Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Die Gattung Fabel 4
1.1 Definition und Merkmale 4
1.2 Aufbau 5
1.3 Bedeutung 6
2 Fabeln im Deutschunterricht 6
2.1 Chancen 6
2.1.1 Die Fabel als Daseinsorientierung 7
2.1.2 Politische und gesellschaftliche Rolle 8
2.1.3 Didaktische Bedeutung 8
2.2 Schwierigkeiten 9
2.2.1 Der moralisch-sittliche Gehalt 10
2.2.2 Historisch-kulturelle Distanz 10
2.2.3 Prinzip der Codierung 11
2.2.4 Definition der Gattung 11
3 Möglichkeiten einer didaktischen Realisierung 12
3.1 Bezug zum Bildungsplan 12
3.2 Entwurf einer Unterrichtsstunde 13
3.2.1 Vorüberlegungen zum Unterrichtsgegenstand 14
3.2.2 Methodische Planung 16
Schluss 19
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis 20
Literaturverzeichnis 21
Anhang
2
Einleitung
Schon seit vielen Jahrhunderten ist die Fabel fester Bestandteil des Literaturunterrichts und aus modernen Schulbüchern nicht mehr wegzudenken. Es ist erstaunlich, dass die Fabel oftmals auch heute noch lediglich auf ihren moralischsittlichen Gehalt reduziert wird, um dann als Schülerschreck durch die Klassenzimmer zu geistern. 1 So wird wohl jeder im Laufe seiner Schulkarriere mehr oder weniger freiwillig mit Fabeln konfrontiert worden sein und womöglich nicht nur gute Erfahrungen bzw. Noten aus dieser Begegnung mitgenommen haben.
Aber warum ist das so? Was macht den Umgang mit der Fabel für Schüler und auch Lehrer so schwierig? Denn wenn man Definitionen und einigen Literaten Recht geben will, kann die Fabel als Kunst gewertet werden, die es versteht, eine zu enträtselnde Weisheit in nur wenigen Zeilen so zu verstecken, dass nicht nur der Inhalt der Botschaft, sondern auch der kritische Umgang mit dieser Wahrheit den Menschen in seiner Erkenntnis und seinem Verstehen voranbringt. Eigentlich ein klarer Pluspunkt für einen pädagogisch sinnvollen Einsatz der Fabel. 2 Trotzdem bleibt die Frage offen, welchen Stellenwert der Einsatz von Fabeln im heutigen Deutschunterricht nach neuesten Erkenntnissen tatsächlich noch hat. Was leistet diese Textgattung für die Schülerinnen und Schüler? Ist ihr Einsatz im modernen Deutschunterricht überhaupt noch zeit- bzw. zweckgemäß? Welche Chancen oder Probleme sind demnach zu erwarten? Wie könnte eine Modellstunde zum Thema aussehen?
Diese Arbeit hat es sich also zum Ziel gesetzt, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Dazu wird in einem ersten Kapitel die Gattung der Fabel an sich betrachtet, um den thematischen Gegenstand dieser Hausarbeit näher zu bestimmen und den Rahmen für eine Definition abzustecken. In einem zweiten Teil werden dann unter anderem aktuelle Berichte und Artikel aus der Fachliteratur herangezogen, um das Für und Wider der Verwendung der Fabel im Deutschunterricht sachlich abwägen zu können. Im dritten und letzten Abschnitt dieser Arbeit wird dann eine selbstständig erstellte Unterrichtssequenz vorgestellt. Diese versucht, die gewonnenen Erkenntnisse sinnvoll in einer Modellstunde zum Thema ‚Fabeln’ miteinander zu verweben.
1 Vgl. Dithmar (1974), S.166ff.
2 Vgl. Ebd., S.166ff.
3
1 Die Gattung Fabel
1.1 Definition und Merkmale
Die Fabel wird definiert als eine Gattung uneigentlichen und argumentativ funktionalisierten Erzählens. Charakteristisch sind hierfür einepisodische Texte, in denen nicht-menschliche Akteure agieren, als wären sie durch menschliches Bewusstsein bestimmt. Bezeichnend für die Fabelkonstruktion ist weiterhin die Demonstration einer Irrealität, die dem Leser signalisieren soll, dass das Augenmerk hauptsächlich auf den Sinn der Geschichte zu lenken ist. Dieser Sinn bezieht sich auf die reale Leserwelt, wobei die erzählte Geschichte in einer fiktiven, oft geradezu fantastischen Welt spielt, in der Tiere wie Menschen sprechen und der Fortgang der Handlung den jeweiligen Akteur typisiert und stigmatisiert. 3
Fabeln gehören also zu den epischen Kurztexten, die einen Einzelfall beschreiben, der einen zeitlichen Ablauf mit Situationsänderung enthält. Sie bestehen im Regelfall aus nicht mehr als 150 Wörtern und sind durch eine sprachliche Kürze und Prägnanz gekennzeichnet.
Ein weiteres Merkmal besteht darin, dass Fabeltexte oft als transparente und zugleich mehrdeutige Allegorien auftreten, wobei hier vorausgesetzt werden muss, dass die erzählte Geschichte über sich hinaus auf einen Zweitsinn verweist. Die Akteure in den Fabelgeschichten zeigen keinerlei Emotionen und können so kein Mitleid beim Leser erregen. Sie dienen rein dem Zweck der Demonstration und sind durch ihr Auftreten als Tierfiguren dem Menschen verfremdet. 4 Dennoch ist in den Texten meist ein expliziter Wirklichkeitsbezug vorhanden, und die Geschehnisse werden durch die Zeit- und Ortlosigkeit verallgemeinert. Ein wichtiges Element der typischen Fabel besteht zudem in der „Polarisierung von Gegensätzen, die dann in einem pointierten Schluss aufgelöst werden.“ 5
3 Vgl. Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (1997), S.555f.
4 Vgl. Coenen (2000), S. 13ff.
5 Klinger, Udo (2009): Fabeln - Verkleidete Wahrheiten.
4
1.2 Aufbau
Im Regelfall besteht die typische Fabel aus zwei unterschiedlich gearteten Textteilen: Einer erzählenden Geschichte und einem darauf folgenden Kommentar, der über den Anwendungsbereich der Geschehnisse informiert. Einige Forscher bezeichnen die erzählende Geschichte als Mythos, während sie den nachgestellten Kommentar als Epimython ausweisen. 6
Von der Antike bis heute lässt sich weitgehend ein vierteiliges Schema erkennen, das Dithmar in seinem Werk vorstellt: In einem ersten Teil lässt der Autor eine Situation entstehen, welche durch eine actio (Rede/Handlung) verändert wird. Anschließend folgt auf die erste Handlung dann eine reactio
(Gegenrede/Gegenhandlung). Die beiden gegensinnigen Handlungen oder Reden werden dann durch die Präsentation eines Ergebnisses abgerundet. So ist die Fabel auf das Ende hin angelegt, in welchem sich die Ausgangssituation umkehrt und sich Erfolg oder Misserfolg einstellt.
Dieses vierteilige Aufbauprinzip beruht darauf, dass die Fabel einerseits epische, andererseits auch dramatische Elemente enthält. Anzumerken ist zudem, dass dieses Grundschema in unzähligen Variationen auftaucht und so nur selten in seiner Reinform vorzufinden ist. 7
6 Vgl. Gerth (1984), S.12.
7 Vgl. Dithmar (1974), S. 106f.
5
1.3 Die Bedeutung der Fabel
Während die Fabel in den griechischen Rhetorenschulen noch zur Stärkung der Ausdrucksfähigkeit und zu sprachlich-stilistischen Übungen gebraucht wurde, erhielt sie in den Schulen des Mittelalters eine neue Bedeutung als Mittel zur Charaktererziehung und zur Schärfung des Urteilvermögens. 8 Oftmals wird die Fabel also als Vermittler für Lebensweisheiten und als Indikator für moralisch korrektes Verhalten gehandelt. Diese Sichtweise trifft zwar auf einige Beispiele zu, lässt sich jedoch nicht verallgemeinern. Nach Dithmar reflektiert jede Fabel nämlich konkrete Situationen und Zeitverhältnisse kritisch, was es unmöglich macht, aus diesen Texten eine generelle Weisheitslehre zu ziehen. Diese Annahme wird durch die Tatsache bekräftigt, dass jede Fabel einen ‚Sitz im Leben’ hat, das heißt, dass sie zu einem bestimmten Zweck, mit einer bestimmten Intention verfasst wurde und für eine konkrete Situation gedacht ist. 9
2 Fabeln im Deutschunterricht
Wie in der Einleitung schon angemerkt, herrscht auch in Fachkreisen Uneinigkeit über die Bedeutung der Fabel im Literaturunterricht. Nach eingehender Betrachtung ist der Umgang mit der Fabel für Schüler und Lehrer augenscheinlich ein zweischneidiges Schwert. Im Folgenden sollen nun auch aktuelle Meinungen zum Thema aus der einschlägigen Fachliteratur herangezogen werden, um dieses Problem zu diskutieren und mögliche Chancen sowie Schwierigkeiten herauszuarbeiten.
2.1 Chancen
In Zeiten der Selbstbestimmung und persönlicher Freiheit scheint der Platz der Fabel im Deutschunterricht ins Wanken geraten zu sein. Doch das Image der Fabel als Text mit ‚erhobenem Zeigefinger’ ist längst überholt. 10 Richtig ausgestaltet kann der Unterricht mit der Fabel auch heute noch von großem pädagogischen Wert sein.
8 Vgl. Dithmar (1974), S.163ff.
9 Vgl. Ebd., S. 116.
10 Vgl. Jückstock-Kießling (2004), S. 45.
6
Arbeit zitieren:
Katrin O., 2009, Der Einsatz von Fabeln im Deutschunterricht , München, GRIN Verlag GmbH
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