Inhaltsverzeichnis
1. Zur Ausgangslage des Unterrichts. 2
1.1. Institutionelle Bedingungen. 2
1.2. Zur Situation der Klasse 2
1.3. Lern- und Leistungssituation der Klasse. 3
1.4. Unterrichtsorganisatorische Aspekte 4
1.5. Begründung für die Ausweitung der Stunde auf 60 Minuten 5
2. Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand 6
2.1. Klärung der Sache 6
2.2. Stabile und labile Gerätearrangements im Stationsbetrieb 10
2.3. Didaktische Überlegungen. 15
2.4. Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit 17
2.5. Einordnung in den Bildungsplan 17
3. Intentionen des Unterrichts. 19
4. Überlegungen zum Lehr-Lernprozess - Methodische Überlegungen. 19
4.1. Zur Wahl der Vermittlungsmethode 19
4.2. Geplanter Verlauf der Unterrichtsstunde 20
5. Verlaufsplanung des Unterrichts 28
6. Literaturverzeichnis 31
7. Anhang 32
1
1. Zur Ausgangslage des Unterrichts
1.1. Institutionelle Bedingungen
Die … ist seit diesem Schuljahr eine reine Grundschule. Die bisherige Haupt-, jetzt Werkrealschule ist zweizügig.
Der Ausländeranteil im Einzugsgebiet ist recht hoch, weshalb verhältnismäßig viele Schüler 1 mit Migrationshintergrund und aus den verschiedensten Nationen die Schule besuchen.
1.2. Zur Situation der Klasse
Die Klasse 5 besteht aus 24 Schülern, die sich aus 10 Mädchen und 14 Jungen zusammensetzen. Erst vor einigen Wochen sind zwei Schüler - … - neu in die Klasse gekommen, die Integration in die Klasse verlief bisher recht unkompliziert.
In der Klasse 5 herrscht ein sehr lebendiges Unterrichtsklima. Das Sozialverhalten der Klasse ist grundsätzlich positiv geprägt, wobei verbale Auseinandersetzungen sowie „kleinere“ Tätlichkeiten wie schubsen oder sich mit Gegenständen abwerfen zwischen einzelnen Schülern in fast jeder Stunde auf der Tagesordnung stehen. Insgesamt gesehen besteht jedoch ein recht guter Klassenzusammenhalt, die Schüler gehen meist hilfsbereit miteinander um, demokratische und soziale Verhaltensweisen, wie zum Beispiel gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfestellung und Gruppenbewusstsein sind insoweit vorhanden, können allerdings noch weiter ausgebaut werden - insbesondere hinsichtlich des gemeinsamen Auf- und Abbauens bzw. Aufräumens.
Bei Gruppen- oder Partnerübungen jedoch sind die Schüler zumeist kaum in der Lage eigenständig ihre jeweilige Gruppe zu organisieren. Gerade Freundschaftsstrukturen innerhalb der Klasse führen hier häufig zu Unruhen, wenn diese keine Berücksichtigung finden. Auch die gemeinsam mit der Lehrperson vereinbarten Regeln - insbesondere die Gesprächsregeln im Sitzkreis - werden oftmals nicht eingehalten; teilweise vergehen einige Minuten, bis alle Schüler zur Ruhe kommen. Ebenso testen einzelne Schüler durch Nichteinhalten der Regeln in den Bewegungsphasen immer wieder ihre und meine Grenzen aus. Sollte ein Schüler im Unterricht durch unangemessenes Verhalten auffallen und dadurch den Stundenverlauf beeinträchtigen, werde ich deutlich auf unsere gemeinsam vereinbarten Sport-Regeln hinweisen.
1 Aus Gründen der Vereinfachung wird im vorliegenden Unterrichtsentwurf stellvertretend für den weiblichen und männlichen Plural die maskuline Form verwendet. Der Begriff ‚Schüler’ ist demnach geschlechtsunspezifisch zu verstehen und beinhaltet keinerlei Wertung.
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1.3. Lern- und Leistungssituation der Klasse
Bezüglich des motorischen Entwicklungsstandes befinden sich die Schüler im Alter von 10-13 Jahren teilweise noch in der motorischen Phase des „späten Schulkindalters“, aber auch schon in der ersten Phase der Reifungszeit (Pubeszenz). Ersteres zeichnet sich aus als die Phase des besten motorischen Lernalters, zweiteres als die Phase der Umstrukturierung motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten. In diesen Phasen der Entwicklung lassen die Schüler demnach schnelle Fortschritte in der motorischen Lernfähigkeit und in der Entwicklung koordinativer Fähigkeiten erkennen.
Wie dies für Kinder dieses Alters typisch ist, zeigen die Schüler der Klasse 5 einen großen Bewegungsdrang und eine hohe Bewegungsbereitschaft. Insgesamt lässt sich in der Klasse ein großes Interesse und Freude am Sportunterricht feststellen. Ausdruck für die Sportbegeisterung und das Interesse am Fach Sport ist die Motivation und das Engagement der Schüler im Sportunterricht. Die Schüler nehmen motiviert am Unterricht teil und zeigen sich sowohl gegenüber bekannten als auch gegenüber neuen Unterrichtinhalten aufgeschlossen. Besonders beliebt sind Übungen, die spielerisch umgesetzt werden.
Hinsichtlich des sportlichen Leistungsniveaus, sowie der Koordination weisen die Kinder der Klasse 5 unterschiedliche Ausprägungen auf. Im Gesamtbild beurteile ich die sportliche Leistungsfähigkeit der Klasse als gut. Die meisten Schüler besitzen eine recht gute konditionelle Leistungsfähigkeit, Bewegungskoordination und Beweglichkeit. Auch die Ergebnisse meines - zu Beginn dieser Unterrichtseinheit durchgeführten -Testverfahrens zur Feststellung und Überprüfung der Gleichgewichtsfähigkeit der Schüler zeigen, dass die Ausgangsniveaus der Schüler sehr unterschiedlich sind. Während einige Schüler eine recht stabile Gleichgewichtsfähigkeit aufweisen, fallen einige wenige Kinder dadurch auf, dass ihnen bereits das Stehen auf einem Bein Schwierigkeiten bereitet.
Da eine Komponente bei der Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit sicherlich die Motivation ist, sehe ich meine Aufgabe - neben der Beobachtung der Schüler - in erster Linie darin, diese zu motivieren und einzelnen Schülern bei Bedarf gezielt Hilfestellung zu geben, so dass auch anfänglich zu schwer erscheinende Übungen erfolgreich gemeistert werden. Zudem werde ich die Kinder dazu anhalten, sich in den Übungsphasen auch gegenseitig Hilfestellung zu geben. Weiterhin stehen differenzierte Bewegungsangebote sowie Übungsaufgaben zur Verfügung, um so den unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder gerecht zu werden, sie entsprechend zu fördern bzw. zu fordern. Auf diese Weise sollen allen Schülern gleichermaßen Erfolgserlebnisse ermöglicht werden, so dass sich letztlich alle Kinder freudvoll und motiviert am Sportunterricht beteiligen.
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1.4. Unterrichtsorganisatorische Aspekte
Dem ausgeprägten Bewegungsdrang der Schüler kommt die Hallensituation leider nicht wirklich entgegen. Der Sportunterricht findet zwar in der großen Sporthalle statt, die sich direkt auf dem Schulgelände befindet, den Schülern der Klasse 5 steht in dieser großen Halle allerdings nur ein Hallendrittel zur Verfügung, was bei der Anzahl der Schüler eine deutliche Beeinträchtigung darstellt. Auch die Geräte- und Materialauswahl ist sehr eingeschränkt, da in dem entsprechenden Hallendrittel die Materialien und Geräte zahlenmäßig nur beschränkt zur Verfügung stehen. Gleichzeitig haben zur selben Zeit wie die Klasse 5a noch drei weitere Schulklassen - davon zwei in den anderen beiden Hallendritteln und eine Grundschulklasse aus Platzmangel im Gymnastikraum - Sportunterricht, so dass es sein kann, dass auch diese Klassen die für die Stunde benötigten Geräte nutzen. Weiterhin ist es bei drei Klassen in der Halle oft so laut, dass bestimmte Sportinhalte - beispielsweise Entspannungs- und Ruhephasen - kaum sinnvoll durchführbar wären.
Neben dem Sportunterricht hat die Klasse 5a wöchentlich eine Stunde Schwimmunterricht. Da dieser aber geschlechtergetrennt stattfindet, hat die Jungen- bzw. die Mädchengruppe folglich nur jede zweite Woche Schwimmunterricht.
Freitags haben die Schüler wöchentlich eine Doppelstunde Sportunterricht - dieser wird koedukativ erteilt. Zwischen den zwei Doppelstunden liegt eine kleine Pause, während der ich den Schülern in der Regel eine Trinkpause gewähre. Da die Schulglocke in der Sporthalle aber nach den - von der Werkrealschule abweichenden - Unterrichtszeiten der Realschule gestellt ist, signalisiere ich den Schülern diese Trinkpause. Dies hat für die Lehrperson den Vorteil, dass die Pause nicht auf die Minute genau eingehalten werden muss, sondern von der Lehrperson an der Stelle eingeschoben werden kann, an der es für den Unterrichtsverlauf günstig erscheint - zum Beispiel vor Beginn einer neuen Übungsphase, nach einem anstrengenden Spiel oder nach dem Geräteabbau.
Die Stunde beginnt stets im Sitzkreis - dieser ist ein wichtiges Element des Sportunterrichts, da alle Schüler und die Lehrkraft sich untereinander gut sehen und verstehen können. Das bekannte Signal für den Sitzkreis ist ein Handzeichen seitens der Lehrperson. Ein kurzer Pfiff signalisiert den Schülern, stehen zu bleiben, alles festzuhalten und zur Lehrperson zu schauen. Dies ermöglicht es, kurze Hinweise oder Aufgabenstellungen zu geben, ohne die Schüler in den Kreis holen zu müssen.
Zum Abschluss einer Unterrichtsstunde wird stets darauf geachtet, dass eine gemeinsame Verabschiedung im Sitzkreis stattfindet, während derer sich Schüler und Lehrperson gegenseitig Rückmeldung zur Stunde geben können.
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Zu einem Ritual ist mittlerweile auch das „Spielebuch“ der Klasse 5a geworden. Bei diesem handelt es sich um ein Notizbuch, in das jede Woche jeweils ein Schüler ein selbst gewähltes Spiel hineinschreibt - dies kann sowohl ein kleines als auch ein großes Sportspiel sein. Dabei schreibt der Schüler alle Spielvariablen des Spiels - Spielidee, Spielfeldgröße, Spieleranzahl, Spielregeln, Spielmaterial sowie mögliche Variationen - in das Buch. In der darauf folgenden Woche stellt der Schüler sein ausgewähltes Spiel dann den anderen Schülern vor, erklärt dessen Regeln, teilt die Mannschaften ein; schließlich wird das Spiel erprobt. Hinter diesem „Spielebuch“ steht einerseits die Idee einer Spielesammlung, andererseits auch die Idee des Erwerbs der allgemeinen Spielfähigkeit. Die Schüler sollen die Spielidee sowie die Regeln des Spiels verstehen, das gewählte Spiel organisieren, aufrechterhalten und - bei Problemen - auch weiterentwickeln bzw. verändern können.
1.5. Begründung für die Ausweitung der Stunde auf 60 Minuten
Nach langer Überlegung und Planung habe ich mich für die Ausweitung der heutigen Sport-stunde auf 60 Minuten entschieden.
Da die Schüler wöchentlich ohnehin nur zwei Sportstunden haben, möchte ich den Schülern von dieser - meiner Ansicht nach sowieso viel zu geringen - Bewegungszeit so viel wie möglich belassen. Durch Erklärungs- und Reflexionsphasen sowie durch den aufwendigen Abbau stände den Schülern - in einer 45-minütigen Sportstunde - jedoch lediglich ca. 25 Minuten effektive Bewegungszeit zur Verfügung. Innerhalb dieser kurzen Zeit ließen sich kaum ausreichend Körper-, Material-, Sozial- sowie Bewegungserfahrungen ermöglichen. Gerade auf die so wichtige Erprobungsphase, die der kreativen Auseinandersetzung mit den vielfältigen Bewegungsarrangements dient, müsste ich in einer Einzelstunde verzichten, um alle anderen geplanten - ebenso wichtigen - Elemente in der Stunde unterbringen zu können.
Ausschlaggebend für die Ausweitung der Sportstunde auf 60 Minuten ist aber vor allem die Stundenthematik an sich: Gleichgewichthalten und Balancieren verlangt Ruhe, Wahrnehmung, Konzentration und dementsprechend viel Zeit. Zum Balancieren braucht man die eigene volle Aufmerksamkeit - ohne, dass drängelnde Mitschüler einen zur Eile anhalten. Gerade auch aufgrund des Sicherheitsaspekts - hektisches und unkonzentriertes Balancieren birgt die Gefahr des Herunterfallens und Verletzens - ist den Schüler in der heutigen Stunde ausreichend Erprobungs- und Übungszeit zu gewähren.
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2. Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand
2.1. Klärung der Sache
Bewegungskoordination wird als Organisation von Bewegungsvollzügen in Abhängigkeit von einem antizipierten Ziel verstanden. Dabei wirken Sinnesorgane, zentrales und peripheres Nervensystem sowie die Skelettmuskulatur innerhalb eines ökonomischen und harmonischen, zielgerichteten Bewegungsablaufs zusammen. 2
Als bedeutsame Leistungsvoraussetzungen des Sportlers kamen Ende der sechziger Jahre die koordinativen Fähigkeiten unter dem Begriff der „Gewandtheit“ in die Diskussion. In den siebziger Jahren wurde dieser Begriff durch den der „koordinativen Fähigkeiten“ abgelöst, da dieser „der außerordentlichen Vielgestaltigkeit der Bewegungshandlungen im Sport und in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens“ mehr gerecht wurde. 3
Nach Hirtz (1985) sind die koordinativen Fähigkeiten „eine Klasse der motorischen (körperlichen) Fähigkeiten und - neben den konditionellen und den motorischen Fertigkeiten - Elemente der körperlichen Leistungsfähigkeit.“ Sie stellen individuell angeeignete Leistungsvoraussetzungen für die Bewältigung besonders koordinativer Anforderungen dar. 4
Koordinative Fähigkeiten sind nicht angeboren, sondern sie entwickeln sich durch das Lernen. 5 Sie sind als „relativ verfestigte und generalisierte Verlaufsqualitäten spezifischer Bewegungssteuerungsprozesse“ zu charakterisieren, die sich durch wiederholte Bewältigung gleicher oder ähnlicher Anforderungen verfestigen und zu Fähigkeiten werden. 6
Hirtz (1985) bestimmt die Gleichgewichts-, die Reaktions-, die Rhythmisierungs-, die räumliche Orientierungs- sowie die kinästhetischee Differenzierungsfähigkeit als die fünf für den Schulsport fundamentalen koordinativen Fähigkeiten. 7
Die koordinativen Fähigkeiten stehen in der Regel in einem interdependenten Zusammenhang. Aus diesem Grund spricht Lange in seinem Buch „Mit Spiel zum Ziel - Kleine Spiele zur Koordinationsschulung“ von koordinativen Funktionen. Dabei werden „die klassischen
2 Vgl. Meinel, K. / Schnabel, G. (2007): Bewegungslehre Sportmotorik. S.42
3 Hirtz, P. (1985): Koordinative Fähigkeiten im Schulsport. S.6
4 Ebd. S. 13
5 Vgl. Kosel, A. (1994): Schulung der Bewegungskoordination. S.10
6 Hirtz, P. (1985): Koordinative Fähigkeiten im Schulsport. S.14
7 Ebd. S.33
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Arbeit zitieren:
Tanja Aust, 2011, Balancieren auf stabilen und labilen Gerätearrangements im Stationsbetrieb, München, GRIN Verlag GmbH
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