2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Analyse der Hymne „Prometheus“ 4-11
2.1 Der mythologische Hintergrund 4-5
2.2 Interpretation des Gedichtes 5-9
2.3 Verschiedene Deutungsdimensionen 9-10
2.4. Bezug zu den Ideen des Sturm und Drang 10-12
3. Schluss 12
4. Literaturverzeichnis 13
3
Einleitung
„Es diente zum Zündkraut einer Explosion, welche die geheimsten Verhältnisse würdiger Männer aufdeckte und zur Sprache brachte...“ kommentierte Johann Wolfgang Goethe rückschauend im 15. Buch von „Dichtung und Wahrheit“ die Wirkung der Hymne „Prometheus“. 1 Goethe selbst hielt sein dramatisches Fragment sogar lange Zeit unter Verschluss. Nachdem der Monolog zeitweise als verloren galt, tauchte er in Zeiten des Sturm und Drang über Umwege wieder auf. Doch auch zu diesem Zeitpunkt hielt der Dichter, der angespannten politischen Lage wegen, eine Veröffentlichung nicht für ratsam. Dazu schrieb Johann Wolfgang Goethe 1820 an Zelter: „Lasset ja das Manuskript nicht zu offenbar werden, damit es nicht im Druck erscheine. Es käme unserer revolutionären Jugend als Evangelium recht willkommen [..].“ Doch auch gerade der unmittelbar zu spürende antichristliche Charakter der Hymne hielt Goethe womöglich davon ab, einer Veröffentlichung unter seinem Namen zuzustimmen. So wurde der Monolog Prometheus, der in Verbindung mit dem Drama Prometheus. Dramatisches Fragment 1773 entstand, nur anonym veröffentlicht. 2
Es scheint sich also zu lohnen, dieses Gedicht, das schon bei seiner ominösen Veröffentlichung 1784 für Kontroversen sorgt, näher zu beleuchten und zu klären, warum es einen so großen Tabubruch darstellte, so dass sich der Autor von seinem Stück derart distanzierte.
Es folgt demnach eine genaue Analyse des Gedichtes unter Berücksichtigung des Entstehungskontextes, des mythologischen Hintergrunds, des ideengeschichtlichen Aspektes und der Einordnung in die Ideenwelt des Sturm und Drang. Vorweg kann jedoch schon angemerkt werden, dass das Ergebnis dieser Arbeit keine konkrete, sich auf ihre Richtigkeit berufende These sein wird. Vielmehr steht die Betrachtung des Gedichtes als ‚Gesamtkomplex’ im Vordergrund, um es in seiner Aussage nicht zu beschneiden. So ist es auch unvermeidlich, dass einzelne Deutungselemente, Aspekte und Teile der Aufgabenstellung ineinander überfließen und verschmelzen werden.
1 Vgl. Karl Otto Conrady: Johann Wolfgang von Goethe. Prometheus. In: Benno von Wiese (Hrsg.): Die
deutsche Lyrik. Form und Geschichte. Düsseldorf: August Bagel Verlag 1970, S.214-226. Ebd., S.218.
2 Vgl. Ebd., S.216-221
4
Hauptteil
„Ein Maskengedicht: Das lyrische Ich wirft sich den Mantel der Mythologie über und tritt als Prometheus auf“, schreibt Carl Pietzcker in seinen psychoanalytischen Studien zu Goethes Prometheus. 3 Diese Aussage ist nicht zu leugnen, lediglich bleibt die Frage offen, warum sich Goethe gerade für die Figur des Prometheus entschieden hat, die schon in der Überschrift als Lyrisches Ich benannt wird. Um das zu verstehen ist es notwendig, sich kurz mit dem mythologischen Hintergrund des Prometheus zu beschäftigen.
Der mythologische Hintergrund
„Das alte Titanengewand schnitt ich mir nach meinem Wuchse zu“ 4
Zunächst kann festgehalten werden, dass Goethe tatsächlich einige Änderungen des antiken Stoffs vorgenommen hat. So soll Prometheus nicht länger als der Sohn des Titanen Iapetos gelten, sondern wird scheinbar zum Sohn des Zeus gemacht, um so den Anspruch eines Titanen zu verlieren.
Schon in der griechischen Mythologie erscheint Prometheus als Rebell und Quertreiber. Hierzu kann kurz Folgendes berichtet werden:
Als Zeus den Menschen das Feuer vorenthielt, stahl Prometheus es im Olymp, brachte es auf die Erde und verlieh den Menschen somit Wärme, Fortschritt und Kultur und bescherte ihnen auch die Unabhängigkeit vom Wohlwollen der Götter. Doch dafür wurde er hart bestraft: Zeus ließ ihn, dem Mythos nach, an einen Felsen ketten, und ein Adler zernagte jeden Tag aufs Neue seine Leber, die über Nacht immer wieder nachwuchs. Anderen Sagen nach schuf Prometheus die Menschen, was auch in der Hymne die tragende Aufgabe des Prometheus darstellt. 5
Wie Prometheus, dem Mythos nach, den Menschen half, sich von den Göttern zu lösen, versucht er im Gedicht selbst diesen Schritt zu gehen und sich von ihnen loszusagen. Zur Darstellung des Prometheus schreibt Gero von Wilpert im „Goethe-Lexikon“:
3 Carl Pietzcker: Trauma, Wunsch und Abwehr. Psychoanalytische Studien zu Goethe, Jean Paul, Brecht,
zur Atomliteratur und zur literarischen Form. Königshausen: Neumann Verlag 1985. Ebd. S.11.
4 Vgl. Karl Otto Conrady: Johann Wolfgang von Goethe. Prometheus. In: Benno von Wiese (Hrsg.): Die
deutsche Lyrik, S.220
5 Vgl. Ebd., S.220
Arbeit zitieren:
Katrin O., 2008, Johann Wolfgang Goethe - Prometheus: Destruktion der Götterwelt und prometheische Feier des autonomen Individuums, München, GRIN Verlag GmbH
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