Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 2
2. Die Bedeutung von Bildern für die Geschichtswissenschaft 3
3. Zur Geschichte des Bildes im Geschichtsunterricht 4
4. Definition und Gattungen bildlicher Unterrichtsmittel 5
4.1. Definition: Was ist ein Bild? 5
4.2. Bilderarten und Einteilungen 5
4.3. Gattungen der bildlichen Unterrichtsmittel nach Gies 7
4.3.1. Historische Abbildungen 7
4.3.2. Graphisch-didaktische Abbildungen 8
4.3.3. Geschichtskarten 10
5. Verwendung von Bildern im Geschichtsunterricht 11
5.1. Warum Bilder im Geschichtsunterricht? Was können sie vermitteln? 11
5.2. Kriterien für die Bildinterpretation nach Panowsky und Pandel 12
5.3. Handlungsorientierter Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht 14
6. Kritik an Bildquellen in Geschichtsbüchern 17
7. Fazit 19
8. Literaturverzeichnis 20
8. 20
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1. Einleitung
Im heutigen Zeitalter der Kommunikation und durch die vielfältigen Möglichkeiten der Verbreitung mit verschiedensten Medienformen hat das Bild eine enorme Bedeutung in unserer Gesellschaft. Bilder vermögen es durch ihre subjektive Aussagekraft die Gesellschaft zu beeinflussen und dienen dadurch nicht selten als meinungsbildender Gegenstand, der als solcher auch missbraucht werden kann. Gleichwohl ob Fernsehen, Tageszeitung oder sonstige Print- und Filmmedien, das Bild ist zu einem ständigen Begleiter unseres Alltags geworden und nicht selten findet eine visuelle Überreizung durch diese statt. Auch im Bereich der Geschichtswissenschaft hat das Medium Bild einen neuen Stellenwert erlangt und ist auf diesem Wege zu einer festen Größe im Geschichtsunterricht aller Schultypen und Altersklassen geworden. Zwar gilt das Bild im Geschichtsunterricht neben der Tafel und dem Lehrbuch als eines der ältesten Materialien, dennoch hat sich gerade in den letzten Jahren ihr Einsatz grundlegend gewandelt. Dies wird nicht zuletzt anhand einer steigenden Zahl von „Literatur zur Frage eines zeitgemäßen Einsatzes und Gebrauchs von Bildern im Geschichtsunterricht“ 1 deutlich. Allerdings finden Bilder hierbei überwiegend noch als Illustration Einzug in den Unterricht. In diesem Fall ist ihr didaktischer Nutzen hauptsächlich auf eine attraktive, anschauliche und konkrete Darbietung von Geschichte beschränkt. Sie sollen „affektiv ansprechen, die Aufmerksamkeit der Schüler stärken, zur [...] Verlebendigung abstrakter oder unbekannter Sachverhalte beitragen, Betroffenheit bei den Betrachtern auslösen und den Lernerfolg sichern.“ 2 Die vielfältigen didaktischen Möglichkeiten die über diese Illustration hinaus bestehen, werden aber weiterhin nur spärlich ausgeschöpft. Bilder werden also im Geschichtsunterricht längst nicht mit der Selbstverständlichkeit als historische Quellen betrachtet und behandelt, wie es bei Textquellen gegeben ist. Eine systematische Beschäftigung stellt nach wie vor die Ausnahme dar. Dies steht letztlich auch im Widerspruch zur üppigen Ausstattung der Schulbücher mit farbigen Bildern, die den Eindruck erwecken, das Bild sei zu einem zentralen Medium des Geschichtsunterrichts geworden. Nach einem kurzen Überblick über die Möglichkeiten und einer Betrachtung verschiedener Ansätze zur Bearbeitung von Bildern als Quelle im Geschichtsunterricht sollen in dieser Arbeit Möglichkeiten und didaktische Potentiale von Bildern für den Geschichtsunterricht aufgezeigt werden.
1 Bergmann, Klaus; Schneider, Gerhard: Das Bild. In: Pandel, Hans-Jürgen; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Medien im Geschichtsunterricht. Düsseldorf 1985, S. 9.
2 Ebenda, S. 410f.
2. Die Bedeutung von Bildern für die Geschichtswissenschaft
Quellen können Brücken zwischen der Geschichtswissenschaft und der Geschichtsdidaktik schlagen und dabei helfen, die Distanz zu überwinden. „Quellen sind das Handwerkszeug des Historikers [..] Sie bilden damit aber auch die Grundlage für diejenigen, die sich um die Vermittlung von Geschichte bemühen.“ 3 So beschreibt von Reeken die Wichtigkeit von Quellen für die Geschichtswissenschaft und der Geschichtsdidaktik. Diese Quellen, die für den Historiker unablässig sind, bieten ihm an Hand von Interpretations- und Analysemodellen einen Einblick in die Geschichte, der ohne die Quellen nicht möglich wäre. Eine besondere Bedeutung haben dabei die Bilder als Quellen.
Die Interpretation historischer Bilder ist traditionell eine Domäne der Kunsthistoriker. Ihre interpretatorischen Ansätze boten auch die Grundlage für die Historische Bildkunde, um methodische Verfahren zur Bildinterpretation zu entwickeln. Sie beschäftigt sich mit der Analyse von Bildern aus Sicht der Geschichtswissenschaft. In diesem Zusammenhang sind also kunsthistorische Kenntnisse für den Historiker unerlässlich, wenn es um die Interpretation einer Bildquelle geht. Der Unterschied zum Kunsthistoriker besteht jedoch in der primären Fragestellung an das zu betrachtende Bild. Während der Kunsthistoriker an erster Stelle die ästhetische Qualität eines Bildes stellt und diese so umfassend wie möglich in seiner Aussage und seinem Gehalt erschließen will, betrachtet der Historiker ein Bild in erster Linie als historische Quelle. Die Ästhetik spielt dabei eine untergeordnete Rolle. 4 Das Bild als Quelle spielt in der Geschichtswissenschaft immer noch eine untergeordnete Rolle. Daher verwundert es auch nicht, dass die Forderungen nach einer intensiveren Auseinandersetzung mit ihnen als historische Quelle nicht verstummen und immer wieder gefordert werden. Die Historische Bildkunde hat sich dieser Aufgabe angenommen und zum Ziel gemacht. Bis heute jedoch hat sie sich als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft nicht so recht etablieren können. Aber zahlreiche konzeptionelle und methodische Anregungen sind von ihr ausgegangen, die jedoch oft aus anderen Bereichen übernommen wurden. 5 Zusammenfassend kann also bemerkt werden, dass das Bild als historische Quelle für den Historiker unverzichtbar ist, ihm jedoch noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
3 von Reeken, Dietmar: Geschichts-Quellen in Wissenschaft, Kultur und Unterricht. In: Budde, Gunilla; Freist, Dagmar; von Reeken, Dietmar (Hrsg.): Geschichts-Quellen. Brückenschläge zwischen Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik. Berlin 2008, S. 11.
4 Vgl.: Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht. Typen, Interpretationsmethoden, Unterrichtsverfahren. Seelze-Velbert 2000, S. 11.
5 Vgl. dazu: Wohlfeil 1986, Tolkemitte 1991, Talkenberger 1994, Treml 1997.
3. Zur Geschichte des Bildes im Geschichtsunterricht
Das Bild ist neben dem Lehrbuch und der Tafel eines der ältesten Medien im Unterricht. Bereits 1654 wollte Johann Amos Comenius in seinem 315 Seiten umfassenden Werk Orbis pictus mittels der Bilder in Form von 150 Holzschnitten den Zugang zu bestimmten Themen erleichtern. Ihm ging es dabei nicht ausschließlich um die Illustration von Gegenständen oder Geschehnissen, sondern bereits auch um die Reizwirkung, Motivationskraft und Einprägsamkeit des Bildes. Das Ziel des Einsatzes von Bildern war es, die Aufmerksamkeit des Schülers zu erlangen und sich diese für den weiteren Verlauf des Unterrichts zu Nutze zu machen. Obwohl sich die Erkenntnisse Comenius nicht unmittelbar auf die damalige Lernsituation in den Schulen auswirkte, hatten und haben sie bis in die heutige Zeit einen starken Einfluss und finden sich auch heute noch in der modernen Didaktik wieder. 6 Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es in den Schulen kaum Bilder und die Lehrbücher waren zumeist nur mit schriftlichen Quellen versehen. In den Klassen existierten oft überwiegend nur zwei Landkarten. Eine Palästinakarte für den biblischen und eine Deutschlandkarte für den vaterländischen Geschichtsunterricht. 7
Später wurden dieser Auswahl schließlich Bildtafeln der Landesherren oder des Kaisers zugefügt, um dem zeitgeschichtlichen Unterricht gerecht zu werden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich diese Situation. Auslöser für den Anstieg der Verwendung von Bildern im Unterricht war die rasante Entwicklung der Fotografie-Technik, die zum einen bessere Veranschaulichungsbilder ermöglichte, aber auch in der Vervielfältigung enorm Kosten sparend war. Verstärkt wurde dies zusätzlich durch neuere didaktische Erkenntnisse und die reformpädagogische Bewegung, die noch in ihren Kinderschuhen steckte. Eine Abkehr von der trockenen Lernschule hin zur Berücksichtigung der Psyche und Phantasie der Kinder zeichnete sich ab und forderte geradezu eine Verwendung von Bildmaterial im Unterricht. Bilder wurden vor allem dazu genutzt, gegenwärtige Ereignisse oder Persönlichkeiten den Schülern auf eindrucksvolle Art und Weise zu vermitteln. Die Ausstattung der Lehrbücher mit Bildmaterial in einer nie dagewesenen Qualität hat seit dieser Zeit unaufhörlich zugenommen und mittlerweile ein immenses Ausmaß erreicht. 8
6 Gies, Horst: Geschichtsunterricht. Ein Handbuch zur Unterrichtsplanung. Köln 2004, S. 239.
7 Vgl. Bergmann, Schneider, S.410.
8 Vgl. Ebenda, S.411.
4. Definition und Gattungen bildlicher Unterrichtsmittel
4.1. Definition: Was ist ein Bild?
„Ein Bild ist eine zweidimensionale Fläche, die durch Linien, Farbabstufungen oder graduelle Helligkeitsabstufungen konturiert ist. Bedeutung haftet diesen Konturen nicht an sich an, sondern sie entsteht durch die Wahrnehmung des Betrachters. Die Bedeutung muss decodiert werden. Ein Bild spiegelt zusätzlich Phänomene der natürlichen Umwelt wider.“ 9 Der Begriff Bild ist im didaktisch-methodischen Bereich umstritten. Als sinnvoll erscheint hierbei die Unterteilung in Abbildungen und Bildquellen. Zu Abbildungen gehören Gemälde, Fotografien, Plakate, Comics, Diagramme, Grafiken, um die häufigsten zu nennen. Zu einer Bildquelle im geschichtsdidaktischen Sinne wird eine Abbildung, wenn sie im Zusammenhang zu einer Textquelle als Repräsentation vergangener Wirklichkeit interpretiert werden muss. 10
4.2. Bilderarten und Einteilungen
Um Bilder als Unterrichtsmittel verwenden zu können, müssen diese erst einmal in ihrer Gänze erfasst und betrachtet werden. Es gibt diverse Arten von Bildern, die Bergmann und Schneider wie folgt unterscheiden:
• Gemälde, Stiche, Radierungen und Zeichnungen. Diese gehören zum Bereich der Bildenden Kunst und sind Objekte zeitgenössischer Kunstproduktion. • Buch- und Zeitungsillustrationen. Besonderes Kriterium ist hierbei, dass sie bereits bei ihrer Entstehung Inhalte von Texten erläutern oder illustrieren sollten. • Abbildungen aus der politischen Publizistik, wie Zeitungsausschnitte, Flugblätter, Plakate, Karikaturen, Bildpostkarten.
• Relikte kommunaler oder regionaler Verwaltungstätigkeit, wie Pläne und Karten.
9 Mayer, Ulrich; Pandel, Hans-Jürgen; Schneider, Gerhard (Hrsg.): Wörterbuch Geschichtsdidaktik. Schwalbach 2009, S. 34.
10 Vgl. Ebenda, S. 34.
Arbeit zitieren:
Stephan Lembke, 2011, Bilder im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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