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Inhalt
1. Einleitung 3
2. Kindheit und Jugend 5
4. Die ersten musikalischen Schritte. 8
6. Exkurs III: Ska 11
7. Erste Erfolge 13
8. Exkurs IV: Vom Ska zum Rocksteady zum Reggae 14
9. Die Wailers im Wandel der Stile. 16
10. Internationale Erfolge 18
11. Bob Marleys Solokarriere. 20
12. Nach dem Tod Bob Marleys - ein Fazit 25
Literatur 27
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1. Einleitung
Die populäre Musik auf Jamaika seit 1960 lässt sich im wesentlichen in drei Zeitabschnitte unterteilen, der jeder für sich einen bestimmten Musikstil mit einem für ihn charakteristischen Beat aufweist. Von ca. 1960 bis Mitte 1966 war Ska die dominante Musikform, die in den Jahren von 1966 bis ca. 1968 vom Rocksteady abgelöst wurde. Ab etwa 1969 bis 1983 war Reggae die am meisten produzierte und konsumierte Musik, wobei hier noch zwischen dem ‘frühen Reggae’ (1969 bis 1974) und dem so genannten ‘Roots Reggae’ (1975 bis 1983) unterschieden werden muss. 1 Seit ca. 1983 ist Dancehall der populäre Musikstil auf Jamaika und erreicht mit Künstlern wie Shaba Ranks, Shaggy, Beenie Man und anderen heute mehr internationale Popularität als sogar Bob Marley zu Lebzeiten erreichen konnte.
Über die Entstehung des Wortes ‚Reggae’ gibt es verschiedene Versionen. Es wird gesagt, die Vokabel sei zurück zu führen, auf das englische Wort „raggedness“ (zerlumpt), da Reggae -wie die meisten populären Musikstile Jamaikasin den Armengebieten oder Ghettos des Landes entstanden ist. Manche führen den Begriff auf das Wort „streggae“ zurück, was im jamaikanischen Slang „Prostituierte“ bedeutet. Viele verstehen das Wort „Reggae“ einfach nur als eine Beschreibung für seinen charakteristischen Rhythmus’. Diese Auffassung teilte auch Toots Hibbert, der zusammen mit den Maytals den Begriff in dem Lied „Do the Reggay“ 1967 erstmals aufbrachte. Eine Gruppe von Musikwissenschaftlern führt die Wurzeln des Wortes „Reggae“ auf das afrikanischen Wort „e rega“ zurück, was soviel bedeutet wie „königliche Musik“. Im Concise Oxford Dictionary findet man unter dem Eintrag “Reggae” zwei verschiedene Definitionen: Zunächst wird Reggae beschrieben als eine Gattungsbezeichnung für alle jamaikanische Musik. (West Indian style of music with a strongly accented subsidiary beat.) Weiter wird Reggae definiert als ein bestimmter Beat bzw. Stil, der in Jamaika von 1969 bis 1983 populär war. Tatsächlich hat Reggae neben diesen
1 Vgl. Chang, Kevin O’Brien/ Chen, Wayne: Reggae Routes, The Story of Jamaican Music,
Philadelphia 1998, S. X.
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Definitionen eine Vielzahl weiterer Bedeutungen und Konnotationen, da diese Musik für viele Menschen unterschiedliche Dinge beinhaltet. Für manche ist sie eine Art „bewusste“ Musik, die sich mit sozialen und Rassenproblemen befasst. Für sie wird Reggae durch seine Wut- und Protestlieder oder durch das Verständnis von Reggae als „Outlaw Music“ bestimmt. Andere erkennen in ihr eine neuerwachte afrikanische Kunstform, während wieder andere Reggae schlicht als einen tanzbaren Rhythmus bezeichnen würden. Das internationale Interesse, am Reggae kann sicherlich auch durch den exotisch-karibischen Flair erklärt werden, der ihm gerade in Nordamerika und Europa zugesprochen wird. Reggae ist eine Musik, die nicht künstlich durch äußere Einflüsse oder Sanktionen am Leben erhalten wurde oder an Festivals, Paraden oder ähnliches ge-bunden ist, wie etwa der Calypso in Trinidad, der dort nur für eine kurze Zeit im Jahr wirklich populär ist. Tatsächlich waren während der Blütezeit des Reggae 90% der Platten in den Top40 durch diese Musik bestimmt; ein Phänomen, das heute in gleicher Form beim Dancehall zu beobachten ist. Reggae genießt weltweite Popularität. In Teilen Afrikas und Brasiliens hat es teilweise sogar die einheimische Musik verdrängt. 2 Bob Marley war ein Ehrengast bei Zimbabwes Unabhängigkeitsfeier 1980, chinesische Studenten sangen ‚Get Up Stand Up’ 1989 beim Marsch auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Als die Berliner Mauer fiel standen Feiernde auf den Überresten und sangen stundenlang „Three little Birds’. 3 Kein anderes Land vergleichbarer Größe hat mehr Einfluss auf die internationale populäre Kultur als Jamaika. Unterschiedliche Gemeinschaften hören Reggae. Die Hopi und Havasuapi Indianer in Arizona, die Maroons in Kolumbien, Jugendliche in Nigeria, Arbeiterklasse-Skinheads in Großbritannien, die Aborigines in Australiens und vielen andere stellen nur eine Auswahl der mannigfaltigen sozialen Gruppen dar, die sich für diese jamaikanische Musik begeistern und sich teilweise mit ihr identifizieren. Bob Marley ist sicherlich die schillerndste Persönlichkeit der jamaikanischen Musikgeschichte. Oft wird er bezeichnet als der „König des Reggae“. Für viele
2 Vgl. Chang / Chen: S. 2.
3 Vgl. Chang / Chen: S. 3.
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steht er als Symbol des Widerstands; andere sehen in ihm einfach einen talentierten Musiker, der seine Musik international verbreitete. Obwohl die Biografie Bob Marleys einzigartig und ungewöhnlich ist, finden sich in ihr dennoch eine Vielzahl typischer, jamaikanischer Charakteristika, so dass es sich lohnt, das Leben Bob Marleys, sein musikalisches, soziales und politisches Umfeld näher zu beleuchten. Die weiteren Ausführungen über die Biografie des Reggae-Künstlers beziehen sich im wesentlichen auf Timothy Whites Buch „Bob Marley“, das, 1993 in der deutschen Ausgabe erschienen, als eines der Standardwerke über den Musiker gilt.
2. Kindheit und Jugend
Das erste typisch jamaikanische Charakteristikum findet sich bereits bei der Geburt von Bob Marley, denn sein genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. In seinem Pass wird der 6. März 1945 als sein Geburtstag angegeben, seine Mutter gab an, er sei genau 2 Monate vorher geboren. Allgemein gilt aber der 6. Februar als sein Geburtsdatum. In der Tat ist es bis heute so, dass viele Jamaikaner nicht wissen, wann sie geboren sind oder sogar wer ihre leiblichen Eltern sind. Vor allem unter der ärmeren Landbevölkerung, für die die Ausstellung einer Geburtsurkunde mit einer beschwerlichen Reise in eine größere Stadt ver-bunden ist und die oftmals zudem noch Angst vor den staatlichen Behörden haben, ist dieses Phänomen verbreitet.
Robert Nesta Marley (Bob Marley) wurde in Nine Miles, im Bezirk St. Ann’s ge-boren. Seine Mutter Cedella Booker, geborene Malcolm, bei seiner Geburt neuzehn Jahre alt, war schwarz. Sein Vater, Captain Norval Sinclair Marley, ein britischer Soldat schottischer Abstammung und dem British West India Regiment unterstellt, war Weißer. Dieser verließ seine im dritten Monat schwangere Frau einen Tag nach der Heirat und ging nach Kingston. Bob Marley wuchs mit seiner Mutter im Hause des Großvaters, Omeriah Malcolm auf, der in Nine Miles, die Stellung des respektierten Dorfältesten innehatte. Schon in frühester Kindheit lernte er den ein Jahr jüngeren Neville ’Bunny’ Livingston kennen, zu dem sich bald ein fast brüderliches Verhältnis aufbaute. Nachdem Captain Marley
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lange Zeit nichts hatte von sich hören lassen, überredete er Cedella Marley 1951 in mehreren Briefen, Bob in der Hauptstadt Kingston eine schulische Bildung zukommen zu lassen. Nach der Ankunft des Jungen ließ er den Sohn jedoch verschwinden, indem er ihn bei einer Bekannten unterbrachte und ihn so aus dem Blickfeld der Mutter entführte. Nur durch einen Zufall gelang es Cedella, den Sohn nach fast einem Jahr wiederzufinden und ihn nach St. Ann’s zurückzubringen.
1957 zog Bob mit seiner Mutter nach Kingston. Gemeinsam mit Neville Livingston und dessen Vater, wohnten sie in dem Ghettobezirk Trenchtown in einem der „Government Yards“, den von der Regierung finanzierten Gebäudekomplexen mit ärmlichen, kleinen Sozialwohnungen. Nach Beendigung seiner dreijährigen Schullaufbahn begann Bob 1960 eine Ausbildung zum Schweißer. Im gleichen Jahr zog seine Mutter in die USA nach Delaware, wo sie neu heiratete und fortan Cedella Marley Booker hieß. Bob sieht wie seine Freunde aus dem Ghetto zu Rude Boys werden. Diese aus den Ghettos der Großstädte stammenden Gangs bestanden aus halbstarken, in der Regel arbeitslosen, junge Männern und Jugendlichen, die die triste Leere ihres Alltags mit Kleinkriminalität und aggressivem Gruppenverhalten füllten und sich nicht selten einem bestimmten Sound-System-DJ zugehörig fühlte. Anfang der 60er Jahre nutzten die beiden politischen Parteien Jamaikas, die Jamaican Labour Party (JLP) und Peoples National Party (PNP), die Rude Boys mehr und mehr für ihre Zwecke aus, indem sie die Gangs mit Waffen versorgten und sie so zu politisierten schlagkräftigen Trupps formierten.
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3. Exkurs I: Die Sound Systems 4
Die 50er Jahre waren die Zeit der Sound Systems auf Jamaika. Diese Erfindung machte es möglich, vielen Menschen, gerade auch aus ärmeren Gebieten, Zugang zu Musik zu verschaffen. Sound Systems waren nichts anderes als große Lautsprecher, die meist auf einem LKW installiert und öffentlich aufgestellt wurden. Ursprünglich waren sie aus einer ökonomischen Notwendigkeit heraus geboren worden, da die meisten Jamaikaner sich ein Radio nicht leisten konnten.
Die DJs dieser Anlagen, auf Jamaika „Selector“ genannt, spielten hauptsächlich R&B aus den USA, wie die Musik von Chuck Berry, Louis Jordan oder Fats Domino. Sie gelangten nicht selten zu beinahe kultischer Popularität, gaben sich klangvolle Künstlernamen und zogen allein durch ihren Ruf junge Leute meist aus den Armenvierteln zu ihren Shows. Die bekanntesten Sound System-DJs waren Clement ’Coxone’ Dodd, der später das berühmte Studio One gründete, Duke Reid und Tom the Great Sebastien. Unter den einzelnen DJs herrschte enorme Rivalität. Mitunter schickten sie Spione zu den Veranstaltungen konkurrierender Sound Systems, um heraus zu finden, welche Platte dort besonders populär war. Oft wurde daher die Titelbezeichnung auf den Plattenaufklebern überschreiben oder abgeändert. Die Anhängerschaften der einzelnen Selectors lieferten sich verbitterte Straßenkämpfe, bei denen es auch Tote und Verletzte geben konnte.
Ende der 50er Jahre begann sich die Musik in den Vereinigten Staaten zu ändern. Rock and Roll kam auf und löste den R&B mehr und mehr ab. Die Jamaikaner konnten dem ungewohnten harten Rhythmen nicht viel abgewinnen und die DJs hatten Schwierigkeiten mit neuen R&B-Platten nachzukommen. So ergab es sich, dass auch die ersten Aufnahmen auf Jamaika aus einer ökonomischen Notwendigkeit heraus entstanden. Zunächst ging es den Produzenten, die in der Regel selber DJs waren, um die Versorgung der Sound Systems mit 4 Vgl. Davis, Stephen und Simon, Peter: Reggae Bloodlines, In Search of the Music and Culture
of Jamaica, New York 1992, S. 13 ff.
Arbeit zitieren:
2001, Bob Marley und die Entwicklung der populären Musik Jamaikas, München, GRIN Verlag GmbH
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