1. Einleitung ..........................................................................................................................3
2. Bilanz der empirischen Gewaltforschung .........................................................................4 2.1. Forschungsansatz und Methodik ...................................................................................4 2.2. Empirische Befunde zum Ausmaß, Erscheinungsformen und Entwicklung der Gewalt
an Schulen .............................................................................................................................5
3. Theoretische Erklärungsansätze ........................................................................................6 3.1. Klassische psychologische Ansätze ..............................................................................6 3.2. Klassische soziologische Ansätze .................................................................................7 3.3. Neuere psychologische Erklärungsansätze....................................................................8 3.4. Neuere soziologische Ansätze.......................................................................................9 3.5. Neuere kriminalsoziologische Ansätze .......................................................................10 3.6. Integrative Erklärungsansätze......................................................................................10
4. Konkrete Ursachen von Gewalt und Präventionsansätze................................................11
5. Die Position von Christian Büttner .................................................................................15
6. Literatur ...........................................................................................................................21
1. Einleitung
„Gewalt in der Schule“ ist, glaubt man den Berichten der Presse, eine typische Erscheinung unserer Zeit. Einhellig ist die Meinung darüber, dass die Gewalt zugenommen hat. Die Schuld für dieses Phänomen wird abwechselnd den schlecht ausgebildeten Lehrern, den „unerzogenen“ Jugendlichen oder den verantwortungslosen Eltern zugeschoben. Wie immer bei komplexen Problemen wird der Versuch einer sachlich geführten Debatte durch den ungeduldigen Ruf nach schnellen Patentlösungen untergraben: Verschärfung des Waffengesetzes, mehr Au-torität für die Lehrer, etc. Unabhängig von der Effektivität derartiger Maßnahmen ist es aber zunächst notwendig die Vermeidung von Gewalt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen. Die Institution Schule ist keine abgeschlossene Welt für sich, sondern vielmehr ein Kulminationspunkt der Ansprüche der Eltern, der Kinder und der Lehrer, wobei letztere wiederum auch die Ansprüche des Staates repräsentieren. Schule steht allgemeinhin für den individuellen aber auch sozialen Wunsch nach einer besseren Welt, dem Streben nach einer posi- tiven Entwicklung der Menschheit . Und sicherlich liegt es auch gerade daran, dass die jüngs-
ten in Schulen passierten Gewaltverbrechen so sehr schockieren, weil sie der Gesellschaft den namentlichen „Spiegel“ vorhalten, der augenscheinlich keinen akzeptablen Zustand abbildet. Wo sind die Ursachen aber nun zu suchen bzw. welche Schwierigkeiten gibt es bei ihrer Erfassung? Und welche Konfliktlösungswege bieten sich an? Die Arbeit setzt sich im Folgenden mit den Aussagen des Artikels von BÜTTNER (1993) auseinander, die vor dem Hintergrund eines kurzen Abrisses der aktuellen Forschung zum Thema reflektiert werden. Zur Darstellung letzterer wird im wesentlichen auf die aktuelle und sehr gründlich durchgeführte Zusammenfassung von SCHUBARTH (2000) zurückgegriffen.
2. Bilanz der empirischen Gewaltforschung
Bevor die Gründe für die an Schulen auftretende Gewalt untersucht werden können, müssen zwei Aspekte hinreichend geklärt werden. Zum einen gibt es die Frage, welche aktuelle Formen der Gewaltanwendung an der Schule überhaupt zu beobachten sind? Und zum anderen, ob sich das Gewaltpotential und dessen Umsetzung in den letzten Jahrzehnten verändert, d. h. vor allem tatsächlich zugenommen hat.
2.1. Forschungsansatz und Methodik
Die Zahl der zum Thema Gewalt in Schulen und allgemeiner Gewalt bei Jugendlichen angefertigten Untersuchungen ist beträchtlich. SCHUBARTH (2000) nennt allein 91 (!) im Zeitraum von 1973-1999 durchgeführte empirische Studien. Auffällig dabei ist, dass die wenigsten aus den siebziger und achtziger Jahren stammen. Vielmehr wurden seit 1990 mehr als viermal so viele wie in den vorherigen Jahrzehnten verfasst. SCHUBARTH (1999) begründet den in Relation zum real exitierenden Ausmaß der Gewalttätigkeit unverhältnismäßigen Anstieg hauptsächlich mit dem Einfluß der Medien: „Insofern war der Forschungsboom an Studien weniger auf den fachwissenschaftlichen Diskurs oder durch die Problemdefinition durch Sozial-forscher zurückzuführen, sondern in erster Linie auf die Thematisierung, Dramatisierung und Skandalisierung von Gewalt durch die Massenmedien und den dadurch indizierten öffentlichen Druck.“ Als weitere Gründe für das Interesse am Thema „Schule und Gewalt“ benennt SCHUBARTH (2000) das Bestreben der Wissenschaftler die Forschungslücke (s.o.) zu schließen und die Alltagserfahrung von Lehrern, Erziehern und Eltern, dass die Gewalt unter Jugendlichen im Vergleich zu früher zugenommen hat. Gerade für den letzten, empirisch schwer nachweisbaren Aspekt konstatiert er jedoch, dass „(...) im Schul- und Erziehungsalltag wahrgenommene ‚Gewaltproblem‘ (...) allerdings erst durch die Thematisierung in den Massenme- dien zu einem ‚besonderen sozialen Problem‘ (wurde)“ (SCHUBARTH 1999). Drei Zielsetzun-
gen lassen sich den Studien entnehmen: Das Ausmaß der Erscheinungsformen von Gewalt zu ermitteln, die Analyse der Ursachen der Gewalt und die Erarbeitung präventiver Maßnahmen. SCHUBARTH (2000) weist allerdings eindringlich darauf hin, dass ein Großteil der Untersuchungen eklatante Fehler im theoretischen Ansatz und der Methodik enthält (hierzu zählen: keine nachprüfbaren Hypothesen; keine Einbeziehungen bereits vorliegender Studien, wodurch keine Vergleichbarkeit gegeben ist; unsaubere statistische Verfahren; nur wenige multivariate Statistikanalysen; mangelnde theoretische Begründung des Zugangs), so dass nur wenige ihrem Anspruch an Objektivität und Repräsentativität gerecht werden.
2.2. Empirische Befunde zum Ausmaß, Erscheinungsformen und Entwicklung der Gewalt an Schulen
Die in jüngerer Zeit durchgeführten Studien zeigen alle ein ähnliches Bild: Es gibt Gewalt an den Schulen, die sich, wie SCHERER (1996, S. 122) bemerkt, als „facettenreiches Erscheinungsbild schulischer Aggression und Konflikthaftigkeit“ darstellt. Die real zu beobachtende Gewalt sei aber in keiner Weise über einzubringen mit der sensationslüsternen, dramatischen Berichterstattung in den Medien. Die Autoren plädieren dafür weder eine Bagatellisierung noch Dramatisierung des Themas herbeiführen. Die Schwierigkeiten bei der Bewertung der Untersuchungsergebnisse sind leicht darzulegen. Zum einen, weil „Es keine objektiven Maßstäbe dafür gibt, ab wann eine Gewaltsituation als ‚gravierend‘ oder ‚besorgniserregend‘ zu bezeichnen ist. Das kann höchstens im Vergleich zu etwas anderem, z. B. zu anderen Schulen, zu anderen Ländern oder zu unterschiedlichen Situationen im Zeitverlauf beurteilt werden.“ wie SCHUBARTH (2000) feststellt. Und zum anderen, weil genau diese Vergleichsdaten nur in geringem Umfang vorhanden sind oder sich aufgrund mangelnder Standardisierung der Erhebungsmethoden kaum vergleichen lassen. Am ehesten lassen sich die bundesdeutschen Ergebnisse noch an Arbeiten aus dem Ausland (Amerika, Japan, Norwegen) messen, die in der Regel höhere Gewaltquoten nachgewiesen haben. Zieht man lediglich die subjektive Wahrnehmungen von Lehrern, Schulleitern und Schülern heran, scheint die Gewalt tendenziell zugenommen zu haben wenn auch in geringem Maße. Eine objektiver Beleg steht hierfür allerdings aufgrund fehlender früherer Studien aus. Einhellig sind die Studien auch der Ansicht, dass die meisten Schüler nicht (potentiell) gewalttätig sind. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es enge Wechselbeziehungen zwischen den Opfern und den Tätern zu scheinen gibt. So treten viele der Opfer zu einem anderen Zeitpunkt auch als Täter auf. MELZER & ROSTAMPOUR (1995) nennen beispielsweise eine Zahl von ca. 66%. Weiterhin besteht Kon-
sens darüber, dass das Geschlecht, die Schulform und die Alterstufe eine maßgebliche Rolle spielen. So neigen Jungen erwartungsgemäß eher zur Gewaltanwendung und billigen diese auch eher als probates Mittel zur Durchsetzung von Interessen als Mädchen. Von den Schulen sind ebenfalls nicht besonders verwunderlich die Förder/Sonderschulen und die Hauptschulen in besonderem Maße mit körperlich ausgetragenen Gewaltproblemen konfrontiert. An den Gymnasien treten solche Fälle eher selten auf, dafür wird hier verbal „gekämpft“. Die größte Gewaltbereitschaft liegt zudem in der Pubertätsphase (ca. 12-15 Jahre). Sowohl davor als auch danach ist eine deutlich geringere Gewaltquote zu beobachten.
3. Theoretische Erklärungsansätze
Zunächst soll eine Übersicht gegeben werden über die Erklärungsansätze, die vor allem die Psychologie und Soziologie anbieten.
3.1. Klassische psychologische Ansätze
Hierunter müssen zunächst die ursprünglich in der Verhaltensforschung (Konrad Lorenz) aber auch in ähnlicher Form bei Sigmund Freuds Psychoanalyse entwickelten „Triebtheorien“ erwähnt werden. Beide Vertreter gehen davon aus, dass der Mensch von Trieben (nicht nur Aggressions- sondern auch Sozial-, Elterntrieb usw.) geprägt ist, die genetisch verankert sind und durch Erziehung lediglich positiv oder negativ modifiziert werden können. Aggressionen sind grundsätzlich vorhanden und gehören zum Verhaltensrepertoire des Menschen wie „positiver“ besetzte Gefühle wie z. B. Nächstenliebe. Sie können nicht „ausgeschaltet“ werden, sondern unterscheiden sich lediglich in ihrer sozial verträglicheren oder unverträglicheren Erschei-nungsform.
Die „Frustrationstheorie“ geht nicht davon aus, dass Aggressionen von vorneherein vorhanden sind, sondern nimmt an, dass diese immer erst durch negative Erfahrungen mit der Umwelt geschürt werden. Da Schule in vielerlei Hinsicht ein Ort von frustrierenden Erlebnissen für die Schüler sein kann (schlechte Zensuren, Konflikte mit den Mitschülern, etc.), bietet die Theorie einen wichtigen Ansatzpunkt für einen besseren, nämlich „frustrationsarmen“ mitmenschlichem Umgang in der Schule.
Bei den „Lerntheorien“ steht die Vorstellung im Mittelpunkt, dass die Verhaltensweisen von Menschen aufgrund von erlernten Verhaltensschemata erfolgen. Aggressive Menschen haben demnach ihre gewaltträchtigen Handlungen erlernt, z. B. weil sie ihnen Vorteile wie Macht, Stärke verschafft haben. Die Lerntheorien betonen damit auch die Bedeutung der Gesellschaft als gewaltfördernder Sozialisationsfaktor.
Arbeit zitieren:
Sandor Samu, 2002, Neuere Erkenntnisse zur Gewaltforschung unter Einbeziehung der konkreten Reflexion des Artikels "Schule und Aggression" von Christian Büttner, München, GRIN Verlag GmbH
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