Gliederung..............................................................................................................Seite
1. Einleitung. 1
2. Die lexikalische Lücke. 2
2.1 Definition von Kommunikationsstrategien (CS) 4
2.2 Die verschiedenen Arten von Kommunikationsstrategien zur Kompensation
lexikalischer Lücken. 6
2.2.1 Formale- und funktionale Reduktionsstrategien. 7
2.2.2 Kompensationsstrategien. 7
2.3 Empirische Studien zur Anwendung von Kommunikationsstrategien. 11
3. Zur Stellung kompensatorischer CS in kommunikationstheoretischen
Ans ätzen. 15
3.1 Kognitive Rahmenarbeit nach Bialystok. 15
3.2 Modell der verbalen Kommunikation nach Levelt. 16
4. Fazit. 17
5 Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Ich werde in der folgenden Arbeit einige Methoden, Strategien und Theorien vorstellen, die sich mit lexikalischen Lücken eines Lernenden in einer Fremdsprache 1 befassen. Viele Probleme beim Erwerb und Gebrauch einer zweiten Sprache, die ich im Folgenden L2 nennen werde, resultieren aus ungenügenden Vokabelkenntnissen, Unsicherheit in Syntax, Phonetik, Phonologie oder Morphologie.
Mein Hauptaugenmerk in dieser Arbeit gilt der lexikalischen Lücke, die aus Mangeln an Vokabelkenntnissen entsteht. Die Lücken, die sich aus den zuvor genannten Faktoren ergeben, werde ich im Laufe dieser Hausarbeit nur an den relevanten Stellen hinzuziehen, wenn sie unmittelbar mit dem Kontext in Verbindung stehen. Im Allgemeinen versucht der Sprecher sich in einer Situation, in der ihm nicht alle Vokabeln eines Kontextes bekannt sind, diese Probleme auf verschiedene Art zu umgehen. Solche Mechanismen möchte ich im Laufe der Arbeit erläutern.
Sie stellen eine Art „Reparaturversuch“ der lexikalischen Lücken dar. Es gibt verschiedene Lernstrategien (LS) und Kommunikationsstrategien (engl. CS), die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen.
Ich werde mich in meinen Ausführungen weniger mit den LS beschäftigen, da diese sich auf den Neuerwerb eines Wortschatzes in L2 beziehen. Im Vordergrund stehen vielmehr die CS. Durch diese versucht der Lernende in einem bereits bestehenden Wortschatz Lücken zu schließen, die durch limitierte Vokabelkenntnisse oder andere, zur verständlichen Formulierung benötigte Konstruktionen entstehen. Ich werde dazu verschiedene Arten von CS vorstellen (Kap.2.1/2.2), ihre Ursprünge kurz erläutern, sowie einige empirische Studien zur Anwendung von CS anführen (Kap. 2.3). Fehlende Vokabeln führen sowohl in Sprachproduktion als auch im Sprachverständnis zu Problemen.
Da die Forschung sich hauptsächlich auf die Sprachproduktion konzentriert, werde auch ich mich im Allgemeinen auf diese beziehen. Diese Schwerpunktsetzung der Forschung erklärt sich durch die Messbarkeit der Versuchsergebnisse, da es empirisch besser zu erfassen ist, ob jemand etwas auszudrücken vermag, als festzustellen, wie gut ein Lernender einen bestimmten Kontext verstanden hat. Mit anderen Worten ist die Analyse der Ausdrucksfähigkeit der Messung des Sprachverständnisses vorzuziehen.
in diesem Kontext die Zweitsprache Englisch 1
1
2. Die lexikalische Lücke
Das hier zu behandelnde Thema der lexikalischen Lücke, lässt sich am anschaulichsten durch die Darstellung ihrer Gegenpole erläutern. Diese sind die verschiedenen CS, durch die ein Sprecher versucht, solche Lücken zu kompensieren. Poulisse schreibt in diesem Zusammenhang:
„Es sei in der Praxis unmöglich zu erkennen, ob ein Sprecher eine solche CS verwendet oder nicht. Es sei denn, er gäbe im Nachhinein zu, dass es eine bessere Möglichkeit gegeben hätte, das auszudrücken, was er gerade gesagt hat“. 2
Ich möchte diesem Zitat an dieser Stelle der Arbeit jedoch widersprechen. Es ist sicher schwierig, die Verwendung einer CS zu erkennen, aber meiner Meinung nach nicht gänzlich unmöglich. Wenn beispielsweise ein Sprecher ins Stocken gerät, aus Verlegenheit in eine andere Sprache ausweicht, indem er Vokabeln verwendet die nicht dem Lexikon der L2 entstammen, oder paralinguistische Hilfsmittel, wie beispielsweise Mimik und Gestik benutzt verwendet, sind das in meinem Verständnis sichere Indizien für die Verwendung einer CS. Wäre das nicht der Fall, so wären einige der Untersuchungen, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde, nicht plausibel, da sie versuchen, einzelne Fälle von CS-Verwendung zu zählen sowie statistisch zu erfassen (Vgl. Kap. 2.3). Eine lexikalische Lücke wird dem Sprecher selbst in dem Moment bewusst, in dem er beginnt eine Aussage zu planen. Die meisten Sprecher können dieses Phänomen zwar nicht benennen, merken aber, dass es existiert, wenn man sie gezielt darauf anspricht. Nach Clark und Clark teilt sich die Sprachproduktion in Planung und Ausführung. Wenn der Sprecher in der Planungsphase feststellt, dass ihm ein Baustein fehlt, um sich auszudrücken, so handelt es sich um eine lexikalische Lücke. 3 Eine weitere Möglichkeit für den Sprecher, eine solche Lücke zu erkennen, besteht im so genannten self-monitoring oder self-repair. Levelt beschreibt mit diesen Begriffen eine Art Selbstkontrolle, bei der ein Sprecher nach der Planung, aber noch vor der Artikulation, überprüft was er ausdrücken möchte. Fällt ihm dabei eine inadäquate Ausdrucksweise auf, so wird die Formulierung noch vor der Artikulation geändert, sozusagen repariert. 4
Dieser Mechanismus lässt sich durch folgende Fragen veranschaulichen, die sich der Sprecher vor der eigentlichen Sprachproduktion zum Teil unbewusst stellt.
2
Poulisse 1991: zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:160
3 Clark und Clark: 1979:224
4 Levelt: 1989:458
2
Levelt formulierte diese Fragen folgendermaßen:
- Ist dies die Nachricht, die ich ausdrücken möchte?
- Ist dies die richtige Art, mich auszudrücken?
- Entspricht meine Aussage den sozialen Normen?
- Mache ich lexikalische Fehler?
- Ist mein Syntax und meine Morphologie korrekt?
- Mache ich phonologische Fehler?
- Hat meine Artikulation das richtige Tempo, die richtige Lautstärke, Präzision, und ist sie flüssig genug? 5
Muss der Sprecher auf eine dieser Kontrollfragen mit „nein“ antworten , so stößt er im weitesten Sinne auf eine lexikalische Lücke. In diesem Fall tritt die beschriebene Selbstreparatur in Aktion, insofern es dem Sprecher möglich ist, das Problem zu beheben. Ist es ihm nicht möglich den Fehler mit den ihm zur Verfügung stehenden sprachlichen Mitteln zu korrigieren, so benötigt er eine Kommunikationsstrategie. Durch diese wird die ursprünglich geplante Aussage in den meisten Fällen zwar formal reduziert, aber sie ermöglicht eine Aussage, die der ursprünglichen Planung sehr nahe kommt. Durch solche Verfahrensweisen entstehen einzelne Zwischenstufen innerhalb des Lernprozesses im Zweitspracherwerb, welche von einigen Sprachforschern Interimssprache genannt werden. Helmut Glück beschreibt diese folgendermaßen:
„Das interimsprachliche System ist nicht perfekt, da es nicht alle Elemente der Zielsprache umfasst und Lücken enthält. Interimsprachen werden im Prozess des Lernens jedoch immer erweitert, die Lücken also mit neuen Strukturen und Elementen gefüllt, wodurch sich dann eine neue Interimsprache ergibt. Der Lernprozess kann somit als Abfolge unterschiedlicher Interimsprachen angesehen werden.“ 6
6 Glück, Helmut 2000: Interimsprache. In: Metzler Lexikon Sprache. Zitiert nach: http://www.interkulturelleslernen.eu/vorwissen/kommunikation
3
2.1 Definition von Kommunikationsstrategien (CS)
Eine bis heute anerkannte Definition von CS nach Faerch & Kasper, mit der ich im Folgenden arbeiten möchte ist:
„Kommunikationsstrategien sind potentiell bewusste Pläne um ein Problem zu lösen, welches sich dem Individuum als solches darstellt, um ein bestimmtes Kommunikationsziel zu erreichen.“ 7
Die wichtigsten Kriterien dieser Definition sind die Problemorientierung und das Problembewusstsein. Nach Faerch und Kasper wird nicht jedes Kommunikationsziel durch eine CS erreicht, sondern nur solche, die sich dem Individuum als ein Problem darstellen. Das Problembewusstsein ist daher wichtig, weil der Sprecher nur Schwierigkeiten lösen kann, die er auch erkennt. Ist man sich keines Problems bewusst, so kann es auch nicht gelöst werden. In der Praxis wird ein L2 - Sprecher in der Regel eine fehlerhafte Aussage machen, falls er nicht bemerkt, dass seine Planung nicht korrekt war bzw. es ein Problem in seiner Artikulation gab. 8
Hierbei anzumerken ist, dass bewusste Pläne bei mehrfacher Verwendung automatisiert werden können und dadurch der Bewusstseinsgrad kontinuierlich sinkt. Es muss also beachten werden, dass Bewusstsein keine feste Größe ist, sondern sich in viele Zwischenstadien unterteilen lässt. Kasper sagt in diesem Zusammenhang, der verwendete Strategiebegriff setze voraus, dass alle Prozesse zielgerichteten intellektuellen Verhaltens und damit auch interimssprachliche Lern- und Kommunikationsprozesse plangesteuert seien. Strategien konstituieren die Klasse von Plänen, die ein Individuum potentiell zur Problemlösung einsetze. 9
Es gibt eine große Anzahl weiterer Definitionsversuche von CS, von denen ich noch einige nennen möchte, ohne im Detail auf sie einzugehen. Die folgenden Definitionen verschiedener Autoren wurden alle von Bialystok aufgeführt: - Eine systematische Technik, von einem Sprecher benutzt, um sich auszudrücken, wenn er auf Schwierigkeiten stößt (Corder 1979).
-Ein gegenseitiger Versuch zweier Gesprächspartner, sich der Bedeutung einig zu werden, in Situationen, in denen notwendige Bedeutungsstrukturen nicht geteilt werden (Tarone 1980).
Fearch und Kasper 1980: 81,1983: 36; zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:159; vgl. 7 auch Bialystok 1990:3
8 Vgl. 1983b: 36, zitiert nach Schreuder und Weltens 1993:159
9 Vgl. Kasper (1981:27)
4
Arbeit zitieren:
Kay Mankus, 2006, Kommunikationsstrategien zur Kompensation lexikalischer Lücken im Zweitspracherwerb, München, GRIN Verlag GmbH
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