- I -
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung. 1
1.2 Gang der Untersuchung 1
2 Einführung in das ökonomische Verhaltensmodell 2
3 Das Egoismusprinzip in der Rationalitätsannahme 5
3.1 Die Stellung des Eigennutzes in der Rational-Choice-Theorie. 5
3.2 Altruismus als Konsequenz individueller Rationalität. 6
3.3 Die Problematik des kollektiven Handelns 8
3.4 Die Bewältigung der Unzulänglichkeiten des Verhaltensmodells. 9
4 Schluss 12
- 1 - 1Einleitung
„The significant problems we face cannot be solved at the same level of thinking we were at when we created them.” - (Albert Einstein)
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Oft fragt man sich, warum die Leute überhaupt Lotto spielen, obwohl sie genau wissen, dass ihre Aussichten auf Gewinn marginal sind, oder warum jemand an Protestaktionen teilnimmt, obwohl er nur eine von unzähligen vielen Personen ist und es eigentlich gar nichts ausmachen würde, wenn er sich nicht daran beteiligt. Wäre es dann nicht rational, lieber zuhause zu bleiben, anstatt den (Zeit-)Aufwand in Kauf zu nehmen ? In der vorliegenden Arbeit soll der Status des Egoismusprinzips innerhalb des ökonomischen Modells rationalen Verhaltens, repräsentiert durch das Menschenbild des homo oeconomicus, analysiert werden. Es geht vor allem darum zu zeigen, ob das Eigeninteresse eines Menschen Grundlage all seiner Entscheidungen ist.
1.2 Gang der Untersuchung
Der Hauptteil dieser Arbeit unterteilt sich in zwei wesentliche Abschnitte. Zunächst wird auf das Kernmodell des menschlichen Verhaltens in der ökonomischen Theorie eingegangen. Dabei soll vor allem deutlich werden, dass es bis in die heutige Zeit Uneinigkeiten und Schwierigkeiten bezüglich der Prämissen und Postulate des Modells gibt. Die unterschiedlichen Sichtweisen einiger Ökonomen und Sozialwissenschaftler sollen dabei als Beispiele divergierender Interpretationen vom Prinzip des menschlichen Handelns dienen. Im zweiten Teil wird dabei explizit die Unterstellung des Eigennutzens in der ökonomischen Theorie erörtert. Es werden die Grenzen der Theorie und diesbezüglich die Standhaftigkeit des unterstellten Eigennutzaxioms aufgezeigt, was das Dilemma in Hinblick auf die Erklärung sozialer Phänomene hervorheben soll. Durch das Aufzeigen möglicher Interpretationsansätze werden die Versuche der Wissenschaftler, eine geeignete Theorie zu finden, herangeführt. Den Schluss bildet eine Zusammenfassung der vorgetragenen Ergebnisse und eine Darstellung weiterführender Ansätze zum Ver- stehen und Erklären menschlichen Handelns.
- 2 - 2Einführung in das ökonomische Verhaltensmodell
Ein Mensch muss wirtschaften, um die Bedürfnisse, die sein Leben oder seine Wünsche mit sich bringen, in einer Umwelt, die durch knappe Ressourcen charakterisiert ist, zu decken.
1
Davon ausgehend muss ein Individuum bewusst möglichst effizient handeln, das heißt, es muss rationale Entscheidungen treffen. Die Ökonomen und Sozialwissenschaftler versuchen daher, ein Modell zu finden, mit dem man das Verhalten von Individuen realistisch erklären und möglichst auch prognostizieren kann. Bei der Aufstellung einer Verhaltenstheorie entsteht jedoch eine Kontroverse zwischen zwei verschiedenen Ansatzpunkten: Man kann einerseits Verhalten auf einer Mikroebene, also an-hand eines einzelnen Individuums, erklären und davon ausgehend das Zusammenspiel Einzelner mit ihrer Umgebung zu deuten versuchen, andererseits aber auch auf der Makroebene ansetzen, d.h. soziale Prozesse als Gesamtes betrachten. Durchgesetzt hat sich der methodologische Individualismus als mikroökonomische Betrachtung des verhaltenswissenschaftlichen Menschenbildes, da eine kollektivistische Theorie alle einzelwirtschaftlichen Beziehungen als identisch ansieht, was sie jedoch in der Regel nicht sind.
2
Der „stets zweckrational im Sinne des wirtschaftlichen Prinzips handelnde Wirtschaftsmensch“
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(homo oeconomicus) wird in seinem systematischen und bewussten Handeln und Entscheiden in der Realität durch Restriktionen in seinen Entscheidungsraum eingeengt. Nach Frey gibt es generell vier Arten von Restriktionen: das verfügbare Einkommen, rechtliche Einschränkungen, informelle Normen und Traditionen.
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Darüber hinaus beeinflussen auch die Zeit und die Knappheit der Güter den Handlungsspielraum eines Individuums, die ihn quasi zum rationalen Handelns zwingen.
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Seine Präferenzen und Wertvorstellungen, die er im Laufe seines Sozialisationsprozesses internalisiert hat, geben ihm Anreize, seine Entscheidungsalternativen zu evaluieren und unter Berücksichtigung der dabei anfallenden Kosten abzuwägen. Wichtig bei der Entscheidung ist, dass sich ein Individuum auf seine eigenen Präferenzen und nicht auf die der anderen stützt; die Interessen der anderen werden bereits durch die Beeinflussung auf den Entscheidungsspielraumspielraum berücksichtigt. Will man nun Ver-
1 Vgl.Thommen/Achleitner (1998), S. 31-33
2 Vgl. Bökenkamp (1985), S.56-60; Frey (1989), S. 69
3 Bökenkamp (1985), S.60
4 Vgl. Frey (1989), S. 72-73
5 Vgl. Schultheiss (1999), S. 24-25
- 3 -änderungen im menschlichen Verhalten erklären, können diese nicht auf Änderungen der Präferenzen zurückgeführt werden, weil man sie empirisch nicht nachweisen kann. Die Folge wäre, dass man jedes Verhalten durch Änderungen der Präferenzen erklären könne, was das Verhaltensmodell tautologischen Charakter annehmen lässt und somit gegen jegliche Kritik und Falsifikationsversuche immunisiert. Statt dessen führt man Veränderungen auf beobachtbare und messbare Veränderungen von Restriktionen zu-rück. 6 Die Anreize der eigenen Präferenzstruktur erlauben dem Individuum, rationale Entscheidungen mit den ihm gegebenen Mittel so zu treffen, dass ein Maximum an „Zweckerfolg“ erzielt wird. Zweckrationales Handeln ist somit synonym mit dem Be-griff der Rationalität. In der modernen Interpretation des homo oeconomicus wird da-von Abstand gehalten, ihn als ein vollständig informiertes, stets nutzenmaximierendes und optimal handelndes Menschenbild darzustellen. Er ist vielmehr mit einem Men-schenbild vereinbar, das „prinzipiell in der Lage ist, gemäß seinem relativen Vorteil zu handeln, d.h. seinen Handlungsspielraum abzuschätzen und zu bewerten, um dann ent-sprechend zu handeln.“ 7 Ihm wird zwar generell Eigeninteresse unterstellt, was jedoch nicht bedeuten muss, dass er auch immer eigennützig handelt. Wenn es z.B. möglich ist, sich durch Förderung altruistischer Motive besser zu stellen, wird ein rational handeln-des Individuum von der strikten Maximierung seines Eigennutzes abweichen. 8 Die häu-fige Verallgemeinerung und Vereinfachung des homo oeconomicus stößt jedoch bei Kritikern auf heftigen Wiederstand, da dadurch der Erklärungsgehalt des Modells ge-mindert wird und das Menschenbild somit einen idealtypischen Status annimmt. An-dersherum würde jedoch ein Modell mit hohem Erklärungsgehalt die Forderung nach Allgemeingültigkeit nicht erfüllen können. In der methodologischen Vorgehensweise konfligieren somit zwei Modell-Situationen: den aus der Wirklichkeit abgeleiteten und konstruierten „Idealtypus“, der deduktiv bestimmt wird und auf Erfahrungen (A-posteriori-Kausalität) basiert, und den in der Wirklichkeit beobachteten „Realtypus“, der induktiv bestimmt wird und aufgrund von Erwartungen (A-priori-Kauslalität) de-terminiert ist. 9 Aus diesen Überlegungen heraus ist der sogenannte kritische Rationalis-mus entstanden, den der Ökonom Karl Popper ins Leben gerufen hat. Popper war ein Befürworter einer deduktiven Bestimmungsweise des menschlichen Verhaltens, bei der
6 Vgl. Kirchgässner (1991), S.13-14, S.17; Frey (1989), S. 71
7 Kirchgässner (1991), S. 17; Vgl. Bökenkamp (1985), S. 107
8 Zur Problematik der Unterstellung von Eigeninteresse innerhalb der Rationalitätsannahme vgl.
Abschnitt 3.1; vgl. Frey (1989), S. 89; Schultheiss (1999), S. 65; Kirchgässner (1991), S. 16
9 Vgl. Bökenkamp (1985), S. 80, S.84, S.94-95; Saliger (1998), S.134, Laux (1998), S.338
Arbeit zitieren:
Thomas Kramer, 2000, Die Rationalitätsannahme in der ökonomischen Theorie: bedingt sie den egoistischen Homo oeconomicus?, München, GRIN Verlag GmbH
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