Inhalsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Definition von Schulabsentismus 5
2.1 Schulverweigerung 7
2.2 Schulschwänzen 8
2.3 Zurückhalten 9
3 Bedingungsfaktoren für Schulabsentismus 11
3.1 Individuelle Bedingungsfaktoren 11
3.2 Soziokulturelle und familiäre Einflüsse 12
3.3 Gesellschaftliche Einflüsse 13
3.4 Schulische Bedingungsfaktoren 14
3.5 Peer Groups 16
4 Folgen und Auswirkungen von Schulabsentismus 17
4.1 Rechtliche Maßnahmen 18
4.2 Gesetzeswidriges Verhalten/ Delinquentes Verhalten 21
4.3 Berufliche Perspektive 24
4.4 Wirtschaftliche Aspekte 25
5 Fazit 27
6 Literaturverzeichnis 29
2
1 Einleitung
Der aktuelle Forschungsgegenstand zum Thema „Schulabsentismus“ ist bisher nur als bildungspolitische Diskussion bekannt. Studien in der Bundesrepublik Deutschland weißen regionale Differenzen und uneinheitliche Forschungsmethoden auf, sodass der Sachverhalt zum Thema Schulabsentismus nicht durch repräsentativ empirische Daten gestützt werden kann. 1 Doch seit der PISA - Studie, die Schulversäumnisse mit einbezogen hatte, hat sich das Interesse, sowohl in den einzelnen Professionen und Disziplinen weiterentwickelt, als auch in der Öffentlichkeit. Dabei ist die erhöhte gesellschaftliche Aufmerksamkeit neu, aber das Phänomen an sich alt. 2 Des Weiteren, ist die Präsenz am schulischen Unterricht Fundamental für ein Zusammenwirken in unserer Gesellschaft und stellt im Endeffekt die Basis für ein globales Leben miteinander her. Dennoch, nehmen einige Schüler und Schülerinnen dieses Attribut der Kompetenzvermittlung nicht wahr und bevorzugen das schulische Fernbleiben. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage:
Warum bleiben einige Schüler und Schülerinnen der Schule fern?
Andererseits, ist ein Mangel an Schulpräsenz immer mit einem Mangel an Fachkompetenz, Sozial - und Selbstkompetenz verbunden, wodurch absenten Schüler und Schülerinnen einen Mangel an Wissen und Fähigkeiten unterstellt wird. Der Volksmund unterstreicht dies durch die Bezeichnung der Leistungsgesellschaft. Daher sei Hinterfragt:
Mit diesen zentralen Fragen beschäftigt sich jene vorliegende Abschlussarbeit und wird diese im Verlauf thematisieren.
Doch zunächst wird in Kapitel 2 der Terminus „Schulabsentismus“ und seine Dimension erläutert. Daraufhin, sollen in Kapitel 3 die Bedingungsfaktoren einen kurzen Überblick
1 (vgl.: Warzecha, 2001, S. 3)
2 (vgl.: Rademacker, S. 23)
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darüber geben, welche komplexen Einflüsse auf einen Schüler und eine Schülerin einwirken. Des Weiteren, werden in Kapitel 4 die Folgen und Auswirkungen der absenten Schülerschaft behandelt. Dabei werden die Effekte zur Leistungserbringung unter den Aspekten der Rechtsordnung, der Bildung, dem Beruf und der Wirtschaft in Zusammenhang gebracht. Abschließend, wird ein Fazit gezogen und ein Ausblick gegeben.
Anmerkend wird hinzugefügt:
Vereinfachungshalber, wird aus den Bezeichnungen „Schüler und Schülerinnen“ die Schreibweise SchülerInnen verwendet. Sowie auch für die Lesbarkeit von anderen männlichen und weiblichen Akteuren.
4
2 Definition von Schulabsentismus
Die Erscheinung Schulabsentismus wird in der Literatur vielfältig beschrieben. Demgemäß, finden sich Begriffe aus zahlreichen Professionen und Untersuchungen wieder. 3 Die Betrachtungswinkel erlauben den SozialarbeiterInnen, PsychologInnen, SoziologInnen, PolitikerInnen und JuristInnen eigene Definitions - und Bezugspunkte. 4 Unteranderem, treten Synonyme mehrfach auf, wie Schulschwänzen, Schulverweigerung oder auch Unterrichtsabsentismus. 5 Diverse andere Termini, wie Schulvermeidung, Schulversäumnis, Schulmüdigkeit, Schulverdrossenheit, Schuldistanz oder Schulphobie seien dahingehend etlichen Unterbegriffen zugehörig, da es keinen präzisen Begriff für Schulabsentismus gibt. 6 Diese sind dennoch alle Komponenten von Schulabsentismus, die teilweise als Subkategorien gelten. In der Internationalen wissenschaftlichen Diskussion hat sich zudem analog der englische Begriff school absenteeism eingebürgert. 7
Es wird deutlich, dass das Phänomen in der Literatur kontrovers diskutiert wird. Zugleich finden sich viele Überschneidungen wieder. Um im weiteren Verlauf überhaupt von Schulabsentismus sprechen zu können, wird folgender Definition entsprochen:
3 (vgl.: Badel, 2009, in Van Buer & Wagner, 2009, S. 451)
4 (vgl.: Sälzer, 2010, S. 13)
5 (vgl.: Badel, 2009, in Van Buer & Wagner, 2009, S. 451)
6 (vgl.: Popp, 2006, in Genter & Mertens, 2006, S. 163)
7 (vgl.: ebd.)
8 (vgl.: Thimm & Ricking, 2004, S. 46, zit. nach Badel, 2009, in Van Buer & Wagner, 2009, S. 452)
5
Es gibt Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, die die Schule als Ort des Lernens nicht wahrnehmen können oder wollen. 9 Diese wiederum, sind in der Institution Schule meist absent. Absentismus bedeutet soviel, wie nicht anwesend sein und wird meist interpretiert als Reaktion auf ein unbehagliches Gefühl. Daraus ergibt sich ein Vermeidungsverhalten, welches die unterschiedlichsten monokausalen, als auch multikausalen Ursachen zum Vorschein bringt. 10 In diesem Zusammenhang vermerkt Ricking (2000), in Bezug auf Schulabsentismus, folgendes:
Puhr u.a. (2001) vermerken entsprechend:
Folglich, ist Schulabsentismus nach einer bestimmten Klassifizierung und Disziplin durch die Annahme des untersuchten Problems subjektiv zu betrachten.
Darüber hinaus, ist die Konsequenz häufig aus dem Fernbleiben der Schule, dass der Anschluss an das Leistungsniveau des Unterrichts versäumt wird und die entgangenen Lehrinhalte nicht nachgeholt werden. 13 Der Zustand von Schulabsentismus, ist an Ablehnung oder Verweigerung gekoppelter Prozess, der zunächst die Befindlichkeit eines Schülers negativ beeinflusst. In Anlehnung dessen, folgen dann passive Ausprägungen bezüglich des Unterrichts, bis hin zur Herausbildung von aktivem Fernbleiben. 14
9 (vgl.: Puhr u.a., 2001, S. 10)
10 (vgl.: Ricking, 2006, S. 23)
11 (vgl.: Ricking, 2000, S. 2, zit. nach Puhr u.a., 2001, S. 11)
12 (vgl.: Puhr u.a., 2001, S. 14)
13 (vgl.: Badel, 2009, in Van Buer & Wagner, 2009, S. 453)
14 (vgl.: ebd. S. 453)
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Um zu verstehen, warum Schulabsentismus einer Pflicht zum Besuch der Schule achtgegeben wird, wird kurz auf das in Deutschland geltende Gesetz eingegangen. In diesem Sinne, ist im Grundgesetzt folgender Artikel wiederzufinden:
Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates. 15
Da die Bildung und Erziehung in der Obhut des Staates als Wächter für Recht und Ordnung obliegt, ist der Bezugspunkt zur Schulpflicht erkennbar.
Die Schulpflicht in Berlin umfasst nach § 42, Abs. (4) des Berliner Schulgesetzes zehn Jahre. 16 Um der obligatorischen Schulpflicht nachzukommen, werden durchschnittlich fünfzehntausend Stunden im Leben eines Schülers eingefordert. 17 Durch die im Gesetz verankerte Pflicht zum Schulbesuch werden Kinder, ab einem bestimmten Alter, Jugendliche und Heranwachsende bis zu einem bestimmten Alter, angewiesen dem Unterricht, in der Institution Schule, nachzukommen. Unter anderem haben die Erziehungsberechtigten sorge dafür zu tragen, dass ihre Kinder der Pflicht nachkommen.
2.1 Schulverweigerung
Unter dem Begriff der Schulverweigerung versteht man ein Vorherrschen der Absenzen gegenüber der Präsenz in der Schule. 18 Schulverweigerung ist somit in Bezug auf Versäumnisse aus schulischer Sicht, stärker zu verstehen als Schwänzen. 19 Die Schulverweigerung kann sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegen, wie zum Beispiel im Sinne einer demonstrativen Passivität, zur Störung des Unterrichts beitragen oder in Leistungsverweigerung ausarten. Unteranderem, findet man auch den Begriff der Nichtbeschulbarkeit 20 , wobei dieser in aktiver und passiver Schulverweigerung differenziert
15 (vgl.: Art. 7 GG, 2011, S. 12)
16 (vgl.: http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/rechtsvorschriften/schulgesetz.pdf
17 (vgl.: Rutter u.a., 1979, S. 1)
18 (vgl.: Ehmann & Rademacker, 2003, S. 25)
19 (vgl.: Sälzer, 2010, S. 16)
20 (vgl.: Bührmann, 2009, in Marx, 2009, S. 7)
7
wird. Möhring (1999) legt dabei die Schulverweigerung als Vorstufe zur Schulphobie aus. 21 Im Endeffekt, finden sich in der Literatur zur Schulverweigerung Gemeinsamkeiten wieder. Es wird deutlich, dass die Betrachtungsweise des Schülers gegenüber der schulischen Institution aversive Neigungen aufzeigt. Daraus Schlussfolgernd, sei eine mangelnde Identifikation des Schülers zur Schule wiederzuerkennen. 22 Diese zeigt sich durch die ablehnende Haltung, welche wiederum eine emotionale Störung sein kann und damit ein Krankheitsbild darstellt. Das internationale Klassifikationssystem verweist dabei auf eine Störung des Sozialverhaltens mit der Kennzeichnung nach dem ICD-10 (F 91.2). 23
2.2 Schulschwänzen
Der Begriff Schulschwänzen ist vermutlich der älteste Begriff innerhalb des gesamten Themenkomplexes. 24 Den SchülerInnen wird unterstellt sich mit vollem Bewusstsein, bezüglich des Unrechts ihrer Handlung und keiner wesentlichen psychischen Beeinträchtigung aus der Schule zurückzuziehen, um einer für sie lustvollen Beschäftigung nachzugehen. 25 Daneben, wird von Schulschwänzen gesprochen, wenn Kinder und Jugendliche temporär oder beständig und ohne Wissen der Eltern die Schule nicht besuchen wollen. Dabei gehen sie viel lieber während des Unterrichtszeitraumes, einer für sie unterhaltsameren Tätigkeit, meist im nicht familiären Aufgabenfeld, nach. 26 Formale Kriterien lassen sich über die Dauer, die Häufigkeit, den Umfang, die Intensität, die Reversibilität, die Verlaufsformen und den Zeitpunkt des Schwänzens, klassifizieren. 27 Als Auslöser für das Schulschwänzen und der daraus resultierende Rückzug, werden Verwahrlosung und Erziehungsmängel, genannt. 28 Hierbei wird von einer dissozialen Störung
21 (vgl.: Möhring, 2000, S. 21)
22 (vgl.: ebd.)
23 (vgl.: http://resources.metapress.com/pdf-preview.axd?code=v481f8kw79hppcug&size=largest)
24 (vgl.: Kracke, 2009, S. 41)
25 (vgl.: Kracke, 2009, S. 42)
26 (vgl.: Preuß, 1978, zit. nach Ricking, 2006, S. 37)
27 (vgl.: Puhr u.a., 2001, S. 11)
28 (vgl.: Neukäter & Ricking, 1998, in Borchert, 2000, S. 815)
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Arbeit zitieren:
Clementina Gaz, 2011, Schulabsentismus und dessen Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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