Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945 5
2.1. Die nationale Orientierung in der Geschichtswissenschaft vor 1945 5
2.2. Geschichtswissenschaft zwischen Tradition und Revision 8
2.3. Inhalte und Methoden der Geschichtswissenschaft nach 1945 11
3. Zusammenfassung 14
4. Quellen- und Literaturverzeichnis 15
4.1. Quellenverzeichnis 15
4.2. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die Geschichtswissenschaft der BRD der frühen Nachkriegsjahre auf Kontinuitäten und Veränderungen zu überprüfen. Ausgangspunkt hierfür ist die nach 1945 geforderte Neuorientierung innerhalb der Geschichtswissenschaft nach der „deutschen Katastrophe“. Im Kontext dieser Situation soll geklärt werden, welche Leitbilder die Historiker bisher geprägt hatten, wie der Nationalsozialismus eingeordnet wurde und inwieweit ein Neuanfang tatsächlich umgesetzt werden konnte.
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der nationalen Orientierung in der Geschichtswissenschaft und ihren Auswirkungen. Der zweite Teil geht auf die historiographische Sicht auf die deutsche Geschichte und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus ein. Im dritten Teil wird schließlich der Umgang mit Inhalten und Methoden thematisiert.
Das Thema dieser Arbeit erfordert eine klare Eingrenzung, insbesondere im Hinblick auf die Primärliteratur. Friedrich Meinecke, Ludwig Dehio und Gerhard Ritter stehen als Historiker exemplarisch für die traditionelle Geschichtswissenschaft nach 1945, darum sollen auch ihre Überlegungen als relevante Quellen im Mittelpunkt stehen. Weiterhin wird ausschließlich die „traditionelle“ Geschichtswissenschaft wie sie nach 1945 unter anderem von Meinecke vertreten wird, betrachtet. Auf andere ebenso wichtige wie umfangreiche Entwicklungen der deutschen Historiographie wie unter anderem der Sozialgeschichte oder der Geschichtswissenschaft in SBZ und DDR kann und soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden, da dies dem vorgegebenen Rahmen nicht gerecht werden würde.
Eine wichtige Grundlage dieser Arbeit bilden die Monographie von Sebastian Conrad und der Aufsatz von Bernd Faulenbach, da beide vielschichtige Gedanken und Informationen zur Situation und Neuorientierung der Geschichtswissenschaft in der BRD nach dem Einschnitt von 1945 liefern. Während für Conrad die westdeutsche Geschichtsschreibung von der Unfähigkeit zu einer kritischen Perspektive auf die Zeit vor 1933 geprägt ist, betont Faulenbach die Schwierigkeit der Geschichtswissenschaft, der politischen Zäsur in ihrem Neuanfang zeitlich gleichermaßen entsprechen zu müssen. Winfried Schulze verdeutlicht dieses Problem noch einmal an der modernitätskritischen Einstellung vieler Historiker, die dem politischen Neuanfang einer Demokratie nach 1945 konträr gegenüberstand. Mit Hilfe
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dieser und anderer Forschungsbeiträge konnte daher die Neuorientierung der deutschen Geschichtswissenschaft in der Nachkriegszeit erläutert werden.
4
2. Die deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945
2.1. Die nationale Orientierung in der Geschichtswissenschaft vor 1945
Die westdeutsche Geschichtswissenschaft der Nachkriegszeit war insgesamt von einer hohen personellen Kontinuität geprägt. So blieb auch der Einfluss emigrierter Historiker während der 50er Jahre im Ganzen eher gering 1 . Dafür behielten nach 1945 der über 80jährige Friedrich Meinecke und der fast 60jährige Gerhard Ritter, die beide in Opposition zum Nationalsozialismus gestanden haben sollen, weiterhin ihre Führungspositionen in der Geschichtswissenschaft 2 . Andere, wie Ludwig Dehio und Hans Herzfeld, konnten ihre Stellen, die sie im Dritten Reich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verloren hatten, nun wieder einnehmen 3 . Was aber waren, nach den Erfahrungen des Dritten Reiches, die gemeinsamen intellektuellen Leitbilder, die jene Generation der Historiker der frühen Nachkriegszeit zum großen Teil geprägt hatten?
Die allgemeine Haltung der Historiker im Nationalsozialismus war durchaus uneinheitlich 4 . So seien etwa 40% von ihnen aktiv zu offener Kooperation bereit gewesen, während eine ungefähr gleich große Gruppe ein Arrangement mit dem NS-System anstrebte, um gleichzeitig ein traditionelles Wissenschaftsverständnis bewahren zu können 5 . Weiterhin hätte nur eine Minderheit der deutschen Historiker in kritischer Distanz zum Nationalsozialismus gestanden und versteckte Kritik geübt, wenngleich ohne damit eine größere Aufmerksamkeit zu erlangen 6 . In der Tat gab es für die Historiker im NS-System also einen gewissen Spielraum zwischen geistiger Anpassung und offener Opposition. Bernd Faulenbach resümiert jedoch, dass die Mehrzahl der Historiker das Dritte Reich ideell mit abstützte, „indem sie die deutschen Traditionen mit der damaligen Gegenwart in Beziehung setzten“ 7 . Jan Eckel spricht hier sogar von einer „Selbstgleichschaltung“ der Geisteswissenschaftler, die
1 Vgl. Sebastian Conrad: Auf der Suche nach der verlorenen Nation. Geschichtsschreibung in Westdeutschland und Japan 1945-1960. Göttingen 1999, S. 344.
2 Vgl. Konrad Kwiet: Die NS-Zeit in der westdeutschen Forschung 1945-1961. In: Ernst Schulin (Hrsg.): Deutsche Geschichtswissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1965). München 1989, S. 183.
3 Ebd.
4 Vgl. Jürgen Elvert: Geschichtswissenschaft. In: Frank Rutger Hausmann (Hrsg.): Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933-1945. München 2002, S. 132.
5 Ebd.
6 Ebd.
7 Bernd Faulenbach: Historistische Tradition und politische Neuorientierung. Zur Geschichtswissenschaft nach der „deutschen Katastrophe“. In: Walter H. Pehle/Peter Sillem (Hrsg.): Wissenschaft im geteilten Deutschland. Restauration oder Neubeginn nach 1945? Frankfurt am Main 1992, S. 192-193.
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Arbeit zitieren:
Maxi Hoffmann, 2010, Neuorientierung oder Tradition? Tendenzen deutscher Geschichtswissenschaft in der frühen Nachkriegszeit der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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