1. Einleitung
„Fussball macht Spass, ist einfach und fair. Wenn Du fit, gesund und cool sein willst, ist Fussball genau das Richtige!“,heißt es in einem Werbeslogan derKampagne “Live Your Goals!“ Man könnte nun meinen, es handle sich hierbei um Maßnahmen der FIFA zur Nachwuchsgewinnung von jungen, sportlichen Männern, die schon immer davon träumen, Fußballprofi zu werden…
Jedoch geht dieser Slogan mit folgenden Worten weiter: ,,Fußball ist ein Sport für Dich - Du und Deine Freundinnen, macht mit, damit es noch mehr werden! Such Dir ein Team, und wer weiß, vielleicht bist Du bei der nächsten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ 2015 in Kanada schon mit dabei!“ 1
Mit dieser Kampagne möchte die FIFA im Zuge der Frauenweltmeisterschaft 2011 die Chance nutzen, noch mehr junge Mädchen und Frauen dafür zu begeistern, die sonst durch die Männer bekannte Domäne des Fußballs zu erobern.
Doch wie kommt dieses gesellschaftliche Bild zu Stande, dass Fußball ein „typischer“ Männersport sei?
Der Frauenfußball schreibt heutzutage in Deutschland eine einzigartige Erfolgsgeschichte, obwohl es eine relativ junge Historie darstellt. Erst ab 1970 hat die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes die Förderung des Frauenfußballs aufgenommen. Doch seit die Frauen-Nationalmannschaft 1982 ihr erstes Länderspiel bestritt, lieferten die Fußballerinnen viele Gründe zur Freude und begeisterten immer mehr Fans, sowohl national als auch international.
Doch nicht nur der Fußball wird „vergeschlechtlicht“, sondern auch zahlreiche andere soziale Bereiche in unserer Gesellschaft.
1 Fifa (2011): FIFA Frauen‐Weltmeisterschaft Deutschland 2011. [online] Homepage: FIFA.com URL:
http://de.fifa.com/womensworldcup/liveyourgoals/aboutthecampaign/index.html[Stand: 08.07. 2011]
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Vorab werden in der vorliegenden Arbeit zentrale Begrifflichkeiten erläutert, um zu einem besseren Verständnis der Thematik Geschlechterkonstruktion beizutragen. Dazu wird zunächst der deutsche Begriff des Geschlechts mit dem englischen gendergegenübergestellt und aus gesellschaftlicher Perspektive beleuchtet.
Es folgt das Begriffskonstrukt des biologischen und des sozialen Geschlechtes, wobei hier der kritische Ansatz von Judith Butler in den Grundzügen integriert wird.
Das dritte Kapitel thematisiert die soziale Konstruktion des vorherrschenden Zweigeschlechtermodells westlicher Gesellschaften, wobei der Bublitz-Text als primäre Literaturquelle dient. Ferner wird erläutert, wie sich aus diesem sozialen Gebilde unser Modell der Geschlechterdifferenz, basierend auf einer Geschlechterhierarchie, gründet.Als wichtiger Aspekt werden zudem im weiteren Textverlauf die Folgen dieser Geschlechterdifferenz eröffnet.
Das vierte Kapitel beschreibt mittels der Beispiele der Androgynität ,der Intersexualität und der Transsexualität, sowie dem Transvestitismus, wie es anhand solcher Geschlechterparadoxien zu Geschlechterverschleierungen und
Grenzüberschreitungen der Kategorien Mann und Frau kommen kann.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet ein eingehendes Fazit im fünften Kapitel und thematisiert die entstehenden Fragen aus der Analyse der Geschlechterkonstruktion.
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt in der eingehenden Fragen der Geschlechterspezifität: Wie gestaltet sich das Geschlecht sozial und wie ändert diese Thematik die Perspektive auf die Geschlechter?
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2. Begrifflichkeiten
2.1 Geschlecht vs. Gender
Das Konstrukt Geschlecht ist definitorisch darzustellen als ein zentrales Gliederungs-und Kategorisierungskonzept einer Gesellschaft. Laut Sauer ist die Einteilung eines Individuums nahezu selbstverständlich und gleichsam notwendig, um mit Menschen in Interaktion zu treten. 2
Zahlreiche Definitionen in verschiedenen Nachschlagewerken verweisen bei dem Sachverhalt Geschlecht auf verschiedene wissenschaftliche Bereiche, was ein Indiz dafür ist, dass zum Einem die Definition aufgrund der Vielschichtigkeit äußerst prekär ist, und zum Anderen lässt es eine Vermutung zu, dass die vorherrschende biologische Definition in das Zwei-Geschlechter-Modell von Mann und Frau nicht allein als erklärende Variable fungiert.
Die Geschlechterdifferenz in verschiedenen Gesellschaften einschließlich ihren implizierten Normen und Stereotypen, wird nicht allein durch das Wissen über primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale ersichtlich.
Dietzen wagt einen Schritt weiter, indem sie bemerkt, dass die Kategorie Geschlecht allmählich zu einer strukturrelevanten Statusrolle avanciert. Folglich ist sie ebenfalls der Auffassung, dass das Konstrukt Geschlecht als eine „Art grundlegende Dimension sozialer Ordnung und Organisation“ verstanden werden müsse. 3
Der deutsche Begriff Geschlecht ist in der Geschlechterforschung theoretisch weniger eingebettet als der englisch-amerikanische Parallelbegriff gender. Wie auch die französischen und spanischen Bezeichnungengenre und genero, ist der Wortstamm lateinischen Ursprungs von dem Wortgenero, abgeleitet vom Stamm genus, was
2 Vgl. Sauer, 2006. S.50
3 Zit. nach Dietzen, 1993, S. 12
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erzeugen bedeutet. 4 Sinngemäß thematisiert es das Erzeugen von Beziehungen, Bedeutungen und Klassifikationen.
Der Vorteil des englischen Begriffes wird schnell deutlich: Jenes kann in sex und gender unterteilt werden. Im deutschen Sprachgebrauch lässt sich jedoch keine existentielle Entsprechung finden. Aus Gründen der Übersetzung verdrängt gender das Geschlecht.
2.2 Sex vs. Gender
Demnach stellt sex eine „Geburtsklassifikation des körperlichen Geschlechts aufgrund sozial vereinbarter biologischer Kriterien dar.“ 7
Gender ist, wie in Absatz 2.1 Geschlecht vs Gender bereits erläutert, das soziale Geschlecht. Bei Sauer, sowie Lorber und Stephan lassen sich Gemeinsamkeiten in den Definitionen für sexund gender finden. 8
Aufgrund der Differenzierung zwischen sex und genderim Bereich der Sozialwissenschaften, kann eine Unterscheidung in ein biologisches Geschlecht und ein soziales Geschlecht getroffen werden und gleichzeitig erfolgt die Sprengung derEindimensionalität des deutschen Begriffes. Ferner zieht diese Unterscheidung die Behauptung mit sich, dass Geschlechterrollen primär historische, kulturelle und
4 Vgl. Langenscheidts Taschenwörterbuch Latein, 2003, S. 236
5 Oakley, zit. nach Schaufler, 2002, S. 83
6 Oakley, zit. nach Schaufler, 2002, S. 83
7 Gildemeister, 2004, zit. nach Wetterer, 2004, S. 132
8 Vgl. Sauer, 2006, S. 50f., vgl. Stephan, 2000, S. 58f., vgl. Lorber, 2003, S.32f.
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soziale Konstruktionen seien und sich nicht allein aus biologischen Tatsachen ableiten lassen.
Diese Kulturtheorie zur kritischen Untersuchung des Zusammenhanges des biologischen und gesellschaftlichen Geschlechts heißt Queer-Theorie, welche versucht sexuelle Identitäten, gesellschaftliche Normen oder Machtformen zu analysieren und gleichsam zu dekonstruieren. Diese Queer-Theorien verfolgen das Ziel, dass sich Menschen selber definieren sollen, um ihre Identität zu erklären. 9
Mit dieser schematischen Einteilung des sozialen Geschlechterkonstrukts wird deutlich, dass jene vollzogene Wahrnehmungsänderung auch eine
Begriffserweiterung zur Folge hat. Auch Dietzen betont, dass diese Differenzierung das Eingeständnis zum Zwecke hat, dass Geschlechterrollen sich nicht aus biologischen Gegebenheiten, sprich Körperdifferenzen ableiten lassen, sondern soziale Konstruktionen darstellen. 10 Erneut stellt sich die Frage, wenn die biologischen Unterschiede eben nicht ausreichen, um die tiefgehenden Diskrepanzen der Geschlechter zu erklären, ebenso wenig, wie die gesellschaftlichen Unterschiede in hierarchischen Besetzungspositionen zu erklären oder Tätigkeiten zu legitimieren, wie es dann zu einer sozialen Konstruktion von Geschlecht kommt, die zwar von biologischen Differenzen ausgeht, diese jedoch als natürliche Erklärung heranzieht?
Zudem muss in Betracht gezogen werden, dass diese universale Anwendbarkeit der Unterscheidung von sex und gender kontrovers diskutiert wird. Butler verweist in ihren renommierten Arbeiten auf die Hinfälligkeit und Problematik der Unterscheidung von sex und gender, da ihrer Meinung nach ein Widerspruch vorliegt. Demnach müssegender sozial konstruiert angesehen werden, wohingegen sex und Sexualität als natürlich gegeben angenommen werden. Sie ist dennoch der Annahme, dass die Persönlichkeit gesellschaftlich erschaffen wird, postuliert aber dennoch die Schwierigkeit des beliebigen Wechsels zwischen den Identitäten.
9 Vgl. Voß, 2010, S. 13f.
10 Vgl. Dietzen, 1993, S. 12
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Arbeit zitieren:
Jannina Schreiber, 2011, Typisch Mann - Typisch Frau, München, GRIN Verlag GmbH
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