1 Einleitung 1
2 Unternehmenstheater 4
2.1 Allgemeine Definition 4
2.2 Einsatzgebiete des Unternehmenstheaters 5
2.3 Theaterarbeit in Unternehmen nach fünf wesentlichen Kriterien 7
2.3.1 Auftraggeber/Bedarf 7
2.3.2 Unternehmensrelevante Inhalte/Probleme 7
2.3.3 Ausgewählte Zielgruppe als Zuschauer 8
2.3.4 Theateraufführung 8
2.3.5 Nacharbeit 8
2.4 Wie Unternehmenstheater wirken kann 9
3 Theaterformen im Rahmen der bedarfsorientierten
Theaterarbeit in Unternehmen 11
3.1 Eventtheater 11
3.2 Improvisation 12
3.2.1 Statuentheater 12
3.2.2 Forumtheater 13
3.2.3 Seminartheater 15
3.2.4 Theatersport 15
3.2.5 Themenorientierte Improvisation 16
4 Gestaltung von Veränderungsprozessen 18
4.1 Das 3-Stufen-Modell von Kurt Lewin 18
4.2 Die vier "goldenen Regeln" des erfolgreichen organisatorischen
Wandels 19
4.3 Veränderungsprozess als triadische Episode 21
4.3.1 Auftauen 21
4.3.2 Verändern 22
4.3.3 Stabilisieren 23
4.4 Die Kübler-Ross-Kurve 24
5 Praktisches Vorgehen bei Veränderungsmaßnahmen unter
Anwendung der TOI 26
5.1 Phasen der TOI 26
5.2 Stufe 1 Vorbereitungsphase 27
5.2.1 Briefing 27
5.2.2 Konzeption 27
5.2.3 Probe 27
5.3 Stufe 2 Durchführungsphase 27
5.3.1 Visualisierung 27
5.3.2 Reflexion und Transfer 28
5.3.3 Lösungsdrehbücher 28
5.3.4 Theaterlabor 29
5.4 Techniken der TOI 29
5.4.1 Interaktionstechniken 29
5.4.2 Introspektionstechniken 30
5.4.3 Dramaturgietechniken 30
5.5 Möglicher Ablauf eines bedarfsorientierten Theaterprojekts anhand
von TOI 30
5.5.1 Vorbereitung des TOI-Teams 31
5.5.2 Erster Seminartag 31
5.5.3 Zweiter Seminartag 32
6 Fazit 34
7 Anhang 1
7.1 Umgang mit Veränderungen nach Kübler-Ross 1
7.2 So erkennen Sie den qualifizierten Trainer für Unternehmenstheater 2
7.3 Interview 3
7.4 Zeitungsartikel 5
7.5 Abbildungsverzeichnis 7
7.6 Abkürzungsverzeichnis 7
8 Literaturverzeichnis 8
8.1 Verwendete Literatur 8
8.2 Publikationen 9
8.3 Sonstige Quellen 9
8.4 Internetquellen 9
8.5 Weiterführende Literatur 9
1 Einleitung
Alles auf unserer Erde ist stets im Wandel. Das ist wohl die einzige Konstante, auf die wir uns verlassen können. Nur die Menschen lieben Veränderungen meistens nicht so sehr. In den Unternehmen ist die Leistungsdichte enger und der Wettbewerb schärfer geworden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Veränderungsmaßnahmen auf allen Ebenen durchgeführt werden. Viele Mitarbeiter 2 tun sich schwer, dem Wandel etwas Positives abzugewinnen. 3 So manche Geschäftsführung oder Abteilungsleitung könnte wahrscheinlich Bücher schreiben über Aussagen von Mitarbeitern wie beispielsweise: x „Kann denn nichts so bleiben wie es war?“ x „Das war doch gut so!“ x „Das haben wir doch immer so gemacht!“ x „Immer diese Veränderungen!“
Diese Liste ließe sich problemlos ins unendliche fortsetzen. Klar ist, dass solche Aussagen die innere Haltung dieser Menschen widerspiegeln. Für kommende Veränderungen sind Widerstände zu erwarten.
Eine Unternehmensführung, die sich nicht nur als eine starre Organisation versteht, sondern als lebendigen Organismus, wird stets agierend die Belange des Unternehmens steuern. In diesem Zusammenhang wird eine Unternehmensführung bestrebt sein, unterstützende Mittel und Instrumente einzusetzen, die geeignet sind die Unternehmensziele zu erreichen. 4
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über die Möglichkeiten des Unternehmenstheaters zu geben und aufzuzeigen, wie dieses „Instrument“ zur Förderung des organisatorischen Wandels wirksam eingesetzt werden kann. Dabei stehen folgende Fragestellungen im Zentrum, die im Verlauf der Arbeit geklärt werden:
1 http://www.magistrix.de/Zugriff:03.07.2010
2 Diese Arbeit ist der einfacheren Lesbarkeit wegen, in der männlichen Form verfasst, es sind jedoch gleichbedeutend beide Geschlechter angesprochen.
3 Vgl. Sprenger, 1995, S.12
4 Vgl. Interview, 2010, Kapitel 7.2
1
1. „Kann Unternehmenstheater Veränderungsbereitschaft bei den Mitarbeitern erzeugen?“
2. „Welche theatrale Methode kann am ehesten in Veränderungsprozessen wirksam eingesetzt werden?“
Theater wird heute nicht mehr nur begrenzt auf die Schauspielbühne. So hat z.B. das Rollenspiel, das seit den 1950er Jahren eine im Wirtschaftskontext weit verbreitete Methode darstellt, seine Quelle aus dem Theater. Unternehmenstheater geht jedoch weit darüber hinaus, somit kann in Unternehmen Theater als Medium für die Gestaltung von Veränderungsprozessen eingesetzt werden. 5
Das Unternehmenstheater entstand erst Ende des letzten Jahrhunderts. Es hat seine Wurzeln in Frankreich. Seine Entwicklung ist auf den raschen Wandel von einer Agrar- zur Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft, verbunden mit widersprüchlichen Führungsverhalten der Regierungen, zurückzuführen. 6 In Frankreich hat das sogenannte "théâtre d'entreprise" bereits eine längere Tradition. Dort wird seit 1991 jährlich das "Festival international du théâtre d'entreprise" veranstaltet, auf dem für Unternehmen erstellte Theaterstücke präsentiert werden. Nach Schätzungen werden in Frankreich derzeit etwa 2.000 Stücke im Jahr für Unternehmen geschrieben. 7
Gegenüber Inszenierungen auf öffentlichen Bühnen ist bedarfsorientierte Theaterarbeit durch betriebsspezifische Inhalte charakterisiert. In Deutschland ist das be-darfsorientierte Theater für Organisationen / Institutionen eine relativ junge Erscheinung. 8 Der Begriff Unternehmenstheater wurde vor allem durch das erste Forum "Business goes Theater", das im September 1997 in Hof stattfand, etabliert. 9
Auch wenn es sich beim bedarfsorientierten Theater um eine relativ neue Idee handelt, so finden sich doch in den Referenzlisten der Anbieter bereits viele deutsche Großunternehmen. Mit den Methoden aus dem Feld der Theaterpädagogik lassen sich die emotionalen Widerstände der Mitarbeiter sehr gut „auftauen“. Des- halbeignet sich das Instrument Unternehmenstheater als „Schlüssel“ für jedes
5 Vgl. Koch, et al., 2003, S.341
6 Vgl. Ujfalusi, 2009, S.18
7 Vgl. Funcke, et al., 2004, S.17
8 Vgl. Schiersmann, et al., 2010, S.146
9 Vgl. Koch, et al., 2003, S.341
2
gute Veränderungsprojekt und stellt eine „treffliche Intervention“ zum Aufbrechen fest zementierter Einstellungen, Routinen und Strukturen dar. 10
Der theoretische Teil der Arbeit umfasst die Definition des Begriffes „Unternehmenstheater“ und führt die Mindestkriterien an (Kap.2). Anschließend werden einige Theaterformen für die bedarfsorientierte Theaterarbeit in Unternehmen erläutert (Kap.3). In Kapitel 4 steht die Gestaltung von Veränderungsprozessen im Mit- telpunkt.Daran schließt der praktische Teil an (Kap.5). Praktisch heißt hier: „Wie könnte eine Auftragsabwicklung anhand der ThemenOrientierten Improvisation (TOI) aussehen?“ In diesem Zusammenhang wird ein fiktives Fallbeispiel ange- führt,mit dem Ziel einen möglichen Projektablauf zu verdeutlichen. Der Aufbau und das Konzept von Workshops werden in ihrer Gesamtheit nicht dargestellt. Vielmehr geht es darum, einen ersten konkreten Eindruck über die TOI zu vermitteln und deren Wirksamkeiten aufzuzeigen.
10 http://wwwwwiss.fuberlin.de/Zugriff: 06.09.2010
3
2 Unternehmenstheater
In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundladen von Unternehmenstheater dargestellt. Neben einer Definition (Kap. 2.1) wird geklärt, wo mögliche Einsatzgebiete des Unternehmenstheaters zu finden sind (Kap 2.2). Anschließend werden fünf wesentliche Kriterien zum professionellen Unternehmenstheater aufgeführt (Kap. 2.3), um zuletzt der Wirkung dieser Theaterform nachzugehen (Kap. 2.4).
2.1 Allgemeine Definition
Allgemein wird unter Unternehmenstheater „[…] alle die im Auftrag des Unternehmens durchgeführten Maßnahmen, in denen Theaterelemente und -methoden eingesetzt werden“, verstanden. 11
Unternehmenstheater ist jede live dargebotene Form der szenischen Darstellung, die ein Unternehmen verwendet, um Unternehmensziele zu erreichen. Unternehmenstheater, manchmal auch Change Theater oder Business Theater genannt, stellt eine künstlerisch-kreative Intervention in Organisationen, bzw. Unternehmen dar. Der Einsatz des Unternehmenstheaters ist sowohl für interne, als auch externe Veranstaltungen eines Unternehmens geeignet. 12
Einfache Formen des Unternehmenstheaters sind eventartige Auftritte professioneller Schauspieler zwecks Motivation und Unterhaltung der Belegschaft und/oder Kunden. Zwischen Kabarett und musikalischer Aufführung sind hier vielfältige Formen der Unterhaltung möglich.
Qualifizierte Formen werden gemeinsam mit den Mitarbeitern des Unternehmens entwickelt und sind möglichst genau auf deren Arbeitssituationen abgestimmt. Die spezifische Entwicklung und aktuelle Veränderungen im Betrieb werden dabei mit einbezogen werden. Zu diesem Zweck können Zuschauer (Mitarbeiter) als Mitwirkende in die Aufführung integriert werden. Hier sind manche der sehr gebräuchlichen Methoden des Improvisationstheaters anzusiedeln. Je individueller die Inszenierung zugeschnitten ist, desto einfacher fallen den Mitarbeitern die Identifikation und der Transfer auf die eigene Arbeitssituation.
11 Funcke, et al., 2004, S.102
12 Vgl. Schiersmann, et al., 2010, S.146
4
Da Veränderungsvorgänge in Unternehmen häufig von hoher Emotionalität der Mitarbeiter begleitet sind, wird gerade in solchen Situationen auf das Unternehmenstheater zurückgegriffen (s. Kap. 2.4). Hier ist der Einsatz einer professionellen Theatergruppe besonders gut geeignet, denn hier sehen und erleben die Mitarbeiter ihre alltäglichen Problem- und Konfliktsituationen aus der Distanz. Die Schauspieler sind in der Lage, Emotionen stellvertretend darzustellen und Handlungsalternativen anzubieten. 13
Somit können Probleme und Konflikte aus dem Unternehmensalltag mittels theatralen Methoden dargestellt und mögliche Lösungswege aufgezeigt werden. Das Unternehmenstheater bietet eine ganz eigene Herangehensweise an die Unternehmensprozesse und an den Mitarbeiter, die Erkenntnisgewinne werden auf ganzheitlicher Grundlage gefördert. 14
Das Unternehmenstheater dient der Problemanalyse, Thematisierung verborgener Spannungen, Aufdeckung von Kommunikationsstörungen und Konflikten innerhalb der Organisation. Es können adäquate Lösungsstrategien entwickelt werden, insbesondere bei Fragestellungen, die mit laufenden, bzw. bevorstehenden Veränderungsprozessen verbunden sind. Aus Sicht des Auftraggebers sollte sich der Ein- satzdes Instrumentes „Unternehmenstheater“ immer an den Bedürfnissen seines Unternehmens orientieren. Für welche Form des Unternehmenstheaters sich ein Auftraggeber entscheidet, ist in der Regel von Anlass, Thema, Unternehmenskultur und Budget abhängig. 15
2.2 Einsatzgebiete des Unternehmenstheaters
Unternehmenstheater ist eine Methode, die zunehmende Beliebtheit zur Vermittlung bei firmeninternen Konfliktsituationen erlangt. Im Rahmen der Personal- und Organisationsentwicklung hebt sich das Auftragstheater deutlich von betrieblichen Rollenspielen (s. Kap. 2.3.4) und ähnlichen Aktivitäten ab. Im professionellen Einsatz birgt Unternehmenstheater enorme Potenziale betriebliche Schwierigkeiten in dialogischer Form anzugehen. In Veränderungssituationen lassen sich zwischenmenschliche Kommunikationsprozesse durch den Einsatz von Unternehmensthea- 13 Vgl.Schiersmann,et al., 2010, S.146
14 Vgl. Schreyögg, 2008, S.431
15 Vgl.Schiersmann, et al., 2010, S.146f
5
ter sinnvoll begleiten. Die Theater-Intervention beinhaltet das Management von Veränderungsprozessen in Unternehmen. 16
Es handelt sich hier um maßgeschneidertes Theater. Dieses wird von Profis für ein beauftragendes Unternehmen mit vorher abgesprochenen und gezielt inszenierten Inhalten im Unternehmen dargebracht. Beispielsweise wird es bei Konflikten angewandt, die im Zusammenhang mit Unternehmensfusionen zwischen unterschiedlichen Unternehmenskulturen entstehen. Auch bei Kommunikationsstörungen zwischen unterschiedlichen hierarchischen Ebenen findet das Unternehmenstheater eine konstruktive Anwendung. Das Auftragstheater kann dazu beitragen, innerbetriebliche Blockaden aufzulösen und damit Bewegung zu erzeugen. Es kann als ein Teil des Change Management genutzt werden. Die Kunst der Regie und das Know How der Dramaturgie des professionellen Theaters werden bei der Theater-Intervention im Rahmen unternehmensbezogener Prozesse wertsteigernd umgesetzt. 17
Abbildung 1 verdeutlicht die Einsatzgebiete des Unternehmenstheaters.
16 Vgl. Schreyögg, 2008, S.430
17 Vgl.Schreyögg, ebd., S.430 18 Vgl. Ujfalusi, 2009, S.113
6
2.3 Theaterarbeit in Unternehmen nach fünf wesentlichen Kriterien
Professor Dr. Georg Schreyögg von der Freien Universität Berlin beschreibt den Arbeitsvorgang von Unternehmenstheater durch fünf strukturierende Elemente: x Auftraggeber / Bedarf x Recherche der Inhalte / Probleme x Ausgewählte Zielgruppe als Zuschauer x Theateraufführung mit Inhalten aus dem Unternehmensalltag x Nacharbeit / Reflexion 19
Diese Reihenfolge entspricht am ehesten dem bedarfsorientierten Unternehmenstheater, wobei die Nacharbeit mit Reflexion einen wesentlichen Punkt im Unternehmenstheater darstellt, da andernfalls die Wirkung des Unternehmenstheaters versanden kann. 20
Diese Kriterien sind nicht zwingend, sie schaffen jedoch eine Abgrenzung zu anderen schauspielerischen Methoden in Unternehmen wie bspw. Rollenspiele. Abgrenzung soll dabei nicht wertend sondern typologisierend verstanden werden. 21
2.3.1 Auftraggeber/Bedarf
Es gibt immer einen Auftraggeber, der unter Berücksichtigung eines bestimmten Bedarfes einen externen Anbieter beauftragt. Der Auftraggeber gibt Ziel und Nutzen vor. Die bedarfsorientierte Theaterarbeit kann als Teil eines betrieblichen Change-Managements eine spezifische situative Problematik bearbeiten und dadurch den Weg in ein gewünschtes Ergebnis einleiten. Grundsätzlich kann das bedarfsorientierte Theater auf Grund seiner angestrebten Zielsetzungen in drei Sparten eingeteilt werden: x Unterhaltung x Information x organisatorische Problemlösungen. 22
2.3.2 Unternehmensrelevante Inhalte/Probleme
Eine solche Aufführung, ob Inszenierung oder Improvisation, besitzt einen erkennbaren betriebsspezifischen Inhalt. Dies kann z.B. ein konkreter Konflikt innerhalb einer Abteilung sein. Allgemeine Inhalte können beispielsweise Kundenorientie-
19 Vgl.Schreyögg, 2008, S.431
20 Vgl. Schreyögg, ebd., S.431
21 Vgl. Schreyögg, et al., 1999, S.3f
22 Vgl. Funcke, et al., 2004, S.101
7
Arbeit zitieren:
Margarethe Kühner, 2010, Theater in Unternehmen?, München, GRIN Verlag GmbH
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