Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
Seite 3
2. Historischer Überblick von der Französischen Revolution bis zur Revolution von
1848/49 aus weiblicher Sicht
Seite 5
3. Frauen und Öffentlichkeit in der Zeit des Vormärz
Seite 10
4. Frauen in Männerräumen
Seite 14
5. Frauen in Frauenräumen
Seite 18
6. Frauen in Zwischenräumen I
Seite 22
7. Frauen in Zwischenräumen II
Seite 25
8. Historischer Überblick von der Revolution von 1848/49 bis 1933 aus weiblicher Sicht
Seite 28
9. Resümee und abschließende Bemerkungen
Seite 31
Literaturverzeichnis
Seite 34
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1. Einleitung
Dass sich Frauen aktiv am Revolutionsgeschehen beteiligt haben, ist nach unserer Meinung eine unbestreitbare Tatsache. Ebenso eine Tatsache ist es aber auch, dass diese Erkenntnis vor nicht allzu langer Zeit weitestgehend unbekannt war, worauf wir mit dem Titel unserer Arbeit "Frauen in der Revolution von 1848/49 ?" hinweisen möchten. Gleichwohl ist es erfreulich, dass sich in Arbeiten von Historikern immer häufiger geschlechtsspezifische Fragestrellungen zur 48er-Revolution finden 1 und nicht mehr beklagt werden muss, dass das Engagement der Frauen als Kuriosität behandelt wird 2 . Aber dennoch werden in vielen Darstellungen zum 150jährigen Jubiläum die Frauen nur ganz am Rande behandelt. 3
Wir beschäftigen uns nun in dieser Hausarbeit mit den Aktivitäten der Frauen in der Revolution von 1848/49. Grundlage hierfür ist der Text "Frauen-Räume in der Männer-Revolution von 1848" von Gabriela Hauch. Bereits aus dem Titel kann man entnehmen, dass ihrem Artikel das Konzept des Raumes zugrunde liegt. Auch wir werden im folgenden damit arbeiten, weil es eine gute und einsichtige Strukturierung des Inhaltes ermöglicht. Denn durch die geschlechtsspezifische Betrachtung des Revolutionsgeschehens werden die ohnehin "nicht einheitlichen Revolutionsverläufe quasi ein weiteres Mal gebrochen" 4 . Mit dem Konzept des Raumes meinen wir wie Gabriela Hauch "nicht nur geographische Orte, sondern auch das Netzt der sozialen Beziehungen innerhalb und außerhalb von Institutionen, das über eine Gesellschaft gespannt ist und sie gleichzeitig strukturiert und konstituiert" 5 . Wir werden aufgrund unserer geschlechtsspezifischen Perspektive im Folgenden von diesen drei Unterkategorien des Raumes sprechen: Männerraum, Frauenraum und Zwischenraum. Diese Begriffe sollen ausdrücken, dass die Strukturen des jeweiligen Raumes von Männern bzw. Frauen bzw. beiden bestimmt werden.
Anders als in unserem Referat wollen wir statt einer rein chronologischen Darstellung des Revolutionsverlaufs mehr auf die Vorgeschichte und das Geschehen der Revolution aus Sicht der Frauen eingehen. Anschließend werfen wir einen Blick auf das Verhältnis zwischen Frauen und Öffentlichkeit in der Zeit des Vormärz und zeigen dabei wie Frauen von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Vor diesem Hintergrund betrachten wir dann
1 HAUCH, Gabriela (1998): Frauen-Räume in der Männer-Revolution von 1848, in: Dowe, Dieter; Haupt, Heinz-Gerhard; Langwische, Dieter (Hg.) (1998): Europa 1848. Revolution und Reform, Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger GmbH, Seiten 841-900, hier Seite 843
2 GERHARD, Ute (1983): Über die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848. Frauenpresse, Frauenpolitik und Frauenvereine, in: Hausen, Karin (Hg.) (1983): Frauen suchen ihre Geschichte. Historische Studien zum 19. und 20. Jahrhundert, München: C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, Seiten 196-220, hier Anmerkung 2 Seite 218
3 Dieter Hein widmet den Frauen in seinem Buch [HEIN, Dieter (1999): Die Revolution von 1848/49 (2. Auflage), München: C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung] gerade mal eine gute halbe Seite von insgesamt über 130. Außerdem erwähnt er im gesamten Buch nicht eine einzige Frau namentlich. 4 HAUCH, Gabriela (1998): Seite 842 5 ebd.: Seite 844
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eingehend die Aktivitäten der Frauen in der Zeit der Revolution von 1848/49. Bevor wir am Ende zu unserer eigenen Stellungnahme kommen, geben wir einen Ausblick auf die Entwicklung der alten Frauenbewegung bis 1933.
Im Rahmen unserer Ausführungen beantworten wir folgende Fragen: Welche Vorbilder hatten die Frauen des Deutschen Bundes? Wie wurden Frauen von bzw. in der Öffentlichkeit gesehen? Ab wann kann man von einer Frauenbewegung sprechen? Wie reagierten die Männer auf politisch interessierte Frauen? Wie werden Frauen aus Männerräumen ausgeschlossen? Wie reagierten sie darauf? Welche Ziele hatten sie? Auf welchem Weg wollten sie diese Erreichen? Welche eigenen Institutionen und Oganisationen gründeten die Frauen? Wie durchbrachen bzw. umgingen sie die Grenzen, die ihnen das patriarchalische System der Männer gesetzt hatte? Wie vermischten sich die Geschlechterrrollen? Wie sagten die Frauen: "Hier bin ich, ich habe eine Meinung, ich bin ein Zoon Politikon und kämpfen kann ich schon lange!"? Wie erging es den Frauen nach der Revolution? Wie entwickelte sich die Frauenbewegung nach der Revolution weiter? Warum lohnt es sich auch heute noch, sich mit den 48erinnen zu beschäftigen?
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2. Historischer Überblick von der Französischen Revolution bis zur Revolution von 1848/49 aus weiblicher Sicht
Wird heute die Französische Revolution betrachtet, so gilt sie als eines der bedeutendsten Ereignisse der europäischen Geschichte und die dort verkündeten Menschen- und Bürgerrechte werden als Meilenstein für Demokratie und Menschlichkeit gesehen. 6 Vor diesem Hintergrund wird aber meist vergessen, dass die Menschenrechtserklärung ebenso wie die Festlegung der Bürgerrechte in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 7 tatsächlich nur für den männlichen Teil der Bevölkerung gültig war und Frauenrechte nicht angesprochen wurden. 8 Hinzu kommt, dass die Beteiligung der Frauen am Revolutionsgeschehen wie beinahe üblich kaum Beachtung findet.
Frauen waren aber aktiv und konnten auch beachtliche Erfolge erzielen. Erinnert sei hier an den Zug der Frauen nach Versailles: Am Vormittag des 5. Oktober 1789 zogen Frauen mit dem Ruf "Versailles schlemmt, Paris hungert!" von Paris nach Versailles. "In Versailles erreichten die Frauen, dass der König (...) eine ausreichende Mehlversorgung und Festpreise zusicherte." 9 Statt sich nun mit ihrem Erfolg zufrieden zu geben und zurückzukehren, blieben sie und forderten vom König die Abschaffung der Feudalherrschaft und die Anerkennung der Menschen und Bürgerrechte. 10 Auch hiermit hatten sie Erfolg und erwirkten zusätzlich, dass der König mit seiner Familie quasi als Garantie nach Paris übersiedelte.
Man sieht hieran deutlich, dass sich die Frauen zu den Zielen der Revolution bekannten. Des Weiteren forderten sie die Sicherung ihrer Lebensgrundlage und führten damit soziale Forderungen in den Revolutionsprozeß ein. 11 Ute Gerhard bezeichnet die Zeit der französischen Revolution zu Recht als die Zeit, in der der neuzeitliche Feminismus beginnt. 12 Die Frauen setzten nämlich sich auch für ihre eigenen Rechte ein. Sie "forderten ihr Recht auf politische Teilhabe und gründeten die ersten Frauenclubs. Als die Menschenrechte durch die rein männlich besetzte Nationalversammlung verabschiedet wurden und sich einige deutliche Unzulänglichkeiten zeigten, stürmten die Frauen die Nationalversammlung mit der Forderung, nun die Privilegien für das männliche Geschlecht abzuschaffen. (...) Doch mit
6 DÜLL, Klaus-Peter (2001): Frau in der Verfassung. Bedeutung und Auswirkung des Grundgesetzes im Hinblick auf die gesellschaftliche Stellung der Frauen, Frankfurt am Main (Staatsexamensarbeit), Seite 9 7 BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG (1997): Informationen zur politischen Bildung 254. Frauen in Deutschland. Auf dem Weg zur Gleichstellung, München: Franzis-Druck GmbH, Seite 4 8 ebd.: Seite 9
9 STÜBIG, Frauke (1990): Was geschah eigentlich vor 200 Jahren? Ein Rückblick auf die französische Revolution aus weiblicher Sicht, in: Gerhard, Ute; Jansen, Mechthild; Maihofer, Andrea; Schmid, Pia; Schulz, Irmgard (1990): Differenz und Gleichheit - Menschenrechte haben (k)ein Geschlecht, Frankfurt am Main: Ulrike Helmer Verlag, Seiten 30-46, hier Seite 31 10 DÜLL, Klaus-Peter (2001): Seite 10 11 STÜBIG, Frauke (1990): Seite 31
12 GERHARD, Ute (1990b): Gleichheit ohne Angleichung - Frauen im Recht, München: C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, Seite 52
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dieser Forderung hatten sie keinen Erfolg. Die erste Erklärung der Menschenrechte ignorierte die Leistungen der Frauen und ihr Grundrecht auf eine gleichgestellte Rolle in der Gesellschaft." 13
Die bekannteste Kritikerin dieser Verfassung dürfte zweifellos die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges sein. Im Jahre 1791 veröffentlichte sie einen eigenen Menschenrechtsentwurf unter dem Titel "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin", die international Aufsehen erregte 14 , aber bezeichnenderweise heute nur noch in Bruchstücken vorhanden ist 15 . Auffällig ist an ihrer Erklärung, dass sie sich darin nicht nur für die Rechte der Frauen, sondern auch für die Rechte der Männer (Artikel 2) einsetzte. 16 Anders als die Männer will sie das andere Geschlecht nicht regieren, sondern einbeziehen. Das besondere der Erklärung von de Gouges bestand demnach darin, ein Rechtskatalog für alle Menschen zu sein. 17
Leider konnte sich Olympe de Gouges aber mit ihren Forderungen nicht durchsetzen. Die Jakobinerdiktatur machte der Teilnahme der französischen Frauen am politischen Geschehen ein Ende. "Den Frauen, die zuvor [auch] aktiv in der Revolutionsarmee mitgekämpft hatten, wurde nun verboten, an öffentlichen Versammlungen teilzunehmen oder gar auf ihnen zu reden, und mehr als fünf Frauen durften auf der Straße nicht mehr zusammenkommen." 18 Wie viele andere Frauen und Männer wurde auch Olympe de Gouges eines ihrer Opfer. Sie wurde am 3. November 1793 hingerichtet und mit ihr die erste Frauenbewegung 19 . Denn obwohl die Frauenrechtserklärung als Werk einer Einzelnen bezeichnet wird, ist sie nur vor dem Hintergrund einer aktiven Frauenöffentlichkeit zu verstehen. 20
Man kann ebenfalls nicht davon ausgehen, dass das Interesse an Politik auf die französischen Frauen der damaligen Zeit beschränkt war. So erschien beispielsweise 1792 in London das Buch "Eine Verteidigung der Rechte der Frauen" von Mary Wollstonecraft als Reaktion auf die Ergebnisse der Französischen Revolution. 21 Ich denke, dass der Widerstand der Frauen auch im Gebiet des Deutschen Bundes Aufmerksamkeit erregte. Dies läßt sich aber anscheinend nicht durch Publikationen zu Frauenrechten belegen. Man beschäftigte sich hier allenfalls mit Fragen der Erziehung und Bildung der jungen Frauen, damit diese die ihnen zugestandenen Rollen in der Gesellschaft erfüllen konnten. 22 Die höheren Töchter - und nur um deren Erziehung kümmerte man sich - sollten auf ihre Repräsentationspflichten
13 DÜLL, Klaus-Peter (2001): Seite 10 14 BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG (1997): Seite 4 15 DÜLL, Klaus-Peter (2001): Seite 10, GERHARD, Ute (1990b): Seite 53 16 DÜLL, Klaus-Peter (2001): Seite 11 17 GERHARD, Ute (1990b): Seite 55 18 DÜLL, Klaus-Peter (2001): Seite 13 19 ebd.: Seite 13 20 GERHARD, Ute (1990b): Seite 54 21 BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG (1997): Seite 5 22 ebd.: Seite 5
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vorbereitet werden. Hierzu zählte auch eine oberflächliche Allgemeinbildung, "die zur Konversation mit dem zukünftigen Ehemann und Gästen befähigen sollte" 23 . Hierdurch blieb den Frauen der Zugang zum höheren Schulwesen und den Universitäten verwehrt, so dass sie, sofern Interesse Vorhanden war, autodidaktisch tätig werden mussten. Die Bildungsmöglichkeiten für junge Frauen aus den Unterschichten waren noch geringer, ihnen blieb nur die Volksschule. 24 Dort war das Bildungsniveau noch niedriger und sie wurde zudem schon früh, etwa im Konfirmationsalter, abgeschlossen. In Frankreich wurde 1833 die Zweitrangigkeit der Mädchenbildung sogar per Gesetz festgeschrieben. 25
Die Revolutionsunruhen in Frankreich griffen ebenso wie Unruhen der folgenden Jahrzehnte immer wieder auch auf den Deutschen Bund über und dennoch "beginnt die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland keineswegs mit einem Paukenschlag (...) wie [in] Frankreich (...) oder (...) in den USA (...), sondern eher unauffällig (...) und (...) beinahe unbemerkt." 26 Zu einem der ersten bedeutenden "Ereignissen gehört das Hambacher Fest (...) vom 27. bis 30. Mai 1832 (...). [Dieses] war Ausdruck eines politischen und sozialen Protestes gegen die absolutistischen Regime des Deutschen Bundes und plädierte für einen liberalen Verfassungsstaat und eine nationale Einigung. Es heißt: Frauen nahmen massenhaft teil. Im Aufruf zur Feier (...) waren sie [und ihre politische Mißachtung] von den Veranstaltern gesondert angesprochen worden." 27 Trotzdem betrachtete man ihre Teilnahme lediglich als Dekoration. 28 Die Forderungen des Hambacher Festes blieben jedoch nicht nur genauso unerfüllt wie die demokratischen Hoffnungen nach den napoleonischen Befreiungskriegen 29 oder der Julirevolution, sondern die Situation verschärfte sich sogar noch durch Gegenmaßnahmen der Regierenden. Die sogenannte Restaurationspolitik Preußens und vor allem Österreichs zielte auf die Wiederherstellung alter Privilegien und die Aufhebung bereits gewährter Rechte, 30 wodurch die Probleme der Zeit aber keineswegs gelöst waren.
Das Verlangen nach Freiheit ließ sich kaum unterdrücken, so dass sich gerade auch Frauen gegen die herrschenden Verhältnisse auflehtnen. In einzelnen persönlichen Lebensläufen zeigt sich in dieser Zeit, dass Frauen gegen gesellschaftliche Zwänge rebellierten. 31 Dies
23 ebd.: Seite 5
24 ebd.: Seite 5 25 HAUCH, Gabriela (1998): Seite 846
26 GERHARD, Ute (1990a): Unerhört. Die Geschichte der Frauenbewegung, Reinbek bei Hamburg: Rowolt Taschenbuchverlag GmbH, Seite 16 27 ebd.: Seite 31
28 GERHARD, Ute (1999): Atempause. Feminismus als demokratisches Projekt, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Seite 92
29 In dieser Zeit gründen Frauen erste Lazarett- und Wohltätigsvereine mit denen sie aber "nur" anderen halfen. Näheres zu Frauenvereinen folgt in Kapitel 5.
30 GERHARD, Ute (1990a): Seiten 24 f; Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 verboten Studentenverbindungen, ordneten die Überwachung der Universitäten an und verschärften die Pressezensur. 31 Man betrachte hierzu beispielsweise den Lebenslauf von Mathilde Franziska Annneke, zu finden in GERHARD, Ute (1990a): Seite 32
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Thorsten Dollmetsch, 2001, Frauen in der Revolution von 1848/49, München, GRIN Verlag GmbH
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