Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Methode beider Denker und deren Grundverständnis von Philosophie 9
1.1 Heidegger und die phänomenologische Methode 11
1.1.1 Hermeneutik und Destruktion 11
1.1.2 Phänomenologie 13
1.2 Wittgenstein und die Sprachkritik 16
1.2.1 Philosophie als Therapie 18
1.2.2 „Phänomenologie ist Grammatik“ 22
1.3 Heidegger und Wittgenstein im methodischen Dialog 24
2. Fundamente des Erkennens: In-der-Welt-sein vs. In-Sprachspielen-sein 32
2.1 Heideggers „In-der-Welt-sein“ 34
2.1.1 „In-Sein“ als Ausgangspunkt 37
2.1.2 Die Frage nach der Existenz der Außenwelt 39
2.2 Wittgensteins In-Sprachspielen-sein 42
2.2.1 Einer Regel folgen 46
2.2.2 „Gewißheit“ als Lebensform 48
2.3 Heidegger und Wittgenstein im erkenntnistheoretischen Dialog 51
3. Destruktion einer verdinglichten Bewusstseinsphilosophie 56
3.1 Heideggers Kritik der Vorhandenheitsontologie 58
3.1.1 „Dasein, Mitsein, Selbstsein“ 60
3.1.2 Das Problem des Fremdpsychischen 62
3.2 Wittgensteins Kritik der Vorhandenheitssemantik 65
3.2.1 Innen- und Außenmetaphorik 68
3.2.2 „Einstellung zur Seele“ 71
3.3 Heidegger und Wittgenstein im bewusstseinsphilosophischen Dialog 73
4. Existentiale Grammatik 79
4.1 Formen der Grundsituation 81
4.1.1 Grammatischer Aufweis des „Mitseins“ Heideggers 84
Inhaltsverzeichnis
4.1.2 Existentialer Aufweis des Einstellungsansatzes Wittgensteins 85
4.2 Gleichursprünglichkeit existentialer und grammatischer Formen 86
4.3 Sinnkritische Wende der Philosophie 88
5. Ausblick 90
Nachweise 92
Siglenverzeichnis 92
Sekund ärliteratur 93
Bildnachweis 96
Einleitung
Einleitung
Martin Heidegger (1889-1976) und Ludwig Wittgenstein (1889-1951) gelten als bedeutende Denker der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Sie sind Ideengeber für verschiedene philosophische Strömungen gewesen und beeinflussen zum Teil auch heute noch die gegenwärtige Philosophie. Die Zeit der Grabenkämpfe 1 zwischen analytischer Philosophie und Phänomenologie, bzw. der Positivismusstreit, scheint vorbei, gleichwohl lassen sich Relikte ehemaliger Kampfplätze nach wie vor finden. Wittgenstein und Heidegger standen auch paradigmatisch für eine gewisse Kommunikationsverweigerung zwischen deren jeweiligen Anhängerschaften. Viele Facetten der gegenwärtigen Philosophie lassen sich besser verstehen, wenn auf die von beiden Philosophen ausgehenden Denkanstöße Bezug genommen wird. Nicht nur Martin Heidegger nimmt eine Sonderstellung zwischen Phänomenologie, Existentialismus und Hermeneutik ein, auch Ludwig Wittgensteins Gedanken stehen exponiert da; oft als Positivist verkannt, lässt er sich nicht einfach in eine Schublade einer Denkrichtung einordnen, obwohl er mit seiner Spätphilosophie als einer der geistigen Väter der analytischen Philosophie der „ordinary language“ gilt. Beide bemühten sich zu bestimmten Phasen ihres Denkens, die Bedingungen der Möglichkeit des Erkennens in situative Zusammenhänge der Lebenspraxis zu stellen. Trotz der Differenzen der beiden Philosophen gibt es erstaunliche strukturelle Parallelen, nicht nur detaillierter Art, wie z.B. die oft bemühte Gemeinsamkeit über das Schweigen 2 .
1 Als einer der Höhepunkte ist die Auseinandersetzung zwischen Carnap und Heidegger zu nennen. Beide bezichtigten sich gegenseitig des Vorwurfs der Metaphysik. Heidegger kritisiert die unkritische wissenschaftliche Weltauffassung als metaphysisch und Carnap arbeitet sich vor allem an Heideggers Vortrag „Was ist Metaphysik“ (GA 9) über das „Nichts“ ab. „Es wäre nicht ganz widersinnig zu sagen, daß Carnap Heidegger liest, wie der Teufel die Bibel lesen würde.“ Zitiert nach Critchley Simon: Heidegger und Rudolf Carnap. Kommt nichts aus nichts?, in: Thomä Dieter (Hg.): Heidegger Handbuch, Stuttgart, Weimar, 2003, S. 358
2 „Ich wollte nämlich schreiben, mein Werk bestehe aus zwei Teilen“, heißt es in einem Brief von Wittgenstein über den „Tractatus“ an Ludwig von Ficker, „aus dem, der hier vorliegt, und aus alledem, was ich nicht geschrieben habe. Und gerade dieser zweite Teil ist der Wichtigste. Es wird nämlich das Ethische durch mein Buch gleichsam von Innen her begrenzt, und ich bin überzeugt, daß es, streng, NUR so zu begrenzen ist. Kurz, ich glaube: Alles das, was viele heute schwefeln, habe ich in meinem Buch festgelegt, indem ich darüber schweige.“ Wittgenstein Ludwig: Briefwechsel mit B. Russell, G.E. Moore, J.M. Keynes, F.P. Ramsey, W. Eccles, P. Engelmann und L. von Ficker, hg. von McGuinness Brain, und Wright G.H., Frankfurt am Main, 1980, S.96/97. Als konstitutives Moment der „Rede“, die als
Einleitung
Beide geben der Praxis den Vorzug gegenüber der Theorie, genauer gesagt verweisen sie auf die vortheoretische Alltagspraxis als Grundlegung der theoretischen Betrachtung. Beide können als Anti-Cartesianer verstanden werden und destruieren als solche die traditionelle Vorhandenheitssemantik, bzw. die Vorhandenheitsontologie. Beide hinterfragen mit ihren Ansätzen sinnkritisch die Fragen der Philosophie, indem sie die traditionellen Fragestellungen von einem Ausgangspunkt her einsichtig machen, der weder beim Subjekt noch beim Objekt beginnt, sondern bei den Phänomenen, die aus der Mitte des Lebens erwachsen.
Auf dem Weg der Entfaltung der Seinsfrage Heideggers in „Sein und Zeit“ bleiben genügend exponierte Stellen, die einen Ausblick erlauben, hinüber zu dem anderen großen Philosophen, Ludwig Wittgenstein. Auch von Wittgensteins Spätphilosophie der Sprachspiele als Teile einer Lebensform aus, finden sich Entsprechungen zu Heideggers Daseinsanalyse. Ein Vergleich auf gleicher Augenhöhe macht es notwendig, den einen Philosophen vom anderen her zu lesen und umgekehrt. Verglichen wird in der vorliegenden Arbeit der frühe Heidegger aus dem näheren Umfeld von „Sein und Zeit“ mit der Sprachkritik des späten Wittgenstein, von Beginn seiner Wiederaufnahme der philosophischen Tätigkeit 1929 bis zu seinem Tod 1951. Obwohl Heidegger in „Sein und Zeit“ die Sprache noch nicht wie in seiner Spätphilosophie als „Haus des Seins“ (GA 9, 313) bezeichnet, finden sich womöglich dort in der analytisch dargelegten Hermeneutik des alltäglichen Daseins mehr Anknüpfungspunkte zu Wittgensteins Untersuchung der alltäglichen „Sprachspiele“, die als Teile einer „Lebensform“ ebenfalls Verbindungen zu Heideggers „In-der-Welt-sein“, der Grundverfassung des Daseins, aufweisen. Vor allem die „Dekonstruktion obsessiver Bilder“ 3 der traditionellen Philosophie lässt sich anhand von „Sein und Zeit“ und den „Philosophischen Untersuchungen“ gut nachvollziehen. Ein gemeinsamer und ausgezeichneter Bezugspunkt bildet dabei die Destruktion des Bildes des Verhältnisses von Innen- und Außenwelt und damit verbunden das Subjekt-Objekt Schema. Die Literatur, die beide Philosophen in Verbindung bringt, ist überschaubar. Der erste Autor, der ab Anfang der 60er Jahre die beiden Denker in Aufsätzen in ein Verhältnis
existential-ontologisches Fundament der Sprache gefasst wird in „Sein und Zeit“, bestimmt Heidegger das Schweigen, denn wer „schweigt, kann eigentlicher »zu verstehen geben«, das heißt das Verständnis ausbilden, als der, dem das Wort nicht ausgeht.“ (SuZ 164).
3 Rorty Richard: Der Spiegel der Natur: Eine Kritik der Philosophie, Frankfurt am Main, 1981, S. 22 Rorty würdigt Heidegger und Wittgenstein wegen ihrer Beiträge zur Entlarvung irreführender Metaphern und Bilder in der Philosophie.
Einleitung
setzte, war K. O. Apel. 4 Die wohl bisher umfassendste Studie über Wittgenstein und Heidegger legte Thomas Rentsch vor 5 . Beide Autoren geben für diese Arbeit wichtige Impulse, jedoch beinhalten die Überlegungen, sowohl von Apel als auch von Rentsch, nicht das, für das Verständnis von Wittgensteins Innen- und Außenbild, so wichtige Werk 6 der „Letzte[n] Schriften über die Philosophie der Psychologie“ (LS II). Werden diese ergiebigen philosophischen Aufzeichnungen Wittgensteins über das Innere und das Äußere (1949-1951) berücksichtigt, so ergeben sich neue Aspekte, die weitere Analogien zu Heideggers Verabschiedung des Subjekt-Objekt Dualismus zulassen, sowie zu dem Problem des Fremdpsychischen. „Die ausgezeichnete Qualität dieser letzten Schriften“ 7 , wie die Herausgeber im Vorwort bemerken, ergibt zusammen mit dem zweiten Teil der „Philosophischen Untersuchungen“ eine neue Grundlage zur Lösung des Problems des Fremdpsychischen 8 , die - wie in der vorliegenden Arbeit gezeigt werden soll - derjenigen Heideggers nahe steht. Dabei wird es mir ein Anliegen sein, nicht nur Parallelen anhand eines Beispiels darzustellen, sondern auch eine strukturelle Kompatibilität der philosophischen Ansätze, ausgehend von einem konkreten Vergleich, sichtbar werden zu lassen. Konkret verglichen werden die Lösungsansätze der beiden Denker in Bezug auf das Problem der Existenz der
4 Die Aufsätze von Apel sind in einem Sammelband erschienen. Apel K. O.: Transformation der Philosophie. Band 1: Sprachanalytik, Semiotik, Hermeneutik, Frankfurt am Main, 1976
5 Rentsch Thomas: Heidegger und Wittgenstein. Existential- und Sprachanalysen zu den Grundlagen philosophischer Anthropologie, Stuttgart, 1985 und 2003. In dieser Arbeit wird die neue Fassung von 2003 verwendet.
6 Wittgensteins Aufzeichnungen seiner Spätphilosophie stellen generell eine editorische Schwierigkeit dar. Der verwertbare Nachlass umfasst insgesamt etwa 20000 Seiten in Form von Mitschriften aus Vorlesungen, sowie zahlreichen Typoskripten und Manuskripten. Vgl. Schulte Joachim: Wittgenstein. Eine Einführung, Stuttgart, 1989, S. 43. Im Jahr 2000 erschien die „Bergen Electronic Edition“, die den gesamten Nachlass in digitalisierter Form begehbar macht. Wittgenstein’s Nachlass. Text and Facsimile. The Bergen Electronic Edition, CD-ROM, Oxford 2000. Die von G. H. von Wright und Heikki Nyman herausgegebenen „Letzte[n] Schriften über die Philosophie der Psychologie (II)“ sind 1993 erschienen und die dort enthaltenen Passagen über das Innere und Äußere, die noch nicht in anderen Editionen herausgegeben wurden, konnten somit keinen Eingang in die Interprationen bei Rentsch und Apel finden. Der Zugang zu einigen dieser Bemerkungen wäre nur über einen Mikrofilm möglich gewesen.
7 Wright G.H. von, Nyman Heikki (Hg.): Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie: Das Innere und das Äußere (1949-1951), Frankfurt am Main, 1993
8 Interpretationsansätze zu Wittgensteins Philosophie des Geistes und dem Problem des Fremdpsychischen, welche die „Letzten Schriften“ mit einbeziehen, finden sich in: Savigny Eike von, Scholz Oliver R. (Hg.), Wittgenstein über die Seele, Frankfurt am Main, 1996
Einleitung
Außenwelt (2.1.2 zu Heidegger und 2.2.2 zu Wittgenstein) im Kontext erkenntnistheoretischer Fragen, sowie das Problem des Fremdpsychischen (3.1.2 zu Heidegger und 3.2.2 zu Wittgenstein) im Kontext der Bewusstseinsphilosophie. Heidegger wie Wittgenstein entdecken die Phänomene der „Lebenswelt“ 9 als primären Zugang zu philosophischen Fragen. Primär ist demnach nicht mehr ein transzendentales Subjekt, sondern jenes ist immer schon verstrickt in die Geschehnisse des „In-der-Weltseins“ und des In-Sprachspielen-seins, aus denen es auch bei philosophischen Fragen kein Entkommen gibt. Beide Philosophen arbeiten apriorische Formen (existentiale und „grammatische“ Formen) des Daseins heraus, welche die Bedingung des Sprechens, Handelns und Denkens abgeben. Der Horizont philosophischen Fragens ist dadurch bereits vorgezeichnet. In diesem Zusammenhang weisen Heideggers und Wittgensteins Ansätze eine therapeutische Stoßrichtung auf, da sie den Fragenden in manchen Situationen von der „Krankheit“ 10 des philosophischen Fragens befreien. Dahinter steht auch der Gedanke der Möglichkeit einer Aussöhnung des Theoretischen mit dem Praktischen. Die theoretischen Fragen der Philosophie überspringen allzu oft ein dafür notwendiges Vorverständnis einer gängigen Alltagspraxis, ohne das die philosophischen Fragen dem Verdacht der Sinnlosigkeit ausgesetzt bleiben müssen. Bei den Prämissen philosophischer Fragen setzen Heidegger mit seiner Daseinsanalyse und Wittgenstein mit seiner Sprachkritik an, um diese Fragen einsichtig zu machen oder sie gegebenenfalls für sinnlos zu erklären. Dabei erhellen sich die Ansätze Heideggers und Wittgensteins gegenseitig. Wittgenstein zielt vorrangig auf den alltäglichen Gebrauch der Sprachspiele, die als integrative Bestandteile einer Lebensform erst ihre Geltung erlangen. Die Einheit von Sprachspiel und Lebensform bilden die „Urphänomene“ 11 , die nicht mehr hintergehbar sind. Heidegger geht es um die Phänomene des alltäglichen Daseins, die sprachlich vermittelt sind, wodurch jene eine „Verstellung“ und
9 Der Begriff der „Lebenswelt“ ist bereits bei Heideggers frühen Freiburger Vorlesungen (1919-1923) von Bedeutung, wie Hans-Helmuth Gander dargelegt hat. In dieser „muß sich der Mensch als Selbstverständnis in seinen Sinnentwürfen enträtseln. Dabei zeigt sich die Lebenswelt in ihrer Vielfalt bestimmt durch ein gleichursprüngliches Ineinandergreifen von individuellen Sinnoptionen, sozialen Machtmechanismen und -strukturen und Ordnungen, die in ihren symbolischen Sinnstrukturen traditionell wie kulturell die Lebensformen prädisponieren.“ Gander Hans-Helmuth: Selbstverständnis und Lebenswelt. Grundzüge einer phänomenologischen Hermeneutik im Ausgang von Husserl und Heidegger, Frankfurt am Main, 2001, S. 6
10 „Der Philosoph behandelt eine Frage; wie eine Krankheit.“ (PU 255).
11 „Unser Fehler ist, dort nach einer Erklärung zu suchen, wo wir die Tatsachen als ›Urphänomene‹ sehen sollten. D.h., wo wir sagen sollten: dieses Sprachspiel wird gespielt.“ (PU 654).
Einleitung
„Verdeckung“ (SuZ 35, 36) erfahren können. Damit das Phänomen frei von Verstellungen „Sich-an-ihm-selbst-zeigen“ (SuZ 31) kann, bedarf es der Phänomenologie. „Phänomenologie ist Grammatik“ (BT 437) nach Wittgenstein, weil so die Gebrauchsfelder der Begriffe auf das „Urphänomen“ hin freigelegt werden. Die „Grammatik“ im Sinne Wittgensteins konstituiert die Bedeutung der Sprachspiele und steht nicht nur für die Syntax. Sie erlaubt zu sehen, nach welchen Regeln und Annahmen ein Sprachspiel realisiert wird.
Die weitere Arbeit gliedert sich wie folgt:
1. Methode beider Denker und deren Grundverständnis von Philosophie 2. Fundamente des Erkennens: In-derWelt-sein vs. In-Sprachspielen-sein
3. Destruktion einer verdinglichten Bewusstseinsphilosophie
4. Existentiale Grammatik
Zunächst wird die Herangehensweise an philosophische Probleme beider Denker und deren Grundverständnis von Philosophie vorgestellt. Anschließend geht es an die Fundamente des Erkennens beider Ansätze, die konkreter ausgeführt werden, zum einen anhand Heideggers Existential des „In-der-Welt-seins“ und zum anderen durch Wittgensteins kontextuelle Sprachspiele, die in Lebensformen eingebunden sind. Dies gibt eine Vorlage für Kapitel 3 ab, in dem es um Destruktionsbewegungen des Verhältnisses von Außen- und Innenwelt geht. Bei Heidegger durch die Kritik an einer privaten Innenwelt durch die Analysen von „Mitsein“, „Dasein“ und „Selbstsein“ und bei Wittgenstein durch das Privatsprachenargument, sowie seine Überlegungen zur Philosophie der Psychologie. Abschließend wird das Projekt der „Existentialen Grammatik“, das Thomas Rentsch in seiner Studie über Heidegger und Wittgenstein in anthropologischer Hinsicht unternimmt, auf das ausgeführte Beispiel des Problems des Fremdpsychischen umgelegt. Es wird zu zeigen sein, inwiefern die existentiale Form des „Mitseins“ Heideggers „grammatisch“ aufweisbar ist und umgekehrt, wie die „grammatische“ Form des psychologischen Sprachspiels, die „Einstellung zur Seele“, existential Bedeutung hat.
Den Abschluss der Kapitel 1, 2 und 3 bildet jeweils ein Abschnitt, der Heidegger und Wittgenstein in einen rekonstruktiven Dialog bringt, der nicht nur das Gesagte zusammenfasst, sondern überdies hinaus weitere Gemeinsamkeiten der beiden
Einleitung
Philosophen in den Themen der jeweiligen Kapitel vertieft. Ein Dialog zwischen den beiden Philosophen hat zu Lebzeiten nie stattgefunden. Bekannt ist lediglich, dass Heidegger Wittgenstein in dessen Frühphase mit dem „Tractatus logico-philosophicus“ als „krassen Positivisten“ 12 gesehen hat. Im Gegenzug gibt es die Bemerkung Wittgensteins aus den von Waismann aufgezeichneten Gesprächen des Wiener Kreises, bei denen er sich äußert, dass er verstehe, was Heidegger mit „Sein“ und „Angst“ meine. 13
12 „Als ein Student zu ihm kam und sich als Neffe Wittgensteins vorstellte, sagte er: »Dieser krasse Positivist! «“ McGuinness Brain u.a (Hg): »Der Löwe spricht…und wir können ihn nicht verstehen«, Frankfurt am Main, 1991, S. 9
13 Während eines Gesprächs des Wiener Kreises 1929 bei Moritz Schlick äußert sich Wittgenstein: „Ich kann mir wohl denken, was Heidegger mit Sein und Angst meint. Der Mensch hat den Trieb gegen die Grenze der Sprache anzurennen. Denken Sie z.B. an das Erstaunen, daß etwas existiert.“ Waismann Friedrich: Wittgenstein und der Wiener Kreis, aus dem Nachlass hg. von Brain McGuinness, Frankfurt am Main, 1967, S. 68
1. Methode beider Denker und deren Grundverständnis von Philosophie
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