Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Begriffsannäherung „Puritanismus“ 4
1.1 Ursprung des Wortes und Wortbedeutung 4
1.2 Die Vielschichtigkeit des Begriffes 4
1.2.1 Problem einer einheitlichen Definition 4
1.2.2 Historische und theologische Bedeutung 5
1.3 Fazit und Definitionsversuch 7
2 Theologie und zentrale Glaubensinhalte 8
2.1 Zentrale Glaubensthemen 8
2.1.1 Reformatorisches und calvinistisches Gedankengut 8
2.1.2 Die Prädestinationslehre - Der Erwählungsgedanke 9
2.1.3 Zur Bedeutung von Erlösung und Bekehrung 10
2.2 Glaubenspraxis 11
2.2.1 Das Kirchen- und Gemeindeverständnis 11
2.2.2 Das Gottesdienstverständnis 12
2.2.3. Einblicke in die puritanische Lebensgestaltung 13
3 Historische Rahmenbedingungen 14
3.1 Entstehungskontext des Puritanismus 14
3.2 Phasen der puritanischen Bewegung 15
3.2.1 Der elisabethanische Puritanismus (1565-1640) 15
3.2.2 Die Puritanische Revolution (1640-1660) 16
3.2.3 Die Restauration (1660-1689) 18
Schluss 19
Literaturverzeichnis 20
Abbildungsverzeichnis 20
2
Einleitung
„Der Ausdruck ‚Puritaner‘ und ‚Puritanismus‘ schillert zwischen der kirchenpolitischen Grundbedeutung und der Gleichsetzung mit ethischer Prüderie und bis zur Natur-und Schönheitsfeindschaft getriebenen Nüchternheit aus Sittlichkeitsfanatismus im Namen des Christentums.“ 1
Diese und ähnliche Antworten liefert uns die einschlägige Fachliteratur auf die Frage hin, was denn unter dem Begriff des Puritanismus zu verstehen sei. Nach Collinson gehört der Puritanismus sogar zu „den am wenigsten klar bestimmten Begriffen aus dem Gesamtbereich christlicher Frömmigkeitsgeschichte.“ 2 Genauso mehrdeutig und verworren wie diese Begriffsdefinition gestaltet sich auch die Suche nach weiteren Anhaltspunkten, die die Puritanismusbewegung in England charakterisieren können. Diese Arbeit hat es sich darum zum Ziel gesetzt, den Puritanismus in England nicht nur begrifflich, sondern auch inhaltlich und geschichtlich aufzugliedern.
In Zuge dessen beschäftigt sich das erste Kapitel mit der Frage nach einer umfassenden Begriffsdefinition. Dabei sollen unterschiedliche Definitonsversuche aus der Fachliteratur herangezogen und ausführlich erörtert werden. Ohne die Problematik einer umfassenden Begriffsbestimmung außer Acht zu lassen, soll dann eine Definition resümiert werden, die zumindest im Rahmen dieser Arbeit Gültigkeit besitzt.
Im zweiten Abschnitt werden die zentralen Glaubensinhalte des Puritanismus untersucht. Dabei spielen neben den klassischen Themen des calvinistischen und refor-matorischen Gedankenguts auch die daraus resultierenden Glaubenspraktiken eine tragende Rolle.
Im dritten und letzten Kapitel wird der Versuch unternommen, die Puritanismusbewegung mit den politischen und gesellschaftlichen Ereignissen im England des 16. Jahrhunderts zu verstreben. Dabei soll vor allem untersucht werden, welche Abhängigkeiten zwischen der Entwicklung des Puritanismus und den historischen Rahmenbedingungen bestehen.
1 Vgl. Merkel (2002)
2 Collinson (1997), S. 9.
3
1 Begriffsannäherung „Puritanismus“
1.1 Ursprung des Wortes und Wortbedeutung
In der Fachliteratur stimmt man darüber ein, dass die Begrifflichkeit erstmals in den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts als Schimpfwort und abwertende Bezeichnung für all die Protestanten benutzt wird, die von ihrer Außenwelt in Glaubensangelegenheiten als übereifrig und pedantisch wahrgenommen werden. Im Spätlateinischen steht das Wort puritas für „Reinheit“ und spielt dabei auf die Genauigkeit bei der Glaubensausübung an. 3
Obwohl der Spottname von den Puritanern selbst verabscheut und als beleidigend empfunden wird, setzt er sich durch. In den eigenen Reihen bezeichnen sich die Gläubigen nämlich lieber als the godly. 4 Ähnlich wie der Name „Christen“ ist aber auch diese Bezeichnung ein Terminus geblieben. Erst 1646 adaptiert der Presbyterianer John Geree (1601-1649) den Begriff als Bezeichnung für einen „mittleren Kirchenweg“. 5
1.2 Die Vielschichtigkeit des Begriffes
1.2.1 Problem einer einheitlichen Definition
Bei dem Begriff Puritanismus handelt es sich um eine Bezeichnung, die sowohl theologisch als auch historisch uneinheitlich und vielschichtig ist. 6 Aus diesem Grund lässt sich eine endgültige Definition nur schwer festlegen. Umso wichtiger ist es daher, sich dem Begriff aus verschiedenen Perspektiven zu nähern und somit möglichst viele Bedeutungsfacetten abzudecken.
Bevor also eine Definition getroffen werden kann, sollen in folgendem Schaubild einige der in der Fachliteratur am häufigsten diskutierten Bedeutungen kurz dargestellt werden. Im weiteren Verlauf des Kapitels werden dann Aspekte dieser Definitionen
3 Vgl. Ward (1992), S. 1405.
4 Im Sinne von „die Gottesfürchtigen“, vgl. z.B. Collinson (1997), S.11.
5 Vgl. Ward (1992), S. 1405f.
6 Vgl. Meenken (1996), S. 21f.
4
aufgegriffen und weiter ausdifferenziert. Dabei ist zu beachten, dass die Übergänge meistens fließend und die Inhalte oft eng miteinander verknüpft sind:
1.2.2 Historische und theologische Bedeutung
Wenn man der theologischen Definition folgt, zeichnet sich der Puritanismus vor allem durch sein religiöses Reformstreben aus. Dabei soll ein als ideal vorausgesetzter Zustand erreicht werden.
Im frühen elisabethanischen England streben die Puritaner die ‚Reinigung‘ der Church of England an, die durch eine radikalisierte und konsequent durchgeführte Reformation vorangetrieben werden soll. Im Vordergrund steht hierbei der Wunsch nach einer wahrhaften Reformation, die vor allem im Hinblick auf Leitung, Gottesdienst, Lehre und Lebensführung vollzogen werden soll. 7 Innerhalb dieses Rahmens lässt sich feststellen, dass diejenigen Geistlichen und Laien als Puritaner bezeichnet werden, „die die Kirche Englands zwischen ca. 1570 und 1640 zu reformieren such- tenund jene Sympathisanten, die im 17. Jahrhundert schließlich der Heimat den Rü- ckenkehrten und sich anschickten, ihr ‚heiliges Gemeinwesen‘ in Neuengland zu errichten.“ 8
7 Vgl. Cohen (2003), S.1831f.
8 Ebd., S. 1834.
5
Im dogmatischen Sinne kann der Puritanismus weiterhin als englisch-reformatorischer Protestantismus gefasst werden, da er die Theologie Calvins mit einheimischen Glaubensgrundlagen wie zum Beispiel von William Tyndale (1494-1536) und John Bradford (1510-1555) verbindet. 9
Beide Männer sind Theologen und Anhänger der englischen Reformation. Tyndale übersetzt als erster die Bibel ins Englische und versetzt sie mit seinen theologischen Vorstellungen. In Deutschland erscheint 1526 die erste gedruckte Ausgabe und verbreitete sich schnell in ganz Europa. Nach seiner Hinrichtung im Jahre 1536 wird er von seinen Anhängern als Märtyrer gefeiert. 10 Auch John Bradford wird aufgrund seiner abweichenden Ansichten während der Regierungsperiode von Königin Mary I im Tower of London inhaftiert. Dort widmet er sich gemeinsam mit weiteren inhaftierten Reformatoren dem ausführlichen Studium des Neuen Testaments. Er und all seine Mithäftlinge finden den Tod auf dem Scheiterhaufen. 11
Neben diesen Ausführungen setzt Meenken in seinem Buch „Puritanismus und Demokratie“ einen besonderen Schwerpunkt bei der Diskussion um die richtige Definition des Begriffes. Für ihn ist der Puritanismus neben einer Glaubensbewegung auch ein Überbegriff für die verschiedenen Ausformungen des religiösen Widerstandes innerhalb der englischen Reformation. Der Autor unterscheidet hierbei eine presbyterianische und kongregationalistische Abschattung. Demnach entscheiden erst die äußeren Umstände und der historische Kontext, in welcher der beiden Formen der Puritanismus sich organisieren muss: Wenn eine den weltlichen Staat umfassende Ausdehnung möglich ist, streben die Anhänger des Puritanismus eine presbyterianischen Verfassung an, die Kirche und Staat miteinander verbinden soll. Wenn dies als unmöglich erscheint, muss die Bewegung in unabhängigen Kongregationen operieren und die eigene Identität innerhalb der Bewegung festigen. Das einzige, das den Puritanismus übergreifend kennzeichnet, ist das Vorhandensein einer kirchlichen Struktur und einer religiösen Bewegung, die von ihren Anhängern nach außen getragen wird. 12
9 Vgl. Cohen (2003), S.1834.
10
Vgl. Tyndale Society (1998): William Tyndale. Translater and Reformer.
11
Vgl. Meyhew, Richard A (2008).: John Bradford.
12 Vgl. Meenken (1996), S. 27f.
6
Arbeit zitieren:
Katrin O., 2010, Puritanismus in England, München, GRIN Verlag GmbH
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