Petrus und Paulus
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
A. Einleitung 3
B. Quellen und Quellenlage 4
1. Die Ausgangslage 5
2. Die Viten des Petrus und Paulus. 6
2.1. Die Vita des Petrus. 6
2.2. Die Vita des Paulus 8
3. Die Apostel Petrus und Paulus in Rom 9
3.1. Das Problem 11
3.2. War Petrus in Rom? 13
4. Die Überlieferung für einen Romaufenthalt der Apostel. 20
4.1. Die Bildsäule des Simon Magus 20
4.2. Dionysius von Korinth über das Martyrium des Petrus und Paulus 21
5. Veränderungen Roms im Namen der Apostel Petrus und Paulus 23
5.1. Die Veränderung Roms durch die Christen 23
5.2. Die frühen Kirchenbauten in Rom 25
5.2.1. Die Peterskirche auf dem Vatikan 25
5.2.2. Die Paulskirche (Sankt Paul vor den Mauern) 26
5.2.3. San Sebastiano alle Catacombe 27
6. Die Gräber der Apostel Petrus und Paulus 28
6.1. Das Petrusgrab 29
6.2. Das Grab des Paulus 30
7. Resümee 31
Quellen und Literaturverzeichnis III
II.
2
Petrus und Paulus
A. Einleitung
Die Stadt Rom war seit ihrer Gründung ständigen Veränderungen unterworfen. Königreich, Republik und Kaiserzeit drückten der Stadt ihren Stempel auf. Einzelne Kaiser, aber auch der wohlhabende Adel hinterließen im Stadtbild ihre Spuren, die die politischen Verhältnisse bzw. deren Persönlichkeitsstrukturen der jeweiligen Akteure widerspiegelten.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit zwei Personen aus den ersten Jahrzehnten nach Christi Geburt, die der Stadt ein völlig neues Gepräge verschafften, obwohl sie selbst keine Gebäude, Thermen, Foren, Kanäle oder sonstige Werke schufen. Zu ihren Lebzeiten hat sie in Rom kaum jemand gekannt, und kaum ein Geschichtsschreiber nahm in dieser Zeit Notiz von ihnen. Ihr Leben bleibt in vielen Bereichen im Dunkel. Dafür ranken sich umso mehr Legenden um sie.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die beiden Apostel Petrus und Paulus. (Apostel von gr. apostolos = „Gesandter“, gemeint ist ein von Jesus Christus direkt Beauftragter, der den christlichen Glauben in alle Welt tragen soll). Die Verbindung dieser beiden Männer zu Rom ist einzigartig und rätselhaft, sowohl für den Historiker als auch für die christlich katholische Kirche. Gefragt werden soll nach der Lebensgeschichte der Apostel, ihr Verhältnis zur Urchristengemeinde, ihren möglichen Aufenthalt und ihr Martyrium in Rom, und der Entstehung der Legenden um sie. Danach soll versucht werden „Dichtung“ und „Wahrheit“ ihres Wirkens in Roms zu ermitteln. Den Schluss bilden Darstellungen über die „sichtbaren“ Nachwirkungen beider in Rom. Bei der Darstellung der Viten werde ich mich für die ersten Lebensabschnitte auf die wichtigsten, relativ gesicherten Fakten, beschränken, da der Schwerpunkt der Arbeit auf ihr vermutetes oder durch Mythen überliefertes Wirken und ihren Einfluss auf die Entwicklung der Stadt Rom gerichtet ist.
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B. Quellen und Quellenlage
Der Umfang und die Zuverlässigkeit der Quellen sind für die einzelnen Personen, Orte, Zeiten und Ereignisse sehr verschieden. Über das Leben des Paulus ist, trotz alle Zweifel der Echtheit einzelner Schriften, gesichertes Schrifttum aus eigener Hand vorhanden. Über andere Personen erfahren wir in erster Linie aus den Briefen des Paulus, also eines Außenstehenden, z.B. aus seinem Bericht über das „Apostelkonzil“ in Gal.2. 1 Aus dritter und weiterer Hand stammen die Daten aus der Apostelgeschichte. Aus den Evangelien lassen sich mit großer Vorsicht Angaben über die Auseinandersetzung zwischen Juden, Christen und der römischen Zentralmacht entnehmen.
Aus der Zeit um 180 berichten Fragmente des Schriftstellers Hegesippus über die Judenkriege, die der Kirchenvater Eusebius von Caesarea in seine zehnbändige Kirchengeschichte aufnahm.
Sonstige Quellen über die Apostel erweisen sich als äußerst spärlich. Sie stützen sich hauptsächlich auf wenige Schriften der Bibel und apokrypher Schriften. Zudem sind deren Echtheit 2 und ihre Entstehungszeit 3 oft umstritten. Dies gilt besonders für die Apostelgeschichte, die frühestens im Jahre 63, aber möglicherweise erst zwischen 80 und 90 verfasst wurde. Sie ist erst ab Kapitel 13 vorhanden und wurde möglicherweise noch durch einen Redaktor verändert. Bei dem ersten Petrusbrief handelt es sich höchstwahrscheinlich sogar um ein pseudographisches Schreiben.
Keine dieser Schriften sind unter dem Gesichtspunkt einer wissenschaftlichen Geschichtsschreibung entstanden. Ihr Inhalt spannt sich von der Unterhaltungslektüre bis hin zu heiligen Schriften zur Verbreitung eines neuen Glaubens. Daraus ergeben sich viele Schwierigkeiten für eine historisch gesicherte Aussage. 4
Als primäre Quellen werden die Evangelien des Neuen Testaments und die Apostelgeschichte des Lukas verwendet. Dazu kommen: der Brief des Paulus an die Korinther, der 1. Clemensbrief, der 1. Petrusbrief sowie die Abhandlung des christlichen Schriftstellers Hegesippus von Jerusalem, die der Historiker Flavius
1 Hans Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, in: NTD Ergänzungsreihe 5, Göttingen 1969, S. 10.
2 z.B. Paulusbriefe
3 z.B. Apostelgeschichte (Apg.). Sie könnte frühestens 63 nach dem Prozess gegen Paulus ent-standen sein, (aber auch 80-90) und möglicherweise durch einen Redaktor verändert.
4 Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, S. 11.
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Iosephus in seinem Werk über die im 1. Jahrhundert verfassten „Judenkriege“ zitiert.
Weitere Quellen sind die Briefe des Bischofs und Märtyrer Ignatius von Antiochien (ca. 110), apokryphe Petrus- und Paulusakten (z.B. Actus Vercellenses), die Handschrift der Martyrien des Apostels Paulus mit einer bisher unbekannten Rede und einem Bildnis von ihm. Sie wurde erst 1962 in Ohrid (Makedonien) ge-funden.
1. Die Ausgangslage
Im Osten des römischen Reiches wurden im 1. Jahrhundert n.Ch. entlang der Levanteküste und dem Hinterland verschiedene Provinzen dem Reich hinzugefügt. Judäa erhielt von Kaiser Claudius im Jahre 44 n.Chr. 5 mit Herodes Agrippa I. zunächst wieder einen König, wurde aber kurz darauf nach dessen frühen Tod kaiserliche Provinz mit der Hauptstadt Jerusalem (Aelia Capitolina). Augustus machte Syria 63 zur römischen Provinz.
Beide Provinzen wurden nach Aufständen 135 durch Hadrian zur kaiserlichen Provinz Syria Palaestina vereinigt.
Die Zeit, von der in der vorliegenden Arbeit berichtet wird, liegt etwa im Wesentlichen zwischen Christi Geburt und dem 3./4. Jahrhundert nach der Zeitenwende, wobei den Jahren 63-67, den vermuteten Todesjahren der Apostel Petrus und Paulus, und der Zeit ab dem 2. Jahrhundert, eine besondere Bedeutung zukommt.
In den ersten Jahrzehnten, also zur Zeit Christi und der Apostel, ging es vor allem im jüdischen Glaubensraum nicht sehr friedlich zu, wie die Apostelgeschichte des Lukas (im Folgenden mit „Apg“ zitiert 6 ) berichtet. Endzeiterwartungen breiteten sich aus. Als Beispiel berichtet die Apg., dass Petrus im Gefängnis von Caesarea saß, wo ihn Herodes Agrippa aufsuchte. Agrippa starb kurz nach verlassen des Gefängnisses. 7
Volksprediger, die sich als „Messias“ (Christus) ausgaben, verkündeten in unterschiedlicher Weise ihren Glauben als den einzig wahren. Zu Unruhen kam es vor allem immer wieder durch die Anhänger der radikalen Glaubensrichtung der Zelo- 5 BeiZeitangaben nach Christi wird künftig die Angabe „n. Chr.“ weggelassen.
6 Die üblichen Abkürzungen für Autorenangaben der Bibel dürfen als bekannt gelten.
7 Apg. 12, 18-24
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ten. Sie bildeten eine jüdische paramilitärische Widerstandsbewegung gegen die römische Zentralmacht.
Im Jahr 26 kam es unter dem Stadthalter Pontius Pilatus, zu schweren Auseinandersetzungen mit den Römern, in deren Verlauf möglicherweise Jesus von Nazareth hingerichtet wurde. 8
Wie der Schriftsteller Flavius Josephus in seinen “Judenkriegen“ (De bello Iudiacio,) berichtet, begann im Jahre 66, ausgelöst durch religiöse und staatliche Unterdrückung, ein Bürgerkrieg gegen die Oberherrschaft der Römer. 9 Unter Titus gelang es den Römern Jerusalem zu erobern und völlig zu zerstören. Im Gegensatz zu den Zeloten waren die Anhänger von Christus, sowie die Pharisäer, zu denen Paulus gehörte, zwar politisch, aber eher friedlich und lebenspraktisch und wurden daher von Rom weitgehend in Ruhe gelassen. Zwischen den einzelnen Glaubensrichtungen gab es erhebliche Spannungen, Feindschaften und Handgreiflichkeiten bis hin zum Mord.
Wenn die Apostelgeschichte und andere Quellen von Qualen, Martern und Martyrium der Christen sprechen, ohne diese genau zuzuordnen, sind diese nicht a priori gleichzusetzen mit den römischen Christenverfolgungen, sondern beruhen sehr häufig auf Zwistigkeiten untereinander. 10
2. Die Viten des Petrus und Paulus
2.1. Die Vita des Petrus
Die historische Lebensgeschichte des Petrus (Simon Petrus) 11 stößt aus o.g. Gründen über die Quellenlage auf das Problem, dass sie nirgends als solche aufgeschrieben wurde. Aus den Evangelien und der Apostelgeschichte des Lukas lassen sich jedoch puzzelhaft einige relativ gesicherte Fakten zusammentragen. Über das Geburtsjahr gibt es nur vage Anhaltspunkte. Er starb als alter Mann, wobei damals ein Lebensalter von 50 Jahren als alt galt. 12 Im Lukasevangelium, wahrscheinlich der frühesten Quelle, werden Ort, Beruf und familiäre Fakten genannt: Als Jesus Christus am Galiläischen Meer (See Genezareth) ging, „sah er
8 zur Problematik der Zeitbestimmung s. Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, S.17-20.
9 Flavius Josephus, De bello Iudiacio, übersetzt von Clemenz Heinrich, Wiesbaden 2005.
10 Hiervon berichtet der später dargelegte 1. Clemensbrief in 1Clem 5,1ff.
11 Unter den Juden waren Beinahmen üblich. Jesus wählte für Petrus den Beinamen Kephas = Fels. Das Zitat aus Mt 16,18 mag daher so formuliert worden sein.
12 Gnilka, Joachim, Petrus und Rom, Freiburg 2002, S. 21.
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Simon und Andreas, seinem Bruder, dass sie Netzte ins Meer warfen; denn sie waren Fischer.“ 13 Simon Petrus lebte demnach in Galiläa (römische Provinz Iudaea), genauer in Bethsaida 14 und arbeitete später in Kafarnaum 15 als Fischer. Er hatte einen Bruder namens Andreas. Da wir aus Mk 1,30 über seine Schwiegermutter lesen, muss er verheiratet gewesen sein. Über seine Frau erfahren wir nichts. Seine berufliche Ausbildung erhielt er vom Vater, sonstige Bildung wurde in der Synagoge vermittelt. Die Apostelgeschichte beschreibt ihn als ungebildet. 16 Er mag auf dem Markt beim Verkauf der Fische auch einige griechische Worte kennengelernt haben, dass er aber literarisches Griechisch schreiben konnte, erscheint sehr unwahrscheinlich. 17 Die Familie wird wohl gerade ihr mageres Auskommen erzielt haben.
Wie das Markusevangelium weiter berichtet, fordert Jesus Simon Petrus auf, sich ihm als „Menschenfischer“ anzuschließen, was er drauf hin auch tat. 18 Das Evangelium weist ihm eine gewisse Stellvertreter- und Nachfolgerrolle Christi zu, da die anderen Jünger erst nach ihm zu Christus stoßen. Als direkter Glaubensbereiter Christi gehörte er damit in die erste Reihe der Apostel. Eusebius von Caesarea sieht jedoch Jacobus, den Bruder Christi, als Nachfolger an, dem sich Petrus unterordnete. Nicht Petrus, sondern Jacobus war seiner Meinung nach Oberhaupt der Urgemeinde in Jerusalem. 19
Bei Matthäus sagt Jesus zu Petrus: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde (Kirche)…“, und er setzt fort: „Und ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben: ...“. 20 Diese Priorität des Petrus spielt später im Zusammenhang mit der Begründung des Papsttums eine herausragende Rolle. Haller bezweifelt jedoch, dass diese Worte je gesprochen wurden, da sie im Gegensatz zu Jesu Predigt vom nahen Untergang der Welt im Widerspruch stehen und ähnliches in keinem Evangelium erwähnt wird. 21 Der Verfasser der Apostelgeschichte schreibt, dass Petrus nach dem Tod von Christus die Stellung eines Sprechers der Gemeine einnimmt, die Wahl des 12. Apostels initiiert und schließlich die kleine Gemeinde leitet. 22 Später steht er der
13 Mk 1,16
14 Joh 1,44.
15 Gnilka, Petrus und Rom, S. 21.
16 Oscar Cullmann, Petrus, Jünger-Apostel-Märthyrer, Zürich 1952, S. 17.
17 Hierauf wird später bei der Analyse des Petrusbriefes näher eingegangen.
18 Mt 16,17 ff
19 Haller, Das Papsttum, S. 6.
20 Mt 17, 19.
21 Johannes Haller, Das Papsttum, Idee und Wirklichkeit, Band I, Esslingen 1962, S. 4-5.
22 Apg. 1,15 ff.
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Gemeinde von Jerusalem vor und empfing schon als eine Art Amtsperson Paulus. 23 In Jerusalem können Christen wegen ihres relativ konservativen Glaubens weitgehend unbehelligt wirken, andere Missionare wurden aus Jerusalem vertrieben.
Über seine Missionstätigkeit gibt es nur dürftige Quellen. 24 Er missionierte am Anfang Nichtjuden, beschränkte sich auf Samarien, später auf Caesarea. Gemeinden gründete er wohl in Antiochia, Damaskus und phönizischen Städten. 25 Er taufte auch Heiden 26 , während andere Missionare oft nur Juden tauften, was zu verschiedensten Konflikten führte. 27
Es wird berichtet, dass Personen, die durch andere Apostel getauft wurden, erst durch sein nachträgliches Händeauflegen den sog. „heiligen Geist“ empfingen. 28 Diese Geste wird bei der Ausbildung der späteren christlichen Kirche aufgegriffen, mythologisiert und bis heute beibehalten.
Der Bericht der Apostelgeschichte endet mit der Gefangennahme des Simon Petrus durch Herodes. Ein Engel soll Petrus aus dem Gefängnis befreit haben. Er brachte ihn an das Haus des Johannes. Petrus teilte den Anwesenden seine wundersame Errettung mit „und ging hinaus und zog an einen andern Ort“. 29 Die Formulierung „an einen anderen Ort“ führte zu der am meisten umstrittenen Kontroverse der Wissenschaft. Einige Wissenschaftler glauben, in Analogie zur Berichterstattung der Apostelgeschichte über das Ende des Paulus, in diesem „Ort“ die Stadt Rom zu erkennen. Hierüber gibt es jedoch nirgends eine historisch gesicherte Antwort. 30
2.2. Die Vita des Paulus
So dürftig die Quellenlage über Petrus war, um so mehr Fakten wissen wir über Paulus. Es sind vor allem Briefe von ihm selbst. Nicht alle Briefe, die ihm zugeschrieben werden, sind jedoch auch von ihm verfasst. Dazu kommt die Apostelgeschichte, die seinen Lebensweg aus zweiter und dritter Hand bis kurz vor sei-
23 Gnilka,Petrus und Rom, S. 85-86.
24 Gnilka, Petrus und Rom, S. 86.
25 Gnika, Petrus und Rom. S. 87.
26 Apg 8,1 ff. Diese Aussage der Apg ist jedoch umstritten. Sie scheint nach CULMANN in der Absicht des Verfassers zu liegen, Petrus und Paulus einander anzunähern.
27 Sie hängen u.a .mit der Beschneidung der Juden und ethnologischen Hintergründen zusammen.
28 Cullmann, Petrus, S. 33.
29 Apg 1, 1-17.
30 Die Formulierung bedeutet i.d.R. „…in den Tod“.
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nem Tode schildert. Sie beginnt in Kapitel 13, wo noch sein ursprünglicher Name „Saulus“ genannt wird, und beschließt seine Biographie in Kapitel 28 mit dem Prozess gegen ihn in Rom, ohne dessen Ausgang zu schildern. Im Folgenden entnehme ich die Lebensdaten des Paulus der Apostelgeschichte, ohne für jede einzelne Aussage Kapitel und Zeile anzugeben, es sei denn, sie erscheinen als besonders bedeutend.
Paulus gehörte nicht zum Jüngerkreis Jesu. Damit war er nicht von Anfang an Apostel. Er wurde in Tarsus in Kilikien (Südtürkei) etwa zur Zeitenwende als Sohn jüdischer Eltern mit römischem Bürgerrecht geboren, gehörte der Glaubensrichtung der Pharisäer an und erhielt in der griechisch sprechenden Diaspora eine hellenistische Bildung. Er übte den Beruf des Zeltmachers aus, der eher zu den Arbeiten der Unterschicht zählte. Verheiratet war Paulus nicht. Als überzeugtes Mitglied des traditionellen Judentums wandte er sich entschieden gegen den Einfluss von Christusanhängern. Eine Art „Christenverfolgung“ betrieb er wohl nicht. Als Schüler des Rabbi und Hohenpriesters Gamaliel in Jerusalem hatte er keine Rechtsbefugnis für Verhaftungen oder andere Strafen. Alleine Synagogen selbst durften lediglich eine Art interne Rechtssprechung für einzelne Mitglieder in Form von Bußübungen, Geldzahlungen oder Geißelungen oder den Ausschluss aus der Synagoge anordnen 31 , auch wenn Apg 9,2 das strenger schildert. Staatlich angeordnet wurden ihm solche Verfolgungen nicht, was oft fälschlicherweise angenommen wird.
Ob er in Jerusalem mit Christus zusammen traf, ist eher unwahrscheinlich, da er zu wenig über ihn weiß, außer über dessen Tod und wenige seiner Worte 32 . Paulus predigt u.a. in Damaskus. Auf dem Weg dorthin erscheint ihm lt. Apg. der auferstandene Christus 33 . Er berichtet allen Anhänger Christi davon und begründet mit diesem Ereignis seine Aposteleigenschaft. 34 Mit Petrus traf er in Jerusalem zusammen, scheint mit ihm aber nur informelle Gespräche geführt zu haben, denen er aber keine große Bedeutung beimaß. 35 Der Beginn seiner Missionstätigkeit ist nicht mehr nachzuweisen, da seine frühen Briefe nicht mehr existieren. Wir erfahren nur, dass er nach Arabien ging, das Land der Nabatäer. Wahrscheinlich musste er dorthin fliehen. 36 Danach hält er
31 Claus-Peter März, Paulus, sein Leben, sein Wirken, seine Zeit, Leipzig 2008, S. 17.
32 Conzelmann, Geschichte des Urchristentums, S. 65.
33 Apg 9,1 ff.
34 In 1 Kor 15,3-8 schildert er die Situation und seinen Anspruch als Apostel.
35 Gal 1,18-20.
36 In 2 Kor 11,32 schreibt Paulus, dass er strafrechtlich gesucht wurde, aber fliehen konnte.
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Arbeit zitieren:
Dipl. Vw. Michael Ferger, 2011, Petrus und Paulus - Ihr Leben, Wirken und Nachwirken in Rom aus historischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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