entsprechend als „‚traditionelle Sündenböcke in Zeiten wirtschaftlicher Miseren‘“ (Willms, 1983, S. 73, in: Keim, 2001, S. 9).
Als es 1873 zur Gründerkrise kam, wurden die Juden auch hierfür verantwortlich gemacht. So nahm etwa der Journalist Otto Glagau an, dass unlautere Geschäftspraktiken und Börsenspekulationen die Ursache der Krise gewesen seien (Deutsches Historisches Museum).
Aber auch bekannte Persönlichkeiten wie der Historiker Heinrich Treitschke sprachen 1879 von einer „‚schweren Mitschuld‘“(Deutsches Historisches Museum), die Juden am „‚Lug und Trug, an der frechen Gier des Gründer-Unwesens‘“ (Deutsches Historisches Museum) gehabt hätten. Insgesamt erschienen zur Problematik zwischen 1873 und 1890 mehr als 500 Schriften. (Deutsches Historisches Museum) Viele Bürger unterzeichneten, ganz im Widerspruch zur 1871 verankerten Gleichberechtigung von Juden, eine Petition gegen die rechtliche und soziale Gleichstellung der Juden in Deutschland. Besonders antisemitisch eingestellt waren Handwerker, Kleinhändler und Bauern, aber auch Angehörige der Führungs- und Bildungsschicht, die um ihre Existenz fürchteten. (Deutsches Historisches Museum)
1.3 Beispiele zeitgenössischer antisemitischer Bilder und Texte Die folgende Abbildung soll stichpunktartig analysiert werden, um die Hauptmerkmale identifizieren zu können.
1.3.1 Wilhelm Busch: „Plisch und Plum“
Am Ende abgebildet ist ein Ausschnitt der 1882 erschienenen Bildergeschichte „Plisch und Plum“ von Wilhelm Busch. Diese Art der antisemitischen Darstellung wurde bewusst gewählt, um auf die verschiedenen „Merkmale“ eines Juden eingehen zu können. Durch offensichtliche Darstellung - sowohl bildlich als auch textlich - wird es leicht fallen, zum einen „Merkmale“ wie beispielsweise die große Nase und das Geldeintreiben, zum anderen antisemitische Textstellen unter anderem zur „grauen Seele“, zur Häss- lichkeit und zum Verhalten eines Juden zu finden.
1.3.2 Postkarte: „Deutschland den Deutschen“
Die am Ende abgebildete deutsche Postkarte (Landeskunde online, 2000) aus dem Jahr 1900 zeigt einige interessante Bildelemente:
„Der Wunsch, ‚unter sich‘ zu bleiben, Deutschland von dem ‚Fremden‘ zu ‚säubern‘, äußerte sich mitunter in solchen Fantasien. Der stolze germanische Recke mit Hüfthorn und Schwert treibt die Juden unter Blitz und Donner aus dem Land. Im Hintergrund symbolisiert das Hermannsdenkmal die ‚Werte‘ der deutschen Nation.“ (Landeskunde online, 2000)
Die oben zitierten Bildbeschreibung geht leider nicht auf das im Vordergrund unten links auftauchende Motiv des Raben ein. Hier kann über die Frage „Welche Eigenschaften schreibt man Raben/Krähen zu?“ eine Verbindung zwischen diebischen Raben/diebischen Krähen hin zu „diebischen“ oder „raffsüchtigen“, aber auch zu „intelligenten“ Juden hergestellt werden.
4.3.2 Postkarte zur Dolchstoßlegende
Zum Abschluss eine Karikatur aus der Wiener Arbeiter-Zeitung vom 26. März 1919 (O. Verf., 2008), zu finden am Ende, die nicht mehr im Kaiserreich, sondern bereits in der Zeit der Weimarer Republik erschien. Trotz dieser Tatsache sei sie an dieser Stelle vorgestellt, da sich die Karikatur auf die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 bezieht. Dabei ist die Dolchstoßlegende,
„die in deutschen bürgerlich-nationalen Kreisen nach 1918 weitverbreitete Ansicht, der Erste Weltkrieg sei nicht durch die Erschöpfung des Feldheeres und die wirtschaftliche Unterlegenheit Deutschlands, sondern durch Sabotage aus der Heimat (‚Dolchstoß von hinten‘) verloren worden“ (Bertelsmann Lexikon-Institut, 1992b, S. 312), von besonderer Bedeutung. So sollte die Schuld einerseits auf Sozialdemokraten, andererseits auf Juden geschoben werden.
Abgebildet ist ein „gestandener“ Soldat, der hinterrücks von einer häßlichen Jüdin, erkennbar an der bereits angesprochenen großen Nase und dem Davidsstern, erdolcht wird. Die Jüdin trägt eine Kopfbedeckung sehr ähnlich der phrygischen Mütze („Jakobinermütze“), dem Markenzeichen der Jakobiner währen der französischen Revolution. Eine solche Mütze wurde auch von babylonischen Juden getragen (O. Verf., 2008).
Arbeit zitieren:
Tim Blume, 2011, Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich – Entwicklungen im Kaiserreich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus: neuer Titel erschienen: Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich – Entwicklungen im Kaiserreich
Tim Blume hat einen neuen Text hochgeladen
Agrarideologie und Sozialreform im Deutschen Kaiserreich
Heinrich Sohnrey und der Deuts...
Georg Stöcker
Anton von Werner. Die Proklamierung des Deutschen Kaiserreiches
Ein Historienbild im Wandel pr...
Thomas W. Gaehtgens
Bild-Text-Atlas zur Anatomie und Klinik des Pferdes
Band 1 Bewegungsapparat und L...
Ronald J. Riegel, Susan E. Hakola, Jeffrey B. Dirig, Andrea O'Shea, Clemens Schickling, Ingrid Elter, Sven Reese
Bild-Text-Atlas zur Anatomie und Klinik des Pferdes 2
Fortpflanzung und Innere Mediz...
Ronald J. Riegel, Susan Hakola, Jeffrey B. Dirig, Sven Reese, Sabine Kölle
0 Kommentare