Inhalt
Vorwort / Seite 11
Drei Nackte blickten zur Sonne
Zeichen der Unruhe im Norden
Die Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit
von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. / Seite 13
Zeichen der Unruhe im Norden
Die Stader Gruppe in der mittleren Bronzezeit
von etwa 1200 bis 1100 v. Chr. / Seite 43
Der heilige Wagen aus Stade
Die Stader Gruppe in der jüngeren Bronzezeit
von etwa 1100 bis 800 v. Chr. / Seite 53
Anmerkungen / Seite 83
Literatur / Seite 93
Bildquellen / Seite 101
Die wissenschaftliche Graphikerin
Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 103
Der Autor Ernst Probst / Seite 105
B ücher von Ernst Probst / Seite 107
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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Vorwort
R und 700 Jahre in der Bronzezeit von etwa 1500 bis
800 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Die Stader Gruppe« in Wort und Bild Revue. Geschildert werden die Siedlungen, Kleidung, der Schmuck, die Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, das Verkehrswesen, der Handel, die Kunstwerke und Religion der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer.
Verfasser dieses Taschenbuches ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutsch-land in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat.
Das Taschenbuch »Die Stader Gruppe« ist Dr. Rolf Breddin, Professor Dr. Claus Dobiat, Professor Dr. Markus Egg, Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Albrecht Jockenhövel, Professor Dr. Horst Keiling, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux, Professor Dr. Berthold Schmidt, Dr. Klaus Simon und Dr. Otto Mathias Wilbertz gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei den Recherchen für sein Buch »Deutschland in der Bronzezeit« unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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ARNE LUCKE,
geboren am 11. Dezember 1944 in Forst, arbeitete 1975 bis 1993 als Ethnoarchäologe in Mexiko, Ecuador, Peru und Marokko. 1983 bis 1984 war er Leiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Heilbronn. Seit 1986 war er Kreisarchäologe und Geschäftsführer des Museumsverbundes im Kreis Lüchow-Dannenberg sowie Lehrbeauftragter der Universität Hamburg, seit 1990 Leiter des Archäologischen Zentrums Hitzacker. 1981 prägte er die Namen Stader und Verdener Gruppe.
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Drei Nackte blickten zur Sonne
Die Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit
I m Dreieck zwischen Elbe und Weser sowie bis zur
Niederung der Este in der Stader Geest war in der älteren Bronzezeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. die Stader Gruppe heimisch. Ihr Verbreitungsgebiet umfasste - nach Erkenntnisssen des Hamburger Prähi-storikers Friedrich Laux - die heutigen Kreise Stade, Cuxhaven, Rotenburg/ Wümme und Verden. Den Begriff »Stader Gruppe« hat 1981 der Prähistoriker Arne Lucke in seiner Hamburger Dissertation erstmals für eine Lokalgruppe der jüngeren Bronzezeit verwendet. Im Gegensatz dazu benutzt Laux die Bezeichnung Stader Gruppe, die er 1987 bei einem Vortrag in Bad Stuer erwähnte und auf die er 1991 in einem Aufsatz zurückgriff, für eine Gruppe, die sich in der älteren, mittleren und jüngeren Bronzezeit behauptete.
Die Stader Gruppe wird zum Nordischen Kreis der Bronzezeit gerechnet. Er umfasste in der älteren Bronzezeit Südnorwegen, Süd- und Mittelschweden, Dänemark, Schleswig-Holstein, die Gegend von Stade in Niedersachsen und das Küstengebiet in Mecklen-burg-Vorpommern. Seine südliche Grenze lag im Raum Stade.
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Karte auf Seite 15:
Kulturen und Gruppen während der Mittelbronzezeit (etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr.) in Süddeutschland und in der älteren Bronzezeit (etwa 1500 bis 1200 v. Chr.) in Norddeutschland
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OSCAR MONTELIUS,
geboren am 9. September 1843 in Stockholm, gestorben am 4. November 1921 in Stockholm. Er promovierte 1869,
wurde 1888 Professor und war von 1907 bis 1913 Reichsantiquar in Schweden. Montelius teilte 1885 die nordische Bronzezeit in sechs Perioden (Periode I bis VI) und 1897 die Eisenzeit in acht Perioden (Periode I bis VIII) ein. Außerdem prägte er schon im 19. Jahrhundert den Begriff Nordischer Kreis der Bronzezeit, von dem der heutige Name nordische Bronzezeit abgeleitet ist.
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Für Skandinavien und Norddeutschland wird die 1885 von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius aus Stockholm erarbeitete Gliederung der Bronzezeit verwendet. Er teilte die nordische Bronzezeit nach der typologischen Abfolge von Bronzeerzeugnissen (Gewandspangen, Rasiermesser, Schwerter, Gürteldosen) in sechs Perioden ein, die er mit römischen Ziffern von I bis VI kennzeichnete. Das auf seinen Erkenntnissen aufbauende Chronologieschema sieht heute so aus: Periode I (frühe Bronzezeit): etwa 1800 bis 1500 v. Chr. Periode II (ältere Bronzezeit): etwa 1500 bis 1200 v. Chr. Periode III (mittlere Bronzezeit): etwa 1200 bis 1100 v. Chr. Perioden IV und V (jüngere Bronzezeit): etwa 1100 bis 800 v. Chr. Periode VI (frühe Eisenzeit): etwa 800 bis 500 v. Chr.
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Wie in der Lüneburger Gruppe gab es offenbar auch in der Bevölkerung der Stader Gruppe eine soziale Oberschicht. Darauf deuten die reichen Grabbeigaben in den Steinkistengräbern von Heerstedt (Kreis Cuxhaven) und Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) hin. Darin waren vornehme Krieger mit bronzenen Waffen und Schmuckstücken bestattet worden. Im Steinkistengrab von Heerstedt lag zudem eine kostbare verzierte Holzschale. Auch der Klappstuhl von Daensen (Kreis Stade) dürfte zum Besitz eines Menschen von Rang gezählt haben.
Von der Kleidung der Stader Leute blieben nur die bronzenen Fibeln erhalten, mit denen die Gewänder zusammengehalten wurden. Nach den Funden zu schließen, erhielten Rundkopffibeln gegenüber den selteneren Flachkopffibeln den Vorzug. Erstere wurden in Heerstedt, Meckelstedt bei Lintig und Dornsode bei Armstorf (alle im Kreis Cuxhaven) sowie in Anderlingen (Kreis Rotenburg/Wümme) und Essel bei Kutenholz (Kreis Stade) entdeckt. Eine Flachkopffibel mit Sanduhrkopf kam in Hagenah bei Heinbockel (Kreis Stade) zum Vorschein. Auf Bart- und Haarpflege weisen die Funde von doppelschneidigen bronzenen Rasiermessern hin. Sie gelten als Neuerungen jener Zeit. Einen solchen Toilettegegenstand kennt man aus Essel bei Kutenholz. Zum Eigentum bedeutender Persönlichkeiten - vielleicht Häuptlingen - gehörte mitunter ein Klappstuhl mit Lederauflage sowie bronzenen Beschlag- und
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Schmuckteilen. Reste solch seltener Sitzmöbel wurden bisher nur in Männergräbern der älteren Bronzezeit in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Dänemark geborgen. Als eine der kostbarsten Entdeckungen dieser Art gilt der Klappstuhl aus einem Grabhügel von Daensen bei Buxtehude 1 (Kreis Stade). Es ist der am weitesten südlich gelegene Fund eines derartigen Möbelstückes. Von den hölzernen Teilen des Klappstuhls aus Daensen sind nur sieben kleine Ahornholzstücke erhalten geblieben. Ein Stück Schafleder verrät, aus welchem Material die einstige Sitzfläche bestand. Außerdem wurden zahlreiche bronzene Beschlag- und Schmuckteile geborgen. Dazu gehören vier Bronzeknäufe mit Klapperblechen, zwei kleinere Bronzeknäufe, vier Bronzebleche mit Goldblechauflage, drei ovale Beschlagteile, zwei rechteckige Beschlagplatten mit Goldblechauflage und einige Bronzefragmente. Die Goldbleche sind mit eingepunzten Punkten und Kreisen verziert.
Der Heidelberger Archäologe Ernst Wahle (1889-1981) hat 1932 darauf hingewiesen, dass die Klappstühle eine Besonderheit der nordischen Bronzezeit darstellen. Nach seiner Auffassung haben diese Sitzmöbel in den thronartigen Klappstühlen und Thronsesseln aus ägyptischen Pharaonengräbern ihr Gegenstück. Am Klappstuhl von Guldhoj bei Vamdrup in Jütland (Dänemark) war das Sitzleder mit Stiften festgeheftet. Dagegen hatte man das Sitzleder des Klappstuhls von Bechelsdorf bei Niendorf (Kreis Nordwestmeck-
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Zeichnung auf Seite 21:
Mit einem Beil bewaffneter Häuptling der Stader Gruppe in der älteren Bronzezeit in Norddeutschland. Er sitzt auf einem Klappstuhl mit lederner Sitzfläche. Teile eines solchen Sitzmöbels wurden in Daensen bei Buxtehude (Kreis Stade) in Niedersachsen gefunden.
Zeichnung von Friederike Hilscher-Ehlert, Königswinter, für das Buch »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) von Ernst Probst
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Originale der Bronzebeschläge (auf dem Boden liegend) und Nachbildung
des Klappstuhls aus Daensen bei Buxtehude (Kreis Stade) in Niedersachsen.
Originale und Kopie im Hamburger Museum für Archäologie, Hamburg-Harburg
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2010, Die Stader Gruppe, München, GRIN Verlag GmbH
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