Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Quellenlage 4
3 Der Gründungsprozess von seinen Anfängen bis zur Mitte
des 10. Jahrhunderts 5
4 Die Hintergründe der Entstehung 9
5 Zusammenfassung 12
6 Literaturverzeichnis 13
2
1 Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit ist die Entstehung des frühmittelalterlichen Kanonissenstifts Gandersheim, welches 852 n. Chr. von Liudolf und Oda, Begründer des sächsischen Adelsgeschlechts der Liudolfinger (aus denen später das Kaisergeschlecht der Ottonen hervorging), gegründet wurde. Ursprünglich befand sich das Stift im benachbarten Brunshausen 1 , erst 856 (oder 881- es gibt hierzu widersprüchliche Angaben, siehe Anmerkung 2) n. Chr. zogen die Kanonissen in die neu errichtet Stiftskirche nach Gandersheim. 2 Das Stift war ein Familienstift der Liudolfinger und diente als Grablege der Fürsten. Bis zur Gründung des Stifts Quedlinburg 936 n. Chr. war es das einzige Familienstift dieser Adelsfamilie. Im Jahr 877 n. Chr. wurde es von Heinrich I zum Reichsstift ernannt und hatte diesen Status bis zu seiner Auflösung im Jahr 1802 n. Chr. inne. Das Stift war stets eng mit dem herrschenden Adelsgeschlecht verbunden, denn zumindest die ersten drei Äbtissinen waren Töchter des Gründerehepaars. 3
Neben dem chronologischen Ablauf des Gründungsprozesses werde ich mich auch mit den Motiven auseinandersetzen, die die Liudolfinger dazu bewegten, das Stift zu gründen.
Bei der Beantwortung meiner Fragestellung werde ich mich im Wesentlichen auf das Werk Hans Goettings beziehen, der in seinem Buch
1 Agius von Corvey: Leben des Abtes Eigil von Fulda und der Äbtissin Hathumoda von Gandersheim nebst der Übertragung des hl. Liborius und des hl. Vitus, übers. von Georg Grandaur in: Die Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit, hrsg. von G.H. Pertz u.a. Band 25, Leipzig 1941 2. Auflage S. 41
(im Folgenden wird die Kurzform „Agius von Corvey 1941“ verwendet)
2 Christian Popp nennt hier die die Zahl 881, Hedwig Röckelein geht von einer früheren Umsiedlung nach Gandersheim aus. Vgl. Hierzu: Popp, Christian: Der Schatz der Kanonissen. Heilige und Reliquien im Frauenstift Gandersheim, in: Studien zum Frauenstift Gandersheim und seinen Eigenklöstern, hrsg. von Hedwig Röckelein und Thomas Labusiak, Band 3, Regensburg 2010, S. 9 und Jornes, Martin, Röckelein, Hedwig: Gandersheim und Essen. Vergleichende Untersuchungen zu sächsischen Frauenstiften (Essener Forschungen zum Frauenstift 4) Essen 2006, S. 15
(im Folgenden werden die Kurzformen „Popp 2010“ und „Jornes, Röckelein 2006“ verwendet)
3 Goetting, Hans: Das Bistum Hildesheim. Das reichsunmittelbare Kanonissenstift Gandersheim, in: Germania Sacra. Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, Neue Folge 7, hrsg. vom Max-Planck-Institut für Geschichte, Band 1, Berlin, New York 1973, S. 73 (Im Folgenden wird die Kurzform „Goetting 1973“ verwendet)
3
„Das Bistum Hildesheim. Die Anfänge des Reichsstifts Gandersheim“ anhand der zeitgenössischen Quellen und ihrer Auswertung ein genaues Bild vom Ablauf der Gründung zeichnet. Des Weiteren beziehe ich mich auf Werke Gerd Althoffs, vor allem um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit mit den Geschehnissen im Kloster in Verbindung zu bringen.
2 Quellenlage
Obwohl das Kanonissenstift Gandersheim eng mit dem späteren Kaisergeschlecht der Ottonen verbunden war, wurde seine Gründungsgeschichte erst in letzter Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Zum Einen mag dieser Umstand an der vermeintlich geringen Relevanz des Stiftes für den Aufstieg der Ottonen liegen, zum anderen darf die Quellenlage betreffend der Gründung des Stifts als eher dürftig bezeichnet werden 4 und lädt demnach auf den ersten Blick nicht gerade zur umfassenden Beschäftigung mit dem Thema ein. Es gibt außer den „Gründungsurkunden“ Ludwig des Jüngeren (die die Gründung des Stifts eindeutig beweist) 5 und Liudolfs selbst und der „vita hathumodae“ des corveyer Mönches Agius 6 keine zeitgenössischen Quellen. Bei letzterer handelt es sich um eine Huldigunsschrift an Hathumod, einer Schwester Agius‘ 7 und Tochter Liudolfs und erster Äbtissin des Stifts, sie kann deswegen als stark tendenziös gewertet werden und ihr Inhalt ist mit Vorsicht zu genießen, auch wenn er uns wichtige Informationen liefert. Beide Schriften wurden in den Jahren 876 und 877 n. Chr. angefertigt, fielen also in die Zeit kurz nach der Gründung des Stifts. Neben diesen beiden Quellen muss als dritte wichtige Quelle die „primordia coneobii gandeshemensis“ der Hrotsvit von Gandersheim (im Folgenden der Einfachheit halber Roswitha von Gandersheim genannt) Erwähnung finden, denn obwohl ca. 100 Jahre nach der Gründung des Stifts verfasst,
4 Althoff, Gerd, Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, Stuttgart, Berlin, Köln 2000, S 17 (im Folgenden wird die Kurzform „Althoff 2000“ verwendet)
5 Vergl. MGH D LdJ 3
6 Vergl. Agius von Corvey 1941, S. 37-62
7 Über die Verwandtschaft von Agius von Corvey und Hathumod herrscht in der Forschung Uneinigkeit, vlg dazu: Althoff 2000, S. 19
4
beschreibt die Autorin darin detailliert die Gandersheimer Gründungsgeschichte. Ihr Werk dient als wichtige Informationsquelle, auch wenn es sich aufgrund seiner literarischen Form und der vor dem Hintergrund der damaligen Moral- und Wertvorstellungen gezeichneten Personendarstellung (Menschen adliger Herkunft wurden zum Beispiel im Gegensatz zu einfache Leuten als edel und „gut“ dargestellt) empfiehlt, die Quelle kritisch zu betrachten. 8
3 Der Gründungsprozess von seinen Anfängen bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts
Der Legende nach befand sich die Mutter Odas und Schwiegermutter Liudolfs zum Beten in der Kirche, als ihr Johannes der Täufer erschien und ihren Nachfahren die „Herrschaft in Frieden und Macht“ über ein mächtiges und einflussreiches Reich versprach, sollten sie ein Kloster für „gläubige Jungfrauen“ gründen und dafür Sorge tragen, dass diese „standhaft verharren in frommem Bemühen“ den christlichen Glauben zu leben. 9 In der Folge soll Oda ihren Mann mehrmals gebeten haben, das Stift zu gründen. Tatsache ist, dass sich beide im Jahr 845 n. Chr. mit einem Empfehlungsschreiben Ludwig des Jüngeren auf den Weg nach Rom machten, 10 um sich die Gründung des Stifts von Papst Sergius II bestätigen zu lassen. Außerdem galt es, den päpstlichen Altersdispenz für ihre Tochter Hathumod zu erwirken, um sie später als Äbtissin im eigenen Stift einsetzen zu können. 11 Oda und Liudolf nutzten ihren Aufenthalt in der Heiligen Stadt aber noch zu einem anderen Zweck: sie erwarben Heiligenreliquien in Form von Gebeinen der Päpste Anastasius I und Innocentius I. 12 Von der Überführung der Reliquien ist auch in Agius von Corveys vita hathumodae die Rede. 13 Unterstützung für ihre Romfahrt erhielten sie von Altfried, dem Bischof von Hildesheim, der sich auch bei
8 Vgl: Hrotsvitha von Gandersheim, Werke in deutscher Übertragung. Mit einem Beitrag zur frühmittelalterlichen Dichtung von H. Homeyer, München, Paderborn, Wien, 1973, S. 308-324 (im Folgenden wird die Kurzform „Hrotsvitha von Gandersheim 1973“ verwendet)
9 Hrotsvitha von Gandersheim 1973, S. 312ff
10 Althoff 2000, S. 17
11 Goetting 1973 S. 81
12 Popp 2010, S. 24
13 Agius von Corvey 1941, S. 41
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Arbeit zitieren:
Carmen Wähaus, 2011, Die Gründung des Stifts Gandersheim, München, GRIN Verlag GmbH
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