INHALT
1. Einleitung 2
2. Der Begriff der Moralphilosophie 2
3. Der Eudämonismus - eine Begriffsklärung. 4
4. Die Nikomachischen Ethik des Aristoteles 5
4.1. Kurze Einführung in Leben und Werk. 5
4.2. Eudaimonia als Ziel menschlicher Handlungen 6
4.3. Die Tugenden 8
4.4. Die Lust 9
4.5. Die verschiedenen Lebensformen 10
5. Kritik am Eudämonismus 11
6. Fazit 12
7. Literaturverzeichnis 13
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1. Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit widmet sich der Untersuchung der moralphilosophischen Position des Eudämonismus. Im Rahmen der Vorlesung „Was soll ich tun? Einführung in die Ethik“ wurde diese bereits angeschnitten. Nachdem zunächst ein knapper Überblick über Moralphilosophie im Allgemeinen gegeben wird, gilt es die eudämonistische Position näher zu beleuchten und zu analysieren. Dabei wird der Schwerpunkt auf die ontologisch eudämonistische Ethik des Aristoteles gesetzt. Anschließend soll die Kritik Kants zum Eudämonismus kurz betrachtet werden, bevor diese Arbeit mit einem Fazit abgeschlossen wird.
2. Der Begriff der Moralphilosophie
Das Wort Moralphilosophie entspringt der lateinischen Übersetzung Ciceros philosophia moralis für das griechische Wort ethiké. 1 In verschiedenen philosophischen Wörterbüchern findet man beim Nachschlagen des Begriffes ‚Moralphilosophie‘ den Hinweis „o Ethik“. 2 Gerhard Schweppenhäuser schlägt vor, man könne auch sagen, „dass Ethik die Philosophie der Moral ist.“ 3 Daraus ist ersichtlich, dass die Bezeichnungen Ethik und Moralphilosophie heute weitestgehend synonym verwendet werden.
Die Ethik bzw. die Moralphilosophie ist die Reflexion über moralische Standards und fragt, wie Werte und Normen überliefert und begründet werden und wie sie Individuen oder Kollektive leiten. Sie muss von dem Begriff der Moral („lat. mores: Sitten, Charakter“ 4 ) unterschieden werden, denn diese ist die Summe aller umschriebenen Werte und Normen, die das Denken und Handeln beeinflusst. Somit besteht die Moral auf der Ebene der Praxis, die Ethik hingegen auf theoretischer Ebene. 5 Sie ist also als
1 Vgl. Joachim Ritter (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie, Stuttgart 1971, s. v.
‚Moralphilosophie‘.
2 Z. B. im Werk von Otfried Höfe (Hg.), Lexikon der Ethik, München 1986, s. v. ‚Moralphilosophie‘.
3 Gerhard Schweppenhäuser, Grundbegriffe der Ethik zur Einführung, Dresden 2003, S. 15.
4 Otfried Höfe (Hg.), Lexikon der Ethik, München 1986, s. v. ‚Moral‘.
5 Ähnlich entnommen aus der Vorlesung „Was soll ich tun? Einführung in die Ethik“ vom 27.10.2010.
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Wissenschaft vom moralischen Handeln zu bezeichnen. 6 Dabei bestimmt sie nicht, welche Ziele für welchen Menschen erstrebenswert sind, sondern eher die Kriterien nach denen ein Ziel als gutes Ziel zu bewerten ist. Weiterhin gibt sie nicht vor was gut ist, sondern einen Weg, wie man zum Urteil „gut“ kommt. 7
Als Ziele der Moralphilosophie sind Modifikationen des essenziellen Gesamtziels, das Erweisen der „Freiheit als das Unabdingbare im menschlichen Wollen und Handeln“ 8 , zu nennen. Einerseits intendiert die Ethik die Aufklärung über das moralische Handeln, andererseits übt sie die kritische Beurteilung an der Praxis in ihrer moralischen Berechtigung ein. Außerdem soll die Ethik auf die Notwendigkeit von Moralkompetenz und soziale Verantwortung aufmerksam machen. Diese Ziele können aber nur durch eine über die wissenschaftliche Ethik hinausgehende, in der Praxis gelebte Theorie erreicht werden. 9
Will man die Ethik in verschiedene Bereiche unterteilen, so trennt man zunächst die angewandte Ethik (bspw. Spezialethiken wie Bio-Ethik oder Wissenschaftsethik) von der allgemeinen, welche wiederum in normative bzw. präskriptive Ethik und Meta-Ethik zergliedert werden kann. Werden in der normativen und präskriptiven Ethik Versuche angestellt, bestimmte Normen und Pflichten zu begründen, sind „bei metaethischen Fragestellungen solche Begründungen zurückgestellt, um zunächst einmal Bedeutung und Sinn der Schlüsselwörter des Vokabulars der moralischen Bewertung und damit die Natur des Moralischen zu klären.“ 10 Vor allem diese metaethischen Standpunkte sind es, die die moralphilosophischen Positionen von einander unterscheiden und trennen.
Eine weitere Möglichkeit der Unterteilung bietet die Aufspaltung in naturalistische Ethik, in der der Mensch als geleitetes Wesen angesehen wird, und idealistische Ethik, die dem Menschen Selbstentscheidung und eingenes Denken beimisst. Letztere könnte
6 Vgl. Annemarie Pieper, Einführung in die Ethik, Tübingen 2003, S. 17.
7 Vgl. Annemarie Pieper, Einführung in die Ethik, Tübingen 2003, S. 24.
8 Annemarie Pieper, Einführung in die Ethik, Tübingen 2003, S. 178.
9 Vgl. Annemarie Pieper, Einführung in die Ethik, Tübingen 2003, S. 179 f.
10 Martin Gessmann (Hg.), Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009, s. v. ‚Ethik‘.
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man wiederum in formalistische (unabhängig von vorgegebenen Zielen oder Zwecken) und teleologische Ethik (Ziel- oder Zweckgebunden) gliedern. 11
3. Der Eudämonismus - eine Begriffsklärung
Der Begriff des Eudämonismus leitet sich von der griechischen Vokabel eudaimonía ab, was auf Deutsch „Glück“ oder auch „Glückseligkeit“ bedeutet. Ursula Wolf kritisiert allerdings das Wort „Glück“ beschreibe nicht genau die Bedeutung von eudaimonia, denn es sei zu blass und man verwende es zum einen für das innere Glück, zum anderen aber auch gleichzeitig für den glücklichen Zufall. Aristoteles begreife eudaimonia eher als „gutes Leben“ und daher sei es angebrachter eudaimonia als eudaimonia schlicht im Raum stehen zu lassen, da der Begriff des „guten Leben“ heute auch eine andere Konnotation mit sich trage. 12
Das Wort Eudämonismus bezeichnet verschiedene ethische Lehren, die die Glückseligkeit eines jeden Menschen für Ziel und Motiv allen Strebens halten. 13 Dieses Ziel wird nicht zu einem anderem Zweck, sondern um seiner selbst willen erstrebt. 14 Worin allerdings die eudaimonia besteht, was sie ausmacht und wie man sie erreichen kann, daran scheiden sich die Geister. „Epikur macht die Lust zum höchsten Ziel menschlichen Stebens“ 15 und geht damit in den Hedonismus über, während für Platon mit dem moralischen Eudämonismus die Glückseligkeit in der Tugend besteht. Der soziale Eudämonismus von Bentham wird zum Utilitarismus, indem er „das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl erstrebt.“ 16 Für Aristoteles hingegen bezeichnet eudaimonía eine freie und einheitliche Lebensführung. 17 So postuliert er den Begriff in seiner Nikomachischen Ethik, auf die im Folgenden eingegangen wird.
11 Vgl. Aufzeichnungen der Vorlesung „Was soll ich tun? Einführung in die Ethik“ vom 27.10.2010.
12 Ursula Wolf, Aristoteles’ Nikomachische Ethik, Darmstadt 2007, S. 31.
13 Vgl. Martin Gessmann (Hg.), Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009, s. v. ‚Eudämonismus‘.
14 Vgl. Wulff D. Rehfus (Hg.), Handwörterbuch Philosophie, Göttingen 2003, s. v. ‚Eudaimonie‘.
15 Wulff D. Rehfus (Hg.), Handwörterbuch Philosophie, Göttingen 2003, s. v. ‚Eudaimonie‘.
16 Martin Gessmann (Hg.), Philosophisches Wörterbuch, Stuttgart 2009, s. v. ‚Eudämonismus‘.
17 Vgl. Wulff D. Rehfus (Hg.), Handwörterbuch Philosophie, Göttingen 2003, s. v. ‚Eudaimonie‘.
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Arbeit zitieren:
Lena Fietzel, 2011, Der Eudämonismus als moralphilosophische Position, München, GRIN Verlag GmbH
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