Inhaltsangabe
1. Einleitung 1
2. Klärung des Begriffs „Institutionen“ 2
2.1. Institution: Ergebnis oder Regel eines Spiels? 3
2.2. Regeleigenschaften 4
2.3. Überwachungsformen und Institutionentypen 5
2.4. Zum Zusammenhang zwischen internen und externen Institutionen 8
3. Die Neue Institutionenökonomik und ihre Eigenschaften 9
3.1. Besonderheiten der Institutionenökonomik 10
3.2. Vollständige vs. Beschränkte Rationalität 12
3.3. Transaktionskosten 14
4. Die Wirkung von Institutionen auf Wachstum und Entwicklung 15
4.1. Die Wirkung von externen Institutionen 16
4.2. Die Wirkung von internen Institutionen 19
4.3. Interaktion von Internen und externen Institutionen und Wachstum 21
5. Fazit 22
Literaturverzeichnis 23
1. Einleitung
Wir leben in einer Welt voller Ungleichheit. Die Divergenzen zwischen verschiedenen Staaten und Gesellschaften sind gewaltig, ja vielleicht sogar größer denn je.
Während einige Länder beispielsweise mit gigantischen Bruttosozialprodukten und Bruttoinlandsprodukten trumpfen, können andere wiederum, deren Bevölkerung in Hunger und Armut lebt, nur davon träumen, überhaupt jemals solch ein Niveau zu erreichen. Während einige Länder, wie etwa in Europa, nun auf eine mittlerweile recht lange Zeit des Friedens und der Stabilität zurückblicken können, herrscht in anderen Ländern wiederum tagtäglich Krieg und es besteht jederzeit die Gefahr eines Umsturzes. Während bei einigen Ländern der Aufbau und die Implementierung von Verfassungen Früchte tragen, sind dieselben Verfassungen und Maßnahmen wiederum andernorts zum Scheitern verurteilt oder bewirken sogar das Gegenteil von dem was erwünscht war.
Indessen bieten die neoklassischen Wirtschaftstheorien auf die oben genannten Fragen bisher keine oder nur unzureichende Antworten. Die neue Institutionenökonomik hingegen stellt einen anderen Blickwinkel auf diese Probleme zur Verfügung, der eventuell vielversprechend sein könnte. In dieser Arbeit möchte ich die Besonderheiten des Ansatzes der neuen Institutionenökonomik herausarbeiten und werde insbesondere untersuchen, welche Wirkung Institutionen nach institutionenökonomischer Sicht auf Wachstum und Entwicklung haben.
Zu diesem Zweck bedarf es zunächst einiger Vorklärungen, weshalb ich in Teil 2. den Begriff der Institution erläutern und auf die verschiedenen Typen von Institutionen eingehen werde. Darauf folgend werde ich in Teil 3. Versuchen, die Besonderheiten und Eigenschaften der Neuen Institutionenökonomik
näherzubringen. In Teil 4. werde ich dann auf die möglichen Wirkungen der verschiedenen Typen von Institutionen auf Wachstum und Entwicklung eingehen, um schließlich in Teil 5. die oben genannte Fragestellung mit Hilfe der in den vorherigen Teilen erlangten Erkenntnisse zu beantworten. 1
2. Klärung des Begriffs „Institutionen“
Obwohl im Volksmund oftmals bereits die alljährlich wiederkehrende Kartoffelpufferverkäuferin auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt als Institution bezeichnet wird, stellt sich die Institutionenökonomik unter diesem Begriff etwas ganz anderes vor.
So ist der eigentliche Zweck von Institutionen vielmehr Unsicherheit, wie sie in etwa zwischen zwei Vertragspartnern herrschen dürften, zu reduzieren. Oder anders ausgedrückt: Sie dienen zum Abbau strategischer Unsicherheit (vgl. Voigt 2009: 25). Diese liegt immer dann vor, wenn man das Ergebnis einer Handlung nicht absehen kann, da es nicht alleine von der eigenen Handlung abhängig ist, sondern die Handlung eines weiteren Akteurs oder mehrerer Akteure das Ergebnis ebenfalls beeinflussen (vgl. Voigt 2009: 25). Streng davon zu unterscheiden ist die parametrische Unsicherheit, die immer dann vorliegt, wenn das Ergebnis von Naturereignissen wie etwa Waldbrände oder Überschwemmungen abhängt (vgl. Voigt 2009: 25).
Es ist natürlich einleuchtend, dass sich bei einer solchen Unsicherheit und Misstrauen gegenüber den anderen, die Abwicklung und das Zustandekommen von geschäftlichen Beziehungen äußerst schwierig gestaltet. So hat man ja schließlich keine Sicherheit, dass man wirklich eine Gegenleistung für seine Leistung bekommt und nicht etwa über den Tisch gezogen wird. Wenn also Geschäfte zustande kommen, so wird der Austausch von Leistungen bei diesen Geschäften meist zeitgleich stattfinden, um Betrugsversuche zu vermeiden (vgl. Voigt 2009: 25). Eine moderne Arbeitsteilung, wie wir sie heute kennen, ist in einem solchen System natürlich nicht denkbar, auch der Wohlstand würde wesentlich geringer ausfallen, da weniger Geschäfte getätigt würden (vgl. Voigt 2009: 25). Man denke nur in etwa daran, dass man oftmals auf die Erfüllung von Leistungen warten muss, zum Beispiel bei Bestellungen und Warenlieferungen oder bei Erbringung von Arbeitsleistung und Gehaltszahlungen.
Um diesen Missstand zu beseitigen, ist es also von Nöten, die Unsicherheit zwischen den Vertrags- beziehungsweise Geschäftspartnern zu reduzieren. Dies kann man nur mit angebrachten Verhaltensbeschränkungen erreicht werden, wie sie in etwa von Institutionen zur Verfügung gestellt werden (vgl. Voigt 2009: 25).
2
2.1. INSTITUTION: ERGEBNIS ODER REGEL EINES SPIELS? Was aber genau sind denn nun eigentlich Institutionen? Da die Neue Institutionenökonomik ein recht neues Forschungsgebiet ist, gibt es darauf leider noch keine allgemein akzeptierte Antwort. Jedoch sind zwei verschiedene Ansätze zu unterscheiden.
In Ersterem werden Institutionen als das Ergebnis eines Spiels, also den Interaktionen zwischen Akteuren, angesehen, wohingegen im zweiten Ansatz Institutionen als die Regel eines Spiels betrachtet werden (vgl. Voigt 2009: 26). Einer der bekanntesten Vertreter des zweiten Ansatzes dürfte wohl Douglas North sein. Er sieht Institutionen als „[…] die von Menschen erdachten Beschränkungen menschlicher Interaktion. Dementsprechend gestalten sie Anreize im zwischenmenschlichen Tausch, sei dieser politischer, gesellschaftlicher oder wirtschaftlicher Art.“ (North 1992: 3). Hingegen wurde der Ansatz, Institutionen als eine Art Spielergebnis zu sehen, zuerst von Schotter etabliert und wurde dann von anderen Wissenschaftlern wie etwa Milgram oder Weingast weiterentwickelt (vgl. Aoki 1998: 3). So schreibt in etwa Weingast über die möglichen Restriktionen eines Spiels: „The answer cannot be simply a written rule, for rules can be changed, avoided, or ignored.” (Weingast 1995: 3).
Ob Institutionen nun die Regeln oder Ergebnisse von Spielen darstellen, konnte bis heute nicht zufriedenstellend geklärt werden. Selbst einige komplett andere Ansätze haben sich zwischenzeitlich herausgebildet. So schlägt in etwa Masahiko Aoki vor, Institutionen selbst als die Spieler eines Spiels zu definieren (Aoki 1998: 2 ff.). Ich werde deshalb im folgenden Teil der Arbeit eine Definition von Stefan Voigt verwenden, da bei Voigts Ansatz Institutionen nicht über ihre Stellung in einem Spiel, sondern vielmehr über ihre Eigenschaften definiert werden. Voigt bezieht sich bei seiner Definition wiederum auf den Aufsatz „An agenda fort the study of institutions“ von Elinor Ostrom aus dem Jahre 1986. Demzufolge muss zwischen zwei verschiedenen Komponenten einer Institution unterschieden werden. Nämlich die „[…] Regelkomponente auf der einen Seite und die Durchsetzungs- bzw. Sanktionskomponente auf der anderen.“ (Voigt 2009: 26). Somit können Institutionen „als allgemein bekannte Regeln, mit deren Hilfe wiederkehrende Interaktionssituationen strukturiert werden und die mit einem
3
Durchsetzungsmechanismus bewehrt sind, der eine Sanktionierung bzw. Sanktionsdrohung im Falle eines Regelverstoßes bewirkt.“ (Voigt 2009: 27) definiert werden. 2.2. REGELEIGENSCHAFTEN
Wie man merkt, liegt das Hauptaugenmerk bei dieser Definition auf der Eigenschaft einer Institution als Regel. Dies Bedarf natürlich einer näheren Erläuterung und Spezifizierung, was eigentlich unter einer Regel zu verstehen ist. In der Literatur finden sich nahezu unzählige Definitionen zu dem Begriff „Regel“, was wir hier jedoch unter einer Regel verstehen wollen, sind allgemein bekannte Vorschriften, die von einer Teilnehmergruppe zur Regelung sich wiederholender Interaktionen verwendet werden (vgl. Ostrom 1986: 5). Diese Vorschriften geben vor, welche Handlungen benötigt, verboten oder erlaubt sind. Regeln selbst entstehen aus den impliziten oder expliziten Versuchen der Gruppenmitglieder, Ordnung und Berechenbarkeit für bestimmte Situationen beziehungsweise Interaktionen zu erreichen (vgl. Ostrom 1986: 5).
Dazu sei noch darauf hingewiesen, dass eine allgemein bekannte Vorschrift nicht bedeutet, dass sie auch wirklich allen Personen in einer Gesellschaft geläufig sind. Vielmehr soll darauf hingewiesen werden, dass private Vereinbarungen, Verträge und Abmachungen keinen Regelcharakter besitzen, da sie für die anderen Gesellschaftsmitglieder im Normalfall keinerlei Bedeutung haben (vgl. Voigt 2009: 27). So hat in etwa ein Vertrag zwischen zwei Fischern, nur ein bestimmtes Kontingent abzufischen, keinen Regelcharakter, da er für die restlichen Fischer des Hafens ohne Bedeutung ist. Sie können nach wie vor noch so viel Fisch abfangen, wie sie möchten.
Des Weiteren ist auf die Entstehung von Regeln einzugehen. Wie aus der obigen Definition ersichtlich wird, sind die entstandenen Regeln keinesfalls immer so von der Gesellschaft gewollt oder gewünscht. Ihre Entstehung unterliegt eher einer gewissen Zufallskomponente, die sich aus dem Wechselspiel und der Interaktion von expliziten, also genau so beabsichtigten, und impliziten, also unbeabsichtigten, Versuchen der Akteure, ihre Interaktionen zu strukturieren, ergibt (vgl. Voigt 2009: 27).
4
Zudem gilt es noch, zwischen zwei verschiedenen Formen von Regeln zu unterscheiden. Einerseits die Gebote, welche eine Handlung, oder Handlungen, bei einer bestimmten Interaktion festlegen und andererseits die Verbote, die genau gegensätzlich wirken und eine Handlung, oder Handlungen bei einer bestimmten Interaktion verbieten (vgl. Voigt 2009: 27). 2.3. ÜBERWACHUNGSFORMEN UND INSTITUTIONENTYPEN
Wenn wir uns an unsere Definition von Institutionen von Seite drei erinnern, dann stellen wir fest, dass diese auch mit einem Mechanismus zur Bestrafung von Regelverstößen versehen sind. Eine sich unweigerlich daraus ergebende Frage ist nun natürlich, wie überhaupt ein Regelverstoß festgestellt werden kann, damit eine Sanktionierung zum Tragen kommt. Voigt identifiziert in seinem Lehrbuch zur neuen Institutionenökonomik fünf Arten der Regelüberwachung. Auf diese möchte ich im Folgenden gerne näher eingehen.
Zuallererst sei die Möglichkeit einer selbständigen Überwachung erwähnt. So sind durchaus Situationen denkbar, bei denen es keinen Sinn macht, sich gegen die vorherrschende Regel zu stellen, da man ganz einfach keinen Nutzen daraus zieht (vgl. Voigt 2009: 28). Zum Beispiel wäre es sinnlos, das Bungeejumping entgegen der üblichen Konvention mit Seil zu springen, ohne ein Seil zu betreiben. Oder anders ausgedrückt „[…] handelt es sich bei dieser Interaktionsstruktur um ein reines Koordinationsspiel, bei dem die Einhaltung der Regel die dominante Strategie für alle Beteiligten ist.“ (Voigt 2009: 28).
Eine andere Form der Regeleinhaltung stellt die so genannte „imperative Selbstbindung“ der Akteure dar (vgl. Voigt 2009: 28). Darunter kann man eine verinnerlichte Art der Regeleinhaltung verstehen. Obwohl ein Akteur bei dieser Überwachungsart nicht zwangsläufig einen Nutzen aus der Einhaltung einer Regel zieht, so hält er sich doch daran, weil es sich, um es im Volksmund zu sagen, einfach so gehört. Es handelt sich hierbei also um internalisierte ethische Regeln (vgl. Voigt 2009: 28). Für den Akteur stellt sich hierbei erst gar nicht die Frage, ob er eine bestimmte Handlung tun oder lassen soll, da die vorgegebene Handlungsweise vom betreffenden Akteur schon so stark verinnerlicht wurde, dass erst gar kein Kosten-Nutzen-Kalkül zur betreffenden Handlung aufkommt und die Handlung automatisiert abläuft (vgl. Voigt 2009: 29). Beide Anforderungen an Institutionen können diese
5
Arbeit zitieren:
Simon Hörrle, 2010, Institutionen, institutioneller Wandel und Entwicklung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie: Institutionen, institutioneller Wandel und Entwicklung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie: neuer Titel erschienen: Institutionen, institutioneller Wandel und Entwicklung
Institutioneller Wandel und Organisationen
Grundzüge einer strukturations...
Simone Schiller-Merkens
Der institutionelle Wandel der KSZE/OSZE nach dem Ende des Ost-West-Ko...
Formen und Wandel von Sicherhe...
Eva Maria Velickovic
Institutionen, institutioneller Wandel und Wirtschaftsleistung
Douglass C. North, M. Streissler
Schattenwirtschaft und institutioneller Wandel
Eine soziologische, sozialpsyc...
Dominik H. Enste
Institutionen, Transaktionskosten und wirtschaftliche Entwicklung
Ein Beitrag zur Neuen Institut...
Horst Löchel
0 Kommentare