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Inhalt
1) Das Bemühen Tiberius´ um den Senat und die Frage des Scheiterns 2
2) Warum scheiterte die Beziehung zwischen Tiberius und dem Senat? 3
2. 1) Die gescheiterten Handlungen Tiberius´ gegenüber dem Senat 3
2. 1. 1) Eine denkbar schlechte Ausgangssituation: Die recusatio imperii 3
2. 1. 2) Tiberius und die Senatssitzungen 4
2. 1. 3) Die Magistratenwahl durch Tiberius und den Senat 6
2. 1. 4) Tiberius Finanz- und Luxuspolitik in Bezug auf die Senatsaristokratie 7
2. 1. 5) Zwischenfazit zu Tiberius 8
2. 2) Reaktionen und Handlungen des Senates 8
2. 2. 1) Die Ausgangsposition des Senats 8
2. 2. 2) Der fehlende senatorische Herrschaftswille 9
2. 2. 3) Beleidigungen des Senats gegenüber Tiberius 11
2. 2. 4) Die Majestätsprozesse 11
2. 2. 5) Zwischenfazit zum Senat 12
3) Schlussfazit und historische Einordnung: Eine Geschichte voller Missverständnisse? 13
4) Literaturverzeichnis 16
4) 16
~ 2 ~
1) Das Bemühen Tiberius´ um den Senat und die Frage des Scheiterns
„[I]n Tiberius Wirken hat noch einmal Roms ältere Republik Gestalt angenommen und dadurch hat […] das Aristokratische, das Beste in der Geschichte dieses Volkes, eine kleine Nachblüte erlebt.“ 1
So urteilte der Historiker Kornemann über die Regierungszeit des römischen Kaisers Tiberius (14-37 n. Chr.). Jener aristokratische Euphemismus impliziert, dass der Prinzeps - obwohl Rom im Grunde im Prinzipat schon monarchisch regiert wurde - republikanische Züge gefördert hätte, wie die Macht des Senates wieder zu heben 2 . War Tiberius ein „Republikaner auf dem Cäsarenthron“ 3 ? Tatsächlich sind sich sogar die antiken Historiker einig - obwohl die meisten versuchen, Tiberius als Tyrannen darzustellen -, dass Tiberius sich um den Senat bemühte, indem er ihn stärkte und ehrte. So wurden laut Tacitus im Senat alle staatlichen und die wichtigsten privaten Angelegenheiten behandelt; die Magistrate hätten ein hohes Ansehen und die volle Amtsgewalt gehabt, wobei Gesetze meist vernünftig gehandhabt worden wären. Bei der Senatorenwahl achtete er auf Herkunft und Eigenschaften 4 . Und nach Cassius Dio unternahm er „keinen Schritt, ohne ihn nicht […] den übrigen Senatoren zur Kenntnis zu bringen“, wobei er die Redefreiheit gewährte und sich teils den Gegenstimmen beugte 5 . Tiberius war zumindest immer darauf bedacht, republikanisch zu wirken. Dem entspricht schon seine angebliche Aussage, dass er als heilbringender und guter Kaiser mit gewaltigen und weitreichenden Vollmachten vom Senat ausgestattet, diesem und den Bürgern diene 6 . Er war nämlich trotz seiner Prinzepsposition ohnehin auf den Senat angewiesen, da dieser die nötigen Verwaltungskräfte besaß, er war mit der Aristokratie und der Republik durch seine claudische Dynastie verbunden 7 und suchte im Senat einen Mitverantwortlichen 8 . Daher handelte Tiberius mit dem Ziel, den Senat zu stärken und eine gute Kooperation zwischen Prinzeps und Senat zu ermöglichen 9 . Ergo gab es viele republikanisch scheinende Maßnahmen unter Tiberius 10 . Die meisten jedoch wurden nicht als solche anerkannt. Vielmehr empfanden die Senatoren diese wohl ähnlich wie die meisten antiken Historiker - als Heuchelei 11 und lehnten Tiberius ab! So stellt sich die Frage, wieso die Beziehung zwischen dem Senat und Tiberius scheiterte, obwohl der Prinzeps sich um ihn aktiv auf verschiedenen Ebenen bemüht hat.
1 KORNEMANN 1947: 26.
2 Ebd.: 3 f.
3 LÖWENSTEIN 1980.
4 Tac. Ann. 4, 6.
5 Cass. Dio. 57, 7, 2 f.
6 Suet. Tib. 29.
7 ÍSLEIFSDÓTTIR 1985.
8 KORNEMANN 1947: 4.
9 SHOTTER 2004: 35.
10 Einige erfolgreiche Beispiele: Politisch stärkte Tiberius den Senat, als er 22 n. Chr. seinen Sohn Drusus zum Mitregenten erhob und erst die Zustimmung des Senats einholte, wodurch er neues Recht zugunsten des Senats schuf (KORNE-MANN 1947: 13) oder indem er die Wahl der Jahresbeamten von der Volksversammlung auf den Senat übertrug und ihm so das Recht zur Selbstergänzung gab (GOLLUB 1959: 207). Finanziell versuchte er im Sinne der Aristokratie zu handeln, indem er nie fremdes Eigentum ohne Verurteilung beschlagnahmen ließ (Cass. Dio, 57, 10, 5), sich nicht daran bereicherte und die Finanzkrise 33 n. Chr. im Sinne der Oberschicht bewältigte (LEVICK 1976: 102). Symbolisch stärkte er die Sena-toren, indem bei seinem Eintritt und Abgang sie sich nicht erheben mussten, sondern er vielmehr Konsuln auf der Straße Platz machte (SHOTTER 2004: 28) und den Senat zum Divus Senatus erhob (KORNEMANN 1947: 14-17).
11 BAAR 1990: 161.
~ 3 ~
Der Antwort soll in dieser Arbeit anhand ausgewählter Beispiele nachgegangen werden. Daraus ergeben sich einige untergeordnete Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Woher kommt das Misstrauen des Senats und wie reagiert er? Meinte Tiberius es republikanisch mit dem Senat oder versuchte er ihn scheinrepublikanisch zu instrumentalisieren? Die Forschung ist sich uneinig. Ergo möchte ich das Thema folgendermaßen untergliedern: erst wird erläutert, was Tiberius erfolglos versuchte, um den Senat für sich zu gewinnen, wobei Ursachen und Folgen kontrovers erläutert werden. Dasselbe folgt für den Anteil des Senats am Scheitern. Abschließend wird die Thematik zusammengefasst, beurteilt und seine historische Bedeutung verortet. So kann die Problematik auch als negatives Lehrbeispiel für den Versuch der Installation von teildualistischen Strukturen in autoritären Monarchien fungieren.
Nun sollen die Handlungen und Ereignisse analysiert werden, die von Tiberius ausgehend die Beziehung schädigten und zerrütteten. Dabei gehe ich auf die recusatio imerii, die Senatssitzungen unter Tiberius´ Leitung, die Magistratenwahl und seine Finanz- und Luxuspolitik ein und runde den Abschnitt durch ein Zwischenfazit ab.
2. 1. 1) Eine denkbar schlechte Ausgangssituation: Die recusatio imperii
Als Kaiser Augustus 14 n. Chr. starb, setzte er seinen Stiefsohn Tiberius als Erben ein und machte ihn und dessen Mutter Livia zum/r Augustus/a 12 . Dementsprechend empfahlen die Konsuln die Übertragung des Prinzipats auf Tiberius 13 . Der aber lehnte die Bitten ab, mit Ausflüchten, wie dass nur Augustus diese Aufgabe bewältigen könnte und der Staate sich auf alle hervorragenden Männer stützen sollte 14 oder wegen seinem Alter und der Kurzsichtigkeit 15 . Er schlug auch die Teilung der Aufgaben vor, wobei er einen Teil übernehmen wolle; Gaius Asinius Gallus nannte dabei noch einmal die großen Taten des Tiberius und erklärte schließlich, dass die Einheit des Staates sich nicht teilen lasse und bald nahm Tiberius nach den kniefälligen senatorischen Bitten das Prinzipat an 16 . Dabei zeigte laut Gollub der Senat aber nicht „die eigene Souveränität, sondern ihre Kriecherei und Willfährigkeit“ 17 . Die mehrfache Zurückweisung kann verschiedenen Ursprungs sein 18 . Die Wirkung verfehlte sie aber. Anstatt etwa republikanisch zu wirken, galt dies als Zurückweisung des Senats und komödienhafte
12 Tac. Ann. 1, 3, 5.
13 KORNEMANN 1980: 58.
14 Tac. Ann. 1, 3, 12.
15 Cass. Dio 57, 4.
16 KORNEMANN 1980: 59.
17 GOLLUB 1959: 232.
18 So ersetzte hier am 31.8.14 - anders als bei der sicher für Tiberius symbolisch wirkenden Amtsübernahme Augustus´ 27 v. Chr. - die testamentarische Verfügung die senatorische Akklamation, wodurch dem Senat die letzte Möglichkeit der Wahl und Kontrolle genommen war (HAEHLING 2010: 56). In der Suche nach einer Beteiligung des Senats, könnte er dies abgelehnt haben, um vom Senat aus Gründen der Leistung, nicht der monarchischen Dynastie ernannt zu werden und diesem eine Wahlfunktion zu überschreiben. Damit verbunden könnte der sonst abgelehnte Tiberius nach einer Bestäti- gung gesucht haben (MEISSNER 1968: 44). Oder es war die Angst vor den aufständischen Germanen (Suet. Tib 25). Oder
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Inszenierung 19 . Zweideutig und ungewiss hätten Tiberius´ Worte gewirkt 20 . Laut Sueton hätte er klar die Alleinherrschaft erzielt und unverschämt geschauspielert 21 . So verwirrte er die Curie und galt seitdem als falsch und launisch, weshalb man auch die später hinzugewonnenen senatorischen Rechte als solches ansah 22 . Denn der Senat war bereits durch Augustus entmachtet und hatte fast nur noch eine Verwaltungs- und Symbolfunktion. Das dynastische Prinzip wurde sofort akzeptiert. So musste Tiberius´ Weigerung - die recusatio imperii - wie eine zynische und empörende Imitation Augustus´ wirken. Ergo stellte die Regierungsübernahme eine denkbar schlechte Ausgangssituation dar, die eine Kooperation extrem erschwerte und unheilbare Ressentiments 23 hervorrief.
2. 1. 2) Tiberius und die Senatssitzungen
Hier soll es um die Senatssitzungen generell unter Tiberius´ Leitung gehen. Zu Beginn des Prinzipats löste er den Senatsausschuss, bestehend aus 20 Senatoren, auf. Denn dieser beriet alle Vorschläge in einem kleinen, effizienten Gremium vor, was später im senatorischen Plenum besprochen werden sollte und degradierte so den Senat zu einem Zustimmungsforum. Mit der Auflösung übertrug Tiberius diese Rechte wieder an das Plenum, was republikanisch und transparent wirkte. Er selbst bildete einen neuen Rat aus engsten Vertrauten mit nur beratenden Funktionen. 24 Dadurch aber war der Senat schlechter vorbereitet, Sitzungen dauerten länger und hatten weniger Ordnung 25 - sie waren schlicht ineffizienter! So kann diese Auflösung entweder als unpraktisch, aber republikanisch oder als scheinrepublikanisches Alleinherrschertum gelten, das den Senat mit neuen Rechten schwächte. Diese Folge zeigt sich dann deutlich bei den Senatssitzungen. Gerade weil alles im Senat behandelt wurde - „Und nicht eine öffentliche oder private Angelegenheit war so belanglos oder so bedeutend, daß darüber nicht im Senat berichtet wurde“ 26 -, ermüdete dieser. Da Tiberius sich in den Sitzungen zurückhielt, parlamentarisch verhandeln ließ, die Redefreiheit gewährleistete und dem Senat wieder mehr an den Staatsgeschäften beteiligen wollte - wie etwa bei der Untersuchung der Wünsche aus den Städten der Ostprovinzen zum Überhandnehmen des Asylrechtes -, zeigte der Senat das „Bild eines Reichsparlaments“; da sich Tiberius aus dieser Angelegenheit heraushielt, übertrug der Senat die Beurteilung irgendwann den Magistraten 27 . Dies zeigt, dass selbst bei Tiberius´ republikanischen Tendenzen, der Senat nicht wirklich bereit war, viele Kompetenzen zu übernehmen. In der Zurückhaltung gewährte Tiberius auch die Redefreiheit der Senatoren. Meist äußerte er sich mit der Wendung „Wenn ich meine Ansicht dargelegt hätte, hätte ich dies oder jenes vorgeschlagen“, um
er agierte mit der Staatsaufgabenteilung teilrepublikanisch, durch das „Gefühl der Insuffizienz für die gewaltige Stellung eines einzelnen im Staat“ (KORNEMANN 1980: 58), als „Bürger unter Bürgern“ (Vell. Pat. 2, 124, 2). u.v.m.
19 Ebd.: 57.
20 Tac. Ann. 1, 3, 11.
21 Suet. Tib. 24.
22 GOLLUB 1959: 231.
23 MARANON 1952: 31.
24 YAVETZ 2002: 70.
25 LEVICK 1976: 93.
26 Suet. Tib. 30.
27 KORNEMANN 1947: 11-14.
Arbeit zitieren:
Philip J. Dingeldey, 2011, Kaiser Tiberius und der römische Senat, München, GRIN Verlag GmbH
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