Psychotrauma / Die Trauma-Erzählgeschichte
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Psychotrauma 4
2.1 Begriffsklärung Trauma und Psychotrauma 4
2.2 Auslöser und Typeneinteilung von Psychotraumen 4
2.3 Auswirkungen während des traumatisierenden Ereignis 5
2.3.1 Besonderheiten bei Kindern 6
2.4 Folgen eines Psychotraumas 7
2.5 Grundsätze der allgemeinen Therapie 8
2.6 Die Trauma-Erzählgeschichte 8
3. Fazit 10
Die traumatische Zange (Anlage 1) 12
Beispiel einer Trauma-Erzählgeschichte (Anlage 2) 13
Literaturverzeichnis 14
Glossar / Begriffsbestimmungen 15
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Psychotrauma / Die Trauma-Erzählgeschichte
1. Einleitung
Mein Interesse für das Themenfeld Psychotrauma wurde nicht nur aufgrund meines Berufes als Polizeibeamtin geweckt, sondern auch im Zuge des Bewerberverfahrens für die Adoption eines Kindes. In der Folge richtete sich mein Fokus insbesondere durch die in diesem Zusammenhang erforderlichen vorbereitenden Vortrags-und Fortbildungsveranstaltungen auf die möglichen Negativerlebnisse und die daraus resultierenden Psychotraumata von Kindern. Prinzipiell kann jeder Mensch durch ein einmaliges Erlebnis mit Schockcharakter (Monotrauma) oder durch wiederholte Ereignisse (Polytrauma), die manchmal über Jahre andauern, traumatisiert werden. Dies kann ein schwerer Verkehrsunfall oder der mehrfache sexuelle Missbrauch in der Kindheit sein. Diese Erfahrungen sind für die meisten Menschen mit schwerwiegenden belastenden physischen und psychischen Folgen verbunden, die in vielen Fällen eine Therapie notwendig machen. Aufgrund des kindlichen Entwick-lungsstandes und Geisteshorizontes können die allgemeinen Trauma-Therapien für Erwachsene nicht unisono auf Kinder übertragen werden und einige finden keine Anwendung. Noch Ende der 1970er Jahre wurden verhaltensauffällige Kinder in verschiedenen Einzeltherapien betreut und die Eltern getrennt von ihren Kindern aufgeklärt und beraten. Die Bindungsforschung war ebenfalls gerade erst durch John Bowlby angestoßen worden. In den 1980er Jahren kam es zu ersten Fortbildungen in der Familientherapie, indem niederländische und amerikanische Therapeuten die systemische Sichtweise durchsetzten.
Eine junge und noch nicht erforschte Therapiemethode, die die systemtherapeutischen Ansätze berücksichtigt, wurde in Deutschland Mitte der 1990er Jahre durch Dipl. Sozialarbeiter Alexander Korittko 1 vorgestellt und bei Kindern und Jugendlichen eingeführt; die Trauma-Erzählgeschichte. Durch diese Therapiemethode sollen neue positive Gedanken bzw. Bilder als gegebene Situation verankert und im Idealfall die traumatisierende Situation so verarbeitet werden, dass diese als Vergangenheit abgespeichert werden kann.
Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Hausarbeit kann ich nicht auf die gesamte Komplexität dieses Themenbereiches, insbesondere nicht auf jedes Detail bei Kindern eingehen. Ich werde allerdings eine Einführung zum Thema Psychotrauma und einen kurzen Überblick zu Auslösern von Traumata, deren Auswirkungen und Folgen, auf die Besonderheiten bei Kindern sowie zu Grundsätzen der allgemeinen Therapie geben. Im Anschluss wird die Trauma-Erzählgeschichte an einem Beispiel vorgestellt und zum Schluss ein Fazit gezogen. Dabei möchte ich folgende Fragestellung und These beleuchten:
„Die Trauma-Erzählgeschichte - ein fortschrittlicher Ansatz in der Trauma-Therapie für Kinder und Jugendliche“ !
1 Paar- und Familientherapeut, Systemischer Lehrtherapeut und Lehrsupervisor; tätig in einer kommunalen Jugend-, Familien- und Erziehungsberatungsstelle und Mitbegründer des Zentrums für Psychotraumatologie und
Traumtherapie Niedersachsen (ZPNT).
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Psychotrauma / Die Trauma-Erzählgeschichte
2. Psychotrauma
2.1 Begriffsklärung Trauma und Psychotrauma
Als Einführung in die Thematik und zur weiteren Orientierung ist zunächst der Begriff Trauma und Psychotrauma zu erläutern und zu definieren. Betrachtet man die griechische Übersetzung des Wortes Trauma 2 , so ist die Rede von seelischen sowie medizinischen Verletzungen und Wunden. In Deutschland wird das Wort Trauma jedoch überwiegend im medizinischen Bereich verwandt und wird dort mit körperlichen Wunden in Verbindung gebracht.
Die sich mit der Erforschung von Psychotrauma beschäftigende Wissenschaft ist die Psychotraumatologie, die sich aus mehreren Forschungs- und Fachbereichen zusammensetzt. Folgende Berufszweige sind in diesem Kontext beteiligt: Psychologie, Medizin, Rechtswissenschaft, Psychoanalyse und die Psychotherapie, die sich mit der Lehre von psychischen Verletzungen und ihren vielfältigen negativen Folgen des traumatisierten Individuums auseinandersetzen sowie neue Therapiewege suchen. 3 Daher sind seelische Verletzungen als psychisches Trauma zu bezeichnen:
„Ein psychisches Trauma ist ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht, und so eine dauerhafte Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses be- wirkt.“ 4
2.2 Auslöser und Typeneinteilung von Psychotraumen
In der unten angeführten Tabelle sind Ereignisse aufgeführt, die die Monotraumen als Typ-I-Trauma und Polytraumen als Typ-II-Trauma bezeichnen und auslösen können. Diese Einteilung ist von Terr (1995) vorgenommen worden und zur Einteilung von Kindheitstraumen aufgrund der verschiedenen Folgen, die sich daraus ergeben, besonders bedeutsam.
Weiterhin gibt es drei Kategorien. Unter Kategorie 1 sind die einschneidendsten Psychotraumen aufgeführt, die sog. „Man-made“-Traumen. Psychotraumata, die ein Mensch einer anderen Person zufügt, erschüttert deren Weltanschauung dermaßen, dass die Verarbeitung des Erlebnisses wesentlich schwerer ist. In Kategorie 2 ist die Natur oder das Schicksal Auslöser und somit leichter zu akzeptieren und zu verarbeiten. Kategorie 3 ist der schwächste Auslöser. Hierunter werden kollektive Traumatisierungen eingeordnet, bei denen ebenfalls Menschen die Auslöser sind. Sie handeln aber nicht in einem individuellen Kontext und es sind ebenfalls viele andere Menschen betroffen.
2 Duden, Bd. 1, Die deutsche Rechtschreibung, 1996, S. 749.
3 Sinngemäß Fischer, G., Riedesser, P., 2009, S. 17 ff..
4 Siehe Fischer, G., et al., 2009, S. 84.
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Psychotrauma / Die Trauma-Erzählgeschichte
Wird Kategorie 1 in der Kindheit als Polytrauma erlebt, d.h. als wiederkehrende, längere Traumatisierung über Wochen oder sogar Jahre ausgeführt und ausgelöst, so hat dies meist weitreichende Folgen, auf die im weiteren Verlauf noch eingegangen wird. Die Besonderheit ist, dass bei dem Typ-I-Trauma das traumatische Erlebnis immer wieder im Detail erinnert wird. Bei jüngeren Kindern gibt es ggf. auch magische Erklärungen mit Schuldzuschreibungen, oft an die eigene Person. Bei Typ-II kommt es zu emotionaler Anästhesie und Verleugnung, häufig zu Dissoziation und Depersonalisierung (Entfremdungsgefühl). Zunächst wird versucht durch sogenannte Coping-Strategien (Bewältigungsstrategien) die Bedrohung zu vermeiden. Die nächste Stufe sind Anpassungsbemühungen auf intrapsychischer Ebene. Dies sind Abwehrmechanismen, die zur Abspaltung u.a. der Persönlichkeit führen können. Kinder mit Typ-I-Trauma entwickeln diese Abwehrmechanismen in der Regel nicht.
2.3 Auswirkungen während des traumatisierenden Ereignis
Ein traumatisches Erlebnis ruft automatische Stressreaktionen hervor, die auf unseren Urinstinkt zurückzuführen sind. Das Gehirn schüttet verschiedene Hormone, u.a. Adrenalin und Cortisol aus, um das Überleben zu garantieren. Das Erleben oder die Handlung ist selbst nicht mehr bewusst steuerbar. Kann das Individuum keine Hilfe von außen erwarten und ein Angriff (fight) oder die Flucht (flight) sind nicht möglich, so ist die Ausweglosigkeit der Situation unerträglich für den gesamten Organismus. Der Mensch befindet sich dann in einem schockartigen Zustand mit starken affektiven und körperlichen Reaktionen, die über Aufregung und Verwirrung bis zur Panik führen können. Es kann aber auch das Gegenteil eintreten, eine Lähmung
(„free-
zing),die bis zur Handlungsunfähigkeit reicht. Die Empfindung wird mit einer Ohnmacht, einhergehender Hilflosigkeit und Verzweiflung beschrieben, die zum Gefühl des ausgeliefert sein führt. Hier setzt der Schutzmechanismus des Körpers ein und die
sogenannte „Freeze-Reaktion“ (Einfrieren der
Situation) wird hervorgerufen. Der Körper bekämpft die Todesangst und dem
„Nichtentrinnen“
können aus der Situation mit weiterer Ausschüttung körpereigener Opiate und Endorphine, die zur inneren Erstarrung bzw. zur Entfremdung des Geschehens führen. Die Gefühle werden ab-
5 DieTabelle wurde durch die Unterzeichnerin selbst entwickelt. Siehe sinngemäß Reddemann , L., 2007 und Hiller, W., 2007.
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Psychotrauma / Die Trauma-Erzählgeschichte
geschaltet, um drohende Schmerzen nicht mehr zu spüren. In der Tierwelt ist dies als Totstellreflex bezeichnet. Weiterhin wird das Ereignis in Einzelteile zerlegt und auf den verschiedenen Hirnebenen als Fragment (Splitterstück) abgespeichert. 6 Daher kann das Ereignis dann auch nicht mehr zusammenhängend erinnert oder wahrgenommen werden. Dieser Vorgang ermöglicht das Überleben der menschlichen Psyche.
2.3.1 Besonderheiten bei Kindern
Bei Kindern und Jugendlichen sind die Schutz- und Abwehrmechanismen (Coping-Strategien) noch nicht in dem Maße entwickelt und ausgebildet wie bei Erwachsenen. Daher können Kinder auch durch Erfahrungen traumatisiert werden, welche für Erwachsene noch kein traumarelevantes Ereignis darstellen. Das kann der Sturz von einem Fahrrad, der Angriff eines Tieres, der Krankenhausaufenthalt oder auch hohes Fieber sein. Ob eine Traumatisierung eintritt, hängt aber auch von der jeweiligen Situation, dem sozialen Kontext sowie der Stabilität des Kindes oder Jugendlichen insgesamt ab. D.h. die Lebensgeschichte und das Bindungsmuster des jeweiligen Individuums haben einen entscheidenden Einfluss für die Anfälligkeit einer Traumatisierung. Hierzu führt u.a. Hiller aus.
“Die Selbstentwicklung des Kindes ist untrennbar mit seiner emotionalen Entwicklung verknüpft. Dabei sind die Bindungsbeziehungen formend, weil in ihnen über die affektiven Reaktionen und Austauschprozesse die Grundlagen der ordnenden Funktion des Gehirns gelegt werden, besonders ihre selbstre-gulatorischen Fähigkeiten. Die Entwicklung der Affektregulation ist ein wesentliches organisierendes Prinzip der emotionalen Entwicklung und der Hirnreifung. Der rechte präfrontale Cortex stellt dank seiner unmittelbaren Verbindung zu stressregulierenden Systemen die höchste Ebene der Selbstregulation dar. Er überwacht und reguliert wirksam die Dauer, Häufigkeit und Intensität positiver und negativer Affektzustände. Das sich in Reifung und Entwicklung befindliche Gehirn des Kindes ist für Traumata besonders vulnerabel mit der Folge, dass seine generelle Leistungsfähigkeit betroffen ist.“ 7
Daher stehen die elterliche Reaktion und Fürsorge in engem Zusammenhang mit den Auswirkungen des Traumaerlebnisses auf ein Kind. Das Bindungsmuster, welches ein Kind in seinem 1. Lebensjahr entwickelt hat, bleibt in seinen Grundzügen lebenslang bestehen. In dieser Zeit wird das sogenannte Urvertrauen ausgebildet, welches mit Verbundenheit, Geborgenheit und Verlässlichkeit einhergeht. Ein Kind ohne verlässliche Bindungspersonen steht regelmäßig unter erhöhtem Stresseinfluss und versucht sich in Selbstregulation, die bis zu einer bestimmten Grenze möglich ist. Ein Säugling, der durch unsichere Bindungspersonen immer wieder in Todesangst versetzt wird, z. B. durch Vernachlässigung, hat nur zwei Entwicklungsmöglichkeiten sein Leben zu retten. Die Reaktion mit Übererregung oder Dis-
6 Siehehierzu in Anlage 1 „Die traumatische Zange“.
7 Hiller, W., Leibing, E., Leichsenring, F., Hopf, H., Windaus, E. , 2007, S. 449.
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Stephanie-Alexandra Meier, 2011, Psychotrauma - Die Trauma-Erzählgeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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Hallo Leute, ich habe die Arbeit so geändert, dass es eine 1,7 ist. Ich habe eine 2,0 bekommten da ich die These als Frage gestellt hatte und nicht mit einem Ausrufezeichen versehen habe. Weiterhin muss jede Tabelle eine eigene Überschrift haben. Mit diesen Änderungen wäre es dann schon eine 1,7.
am Wednesday, December 07, 2011-