Inhalt
1 Einleitung 1
2 Zu den Grundzügen der Dependenztheorie: handelspolitische Autarkie
als notwendige Bedingung für eigenes Binnenwachstum 3
2.1 Der dependenztheoretische Kernbefund: strukturelle Abhängigkeit
der Entwicklungsländer 4
2.2 Der Erziehungszoll-Gedanke als zentrales Strategieelement der Dependenztheorie 5
2.3 Wirkungen der Protektion: von der Importsubstitution zur Exportdiversifikation? 7
3 Die neoliberale Perspektive: Handelsbeschränkungen als Hemmnisse
von Entwicklungsprozessen 8
3.1 Die Position der neoklassischen Außenhandelstheorie 8
3.2 Neue Ansätze: der handelsregulative Policy Mix und die „strategische Handelspolitik“ 9
4 Weltmarktliche Dissoziation aus Sicht der Empirie: das Beispiel Taiwan 10
5 Fazit: Für und wider das Rigorosum der Teilzeit-Abkoppelung 11
6 Literatur- und Quellenverzeichnis 13
Abk ürzungen 17
Anhang: Zur Funktionsweise eines Importzolls (partialanalytische Betrachtung
importierendes Entwicklungsland) 18
Jan-Henrik Petermann Dissoziation contra Einbindung
1 Einleitung
Die Dependenztheorie galt von den späten 1960er bis zu den frühen 1980er Jahren als ein bestimmendes Paradigma auf dem Gebiet der Nord-Süd-Beziehungen (vgl. Menzel 1991: 7-9; Randall/Theobald 1998: 120ff.). Sowohl die theoretischen Fundierungen des Dependencia- Konzeptsals auch die zahlreichen Versuche seiner empirisch-praktischen Verifikation gingen dabei weit über den klassischen Gegenstandsbereich der Sozialwissenschaften hinaus: Neben Politologen, Soziologen und Historikern befassten sich auch Ethnologen und Kulturwissenschaftler sowie − nicht zuletzt − eine Vielzahl von Entwicklungsökonomen mit den Prämissen
und Implikationen der sich etablierenden Großtheorie, die im akademischen Diskurs über die Ursachen von Entwicklung bzw. Unterentwicklung bald in direkte Konkurrenz zu der bis dato tonangebenden Modernisierungstheorie 1 treten sollte (vgl. Basu 2003: 149ff.). Im Unterschied zu solchen Mikroansätzen, die das Phänomen der Unterentwicklung weitgehend auf endogene Faktoren innerhalb des jeweils rückständigen Landes zurückzuführen suchten 2 , postulierten die Vertreter der dependenztheoretischen Schule 3 eine strukturell bedingte Abhängigkeit der unterentwickelten Länder von der industrialisierten „Ersten Welt“, deren Ur- sachein der erzwungenen Einbindung der peripheren, sektoral wenig ausdifferenzierten „Dritte-
1 Eine kurze Problematisierung der Modernisierungstheorie findet sich in Menzel (1991: 5). Eine Zusammenfassung, welche die ursprünglich modernisierungstheoretisch geprägte Entwicklungskonzeption der Weltbank aus organisationssoziologischer Perspektive analysiert, liefert Finnemore (1997: 203ff.). Für eine Grundsatzkritik vgl. Frank (1996: 26): „They [modernisation theories, d.V.] all posited that development would result from gradual re- formsin dual economies/societies, in which the modern sector would expand and eliminate the traditional one.“
2 Bei ihrer Definition von Begriffen wie „Unterentwicklung“ oder „Rückständigkeit“ übersahen viele der frühen Modernisierungstheoretiker freilich, dass eine substanzielle Verbesserung der Lebensbedingungen einer gegebenen Bevölkerungsgruppe auch von kulturspezifischen - und nicht etwa ausnahmslos ökonomischen - Bestim-mungsfaktoren abhängen kann (vgl. z.B. Nuscheler 1996: 171ff.). Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Konzeption der herkömmlichen Modernisierungstheorie ist daher nicht nur in ihrer häufigen Beschränkung auf Aspekte des (von Verteilungsfragen oft untangierten) wirtschaftlichen Binnenwachstums zu sehen, sondern desgleichen in der zumindest impliziten Annahme eines universell wünschbaren Gesellschaftsmusters „westlicher“ Prägung, das den Prozess der Entwicklung als eine graduelle Angleichung der lokalen Gegebenheiten an „westliche“ Vorbilder und Erfordernisse begreift (vgl. exemplarisch hierzu Escobar 1997: 86). Es liegt nahe, dass im Rahmen einer solchen Konzeptualisierung des Entwicklungsbegriffs alternativ denkbare Möglichkeiten autochthoner Modelle von Entwicklung, in denen Fragen kulturhistorischer Kontingenz eine größere Bedeutung innehaben, keine oder nur wenig Beachtung finden. Für eine detaillierte Diskussion über den Vorwurf des Ethno- und Eurozentrismus der westlichen „Solidaritätsbewegung“ vgl. Menzel (1991: 23; „Tabu 5“) sowie Escobars (1997: 85; 91) diskursana- lytischeBetrachtung der Karriere des Entwicklungsbegriffs und dessen Beschreibung der Funktion von Kultur als „residual variable“ (ebd.: 91). Ähnlich argumentiert in diesem Zusammenhang auch Nuscheler (1996: 164-166) mit seinem provokativ formulierten Gegensatzpaar „Tradition versus Entwicklung“.
3 Zu den wichtigsten Wegbereitern der zentralen Argumente der Dependenztheorie werden gewöhnlich Autoren wie Gunnar Myrdal, Andre Gunder Frank, Samir Amin oder Fernando Henrique Cardoso gezählt.
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Welt“-Volkswirtschaften in das kapitalistische Weltsystem und insbesondere in einen schrankenlosen Weltmarkt zu sehen sei. 4
Der Charakter der Dependencia-Forschung war von Beginn an ein multidisziplinärer. Dennoch zeichnete sich schon früh die Verwendung einer primär wirtschaftswissenschaftlichen Herangehensweise und eines marktanalytischen Methoden-Sets ab, auf deren Basis etliche Ökonomen entwicklungspolitische Strategien formulierten, um der zunehmenden Verarmung in den Entwicklungsländern (EL) beizukommen - eines Trends, den manche von ihnen auch und vor allem mit dem Transfer von Ressourcen, Naturkapital und Wissen in die Industrieländer (IL) in Verbindung brachten. Diese Analysen hatten zunächst noch modernisierungstheoretisch inspirierte, auf endogene Entwicklungsblockaden rekurrierende Vorstellungen zum Gegenstand 5 , wurden aber schon bald durch die Einbeziehung von Aspekten des internationalen Handels ergänzt. Im Rahmen der außenhandelstheoretischen Analyse von Entwicklungshemmnissen wiederum kristallisierte sich zu Beginn der 1970er Jahre ein besonderes Konzept heraus, das über einen hohen heuristischen Anschauungswert und − aus Sicht der meisten EL − über eine große
politische Suggestivkraft verfügte: die Strategie der Importsubstitution (IS) und Exportdiversifikation (ED) 6 , d.h. die durch Erhebung von Importzöllen gesteuerte Abschottung des jeweiligen Heimatmarktes zum Aufbau einer autarken Industrie einerseits und die massive Ausweitung staatlicher Investitionsprogramme zum Aufbau einer diversifizierten, international konkurrenzfähigen Branchenvielfalt andererseits.
4 Angesichts des von vielerlei Seiten kritisierten Begriffs der „Dritten Welt“ ist darauf hinzuweisen, dass die Kate-gorisierung des internationalen Staatensystems in eine „Erste“, „Zweite“ und „Dritte Welt“ sowohl unter historischen (Zusammenbruch der bipolaren Weltordnung 1989/90) als auch unter analytischen Gesichtspunkten (mangelnde Beachtung der empirischen Vielfalt und Heterogenität einzelner Länder im Vergleich zueinander) zu bemängeln ist. Vgl. hierzu insbesondere die Debatte über die Schwierigkeit einer schlüssigen Definition des Entwicklungsbegriffs (Menzel 1991: 20; „Tabu 1“; siehe auch Fn. 7). Zudem bestehen hinsichtlich der möglichen Verfahren zur Operationalisierung und Messung von Entwicklung große Meinungsverschiedenheiten. Zur Konstruktion des häufig verwendeten Human Development Index (HDI) und des Gender-Related Development Index (GDI) des UNDP vgl. UNDP (2002: 34ff.; 251). Selbstkritisch zum empirischen Aussagewert des HDI auch UNDP (2002: 141ff.). Es liegt seit kurzem ein aktueller Human Development Report des UNDP für das Jahr 2003 vor; der Bericht konnte jedoch nicht ausgewertet werden, da er im Internet noch nicht verfügbar ist.
5 Hierbei sind in erster Linie die traditionellen Industrialisierungs-, Wachstums- und Zwei-Sektoren-Theorien (Lewis-Modell unterschiedlicher Lohnhöhen [Basu 2003: 153ff.], Stadt-Land-Migration in der „dual economy“ [Basu 2003: 149ff.; Wöhlcke 1988: 18], struktureller Wandel in der Landwirtschaft [Fei-Ranis-Modell der Kommerzialisierung der Landwirtschaft; Basu 2003: 156] sowie der lateinamerikanische desarrollismo [Wöhlcke 1988: 19-20; Riedemann 1984: 51]) zu nennen. Eine Typologie der als selbstverschuldet angenommenen, „hausgemachten Probleme“ der EL diskutiert Wöhlcke (1988: 32). Für eine auf defizitäre Budget- und Fiskalpolitiken innerhalb einzelner EL abzielende Analyse vgl. Chu (1987).
6 Wenn im Folgenden aus Gründen der Verkürzung allein von Importsubstitution die Rede ist, bedeutet dies nicht, dass die notwendige Begleitstrategie der Exportdiversifikation damit aus der Betrachtung ausgeschlossen wird. Beide Einzelstrategien bedingen einander: Nur durch eine temporäre Abschottung gegenüber dem Weltmarkt mit Hilfe Listscher Erziehungszölle ist eine infant industry aus Sicht der Dependenztheorie überhaupt aufzubauen (siehe auch Abschnitt 2). Diese Arbeit bezieht sich daher stets auf beide Komponenten, auch wenn lediglich von Importsubstitution gesprochen wird. In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur besteht zudem an vielen Stellen Uneinigkeit darüber, ob die Einzelstrategien der IS und ED prinzipiell alternative oder notwendigerweise komplementäre außenhandelspolitische Maßnahmen sein müssen (vgl. z.B. Bae 1990: V). Zur detaillierten Darstellung der IS und ED siehe Abschnitt 3.
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Obgleich die Blütezeit der dependencia als sozialwissenschaftliche Großtheorie aus Sicht zahlreicher Autoren seit Beginn der 1980er Jahre vergangen ist 7 und seither das Freihandelsprinzip auch in Bezug auf entwicklungstheoretische und -politische Zusammenhänge nahezu unangefochten zu sein scheint, verfügt das dependenztheoretische Teilkonzept der IS in einigen Wirtschaftsregionen der Welt nach wie vor über eine hohe Aktualität. 8 Die vorliegende Arbeit möchte daher der Frage nachgehen, zu welchen unterschiedlichen Bewertungen der Strategie der IS die Dependenz- und die neoklassische Außenhandelstheorie gelangen und anhand welcher methodischen Maßstäbe diese Bewertungen erfolgen. Die folgende Analyse kann dabei lediglich das Teilkonzept der IS unter Berücksichtigung realer Gütermärkte ins Augenmerk nehmen; alternative denkbare Untersuchungsschwerpunkte − etwa zu den Möglichkeiten einer zeitweiligen Abkoppelung einzelner EL von den globalen Finanz- und Kapitalmärkten 9 oder zu den vermuteten Kausalbeziehungen zwischen Dependenz und Verschuldung − können aus Gründen der thematischen Stringenz nicht näher verfolgt werden. 10 Zunächst werden die theoretischen Grundlagen des Konzepts der IS aus Sicht der Depen-denztheorie in knapper Form dargelegt (Abschnitt 2). Dies geschieht mit Hilfe einer textanalytischen Durchsicht zentraler Beiträge zur dependencia aus den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Hierauf folgt eine kurze Analyse der seit den 1980er Jahren maßgeblichen neoklassischneoliberalen Schule einschließlich ihrer Beurteilung der IS (Abschnitt 3), wobei sich die Darstellung an wirtschaftswissenschaftlichen Texten zur Außenhandelstheorie und Methoden der graphischen Analyse von Marktzutrittsbarrieren (siehe Anhang) orientiert. Abschnitt 4 liefert eine empirische Einzelfallstudie zur praktischen Anwendung des Konzepts der weltmarktlichen Dissoziation. Abschnitt 5 fasst die gewonnenen Erkenntnisse abschließend zusammen.
2 Zu den Grundzügen der Dependenztheorie: handelspolitische Autarkie als notwendige Bedingung für eigenes Binnenwachstum
Mit der Formulierung der grundlegenden Annahme einer (ökonomisch wie kulturell bedingten) strukturellen Abhängigkeit der „peripheren“ EL von den kapitalistischen „Zentren“ der industrialisierten Welt begann die Dependenztheorie gegen Ende der 1960er Jahre weltweit, in Universitäten und Forschungseinrichtungen als intellektuelles Leitmotiv Fuß zu fassen (vgl. Business Week, Nr. 3728 [16.04.2001]: 20). Als Vordenker und gleichsam „Vater“ des in Südamerika entwickelten Ansatzes, nach dem die Unterentwicklung der „Dritten Welt“ als die „logische
7 Vgl. hierzu Menzels (1991: 4) generelle Skepsis gegenüber modernen Großtheorien, die umfassende, weltumspannende Erklärungsmodelle aufgrund des Problems ihrer allzu groben Reduktion von gesellschaftlicher Komplexität ablehnt. Mit Blick auf die EL sei dies vor allem durch deren große Heterogenität (vgl. ebd.: 10) bedingt.
8 Diese Argumentation verwenden z.B. Randall/Theobald (1998: 156), welche die „continuing relevance of dependency theory“ vor allem angesichts der Virulenz der globalen Verschuldungskrise feststellen.
9 Neben der Empfehlung eines konsequenten Ausscherens aus den Systemen der internationalen Finanzintermediation gehören Kapitalverkehrskontrollen (vgl. z.B. Menck 1988: 77) oder die Besteuerung von Devisentransaktionen (Tobin-Steuer) zu den Konzepten der monetären Abschottung (vgl. hierzu exemplarisch Tobin 1982).
10 Auch die regionale und sektorale Auswahl der untersuchten Beispiele muss notwendigerweise beschränkt bleiben und zahlreiche empirisch-historische Anwendungsfälle außen vor lassen.
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Folge eines Nord-Süd-Gefälles“ (Handelsblatt, Nr. 84/2000: 51) aufgefasst wird, gilt der Sozio-logie-Professor und spätere brasilianische Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso. 11 Im Gegensatz zu ihren späteren, bürgerlich-nationalistischen Adaptionen (vgl. Wöhlcke 1988: 59; Sautter 1977: 65; 89-91) wies die ursprüngliche Variante der dependencia eine klare marxistische Stoßrichtung sowie − damit verbunden − eine historisch-dialektisch argumentierende Grundhaltung auf. 12
2.1 Der dependenztheoretische Kernbefund: strukturelle Abhängigkeit
der Entwicklungsländer
Der Hauptbefund der Dependencia-Theorie, die unterstellte „Perpetuierung von Unterentwicklung“ durch die Strukturen des Welthandelssystems (vgl. Cardoso/Faletto 1976: 188ff.; Menzel 1991: 6), findet seine Begründung vor allem in der sektoral unausgewogenen Wirtschaftsstruktur der EL. Demnach steht die mehrheitliche Produktion von Primärgütern und natürlichen Rohstoffen in der peripheren 13 „Dritten Welt“ der mehrheitlichen Produktion industrieller Fertigwaren in der metropolitanen „Ersten Welt“ gegenüber, wobei letztere die Primärgüterausstattung der EL langfristig absorbiert und die „Dritte Welt“ somit von der eigenen materiellen Basis abschneidet (vgl. ebd.: 24-25; Balleis 1988: 128-130). Die internationale Arbeitsteilung wird mithin als Ursache für die Unterentwicklung der „Dritten Welt“ identifiziert (vgl. Menzel 2001: 197) − ein steter Kapitalgewinntransfer und „net flow of resources from most southern nations to the north“ (Broad/Melhorn Landi 1996: 7) seien die unabwendbaren Folgen. 14 Überdies bringe die Abhängigkeit der „Dritten“ von der „Ersten“ Welt eine strukturelle Heterogenität der betroffenen Gesellschaften, d.h. eine auf Dauer festgeschriebene soziale Marginalisierung einzelner Bevölkerungsschichten, mit sich (vgl. Bohnet 1988: 59).
11 Vgl. für biographische Annäherungen an Cardoso Die Zeit (Nr. 15/1995: 41) sowie Handelsblatt (Nr. 180/1995: 10; Nr. 191/1998: 12).
12 So schrieben bereits Cardoso/Faletto in ihrem Standardwerk zur Dependenztheorie (1976: 226): „Sozialismus ist das Ziel.“ Zur begriffsgeschichtlichen Karriere der dependencia vgl. Menzel (1991: 7). Zur Interpretation der dependencia als Teilkonstrukt einer allgemeineren Weltsystemtheorie vgl. Menzel (2001: 193-198), Carlson (1984: 161ff.) sowie Frank (1996: 42). Die Dependenztheorie als Strukturalismus-Variante beschreibt Hemmer (2002: 296ff.). Für eine Differenzierung zwischen der bürgerlich-nationalistischen und der marxistischen Variante der dependencia vgl. die Darstellungen in Wöhlcke (1988: 21), Hemmer (1988: 85) und Sautter (1977: 65; 89-91). Eine kolonialgeschichtliche Begründung der Dependenztheorie versucht Pietschmann (1977).
13 Zur genaueren Analyse einer leninistisch anmutenden Annahme von „Teilperipherien“ und „Semiperipherien“, die auch innerhalb der industrialisierten Welt vorlägen, vgl. Menzel (2001: 193-198). Ähnliche Abhängigkeitsverhältnisse und Asymmetrien nehmen einige Autoren auch mit Blick auf die Weltinformationsmärkte und die „weiche Ressource Information“ an (vgl. für eine Diskussion der Debatten um eine Neue Weltinformations- und Kommunikationsordnung Schmitz 1995: 116).
14 Insbesondere während der lost deacde der 1980er Jahre seien demzufolge bedeutende Nettokapitalabflüsse aus den meisten EL zu verzeichnen gewesen - einige erfolgreiche „big emerging markets“ ausgenommen (vgl. ebd.: 9). Auch realwirtschaftlich gesehen könnte aus dieser Perspektive Einiges für die Plausibilität der Dependencia- Theoriesprechen: So lag der Quotient zwischen Auslandsschulden und erzielten Exporterlösen 1994 in 29 von 32 hoch verschuldeten EL über einem Wert von 2, d.h. es wurden in dem betrachteten Jahr (zu realen Preisen) weniger als halb so viele Exporterlöse erzielt, wie an Geldern für den Schuldendienst aufgebracht werden musste (vgl. ebd.: 12). In ähnlicher Weise stellt Dos Santos (1996: 157) fest: „The general tendency was to accept international capital but to control the outflow of its profits and force it to play a subsidiary role in regional industrial development.“ Kapitalzuflüsse in EL hätten insofern nur kurzfristigen Charakter (ebd.: 10).
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Jan-Henrik Petermann, 2003, Dissoziation contra Einbindung: Wie viel Welthandel braucht nationale Entwicklung?, München, GRIN Verlag GmbH
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