von Aue bearbeitete zwei Romane des französischen Schöpfers der Artusromane Chretièn de Troyes. Zum einen Iwein , zum anderen den hier in Abschnitten behandelten Erec. Man vermutet allerdings, dass er noch weitere Quellen besaß, da sein Text an manchen Stellen erheblich vom Original abweicht. So hat die deutsche Fassung 10.350 Verse, sein Vorgänger im Gegensatz dazu lediglich 7.000. Der Erec wurde in einer zeitlich weit entfernten Handschrift überliefert, wobei Teile, wie die Eingangsverse, rekonstruiert werden mussten, da sie verloren gingen. 7
5 Vgl. dazu: von Aue, Hartmann: Der arme Heinrich. 2008; Bumke, Joachim: Der Erec Hartmanns von Aue. Berlin 2006, S. 1ff.
6 Wapnewski, Peter: Deutsche Literatur des Mittelalters: Ein Abriss von den Anfängen bis zum Ende der Blütezeit. Göttingen 1990, S.56.
7 Vgl. Bumke, S. 1ff.
Arbeit zitieren:
Stephan Lembke, 2010, Die ganze Welt auf einem Pferd, München, GRIN Verlag GmbH
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