Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Person Jerry Lewis 4
3. Der Komikstil von Jerry Lewis 5
3.1 Formale Elemente der Komik 5
3.1.1 Narrativik 5
3.1.2 Charakterzüge von Jerry Lewis im Film 7
3.1.2.1 Morty und Stanley - Tollpatsch und Trottel 7
3.1.2.2 Kindlichkeit, Altruismus und soziales Verantwortungsbewusstsein. 8
3.1.2.3 Paradigmatische Rolle des Underdogs 9
3.1.3 Die Komik 10
3.1.3.1 Komische Elemente auf visueller Ebene 10
3.1.3.2 Komische Elemente auf auditiver Ebene 12
3.2 Inhalte der Komik 13
3.2.1 Selbstreflexion als zentrales Moment 13
3.2.1.1 Reflexion des Systems Hollywood 14
3.2.1.2 Selbstreflexion als ausgegrenzte Instanz 15
3.2.2 Kritik am bestehenden System des Hollywoodbetriebes 16
3.2.3 Ausdruck der Kritik an der Gesellschaft mittels der Figuren Stanley und Morty 17
4. Schlussbemerkung 18
5. Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
Es gibt viele Dinge, die einen Menschen zum Lachen bringen können - sei es eine unerwartete Handlung, Erleichterung oder vielleicht ein gut erzählter Witz. Stets lacht der Mensch spontan und überwiegend unkontrolliert. Obwohl Lachen nicht geplant oder erzwungen werden kann, kann es doch provoziert werden. Dass dies eine nicht immer eine ganz einfache Angelegenheit ist, weiß jeder Mensch von sich selbst am besten. Häufig funktionieren Pointen nicht oder das Lachen bleibt einem sprichwörtlich im Halse stecken.
Diese meist individuelle und unkontrollierbare Begebenheit des Lachens haben sich Komiker zur Aufgabe gemacht. Einer davon ist der Amerikaner Jerry Lewis. Schon früh bemerkte er, dass seine Gabe darin liegt andere Menschen zum Lachen zu bringen. Seit Jahrzehnten erfreut er sich, insbesondere auf Grund seiner Filmkomödien, großer Beliebtheit auf der ganzen Welt. Dass hinter den oft platt erscheinenden Komödien -nicht nur bei Lewis- meist mehr steckt, als die pure Unterhaltung wurde bereits im Seminar deutlich hervorgehoben. Komik entpuppt sich als eine vielschichtige und facettenreiche Kunst. Auch am Beispiel von Jerry Lewis stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach der Beschaffenheit und Vielschichtigkeit seiner Komik: Wie und warum funktioniert diese? Welche Mittel werden von dem Komiker Lewis eingesetzt, um sein Publikum zum Lachen zu bringen? An welchem Themen arbeitet er sich ab und wie fügt sich die von ihm verkörperte Rolle im Film in seine Komik ein? In der folgenden Arbeit soll diesen Fragen anhand der drei Jerry Lewis-Filme „Hallo Page“ (1960), „Der Bürotrottel“ (1961) und „Die Heulboje“ (1964) nachgegangen werden. Das Erkenntnisinteresse liegt dabei darin, die formalen Elemente der Komik von Jerry Lewis, wie beispielsweise die von ihm verwendeten Stilmittel herauszuarbeiten, sowie die Komik hinsichtlich ihrer Inhalte zu analysieren. 1
1 Die im Seminar vermittelten theoretischen Grundlagen zur Filmkomödie werden direkt auf den jeweiligen Filmtext
bezogen einfließen. Die jeweiligen Textbelege werden in eckigen Klammern im Anschluss in den Fließtext eingefügt. Seite | 3
2. Die Person Jerry Lewis
Jerry Lewis wird als Joseph Levitch am 16. März 1926 in Newark, New Jersey geboren. 2 Seine Eltern, Vater Daniel Levitch und Mutter Rachel, geborene Bodrovsky, arbeiten als Komiker und Entertainer sowie als Pianistin, sie sind ihm Showbusiness zuhause. 3 Auf Grund ihrer Arbeit sind die beiden viel auf Reisen und haben nur wenig Zeit für ihren Sohn Joseph, der den Großteil seiner Kindheit und Jugend bei seinen Großeltern verbringt. 4 Schon früh prägt Joseph ein „Gefühl von Einsamkeit und Isolation“, weshalb er sich bei seinem ersten Kinobesuch in Charly Chaplins „Circus“ nur zu gut „mit dem armselig gekleideten Landstreicher auf der Leinwand identifizieren konnte und davon zu träumen beginnt, wie Chaplin ein großer Clown zu sein“. 5 Da Lewis von Anfang an mit dem Showbusiness vertraut gemacht wird, entdeckt er schon früh sein Faible für die Bühne und das Treiben hinter den Kulissen. 6 Bereits in jungen Jahren tritt er in Vorstellungen seines Vaters oder in Amateuraufführungen auf und arbeitet nahezu übermütig an seiner Komik. 7 Um sich allmählich von den Eltern unabhängig zu machen jobbt der junge Joseph, der bereits mit 16 Jahren den Künstlernamen Jerry Lewis annimmt, als Hotelpage, Platzanweiser im Kino und auch als Kellner. 8 Als regelrecht bahnbrechend stellt sich im Jahr 1945 die Begegnung des 20-jährigen, bereits verheirateten, Jerrys mit dem gutaussehenden Dean Martin heraus. 9 Beide verstehen sich auf Anhieb, sie bringen ihre Gegensätze -wie Martins gesangliches Können und Lewis‘ komische Einlagen, der „satirischen Pantomime“- in Einklang. 10 Mit Hilfe der „anarchischen, aber leicht verständlichen Improvisationskomik“, die dem damaligen, gemeinen Publikum bis dato unbekannt war, provozieren die beiden auf der Bühne, im Radio und im Film und ernten in den Folgejahren reichlich Erfolg in allen Sparten. 11
Ab 1956 begibt sich Lewis dann auf Solopfade und verabschiedet im Jahr 1960 sein Regiedebüt „THE BELLBOY“ (Hallo Page!). 12 Jerry Lewis agiert in diesem schwarz-weiß Film erstmals als Schauspieler, Regisseur, Autor und Produzent. Der Charakter des jungen Hotelpagen Stanleys soll nach Lewis als „Hommage an Stan Laurel gedacht sein“, wobei für ihn „die meiste Inspiration die eigenen Erinnerungen an die Zeit als Hotelpage gewesen sein dürften“. 13 Nicht nur als Autor und Regisseur, sondern auch als Hauptdarsteller agierte er in mehr als 24 Filmen, unter anderen auch in THE
2 Vgl. Stawecki, Klaus: Jerry Lewis. Sein Leben, seine Filme. Berlin: Trescher Verlag 1995, S. 8ff
3 Vgl. ebd.
4 Vgl. ebd., S. 9
5 Ebd.
6 Vgl. ebd., S. 10
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. ebd., S. 12ff
9 Vgl. ebd., S. 19
10 Ebd., S. 19f
11 Ebd., S. 20
12 Vgl. ebd., S. 119
13 Ebd. S. 119f
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ERRAND BOY („Der Bürotrottel“) aus dem Jahr 1961 und noch in schwarz-weiß, sowie 1964 in THE PATSY („Die Heulboje“), einer seiner ersten Filme in Farbe. 14
3. Der Komikstil von Jerry Lewis
3.1 Formale Elemente der Komik
Im Zuge der Analyse des Komikstils von Jerry Lewis, scheint es sinnvoll zu Beginn die formalen Elemente seiner Komik, wie Narrativik, Charakteristik der Protagonisten und schließlich die Stilmittel der Komik herauszuarbeiten.
3.1.1 Narrativik
Betrachtet man die Ebene der Narrativik in Lewis‘ Filmen genauer, fällt auf, dass sich die jeweiligen Grundsujets der Filme auf eine vergleichende Größe beziehen: In „Hallo Page“, sowie „Die Heulboje“ wird in der Anfangssequenz explizit deutlich gemacht, dass der Ort des Geschehens zum einen in Hollywood und zum anderen in Miami Beach, Florida, anzusiedeln ist. Als primärer Schauplatz beider Filme werden die Nobelhotelkomplexe Fontainebleau in Miami [Hallo Page 00:02:18] und The Beverly Hilton in Beverly Hills, Los Angeles [Heulboje 00:00:53], in denen die „Stars“ des Business aus und ein gehen, eingeführt. Ferner wird in „Der Bürotrottel“ und in „Die Heulboje“ demonstriert, dass das Setting der jeweiligen Filme das Showbusiness bzw. die Filmmaschinerie Hollywoods darstellt. Das Grundsujet dieser drei Filme lässt sich folglich im Showbusiness und dem Hollywoodbetrieb verorten. Dass dies von ihm ganz bewusst gemacht wird und mit einem Mehrwert versehen ist, soll unter 3.2 näher thematisiert werden.
Darüber hinaus wird von Jerry Lewis zu Beginn und zum Ende der Filme eine Sequenz eingebaut, die heterodiegetisch anhand eines Voice-Overs Information unter anderem zur dargestellten Welt abgibt. Vor allem in „Die Heulboje“ leistet diese Sequenz zudem eine Einführung in die nachfolgende Handlung. Jeweils zum Ende der Filme wird mit Hilfe der heterodiegetischen Erzählweise die Bedeutung bzw. der Mehrwert des Films dem Zuschauer sozusagen mit auf den Weg gegeben. Daran anknüpfend zeigt sich, dass Handlung per se eine sekundäre Rolle, ja eine Nebenrolle, spielt. Uneingeschränkt im Zentrum der Filme stehen die inszenierten, episodenhaften Gags mit und um den jeweiligen Protagonisten. Daran kritisieren ließe sich, dass den Inhalten in Lewis‘ Filmen zu wenig Bedeutung zugemessen wird. Er widerlegt dies jedoch im Folgenden:
„Was allerdings meine Art von Komödie angeht, da hindern Elemente wie »Handlung«, »Thema«, »story«, stellen sich in den Weg. […] Ich sage: Mach den Joke und dann weiter zum nächsten. […] Lass sie
14 Vgl. The Official Jerry Lewis Comedy Museum and Store, auf: http://www.jerrylewiscomedy.com/index.htm; zuletzt
gesichtet am: 07. September 2009
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sich biegen vor Lachen - keine »Handlung«, kein »Thema« wird einen solchen Augenblick steigern 15 können.“
Insbesondere in „Hallo Page“ -dem frühesten der analysierten Filme- kann von einer fehlenden Narrativik gesprochen werden. Syntagmatische Handlung in dem Sinne findet nicht statt. Die Geschichte der Hauptfigur, dem Pagen Stanley, wird an keiner Stelle im Film thematisiert, ausschließlich fokussiert werden die unzähligen, paradigmatischen Gags mit ihm. Explizit wird die fehlende Narrativik zu Beginn und zum Ende des Films verdeutlicht. In der extradiegetischen Anfangssequenz erklärt Studiochef Jack Filmverrückt:
„Der Film, den Sie im Folgenden erleben werden, ist keine Feld-, Wald- und Wiesenschnulze, wie Sie sie heute überall immer wieder zu sehen bekommen. Denn es war uns zu langweilig so etwas zu fabrizieren. […] Was wir wollten, war etwas vollkommen anderes - einen Film voll von Spaß. Sie sagen vielleicht, das gab’s schon oft. Unser Film hat aber kaum eine Handlung. Ja es ist wahr, ganz bestimmt. Er enthält kaum eine Handlung, nur Spaß. Eigentlich ist er mehr eine Folge von lustigen Erlebnissen oder, wenn Sie wollen, das verfilmte Tagebuch von einem Spaßvogel, der nie im Leben erwachsen wird.“ [Hallo Page 00:00:27]
In den zwei späteren Werken Lewis‘ lässt sich dagegen ein narrativer Charakter wiederfinden, Handlung als solche findet besonders in „Der Bürotrottel“ nicht bzw. nur bedingt statt. Eine Ausnahme stellt in diesem Zusammenhang „Die Heulboje“ -der späteste der drei Filme- dar. Lewis erzählt in diesem Werk neben den witzigen Pointen ausgelöst durch die Hauptfigur Stanley, in Grundzügen auch seine Geschichte: Auf Grund des Todes von Starkomiker Wally Brendford wird Stanley nämlich von dessen „Machern“ ausgesucht, um ihn zum neuen „famed Komedian“ *Heulboje 00:00:28] zu machen. Stanleys ursprüngliches Leben als Hotelboy, Hundesitter, Kellner und zeitweise Chauffeur wird ab diesem Zeitpunkt von Grund auf umgekrempelt und er in eine ganz neue Welt, in die Welt Hollywood, hineintransferiert. Die Erlebnisse und Erfahrungen der Hauptfigur auf dem Weg zum Starkomiker lassen sich als eine Art Heldenreise beschreiben, auf der sie eine Wandlung, sowohl auf sozialer, als auch auf moralischer Ebene, erlebt. Trotzdem stehen auch in diesem Werk die episodenhaften Gags uneingeschränkt im Fokus des Films, deren Auflösung die Handlung auch nicht wirklich vorantreiben.
Gerade dieser Punkt macht die früheren Werke von Lewis aus. Die mehr oder weniger ausgesparte Narrativik lässt sich in Lewis‘ Filme darauf zurückführen, dass seine Gags im Zentrum von Film und Aufmerksamkeit stehen sollen und keinesfalls von einer Geschichte überlagert werden sollen. Aus diesem Grund inszeniert er in all seinen Werken eine starke Hauptfigur, um die sich die Kapriolen
15 Interview mit Jerry Lewis in der Frankfurter Rundschau am 15.02.1983, in: Stawecki, Klaus: Jerry Lewis. Sein Leben, seine
Filme. Berlin: Trescher Verlag 1995, S. 120
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Claudia Maier, 2009, Der Komikstil von Jerry Lewis, München, GRIN Verlag GmbH
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