Mareike Müller: Die Projektmethode 5. Semester
1. Einleitung
Die Karikatur zeigt einen verhältnismäßig kleinen Schüler, der stramm an seinem Platz steht und dem übermäßig groß dargestellten Lehrer die mutmaßlich von diesem geforderte Bedeutung des selbständigen Lernens erläutert:
„Die Schule leitet ihre Schüler zu selbstständigem Handeln und zu eigenständigem Urteil an. Sie vermittelt Kenntnisse und Fertigkeiten mit dem Ziel, die freie Entfaltung selbstverantwortlicher Persönlichkeiten zu fördern…“ 1
Der Kommentar des Lehrers zum Redebeitrag seines Schülers fällt mit den Worten „Sehr schön, setzen!“ 2 äußerst knapp aus. Auch wenn diese fiktive Szene eine Karikatur ist und überpointiert zu sein scheint, so weist sie nichtsdestotrotz auf die Schwierigkeiten und Probleme der Forderung nach Schüler-Selbstständigkeit hin. Es genügt jedoch nicht, „selbstständiges Lernen verbal zu beschwören, es muss praktiziert werden.“ 3 Und so logisch und verständlich diese Forderung auch ist, genauso schwierig ist es, sie in einer dreißigköpfigen Schulklasse umzusetzen. Denn hier ist der Lehrende unteranderem gezwungen den Schülerinnen und Schülern (im weiteren SuS) für Teile des Unterrichts
1 Messner, 2004, S. 33.
2 Messner, 2004, S. 33.
3 Messner, 2004, S. 33.
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Mareike Müller: Die Projektmethode 5. Semester
Verantwortung zu überlassen und seine Steuerungsmonopole aus der Hand zu geben. 4 Eine mögliche Methode, um dieser Forderung nach selbstständigen Lernen nachzukommen und gerecht zu werden, ist die sogenannte Projektmethode. Diese soll nun im weiteren Verlauf in der vorliegenden Hausarbeit näher erläutert und vorgestellt werden. In Kapitel 2.1 wird auf die sieben Komponenten der Projektmethode und das Phasenmodell von Karl Frey eingegangen. Den Abschluss des zweiten Kapitels bildet das Thema „Die Rolle der Lehrenden und die Bewertung von Projekten“. Einwände und Kritik am Projektunterricht sollen in Kapitel 3 vorgestellt werden. Den Abschluss der Hausarbeit bildet das Fazit mit einer Legitimation für den Projektunterricht beziehungsweise den Gründen für das verwenden der Projektmethode. Eine Beschäftigung mit der Geschichte der Projektmethode würde den gesetzten Rahmen dieser Hausarbeit leider sprengen, so dass an dieser Stelle auf die Artikel über die historischen Begründungen in Theorie des Projektsunterricht, herausgegeben von Johannes Bastian, Herbert Gudjons, Jochen Schnack und Martin Speth verwiesen werden soll, welche sich eingehend und umfangreich mit dem Thema beschäftigen. Hier soll kurz festgehalten werden, dass die Projektmethode keine neue Erfindung ist, sondern bereits vor der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand, sich zunähst in den Berufsschulen verbreitete, um die Jahrhundertwende in die USA auswanderte und als amerikanische Neuerfindung um 1940 von Projektpädagogen in Deutschland wieder eingeführt wurde. 5
2. Die Projektmethode
Der Begriff „Projekt“ hat seinen Ursprung im Lateinischen und bedeutet so viel wie planen, sich vornehmen, entwerfen. Demnach ist ein Projekt ein wahrnehmbares, gegenständliches Lernunternehmen. Es ist ein kooperatives, sinnreiches Unternehmen, welches zielorientiert innerhalb von einer Gruppe realisiert wird. Eine sinnvolle Fragestellung beziehungsweise eine Problemstellung wird von der Projektgruppe gemeinsam bearbeitet oder gelöst. Zu beachten ist, dass die Frage/das Problem für alle Beteiligten sinngerecht und zweckmäßig ist. Alle notwendigen Handlungsschritte - von der Vorbereitung und der Planung bis hin zur Bewertung - werden gemeinschaftlich
4 Vgl. Messner, 2004, S. 34.
5 Vgl. Frey, 2002, S. 159.
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Mareike Müller: Die Projektmethode 5. Semester
durchgeführt. 6 Wird ein Projekt im Rahmen der Schule beziehungsweise von Unterricht durchgeführt, „also eingebettet in institutionell organisierten Unterricht und seine Zeitvorgaben“ 7 so nennt man dies Projektunterricht.
„Karl Frey beschreibt die Projektmethode als einen curricularen Weg der Bildung. [...] In der Projektmethode entwickeln die Teilnehmerinnen selbst ihr Betätigungsgebiet. Insbesondere bestimmte Formen des Aushandelns einer Projektinitiative und metakommunikative Phasen lassen Projektarbeit zum bildenden Tun werden.“ 8
Demnach kommt die Projektmethode den Anforderungen an selbst organisiertes und selbstständiges Lernen am nächsten. Es gibt verschiedene Projektformen hinsichtlich zeitlicher, organisatorische und fachlicher Aspekte. Demnach gibt es Mini-, Kurz- und Langzeitprojekte, je nach Dauer des Projekts. Dabei ist festzuhalten, dass es einen Unterschied zwischen Projekten und Projektwochen gibt; anders als Projekte finden Projektwochen in organisatorischer Abgrenzung vom üblichen Schulunterricht und unter Aufhebung des Stundenplans statt. 9 Des Weiteren kann man zwischen Klassenprojekten, klassenübergreifenden Projekten und Schulprojekten unterscheiden. Betrachtet man Projekte unter dem fachlichen Aspekt, so werden fachbezogene, fächerübergreifenden und fachunabhängige Projekte voneinander differenziert.
2.1 Sieben Komponenten der Projektmethode - K. Frey
Ein Projekt umfasst sieben verschiedene Phasen, die Frey 10 auch als Komponenten bezeichnet. Die einzelnen Projektphasen darf man sich nicht als starr ablaufende Schritte vorstellen, „sondern als Gruppenprozesse, die eine eigenständige Dynamik gewinnen und sich auch mehrfach überschneiden und wiederholen können.“ 11
Komponente 1: Projektinitiative
In der ersten Phase, der Projektinitiative, sammeln SuS oder die Lehrperson Vorschläge für ein Projekt. Zur Herstellung eines Gleichgewichts zwischen den Interessen und
6 Vgl. Falk, 2010, S.148.
7 Vgl. Falk, 2010, S.148.
8 Vgl. Falk, 2010, S.148.
9 Vgl. Voß/Ziegenpeter, 1999, S. 43.
10 Frey liefert mit diesen Phasenmodell nur eine mögliche Antwort auf die Frage, was Projektunterricht ist. Er sieht die Projektmethode als allgemeinen Weg zur Bildung, so dass sie seiner Meinung nach auch in außerschulischen Bereichen (Erwachsenenbildung o.Ä.) Anwendung finden kann.
11 Falk, 2010,S. 151.
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Arbeit zitieren:
Mareike Müller, 2011, Zur Projektmethode nach K. Frey, München, GRIN Verlag GmbH
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