Unternehmens übergreifende Innovationsprojekte I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1 Einleitung 1
2 Zusammenarbeit in Innovationsprozessen. 2
2.1 Grundlagen des Innovationsmanagements 2
2.2 Gründe für Zusammenarbeit 6
2.3 Formen der Zusammenarbeit 8
2.4 Anforderungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im NPE-Prozess 11
3 Partner für Produktinnovationen 15
3.1 Eingliederung der Partner entlang des Stage-Gate Prozesses 15
3.2 Universitätenintegration 19
3.3 Lieferantenintegration 23
3.4 Kundenintegration 28
3.5 Konkurrentenintegration. 33
3.6 Vergleich der möglichen Partnerschaften. 37
4 Zusammenfassung 41
Literaturverzeichnis V
Unternehmens übergreifende Innovationsprojekte
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Innovationsmodell von Utterback/Abernathy
Abbildung 2: Zusammenhänge zwischen Technologie-, F E- und Innovationsmanagement
Abbildung 3: Abgrenzung der Kooperationsformen
Abbildung 4: Anforderungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit im NPE-Prozess
Abbildung 5: Eingliederung der Partner in den Stage-Gate Prozess
Abbildung 6: Möglichkeiten der Universitätenintegration in den NPE-Prozess
Abbildung 7: Möglichkeiten der Lieferantenintegration in den NPE-Prozess
Abbildung 8: Vier Strategien zur Kundenintegration.
Abbildung 9: Möglichkeiten der Kundenintegration in den NPE-Prozess
Abbildung 10: Möglichkeiten der Konkurrentenintegration in den NPE-Prozess
Unternehmensübergreifende Innovationsprojekte III
__________________________________________________________________________________ Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Vor- und Nachteile der Universitätenintegration in den NPE-Prozess ................................ 21 Tabelle 2: Vor- und Nachteile der Lieferantenintegration in den NPE-Prozess ................................... 25 Tabelle 3: Vor- und Nachteile der Kundenintegration in den NPE-Prozess ......................................... 30 Tabelle 4: Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit mit Konkurrenten im NPE-Prozess .................... 35
Unternehmensübergreifende Innovationsprojekte IV
__________________________________________________________________________________ Abkürzungsverzeichnis
F&E ...........................................Forschung und Entwicklung
IuK .............................................Informations- und Kommunikationssysteme
NPE ...........................................Neuproduktentwicklung
1. Einleitung 1
__________________________________________________________________________________
1 Einleitung
Die Neuproduktentwicklung (NPE) ist ein wichtiger Bestandteil der unternehmerischen Tätigkeit, vor allem für produzierende Unternehmen. Bei den erfolgreichsten Unternehmen, welche 22 Prozent aller Unternehmen ausmachen, liegt der Umsatzanteil von Neuprodukten am Gesamtumsatz bei 49 Prozent. Hieraus zeigt sich, dass die erfolgreiche Entwicklung von neuen Produkten und insbesondere von wirklichen Produktinnovationen für ein Unternehmen wichtig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben und am Markt zu bestehen (Cooper 2006, S. 4-5). Jedoch ist der NPE-Prozess mit großem Aufwand und Rückschlägen verbunden und nicht jedes Produkt hat letztendlich Erfolg auf dem Markt. Von sieben neuen Produktideen werden lediglich vier Produkte entwickelt und ein bis zwei Produkte auf dem Markt eingeführt. Die Erfolgsquote dieser Produkte liegt dabei zwischen 50 und 70 Prozent (Cooper 2006, S. 10-11).
In der Vergangenheit waren Unternehmen stets allein für die NPE zuständig. In den einzelnen Phasen wurden selbstständig Ideen entwickelt, erfolgsversprechende ausgewählt und diese in Produkte umgesetzt. Durch verschiedene Marktforschungsmethoden wurden hierzu beispielsweise Informationen von Kunden gesammelt oder Produkte mit diesen getestet, um das Produkt an deren Wünsche anzupassen. Dieser Prozess hat sich in den letzten Jahren einer Wandlung vollzogen (Fuchs/Schreier 2011, S. 17). Unternehmen integrieren zunehmend Kunden oder Lieferanten in den NPE-Prozess, was durch neue Informations- und Kommunikationssysteme (IuK) leichter möglich ist. Gründe für diese Entwicklung sind nicht zuletzt die zunehmende Produktkomplexität und der Druck aufgrund des Kosten- und Zeitwettbewerbs (Gassmann et al. 2010, S. 213-214).
Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die Integration von verschiedenen Partnern in den NPE-Prozess unterstützend wirken kann. Dabei wird insbesondere auf Universitäten, Lieferanten, Kunden und Konkurrenten eingegangen und durch ein umfangreiches Literaturstudium Vorteile, Nachteile und Möglichkeiten der Integration in den NPE-Prozess zusammengefasst. Dazu werden zunächst im zweiten Kapitel grundlegende Begriffe des Innovationsmanagement geklärt und auf die Gründe und Formen der allgemeinen Kooperationen von Unternehmen mit externen Partnern eingegangen. Zudem sollen Anforderungen aufgedeckt werden, welche ein Unternehmen erfüllen muss, um eine Kooperation im NPE-Prozess zu ermöglichen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Partnern. Im ersten Teil dieses Kapitels erfolgt eine Eingliederung der Partner in den Stage-Gate™ Prozess von Cooper. Dabei werden zunächst die einzelnen Phasen der NPE auf Grundlage von Cooper erläutert und eine grobe Eingliederung der Partner in die einzelnen Phasen vorgenommen. Anschließend erfolgt eine separate Analyse von Universitäten, Lieferanten, Kunden und Konkurrenten mit Hilfe von Fachberichte der letzten zehn Jahren. Im abschließenden Teil werden diese durch die Auswertung verschiedener aktueller Studien und Kriterien miteinander verglichen.
2. Zusammenarbeit in Innovationsprozessen 2
__________________________________________________________________________________
2 Zusammenarbeit in Innovationsprozessen
2.1 Grundlagen des Innovationsmanagements
Zum Grundverständnis einer wissenschaftlichen Arbeit gehört die eindeutige Abgrenzung der wichtigsten verwendeten Begriffe, da diese in der Literatur vielfältige Verwendung finden. Um mögliche Missverständnisse zu verhindern, soll das folgende Kapitel der Definition der wichtigsten Begriffe bezüglich des Innovationsmanagements im NPE-Prozess dienen. Begriff Innovation
Dem Begriff Innovation liegt in der Literatur eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen zu Grunde (Hauschildt/Salomo 2011, S. 6-7). Der etymologische Ursprung ist im Lateinischen zu finden, wo die Bezeichnung „innovatio“ übersetzt für Neuheit, Erneuerung und Neueinführung steht. Im Folgenden beschreibt Innovation die zielgerichtete Schaffung von neuen organisatorischen, sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Zweck-Mittel-Kombinationen, durch die aufgrund von neuartigen Verknüpfungen bisher unbekannte Produkte, unbekannte Dienstleistungen oder unbekannte Prozesse hervorgerufen bzw. merkbare Unterscheidungen zum Innovationsvorgänger beobachtbar werden (Hauschildt/Salomo 2011, S. 4-5). Joseph Schumpeter war dabei einer der ersten Ökonomen, die auf die Nutzung von Neuerungen im wirtschaftlichen Zusammenhang einging (Schumpeter 1912, S. 108-109). Die Entwicklung einer Innovation unterliegt einem langwierigen Prozess, der in mehreren Phasen abläuft. Am Anfang steht in der Regel eine Projektidee, die auf Hypothesen aus empirischen Beobachtungen der Wissenschaft zur Erklärung von Phänomenen der Realität zurückgreift. Diese theoretischen Erkenntnisse werden durch Forschung weiterentwickelt und führen im positiven Fall zu Inventionen, was die technische Umsetzung der Idee beschreibt. Diese kann sowohl geplant als auch ungeplant ablaufen. Bei geplanter Invention ist das Projektziel nach dem vorher festgelegten Projektplan abgeschlossen, ungeplante Inventionen dagegen entstehen zufällig, was in der Literatur als Serendipitäts-Effekt bezeichnet wird (Brockhoff 1999, S. 35-36).
Der Innovationsprozess lässt sich des Weiteren in zwei Betrachtungsweisen einteilen. Innovation im weiteren Sinne bezieht sich auf den gesamten, unternehmensinternen Prozess von der Ideenfindung über die Entwicklung bis zur Markteinführung der Innovation. Gegebenenfalls umfasst dies sogar Neuerungen, die organisatorische, soziale und rechtliche Änderungen innerhalb des Unternehmens hervorrufen. Wohingegen Innovation im engeren Sinne ausschließlich die technische Umsetzung der Idee sowie die Entstehung der neuartigen Zweck-Mittel-Kombination definiert. Bei erfolgreichem Durchsetzen der Innovation am Markt, was als Diffusion bezeichnet wird, kann die Gefahr entstehen, dass die neue Problemlösung von anderen Unternehmen nachgeahmt wird. Sofern dies geschieht wird von einer Imitation gesprochen, die allerdings bei spezieller subjektiver Betrachtung ebenfalls eine eigenständige Innovation darstellen kann (Brockhoff 1999, S. 37-38).
2. Zusammenarbeit in Innovationsprozessen 3
__________________________________________________________________________________ Begriff Forschung und Entwicklung (F&E)
Der F&E-Prozess ist ein meist mehrstufiger Vorgang, welcher einer Innovation vorausgeht. Dieser umfasst die Gesamtheit aller Aktivitäten und Prozesse, die dazu dienen neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und diese zielgerichtet in anwendbare Produkte und Prozesse zu implementieren. Die Schaffung dieser neuen Handlungsmöglichkeiten für diverse Anwendungsbereiche wird als Technologie, welche oft auf Grundlage theoretischer Erkenntnisse entsteht, bezeichnet. Bei erfolgreicher Implementierung einzelner Technologieelemente in der Praxis wird von der Anwendung von Technik gesprochen. Im F&E-Prozess ist besonders darauf zu achten, eine möglichst systematische und geplante Vorgehensweise zu wählen, um zielgerichtete Forschungsergebnisse aufzuweisen und diese zeitnah in der Praxis umzusetzen (Brockhoff 1999, S. 27).
Ein genaueres Verständnis des F&E-Prozesses ermöglicht eine detaillierte Betrachtung einzelner Phasen des Prozesses. F&E-Tätigkeiten lassen sich in Grundlagenforschung, ange-wandte Forschung und experimentelle Entwicklung unterteilen. Die einzelnen Phasen sind allerdings nicht eigenständig, sondern stehen interaktiv in einem Verhältnis und bilden oftmals gemeinsame Schnittmengen. Grundlagenforschung und angewandte Forschung sind Gebiete, die auf die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse abzielen. Dabei strebt die Grundlagenforschung im Gegensatz zur angewandten Forschung nicht direkt das Ziel der Schaffung einer praktischen Anwendung an, sondern konzentriert sich auf experimentelle und theoretische Aufgaben. Die Phase der experimentellen Entwicklung hat die Aufgabe gezielt neu erforschte, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuwenden und in Produkten und Prozessen zu nutzen (OECD 2002, S. 77-79). Begriff Produktinnovation
Unter der Bezeichnung Produktinnovation wird eine besondere Form von Innovation verstanden. Die Betrachtung dieser Innovationen beginnt im Produktlebenszyklus mit der Phase der Markteinführung und reicht bis zum Ende der Wachstumsphase. Durch unterschiedliche Kun-denanforderungen und Kundenwünsche, deren Erfüllung das oberste Ziel im modernen Marketing darstellt, versuchen Unternehmen anhand von Verbesserungen neue Leistungen anzubieten, um somit ihren Marktanteil in der jeweiligen Branche zu erhöhen sowie gegebenenfalls in neue Märkte einzutreten (Brockhoff 1999, S. 203). Ziel ist es dadurch dem Kunden die Zweckerfüllung seines Produktes auf neuartige Weise oder die Erfüllung neuer Zwecke anzubieten und dadurch die Effektivität des angebotenen Produkts zu erhöhen, was den Kundennutzen zusätzlich steigert (Hauschildt/Salomo 2011, S. 5).
In den meisten Unternehmen sind Produktinnovationen mittlerweile eng mit parallel ablaufenden Prozessinnovationen verknüpft. Eine klare Trennung ist aufgrund ansteigender Komplexität der Produkte in Folge höherer Kundenanforderungen und dem damit verbundenen kostenintensiven F&E-Prozess nicht mehr möglich (Hauschildt/Salomo 2011, S. 8). Eine Erklärung der wechselseitigen Beziehung von Produkt- und Prozesstechnologien haben Utterback/Abernathy (1975) mit der Formulierung eines Modells vorgenommen. Darin wird der Grad der Produkt- und Prozessinnovationen der zeitlichen Entwicklung gegenübergestellt, wodurch untrennbare Abhängigkeiten zwischen beiden Elementen sichtbar werden. Kapazitä-
2. Zusammenarbeit in Innovationsprozessen 4
__________________________________________________________________________________ ten und Ressourcen für Prozesse legen fest, wie und in welchem Umfang Produkte hergestellt werden können, wodurch Produktinnovationen neue Anforderungen an Prozesstechnologien stellen. Anhand dieser Erkenntnisse lassen sich nachhaltige Planungen zur Produkt- und Prozesstechnologien ermitteln. Die Abbildung 1 zeigt das Innovationsmodell von Utterback und Abernathy.
Abbildung 1: Innovationsmodell von Utterback/Abernathy
(Quelle: Utterback/Abernathy 1975, S. 645)
Diese Seminararbeit befasst sich in den folgenden Kapiteln schwerpunktmäßig mit Produktinnovationen, die sichtbar den Markt beeinflussen. Prozessinnovationen, welche hauptsächlich innerbetriebliche Änderungen hervorrufen, werden dabei eine geringere Bedeutung erfahren. Begriff Innovationsmanagement
Die Bezeichnung Innovationsmanagement umfasst die Zusammenführung der beiden Begriffe Innovation und Management. Das Management kann dabei in zwei Arten unterteilt werden. Zum Einen beschreibt der funktionale Ansatz alle Prozesse und Tätigkeiten, die bei Planung, Organisation, Führung und Kontrolle eines Unternehmens eine Rolle spielen. Zum Anderen befasst sich der institutionelle Ansatz mit der Rolle und den Aufgaben der Personen, die dispositive Tätigkeiten innerhalb des Unternehmens wahrnehmen (Staehle 1999, S. 71). Das Innovationsmanagement vereint im weiteren Sinne alle dispositiven Aufgaben wie Stra-tegieformulierung, Zielverfolgung, Koordination der Prozesse zur Innovationsimplementierung und Gestaltung einer Unternehmenskultur, die sich positiv auf Innovationsentwicklungen auswirkt. Es wird davon gesprochen, dass durch nachhaltiges Innovationsmanagement die Innovationssysteme bewusst gestaltet werden (Hauschildt/Salomo 2011, S. 28). Technologie- und F&E-Management bilden innerhalb des Innovationsmanagement eigenständige Einheiten, die bei genauerer Betrachtung gemeinsame Schnittmengen in den einzelnen Phasen des Innovationsprozesses, beispielsweise in der Grundlagenforschung sowie Techno- logie- und Vorentwicklung, besitzen. Eine gesonderte Analyse dieser Bereiche unterstützt
2. Zusammenarbeit in Innovationsprozessen 5
__________________________________________________________________________________ eine konkretere Aussagefähigkeit über die Unternehmenstätigkeit bezüglich des Innovationsmanagements (Brockhoff 1999, S. 70-71).
Die Darstellung allgemeiner Zusammenhänge innerhalb des Innovationsmanagements in Abbildung 2 dient dazu, ein besseres Verständnis der Prozessphasen der NPE im Sinne des Innovationsmanagements zu ermöglichen:
Abbildung 2: Zusammenhänge zwischen Technologie-, F&E- und Innovationsmanagement
(Quelle: Brockhoff 1999, S. 71) Abgrenzung Kooperation und Zusammenarbeit
Kooperation und Zusammenarbeit sind zwei Begriffe, die sich nicht nur etymologisch, sondern ebenfalls in der wissenschaftlichen Betrachtung schwer voneinander trennen lassen und daher oft im gleichen Kontext erscheinen. Im weitesten Sinne bezeichnet die Literatur eine Kooperation als jegliche Form der Zusammenarbeit von Institutionen bzw. Personen. Wobei insbesondere die Betriebswirtschaftslehre den Begriff Kooperation als Zusammenarbeit zwischen Unternehmen konkretisiert (Rotering 1989, S. 38). Zusätzliche Probleme bereitet die unterschiedliche Verwendung von Bezeichnungen, die sich in ihrer Bedeutung auf die Definition des Begriffs Kooperation zurückführen lassen. Dabei ist sowohl im deutschen als auch im anglo-amerikanischen Sprachraum keine einheitliche Verwendung der Bezeichnung in wissenschaftlichen Publikationen sowie den Medien zu beobachten (Müller 2003, S. 7-8). Im Rahmen dieser Seminararbeit besteht zwischen diesen Begriffen ebenfalls eine gegenseitige Abhängigkeit. Es kann beispielsweise bei der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Universitäten sowie diversen Kunden nicht von einer klassischen Kooperation im betriebswirtschaftlichen Sinne gesprochen werden. Deswegen wird im Folgenden mit den Bezeichnungen Kooperation und Zusammenarbeit jede mögliche Art der Interaktion zwischen einem Wirtschaftsunternehmen und seinen Partnern zur NPE-Entwicklung definiert, bei der jede beteiligte Institution seine eigene Autonomie beibehält.
2. Zusammenarbeit in Innovationsprozessen 6
__________________________________________________________________________________
2.2 Gründe für Zusammenarbeit
Der traditionelle Innovationsprozess eines Unternehmens beinhaltet keine Integration von externen Partnern. Unternehmen entwickeln verschiedene Technologien oder Produkte durch die eigene F&E-Tätigkeit, wovon einige bis Marktreife weiterentwickelt werden. Die restlichen Projekte werden verworfen oder zu einem späteren Zeitpunkt nochmal aufgegriffen. Dieser Prozess wird als Closed-Innovation bezeichnet, da während dieser Phase keine Technologien aus dem Unternehmen herausfließen oder in das Unternehmen hereinfließen. Die nötigen Informationen können jedoch zuvor durch externe Quellen, wie z.B. durch Kundenanalysen, zusammengetragen werden. Eine neue Form des Innovationsprozesses ist das Open-Innovation Modell, welches die Zuhilfenahme externer Quellen und ebenfalls das herausfließen von Technologien, beispielsweise in Form von Lizenzen, während der F&E-Tätigkeit zulässt (Chesbrough 2007, S. 2-3). Dieser Wandel vom geschlossenen zum offenen Prozess hat dazu geführt, dass Unternehmen aktiv intern und extern nach Quellen für Innovationen suchen. Zudem werden externe Partner zunehmend in den eigentlichen NPE-Prozess einge-bunden (Chesbrough 2007, S. 7).
Der Wandel zur Integration von Partner hat unterschiedliche Gründe, welche im Folgenden kurz erläutert werden. Ein erster Grund liegt in der Beschleunigung des NPE-Prozesses, welcher aus der Verkürzung des Produktlebenszyklus und einem beschleunigten technologischem Wandel resultiert. Mit der Beschleunigung ist die Verringerung der Zeit gemeint, welche ein Produkt von der Entwicklung der Idee bis zur Markteinführung benötigt. Vor allem in der heutigen High-Tech-Industrie ist diese Beschleunigung leicht zu erkennen. In den letzten Jahren haben sich beispielsweise der Röhrenfernseher zum Flachbildfernseher und das analoge zum digitalen Bild gewandelt. Zudem werden ebenfalls 3D-fähig Fernseher angeboten. Um bei dieser Entwicklung nicht den Anschluss zu verlieren, arbeiten Unternehmen zunehmend mit Konkurrenten oder Lieferanten zur Beschleunigung der NPE zusammen, indem Aufgaben aufgeteilt oder vom Wissen des Partners profitiert wird. Zudem können durch eine solche Zusammenarbeit Standards entwickelt werden, welche für das Unternehmen, bei einer erfolgreichen Implementierung am Markt, einen Wettbewerbsvorteil zu Folge hat (Gnyawali/Park 2011, S. 5).
Weiterhin ist der NPE-Prozess mit großen Kosten verbunden, welche durch die Verringerung der Entwicklungszeit reduziert werden können. Da die Produkte jedoch immer komplexer werden und dadurch die Entwicklungszeit steigt, muss ein Unternehmen zunehmend in seine F&E-Tätigkeiten investieren. Durch die Zusammenarbeit mit einem Partner kann diesem Problem entgegengewirkt werden, da dieser die eigene Forschungszeit verringern kann, indem er durch seine F&E-Tätigkeiten die nötigen Informationen erarbeitet und dann zum Projekt beiträgt (Howells et al. 2003, S. 398). Hierdurch wird bereits deutlich, dass die Finanzierung eines neuen Produkts ein wichtiger Faktor ist. Das fehlende Innovationskapital und das finanzielle Risiko sind treibende Faktoren für die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern. Ein weiteres Risiko ist die Marktakzeptanz, welches mit jeder Produktinnovation einhergeht. Dieses kann beispielsweise durch ein schlechtes Verständnis des Markts und der Kunden entstehen. Wird das Produkt auf dem Markt nicht angenommen, können die zuvor
Arbeit zitieren:
Martin Richter, Daniel Schulz, 2011, Unternehmensübergreifende Innovationsprojekte, München, GRIN Verlag GmbH
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