„Mit tiefstem Bedauern beobachtet der Entomologe wie jeder andere Naturfreund die zunehmende Insekten-Verarmung der Landschaften. [...] Arten, die jedem Entomologen von Jugend auf ein unablösbarer Bestandteil des Landschaftsbildes waren, sind vielerorts ganz verschwunden. [...] Fast märchenhaft muten uns heute manchmal Schilderungen des Insektenlebens an, die Forscher vor noch nicht 100 Jahren abgefasst haben. Wir stehen fast unmittelbar vor der bedrohlichen Tatsache des Aussterbens unzähliger Arten an den meisten Orten ihres Vorkommens, ...“.
HERING (1939)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 9
2 Untersuchungsgebiet 11
2.1 Lage der Untersuchungsflächen 11
2.2 Naturräumliche Einordnung 12
2.3 Geologie und Böden des Campus. 12
2.4 Vegetationskundliche Charakterisierung der untersuchten Wiesentypen 13
2.4.1 Grünlandtyp-Magerwiese 13
2.4.2 Grünlandtyp-Fettwiese 14
2.5 Charakterisierung der Fauna auf dem Campus 14
2.6 Grünlandstreifen in Kleinwaltersdorf 14
3 Methoden 16
3.1 Erfassungsmethoden für die Fauna 16
3.2 Analysen zur Quantifizierung der Handhabung des Sauggerätes 17
3.2.1 Untersuchungen zur Bestimmung der punktuellen Saugzeit pro Aufsetzen 17
3.2.2 Quantifizierung der optimalen Saugdauer je Probenahmefläche (Kunststoffkasten
mit einer Fläche von 0,2 m 2 ) 17
3.2.3 Bestimmung der optimalen Saugstärke 18
3.2.4 Vergleich von Grünlandtypen 19
3.3 Anwendungsbeispiel zur Bestimmung der Fängigkeit des Sauggerätes - Probenahmen
entlang von Transekten in Grünlandstreifen 19
3.3.1 Keschermethode 20
3.4 Erfassung der Standortfaktoren 21
3.4.1 Erfassung der Vegetation 21
3.4.2 Bestimmung der Fauna 21
3.5 Tabellenarbeit 21
3.6 Statistische Auswertung 22
3.6.1 Rarefaction-Verfahren 22
3.6.2 Statistische Tests. 23
4 Ergebnisse 24
4.1 Erprobung des Sauggerätes 24
4.1.1 Bestimmung der punktuellen Saugzeit pro Aufsetzen 24
4.1.2 Quantifizierung der Saugdauer je Probenahmefläche 26
4.1.3 Einfluss der Saugstärke (Saugrohrdurchmesser) 28
5
4.1.4 Erprobung der Fängigkeit des Sauggerätes auf verschiedenen Grünlandtypen. 29
4.2 Anwendungsbeispiel - Probenahmen entlang von Transekten in einem
Gr ünlandstreifens zum Vergleich der Fängigkeit von Sauggerät und Kescher 31
4.2.1 Quantifizierung der Fangqualität des Sauggerätes 32
4.2.1.1 Charakterisierung der Arten 36
4.2.2 2. Probenahme in Kleinwaltersdorf zum Vergleich der Fängigkeit von Sauggerät
und Kescher 37
4.3 Vergleich der beiden Probenahmen im Transekt B 39
5 Diskussion. 41
5.1 Methoden-Diskussion 41
5.1.1 Fehlerquellen bei den Probenahmen mittels Sauggerät und Kescher 41
5.1.2 Rarefaction-Methode 41
5.2 Experimente zur Optimierung des Erfassungsaufwands 42
5.2.1 Punktuelle Saugzeit auf einer Magerwiese 42
5.2.2 Optimale Sauganzahl auf einer Fettwiese 42
5.2.3 Variation des Rohrdurchmessers beim Sauggerät 42
5.2.4 Vergleich der Fängigkeit auf verschiedenen Grünlandtypen 43
5.3 Probenahmen auf dem Grünlandstreifen in Kleinwaltersdorf und Charakterisierung der
erfassten Arten 43
5.4 Effizienz des Sauggerätes - Vergleich der Fangmethoden (Sauggerät und Kescher) 45
5.5 Schlussfolgerung 46
6 Zusammenfassung. 48
7 Danksagung 49
8 Literaturverzeichnis. 50
9 Anhang 53
6
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Campus der TU Bergakademie Freiberg - Biotoptypen Grünland
Abbildung 2: Geographische Lage des Grünlandstreifens im Oberen Waltersbachtal und die
geographische Koordinaten der Transektflächen
Abbildung 3: Biotoptypenkennzeichnung in Kleinwaltersdorf
Abbildung 4: Motorisiertes Sauggerät - Stihl SH 85
Abbildung 5: Fangbeutel
Abbildung 6: Probenahmerahmen
Abbildung 7: Dreieckskescher (Kantenlänge: 35 cm)
Abbildung 8: Verfahrensweise für die Bestimmung der Sauganzahl auf einer Fettwiese
Abbildung 9: Stihl SH 85 - verkleinerter Saugrohrdurchmesser.
Abbildung 10: Erfasste Zikaden-Artenzahlen mithilfe des Sauggerätes und anschließendem
Kescherfang im Transekt B
Abbildung 11: Shinozaki-Kurven je Saugdauer (t 90 s, t 60 s, t 30 s)
Abbildung 12: Mittelwerte und Standardabweichungen der Individuenzahl für Saugzeiten
Abbildung 13: Mittelwerte und Standardabweichungen der Artenzahl für Saugzeiten
Abbildung 14: Mittelwerte und Standardabweichungen der Individuenzahlen der Zikaden für
die jeweilige Saugdurchführung (SD)
Abbildung 15: Mittelwerte und Standardabweichungen der Zikaden Artenzahlen für die
jeweilige Saugdurchführung (SD)
Abbildung 16: Individuenzahlen der Zikaden mit normalem (ND) und verkleinertem (KD)
Saugrohrdurmesser
Abbildung 17: Individuenzahlen der Zikaden-Arten auf der Fettwiese
Abbildung 18: Individuenzahlen der Zikaden- und Wanzen-Arten auf der Magerwiese
Abbildung 19: Shinozaki-Kurve und Arten-Frequenz-Verteilung für die Fettwiese
Abbildung 20: Shinozaki-Kurve und Arten-Frequenz-Verteilung für die Magerwiese
Abbildung 21: Erfasste Zikaden-Individuen mittels Sauggerät und anschließendem
Kescherfang im Transekt B
Abbildung 22: Erfasste Zikaden-Individuen mittels Sauggerät und anschließendem
Kescherfang im Transekt C
Abbildung 23: Zikaden-Artenzahlen mittels Sauger und anschließendem Kescherfang im
Transekt B
Abbildung 24: Zikaden-Artenzahlen mittels Sauger und anschließendem Kescherfang im
Transekt C
7
Abbildung 25: Kumulative Artenzahlen von Zikaden und Wanzen vom Sauggerät und
Kescherfang im Transekt B ............................................................................ 36 Abbildung 26: Kumulative Artenzahlen von Zikaden und Wanzen vom Sauggerät und
Kescherfang im Transekt C ............................................................................ 36 Abbildung 27: Individuenzahlen der Zikaden-Arten vom Kescherfang und Sauggerät im Transekt B im Grünlandstreifen bei Kleinwaltersbach (Probetermin 2) .......... 38 Abbildung 28: Artenzahlen der Zikaden-Arten vom Kescherfang und Sauggerät im Transekt B im Grünlandstreifen bei Kleinwaltersbach (Probetermin 2) .......... 38 Abbildung 29: Shinozaki-Kurve, kumulative Arten-zahlen und Artenzahlen der Zikaden-Arten vom 2 Probenahmetermin erfasst mittels Sauggerät im Transekt B ....... 40 Abbildung 30: Shinozaki-Kurve, kumulative Artenzahlen und Artenzahlen der Zikaden-Arten vom 2 Probenahmetermin erfasst mittels Kescherfang im Transekt B ........... 40
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Vergleich der Artenzahlen von Zikaden und Wanzen in den Transekten............... 24 Tabelle 2: Zu erwartende Artenzahlen S(q) bei unterschiedlichen Erfassungseinheiten (q) .... 26 Tabelle 3: Mittelwerte (MW) und Standardabweichungen (s) der Arten (S)- und Individuenzahlen (N) für drei Saugdurchführungen .............................................. 27 Tabelle 4: Vergleich der Individuen- (N) und Artenzahl (S) mit verkleinertem (KD) und normalem (ND) Rohrdurchmesser mittels Wilcoxon-Mann-Whitney-Test ............ 29 Tabelle 5: Arten- und Individuenzahlen der Zikaden/Wanzen auf Fett- und Magerwiese ...... 29 Tabelle 6: Artenzahlen der Zikaden und Wanzen für die Transekte B und C ......................... 31 Tabelle 7: Individuenzahlen der Zikaden und Wanzen für die Transekte B und C ................. 31 Tabelle 8: Individuenzahlen (N) und Artenzahlen (S) vom Sauger/Kescher für Transekt B ... 33 Tabelle 9: Individuenzahlen (N) und Artenzahlen (S) von Sauger/Kescher für Transekt C .... 33 Tabelle 10: Arten- und Individuenzahlen der Zikaden und Wanzen vom Sauger und Kescherfang im Transekt B am 2. Termin (18.08.2009) ...................................... 38 Tabelle 11: Test auf Signifikanz in Bezug auf die Artenzahl (S) und Individuenzahl (N) vom Kescher und Sauger, mittels Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test ........................... 39 Tabelle 12: Arten (S)- und Individuenzahlen (N) der Zikaden und Wanzen vom Sauggerät von der 1. und 2. Probenahme im Transekt B (Tr. B) in Kleinwaltersdorf (KW) ........ 40
Tabelle 13: Vergleich zwischen Sauggerät und Kescher ....................................................... 46
8
1 Einleitung
In dieser Arbeit wurde mithilfe von methodologischen Untersuchungen der Einsatz eines Sauggerätes zur quantitativen Erfassung von Insekten, spezialisiert auf Zikaden und Wanzen, auf Qualität und Quantität untersucht. Weshalb eigneten sich Zikaden und Wanzen für die Untersuchung?
Zikaden (Auchenorrhyncha) gehören zu der Insektengruppe der Schnabelkerfe (Rhynchota) und spielen als phytophage Pflanzensaftsauger eine außerordentlich bedeutende Rolle in den Lebensgemeinschaften aller Landlebensräume Mitteleuropas, da sie zumeist mit hohen Artenzahlen und zeitweise extrem hohen Individuendichten auftreten können (NICKEL & REMANE 2002). Mit 620 Zikaden-Arten (NICKEL & REMANE 2002) in Deutschland repräsentieren sie eine „mittelgroße“ Artengruppe.
In Sachsen wird die Artenvielfalt der Insektengruppe der Zikaden (Auchenorrhyncha) von WALTER et al. (2009) auf 435 Zikadenarten beziffert. Sie besiedeln die Boden-, Kraut- und Gehölzschicht. Sie beeinflussen als individuenreiche Organismengruppe die Zusammensetzung und Dynamik der Vegetation und bilden eine wichtige Basisgruppe für die Ausbildung von komplexen Nahrungsnetzen und somit der biologischen Vielfalt in terrestrischen Ökosystemen. Die einzelnen Zikadenarten zeigen eine äußerst differenzierte Abhängigkeit von Eigenschaften ihres Lebensraumes, insbesondere Mikroklima und Vegetationsstruktur, sowie eine z. T. ausgeprägte Bindung an bestimmte Pflanzenarten und Vegetationstypen. Hinsichtlich der Nährpflanzenbindung reicht das Spektrum von streng monophagen über oligophage bis hin zu polyphagen lebenden Zikadenarten. Die meisten Zikadenarten kommen an bestimmten Süß- oder Sauergräsern vor, ein weiterer Teil an Kräutern und Gehölzen. Zunehmend werden sie aber auch in der Naturschutz- und Landschaftsplanung berücksichtigt, da sie aussagekräftige Zeiger für den Zustand und Wert von Flächen sind (ACHTZIGER 1999, NICKEL & REMANE 2002).
Die Artenvielfalt der Insektengruppe der Wanzen (Heteroptera) wird in Deutschland auf über 800 verschiedene Wanzenarten beschrieben (WACHMANN 1989). Wanzen (Heteroptera) besitzen wie Zikaden auch stechend-saugende Mundwerkzeuge. Wanzen sind in den verschiedensten Biotopen anzutreffen, einige Arten sind ausgesprochen wärmeliebend. Die meisten Wanzen sind Pflanzensaftsauger, daneben gibt es räuberische und parasitische Arten (WACHMANN 1989).
Zur Erfassung von Artenzusammensetzung und Abundanz von Auchenorrhyncha und Heteroptera im Freiland wurden zahlreiche Methoden entwickelt. Die jeweils eingesetzte Methodik richtet sich nach der wissenschaftlichen Fragestellung. Das Ziel dieser Arbeit waren
9
1 Einleitung
Untersuchungen zur Verwendbarkeit eines Sauggerätes (Stihl SH 85 Laubsauger) für die quantitative Erfassung von Insekten in verschiedenen Grünlandtypen. Daraus sollen Hinweise zum optimalen Einsatz des Sauggeräts hinsichtlich Saugdauer, Anzahl an Saugstellen, Saugfläche etc. in Abhängigkeit vom Grünlandtyp abgeleitet werden. Mit Hilfe eines solchen motorbetriebenen Saugsammlers wurden die Untersuchungsflächen abgesaugt. Bei den Untersuchungen wurden folgende Fragestellungen behandelt:
Quantitative Untersuchungen zum Probenumfang:
Bestimmung der mittleren kumulativen Artenzahlen von Zikaden und Wanzen für ausgewählte Grünland-Typen, wie Magerwiese und Fettwiese. Desweiteren sollte die optimale Anzahl an Saugstellen (Zeitpunkt ab dem die Artenzahl stabil bleibt) in Abhängigkeit vom Grünlandtyp herausgefunden werden. Vergleichende Erfassung von Zikaden und Wanzen mithilfe eines Sauggerätes und Kescherfangs auf einem Grünlandstreifen entlang von Transekten:
2 Untersuchungsgebiet
2.1 Lage der Untersuchungsflächen
Für die quantitativen Untersuchungen zum Probenumfang des Sauggerätes wurde der Campus der TU Bergakademie Freiberg gewählt. Das TU-Campusgelände befindet sich am nordwestlichem Stadtrand von Freiberg (TK 5045 SW/5046 SE) auf einer Meereshöhe von etwa 380 m ü. NN im Naturraum Osterzgebirge (ACHTZIGER & TAUTENHAHN 2006). Der Schwerpunkt der quantitativen Erfassungen lag auf den Offenlandbereichen nahe des Otto-Meißer-Baus (Abbildung 1).
Die Magerrasen wurden südlich (50°55’28.88“ N, 13°19’50.12“ E) und nord-östlich (50°55’30.84“ N, 13°19’53.96“ E) des Otto-Meißer-Baus beprobt. Auf diesen Magerwiesen wurden die quantitativen Analysen zur Bestimmung der punktuellen Saugzeit durchgeführt (Abbildung 1).
Die Fettwiese südlich der Universitätsbibliothek „Georgius Agricola“ (50°55’24.20“ N, 13°20’24.92“ E, Höhe: 391 m) wurde außerdem für die Bestimmung der Sauganzahl und Saugstärke genutzt (Abbildung 1).
Abbildung 1: Campus der TU Bergakademie Freiberg - Biotoptypen Grünland mit Lage der Untersuchungsflächen (Quelle: AG BIOLOGIE/ÖKOLOGIE)
11
2 Untersuchungsgebiet
2.2 Naturräumliche Einordnung
Die Stadt Freiberg liegt an der nördlichen Abdachung des Erzgebirges mit einem Großteil des Stadtgebietes westlich der Freiberger Mulde (teils auch Östliche Mulde genannt). Freiberg liegt innerhalb einer alten, durch den Bergbau genutzten und von ihm geprägten Rodungslandschaft und ist im Norden, Südosten und Südwesten von Wäldern, in den übrigen Richtungen von Feldern und Wiesen umgeben (GRÜNE LIGA OSTERZGEBIRGE E.V. 2007). Die Stadt ist teilweise eingebettet in die Täler des Münzbaches und des Goldbaches und liegt bei etwa 412 m ü. NN (Bezugspunkt Bahnhof) (GRÜNE LIGA OSTERZGEBIRGE E.V. 2007). Eine klimatische Rolle spielt auch die relativ offene Landschaft des Osterzgebirges im Vergleich zur überwiegend geschlossenen Waldbestockung des West- und Mittleren Erzgebirges. Freiberg ist vom Niederschlagstyp her als Mittelgebirgstyp einzuordnen. Charakteristisch dafür sind die zwei Niederschlagsmaxima im Sommer und im Winter, beide jedoch schwach ausgeprägt. Dies ist durch das Wirken konvektiver- bzw. advektiver Niederschlagsprozesse aber auch durch Stauniederschläge begründet. Durchschnittliche Starkregenhöhen sind von kurzer Dauer. Die langjährigen mittleren Niederschläge liegen in Sachsen bei 710 mm pro Jahr (DUNGER 2007). Diese sind jedoch aufgrund der zunehmenden Kontinentalität von West nach Ost regional sehr variabel, abnehmende Jahressummen sind das Ergebnis. Je weiter man nach Osten kommt, umso größer werden die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter, die mehrjährige mittlere Jahrestemperatur liegt bei 7,7 °C (Klimastation Freiberg). Die potenziellen Verdunstungswerte betragen in Sachsen zwischen 575-650 mm pro Jahr (DUNGER 2007).
2.3 Geologie und Böden des Campus
Der Raum Freiberg ist überwiegend durch 50-150 cm mächtige, lössreiche Deckschichten charakterisiert (GRÜNE LIGA OSTERZGEBIRGE E.V. 2007). Darunter findet man hauptsächlich Gneise mit Braunerden, Pseudogleyen, seltener Parabraunerden, die oft durch Staunässe beeinflusst sein können (LFULG 1999). Diese „Orthogneisdome“ sind das Ergebnis der Geotektonik, die durch Abkühlen, Kristallisation und durch verschieden herrschende Druckverhältnisse aus Granitoiden entstanden sind. Die Mächtigkeit der Paragneise wird bei Freiberg auf ungefähr 600-1200 m geschätzt (GRÜNE LIGA OSTERZGEBIRGE E.V. 2007). Die in Freiberg und Umgebung antreffende abwechslungsreiche Bodenvergesellschaftung ermöglichen den Pflanzen unterschiedliche nährstoffreiche Bodenverhältnisse. Außerdem verfügen laut MANNSFELD & RICHTER (1995) die Gneisgebiete über ein gutes Versickerungsvermögen von Regenwasser und besitzen ein günstiges Wasserrückhaltevermögen. Die Böden
12
2 Untersuchungsgebiet
des Campusgeländes wurden im Laufe des Universitätsbetriebes stark anthropogen beeinflusst (z. B. Wiese Otto-Meißer-Bau, Abbildung 1). Zu den Störungen der natürlichen Böden gehören z. B. die Verdichtung des Bodens durch Baufahrzeuge sowie die Umlagerung der Böden. Laut des ARBEITSKREIS STADTBÖDEN DER DEUTSCHEN BODENKUNDLICHEN GESELLSCHAFT (1996) stellt die Überdeckung der ursprünglichen Böden mit anderen Materialien einen starken Eingriff dar.
2.4 Vegetationskundliche Charakterisierung der untersuchten Wiesentypen
Die AG Biologie/Ökologie am Institut für Biowissenschaften in Freiberg dokumentierten in verschiedenen Untersuchungen bisher 1.074 Tier- und Pflanzenarten auf dem Campus der TU Bergakademie Freiberg (TU BERGAKADEMIE FREIBERG 2009). Diese hohe biologische Vielfalt des Campus an der Leipziger Straße wird durch 566 Pflanzenarten charakterisiert (TU BERGAKADEMIE FREIBERG 2009). Die Ursachen dafür sind in der Nutzungsgeschichte der Flächen zu suchen. Viele Flächen konnten sich über Jahrzehnte ungestört entwickeln, denn neben einer regelmäßigen Mahd waren sie weder von starken Düngergaben noch von Baumaßnahmen betroffen. Auf zahlreichen Wiesen konnten sich Pflanzenarten ansiedeln, die besonders an nährstoffarme Verhältnisse angepasst sind. Als Folge präsentieren sich die Campuswiesen als ein Mosaik wertvoller Grünlandtypen.
2.4.1 Grünlandtyp-Magerwiese
Die Magerwiesen des Campus der TU Bergakademie Freiberg (Abbildung 1) weisen einen niedrigen Wuchs auf und werden im Jahr bis zu dreimal gemäht (ACHTZIGER & TAUTENHAHN 2006). In der Vergangenheit jedoch wurden diese Wiesen sogar bis zu sechsmal im Jahr gemäht und nicht gedüngt, eine Nährstoffarmut war die Folge (TU BERGAKADEMIE FREIBERG 2009). Aufgrund der gestörten Verhältnisse, wie Mahd oder andere anthropogene Beeinflussung (Bauarbeiten), dominieren auf diesen Wiesen Süß- oder Sauergräser. So bilden die Cyperaceae auf nassen, nährstoffarmen und weniger intensiv oder gar nicht genutzten Standorten die Hauptrolle. Die Poaceae hingegen dominieren auf den trockneren, nährstoffreicheren und intensiver genutzten Standorten. Beide Familien sind mit Abstand die zikadenartenreichsten Pflanzengruppen in Mitteleuropa (HOLZINGER et al. 2002). Allein an den Sauergräsern saugen insgesamt über 220 Arten (HOLZINGER et al. 2002). Für die niedrigwüchsigen Bestände sind höhere Anteile von Gräsern wie Anthoxanthum odoratum, Festuca rubra und Agrostis capillaris charakteristisch. Begleitet werden diese von Arten, die auf nährstoffarme Verhältnisse hinweisen, wie Hieracium pilosella, Leucanthemum vulgare, Leontodon autumnalis, Hypochoeris radicata und Hieracium aurantiacum. Auf der
13
2 Untersuchungsgebiet
West- und Südseite des Meißer-Baus findet man außerdem noch Festuca ovina, Medicago lupulina und Campanula rotundifolia. Diese Arten sind kennzeichnend für die nährstoffärmsten Flächen auf dem Campus der TU Bergakademie Freiberg.
2.4.2 Grünlandtyp-Fettwiese
Die nährstoffreichen Fettwiesen des Campus der TU Bergakademie Freiberg (Abbildung 1) wurden in der Vergangenheit zwei- bis dreimal im Jahr gemäht und zum Teil nur einmal gedüngt. Typische Arten dieser Glatthafer-Fettwiesen (Arrhenatheretum elatioris) sind vor allem hochwüchsige Obergräser wie Dactylis glomerata und Alopecurus pratensis. Außerdem sind für diesen Grünlandtyp zahlreiche krautige Arten wie Taraxacum officinale und Trifolium pratense typisch.
2.5 Charakterisierung der Fauna auf dem Campus
Auch in der Fauna lässt sich auf dem Campusgelände eine Vielfalt der Arten erkennen. Bisher wurden auf dem gesamten Campus 508 Tierarten festgestellt (TU BERGAKADEMIE FREIBERG 2009), darunter 59 Wanzenarten und 49 Zikadenarten (ACHTZIGER & TAUTENHAHN 2006, TU BERGAKADEMIE FREIBERG 2009). Aufgrund des hohen Arteninventars und der verschiedenen Grünlandtypen dienten die Campusflächen für eine hervorragende Untersuchung der Zikaden und Wanzen mittels Saugers.
2.6 Grünlandstreifen in Kleinwaltersdorf
Die Probenahmen zur Quantifizierung der Saugeffektivität und für den Vergleich von Kescher und Sauger stand in Kleinwaltersdorf ein magerer bis mesophiler Grünlandstreifen (Abbildung 2) zur Verfügung. Dieser wird zum einen vom Hospitalwald mit dem Kleinwaltersdorfer Bach im Süden und einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Ackerfläche im Norden begrenzt (Abbildung 3). Dieser extensiv bewirtschaftete Grünlandstreifen im Oberen Waltersbachtal befindet sich bei 50°55´02,72´´ geografischer Breite und 13°18´28,43´´ geografischer Länge auf einer Höhe von 416 m ü. NN und weist eine Fläche von ungefähr 3,2 ha auf (vgl. BRÄUER & KUNZE 2009). Für die Erfassung der Zikaden und Wanzen wurden 2 Transekte (Transekt B und C) entsprechend der vorkommenden Vegetationseinheiten in Transektflächen in der Größe von 2x2 m angelegt. Jedes Transekt bestand wiederum aus sechs (Transekt B) und sieben (Transekt C) Aufnahmeflächen, in denen jeweils die Zikaden und Wanzen erfasst wurden
14
2 Untersuchungsgebiet
Abbildung 2: Geographische Lage des Grünlandstreifens im Oberen Waltersbachtal und die geographischen Koordinaten der einzelnen Untersuchungsflächen (Gauß-Krüger, N/E)
Abbildung 3 veranschaulicht die angrenzenden Biotoptypen an das Untersuchungsgebiet in Kleinwaltersdorf. Das auf Zikaden und Wanzen untersuchte extensiv genutzte Feuchtgrünland ist umgeben von den verschiedensten Nutzungen: Im Norden grenzt ein intensiv bewirtschafteter Acker, im Süden ein Fichten- und Laubholzforst mit heimischen Baumarten. Dabei neigt sich das Areal leicht vom Acker in die hangabwärts liegende Grünlandfläche bis hin zum Kleinwaltersdorfer Bach.
Abbildung 3: Biotoptypenkennzeichnung im
Untersuchungsgebiet am Kleinwaltersdorfer Bach
15
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Sebastian Heintschel, 2010, Methodologische Untersuchungen zum Einsatz eines Sauggerätes zur quantitativen Erfassung von Insekten, München, GRIN Verlag GmbH
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