Ehrenwörtliche Erklärung
„Ich erkläre, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst habe und nur die angewiesenen Hilfsmittel verwendet habe. Diese Arbeit wurde daher weder an einer anderen Stelle eingereicht noch von anderen Personen vorgelegt.“
Abstract
Das Thema dieser Arbeit ist „Anorexia athletica: Theoretische Betrachtungen für konkrete Lösungsansätze“.
Im Mittelpunkt steht die zentrale Forschungsfrage: Existiert eine Anorexia athletica unabhängig von anderen Essstörungen?
Nach der Sichtung und Lektüre der zahlreichen Materialien war es möglich fünf Modelle zur Verbindung von Anorexia athletica und Anorexia nervosa zu erstellen: Im ersten werden beide als sehr ähnliche Phänomene dargestellt. Im zweiten Modell überlappen sich die Anorexia athletica und die Anorexia nervosa. Das dritte Modell stellt beide als eigenständige Krankheiten dar, die von einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur abhängig sind. Im vierten Modell sind sie ineinander verflochten und beeinflussen sich gegenseitig. Im letzten Modell wird gezeigt, dass aus einer Anorexia athletica eine Anorexia nervosa werden kann.
Auch wenn das medizinische und psychologische Forschungsfeld für Essstörungen noch Jahre des Studiums für eine endgültige Klassifizierung benötigen wird, ist es angebracht im Moment die Anorexia athletica als separate Kategorie zu betrachten. Das ist wichtig für die Ausbildung von Trainern/innen und Betreuern/innen.
In der Arbeit werden einige Programme und Schwerpunkte zur primären und sekundären Prävention diskutiert.
3
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 6
1. Allgemeine Essstörungen und ihre Parallelen im Sport 8
1.1. Klinische Definition und grundlegende Fragestellungen 8
1.2. Einteilung von Essstörungen 9
1.3. Epidemiologie 10
2. Anorexia nervosa 12
2.1. Ätiologie und Verlauf der Anorexia nervosa 12
2.1.1. Beschreibung 12
2.1.2. Psychologische, soziologische und biologische Faktoren 13
2.1.3. Der Krankheitsprozess 14
3. Symptome der Anorexia athletica 18
3.1. Medizinisch psychologische Kriterien zur Erkennung der Anorexia athletica 18
3.2. Woran können Außenstehende eine Essstörung erkennen? 19
4. Ursachen und Auslöser der Anorexia athletica 22
4.1. Gesellschaftliche Hintergründe 24
4.2. Die Rolle von Eltern, Trainern/innen, Mitbewerbern/innen und Kampfrichtern/innen25
4.3. Weitere mögliche Auslöser 28
4.4. Besondere Essstörungen: Anorexia nervosa und Anorexia athletica: 29
ein Vergleich 29
5. Auswirkungen auf den Körper 32
5.1. Female Triad 33
5.2. Osteoporose 33
5.3. Amenorrhoe 35
5.4. Mangelerscheinungen 36
6. Fünf Modelle die den Unterschied zwischen der Anorexia athletica und der Anorexia
nervosa aufzeigen 38
7. Konkrete Lösungsansätze für die Anorexia athletica 42
7.1. Körperparameter für Trainer/innen und Betreuer/innen 42
4
7.1.1. Körpergewicht 43
7.1.2. Body Mass Index 43
7.1.3. Körperfett. 44
7.2. Behandlung 45
7.2.1. Erziehungs- und Informationsprogramme 45
7.2.2. Prävention der Anorexia athletica und die Rolle der beteiligten Spezialisten/innen
46
7.2.3. Interventionen bei dem/der essgestörten Athleten/in 47
Schluss 51
Literaturverzeichnis 52
Abbildungsverzeichnis 56
Tabellenverzeichnis 57
5
Einleitung
Heutzutage hört man von allen Seiten fast nur über zu Dünne und zu Dicke. Auch im Sport gibt es Schönheitsideale, die je nach Sportart unterschiedlich sind. In vielen Sportarten werden häufig von Trainern/innen und Betreuern/innen Essstörungen der Athleten/innen bemerkt. Oft sind diese Störungen schon so weit fortgeschritten, dass es schwierig ist dem/der Athleten/in eine wirkungsvolle Therapie vorzuschlagen und vor allem für den/die Athleten/in ein adäquates Verhalten zu finden, welches er/sie auf längere Sicht beibehalten kann. Leider sind oft die Trainer/innen und Betreuer/innen gar nicht darauf geschult eine Essstörung zu erkennen.
Die Forschungsfrage dieser Arbeit ist, ob die Anorexia athletica überhaupt unabhängig von anderen Essstörungen existiert. Die Wichtigkeit des Problems besteht zuerst im Verstehen, ob die Anorexia athletica wirklich als eigenständiges Phänomen oder als Syndrom beschrieben werden kann oder ob sie in Wirklichkeit als Essstörung anderen Ätiologien zugeordnet werden muss. Weiters ist es notwendig Perspektiven für die Arbeitsmethoden von Betreuern/innen und Trainern/innen zu recherchieren.
Das Konzept der Anorexia athletica führt nicht nur zu einer Änderung der Arbeitsweise der die Athleten/innen umgebenden Spezialisten/innen, sondern auch zu einer Neuorientierung der Arbeit, wo die Konzepte der Interdisziplinarität und der Teamarbeit wichtige Konsequenzen für die Karriere und Lebensqualität des/r Leistungssportlers/in setzen. Die Analyse der in der Literatur angeführten Case Studies und das Vergleichen der wissenschaftlichen Daten führt zu einer Beschreibung von verschiedenen
Erklärungsmodellen der Anorexia. Die Anorexia athletica als separate Kategorie neben den anderen Essstörungen zu beschreiben ist von Vorteil, da die betroffenen Individuen für die eine vorbeugende und richtige Therapie notwendig ist, einer besonderen Subkultur angehören.
Der Aufbau dieser Arbeit lässt sich folgend erklären:
Nach einer allgemeinen Beschreibung der Essstörungen und ihren Parallelen im Sport, gehe ich im zweiten Kapitel zur Ätiologie und zu der Beschreibung der wichtigsten Faktoren der Anorexia nervosa über. Im dritten und vierten Kapitel beschreibe ich die Symptome, die Ursachen und Auslöser der Anorexia athletica, um die Unterschiede und Parallelen mit der Anorexia nervosa herauszuarbeiten. Das fünfte Kapitel hat als zentralen Punkt die Triade und die Gefahr für die Gesundheit des/der Athleten/in. Nach diesen Bestandsaufnahmen und Analysen wird im sechsten Kapitel die Diskussion über Unterschiede der Anorexia athletica
6
und Anorexia nervosa anhand von fünf Modellen geführt. Im darauffolgenden siebenten Kapitel geht es um konkrete Lösungsansätze für die Anorexia athletica und ihre Behandlung.
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1. Allgemeine Essstörungen und ihre Parallelen im Sport
1.1. Klinische Definition und grundlegende Fragestellungen
„Esstörungen sind psychosomatische Erkrankungen, die durch Störungen
der Nahrungsaufnahme bzw. des Körpergewichts ohne organische Ursachen gekennzeichnet sind.“ (Tappauf & Scheer, 2007, S.26)
Als Essstörungen werden im weiteren Sinne alle von der Norm abweichenden Auffälligkeiten des Essverhaltens, die zu psychischen Störungen und Veränderungen des Körpergewichts führen, verstanden.
Die klinische Definition von Essstörungen ist: „Störungen der Nahrungsaufnahme (Dysorexie) bzw. des Körpergewichts (Dysponderosis) ohne org. Ursachen, die sich in versch. klin. Bildern manifestieren u. ineinander übergehen können (Dysorexie-Dysponderosis-Kontinuum).“ (Pschyrembel, 2004, CD-ROM)
Seit den Nachkriegsjahren sind die Studien zu Essstörungen im Allgemeinen und zu Essstörungen im Sport im Speziellen angestiegen. (vgl. Habermas, 1993, S.37-62; Hsu, 1980, S.1041-1046; Byrne & McLean, 2001, S.145-159)
Im Sport haben die Untersuchungen über die Leistung und Ernährung zugenommen. In dieser Arbeit werden die Zusammenhänge zwischen Sport und Essstörungen vertiefend betrachtet.
Diese Überlegungen zu den Essstörungen im Allgemeinen und ihren Parallelen im Sport werfen drei grundlegende Fragen auf:
1) Ist die sportliche Umgebung ein Ort von Vorlieben der Risikogruppen anzieht und das Entstehen von Störungen favorisiert?
2) Ist die Ausübung von Sport ein Risikofaktor oder ein Schutz vor pathologischen Essstörungen?
3) Die Symptome die bei den Sportlern/innen beobachtet werden sind die gleichen wie in internationalen Klassifikationen gewöhnlich beschrieben und wie ordnet sich hier die Anorexia athletica ein? (vgl. Afflelou, 2008, S.88-89)
Die ersten Studien dienten vor allem für die Kategorisierung der beobachteten Essstörungen. Diese Klassifizierungsansätze waren notwendig um Beziehungen zwischen den einzelnen Störungen und den anderen psychischen Phänomenen herzustellen.
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1.2. Einteilung von Essstörungen
In den letzten Jahrzehnten tauchen immer mehr Krankheiten auf, die als Ursache Essstörungen haben. Gestörtes Essverhalten tritt auch vermehrt bei aktiven Sportlern/innen auf. Der Anteil der Betroffenen zeigt einen höheren weiblichen Anteil (ca.90%), jedoch ist der männliche Anteil tendenziell steigend. (vgl. SASP, 2001, S.1) Die Haupthandwerke um die psychischen Krankheiten bzw. Störungen zu beschreiben sind das DSM IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) und das ICD 10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems). Das erste angeführte Werk ist ein amerikanisches, hingegen das zweite ist international gültig. Zwischen den beiden gibt es gewisse Unstimmigkeiten. Unter diesen fällt auf, dass die Anorexia athletica in der ICD 10 aufscheint, aber nicht in der DSM IV. (vgl. Saß, Wittchen & Houben, 2003, S.XXVI/1001; Hiller, Zaudig & Mombour-Bern, 1995, S.173-180)
Es gibt keine endgültige Klassifikation von Essstörungen. In Anlehnung an Pschyrembel (2004, CD-ROM) gibt es folgende Einteilung von Essstörungen:
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Essstörungen muss man in einem übergeordneten Rahmen betrachten, wie aus folgender Graphik ersichtlich ist:
Abb.1: Essstörungen, psychogene: Einteilung der Folgen im sog. Dysorexie-Dysponderosis Kontinuum (Quelle:
Pschyrembel, 2004, CD-ROM)
1.3. Epidemiologie
Das Problem von Essstörungen wurde statistisch erfasst und es gibt seriöse epidemiologische Daten. Generell sind Essstörungen bei jungen Mädchen und Frauen häufig. Laut Hoffmann (2009, S.7-8) zeigen Untersuchungen von Fichter 2007 und Mayer, dass 5-10% der postpubertären Mädchen eine Essstörung aufweisen. Sowie 0,7% der jungen Frauen an Anorexia nervosa bzw. 1-2% an Bulimia nervosa leiden. In dieser Altersspanne betrifft die Magersucht ca. 1 von 200 Frauen. Grob geschätzt sind in Deutschland rund 100.000 Menschen an Magersucht erkrankt. 5-10% davon sind männlich. Die Zunahme an Essstörungen in den letzten 20 Jahren ist erschreckend. Jede dritte Schülerin (35%) leidet an Frühsymptomen der Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa. Wobei für 14% ein extrem hohes Risiko besteht. Essstörungen findet man vermehrt in der oberen Mittelschicht der westlichen Industrienationen. Weiters gibt es bestimmte Risikogruppen wie Schauspieler/innen, Models und Sportler/innen, die unter dem Druck eines gegebenen Schlankheitsideals stehen. Bei Leistungssportlern/innen treten Essstörungen häufiger auf als bei Nichtsportlern/innen, vor allem bei Sportlern/innen aus
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ästhetischen, ausdauernden oder Gewichtsklassen abhängigen Sportarten (vgl. Hoffmann, 2009, S.7-8).
Im Inneren der Galaxis der Essstörungen hat die Anorexia nervosa, wie man aus der oberen Graphik erkennen kann, einen großen Anteil an der Konstellation der Störungen.
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2. Anorexia nervosa
Bevor der Begriff Anorexia athletica von Smith & Pugliese (vgl. Clasing, Herpertz-Dahlmann & Marx, 1997, S.A-1998) 1980 geprägt wurde, wurden die Essstörungen von Sportlern/innen nur der Anorexia nervosa zugeordnet (Siehe Kapitel 4. Dieser Arbeit). Auch heute noch bleibt das Problem bestehen, ob die Anorexia athletica eine Variante der Anorexia nervosa ist, oder ob es sich um eine unabhängige Krankheit handelt (Siehe Kapitel 6. Vorliegender Arbeit). Aufgrund dessen werden in dieser Arbeit zuerst einige Beispiele und Analysen zur Anorexia nervosa angeführt.
2.1. Ätiologie und Verlauf der Anorexia nervosa
2.1.1. Beschreibung
Laut Hoffmann (2009, S.8) gibt es in der Literatur für die Anorexia nervosa keine monokausale Erklärung. Die Krankheit beginnt in der Regel mit einer Diät, meist angeregt durch kritische Äußerungen im familiären und sozialen Umfeld. „Auf einer Waage im Tennis-Center ihres alten Clubs stellte sie mit Entsetzen fest, daß [!] sie über zehn Kilogramm zugenommen hatte. Nach diesem Schlüsselerlebnis beschloß [!] die Pb, von nun an eine strenge Diät einzuhalten.“ (Bös, 2003, S.168)
In Anlehnung an Hoffmann (2009, S.8) erfolgte die Erstbeschreibung der Anorexia nervosa durch Arzt Sir William Gull und Charles Laségue in den Jahren 1873/74. Schon damals waren sich die Beschreiber in ihrer Einschätzung des Krankheitsverlaufs uneinig, und diese Heterogenität existiert bis heute aufgrund von methodischen Schwächen in Arbeiten über den Langzeitverlauf:
„Diese Kritikpunkte lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
- eine Verzerrung aufgrund der Vorauswahl der Stichprobe,
- die Anwendung nichtstandardisierter diagnostischer Kriterien,
- ein Mangel an explizitien Outcome-Kriterien,
- ein ungenügendes Forschungsdesign oder retrospektive Arbeiten,
- eine hohe Ablehnungsrate,
- indirekte Nachuntersuchungsmethoden,
- eine fehlende Berücksichtigung der bisherigen therapeutischen Interventionen.“ (Zipfel, Löwe & Herzog, 2008, S.44)
Die Diskussionen, die sich unter den Forschern entwickelt hat, individualisierte einige Faktoren, die entweder die ersten Anzeichen der Krankheit verursachen oder überhaupt zum Ausbrechen der Krankheit führen.
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Christine Pasquariello, 2010, Anorexia athletica - Theoretische Betrachtungen für konkrete Lösungsansätze, München, GRIN Verlag GmbH
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