Christian Zwer Der Wiener Kongress 1814/1815 05.03.2007
Hausarbeit
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Darstellung der Ausgangssituation. 4
2.1. Sachsen und Polen vor dem Wiener Kongress 4
2.1.1. Die historischen Beziehungen zwischen Sachsen und
Polen 4
2.1.2. Das Verhalten des Sachsenkönigs gegenüber
Napoleon 4
2.1.3. Die Eigentumsverhältnisse in Polen 5
2.2. Interessen der einzelnen Siegermächte 5
2.2.1. Ziele Preußens in der Sachsen- und Polenfrage 5
2.2.2. Ziele Österreichs in der Sachsen- und Polenfrage 7
2.2.3. Das Interesse Englands an Sachsen und Polen 7
2.2.4. Das Ziel des Zaren 8
3. Die Entwicklung der Polenfrage zur Krise 8
3.1. Warum musste es zu einer Krise kommen? 9
3.2. Die Außenministerkonferenz: „Das Zünglein an der
Waage “ 9
3.3. Ergebnisse der Außenministerkonferenz 12
3.3.1. Erarbeitung von Lösungsvorschlägen 12
3.3.2. Reaktion des Zaren auf das Handeln der anderen
Koalitionsm ächte 12
4. Das diplomatische Handeln. 13
4.1. Der Zar und das Verhalten des Preußenkönigs 13
4.2. Die Ansichten Frankreichs zu den Teilungsbestrebungen
14
4.3. Weitere Darstellung der Situation nach dem
Ministertreffen 15
4.3.1. Die sich abzeichnenden Interessengruppen 15
4.3.2 Englands Umschwenken in der Sachsenpolitik 16
4.4. Diplomatie Metternichs 16
4.4.1. Taktieren gegen den Schwächeren 16
4.4.2. Absage an die Totalannexion Sachsens durch Preußen
18
5. Die weitere Zuspitzung des Konflikts 20
6. Die Lösung des Konflikts 21
6.1.Castlereagh und die Politik der Entspannung 21
7. Persönliche Wertung und Fazit 22
8. Literatur und Quellennachweis 24
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Christian Zwer Der Wiener Kongress 1814/1815 05.03.2007 Hausarbeit
1. Einleitung
„Bluff oder Hazard? Oder: Wie manövriert man sich in eine Kriegsgefahr?“ ist das Thema dieser Hausarbeit. Dabei geht es mir vor allem darum, dem Leser einen Eindruck über ein Thema zu geben, welches in der Schule in den meisten Fällen am Rande behandelt wird.
In de vorliegenden Arbeit setze ich mich mit der zentralen Frage der Aufteilung von Sachsen und Polen unter den Koalitionsmächten auf dem Wiener Kongress auseinander. Der Leser bekommt Eindrücke vom Agieren der Regierungsvertreter und Machthaber innerhalb einer Zeit, in der sich die politische Ordnung des ganzen europäischen Kontinents in einem Wandlungsprozess befand. Das Stichwort dazu lautet der Wiener Kongress! Hier trafen sich zwischen 1814/15 alle Vertreter vorhandener und entmachteter europäischer Regierungen, um über eine Neuordnung Europas nach der Herrschaft Napoleons zu beraten. Die Sachsen- und Polenfrage spielte innerhalb des Kongresses eine zentrale Rolle, handelte es sich hier immerhin um die Debatte über die Aufteilung zweier Staaten im Herzen Europas. Wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass diese Staaten einem starken territorialen Wandel vor und während der napoleonischen Herrschaft unterlagen. An dieser Frage sollte sich entscheiden, ob der Wiener Kongress ein Erfolg oder ein Misserfolg werden würde. Ich werde in meiner Hausarbeit die Konfliktsetzung thematisieren und auf die Ziele der Siegermächte eingehen. Des Weiteren werde ich versuchen die Diplomatie und die Zwistigkeiten zwischen den Großmächten deutlich zu machen, um dem Leser ein klares Bild zu vermitteln, warum die Sachsen- und Polenfrage beinahe zu einem erneuten Krieg hätte führen können. Ich möchte dabei auch auf die Tatsache verweisen, dass Napoleon während des Wiener Kongresses aus seiner Verbannung zurückkehrte und den Krieg mit den Koalitionsmächten noch einmal aufnahm. Die Sachsen- bzw. die Polenfrage war bis zu diesem Tag geklärt. Schon in dieser frühen Neuordnungsphase hätte der Gedanke von einem Europa ohne Napoleon wie eine Seifenblase zerplatzen können. Daher halte ich die Bewältigung dieses Konflikts für den eigentlichen Schlüssel auf dem Weg zur Unterzeichnung der Schlussakte. Aus diesem Grund sollen auch Lösungsansätze und Lösungsvorschläge für die Konfliktbewältigung erörtert und erläutert werden.
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2. Darstellung der Ausgangssituation
2.1. Sachsen und Polen vor dem Wiener Kongress
2.1.1. Die historischen Beziehungen zwischen Sachsen und Polen Die Geschichte Polens und Sachsens war seit 1697 eng mit einander verwoben. Unter dem Kurfürsten August dem Starken, der nach einer Königskrone strebte, war es Sachsen gelungen, in Personalunion mit dem polnischen Königreich zu treten. 1 Diese Verbindung hatte bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 Bestand und garantierte dem Kurfürsten von Sachsen die Königskrone in Polen. Dabei handelte es sich um zwei völlig voneinander getrennte Gebiete, die nicht nur in Bezug auf die Wirtschaft, sondern auch in der Größe sehr unterschiedlich waren. 2 Die politische Trennung der beiden Staatsgebiete wurde aber durch die neue polnische Verfassung von 1791 relativiert. Denn in dieser Verfassung wurde die polnische Krone als erblicher Bestandteil des sächsischen Kurfürstentums formuliert. 3 Friedrich August der Dritte lehnte diese jedoch ab.
2.1.2. Das Verhalten des Sachsenkönigs gegenüber Napoleon Mit dem Ende des vierten Koalitionskrieges und dem Ausscheiden Sachsens aus dem Krieg zwischen Preußen und Frankreich (1806-1807) bahnten sich politisch neue Konstellationen an. Sachsen wurde Verbündeter Frankreichs und durch Napoleon zum Königreich ernannt. Die Krone des neuen, aus den preußischen Landstrichen der zweiten und dritten polnischen Teilung gebildeten, 4 Herzogtums Warschau wurde dem sächsischen König angeboten. Durch die darauf folgende Annahme waren beide Staaten bis zum Wiener Kongress zu mindest formell aneinander gebunden. Im weiteren Verlauf der napoleonischen Kriege war dem König kein Glück beschieden. In der Völkerschlacht bei Leipzig war Sachsen der letzte Verbündete Napoleons auf rechtsrheinischem Gebiet. Weil Friedrich August einen Seitenwechsel zu zaghaft betrieben hatte, war er ein eindeutiger Verlierer und wurde als solcher auch behandelt. Sachsen wurde von russischen Truppen besetzt und der König festgenommen. 5 Auf dem Wiener Kongress stellte sich die
1 Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830, S.164.
2 Vgl. Chronik der Deutschen, Abbildung S.356 und S.426.
3 Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830, S.165.
4 Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830, S.232.
5 Die Literatur bezieht zu einem Seitenwechsel und der Behandlung als Kriegsgefangenen
unterschiedliche Stellungen, wobei die neuere Literatur die sofortige Besetzung Sachsens und die
Festnahme des Königs annimmt. Vgl. Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830,
S.166. oder Klein, Tim: Die Befreiung 1813.1814.1815.S.312 und S.316.
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Situation für Sachsen damit als besetztes Land mit einem russischen Gouverneur dar.
2.1.3. Die Eigentumsverhältnisse in Polen
Mit der Auflösung der Personalunion zwischen dem kurfürstlichen Sachsen und dem Königreich Polen (1763) steuerte das Land in eine ungewisse Zeit. Von den drei Großmächten Russland, Österreich und Preußen umringt, war abzusehen, dass ein ökonomisch schwaches Polen in einer Auseinandersetzung mit einer der drei Großmächte immer unterlegen sein würde. 1772 erfolgte dann auch die Reaktion auf die offensichtliche Schwäche des Nachbarn. In den Verträgen von Petersburg vom 5. August 1772 einigten sich die drei Staaten untereinander auf eine Teilung Polens (erste Teilung). 6 Das verbleibende Restpolen war in den Folgejahren bemüht die inneren Missstände zu überwinden, um aus eigener Kraft vor Interventionen der Nachbarn geschützt zu sein. Doch die Reformansätze konnten nicht verhindern, dass Polen 1793 zum zweiten Mal geteilt wurde (Petersburger Verträge vom 23. Januar). 7 Am 23. Oktober 1795 erfolgte die Teilung der Restgebiete durch Österreich, Preußen und Russland. Polen verschwand damit offiziell von der europäischen Landkarte. Das von Napoleon nach der Niederlage Preußens im vierten Koalitionskrieg 1806/1807 neu gegründete Herzogtum Warschau wurde 1809 durch den Sieg Napoleons über Österreich um die österreichischen Landzuwächse von 1795 erweitert. Dieses etwa 154.000 qkm große Territorium stellte das von den Alliierten besetzte Gebiet in den Befreiungskriegen gegen Napoleon dar und bildete das polnische Verhandlungsobjekt auf dem Wiener Kongress. 8
2.2. Interessen der einzelnen Siegermächte
2.2.1. Ziele Preußens in der Sachsen- und Polenfrage
Preußen hatte während der Koalitionskriege und auch in den napoleonischen Befreiungskriegen mit sehr großer Energie gegen Napoleon agiert. Der preußische Staat verlangte nach einer Kompensation der Kriegsanstrengungen. Diese glaubte man in Sachsen zu finden und weil der sächsische König auf Napoleons Seite in der Völkerschlacht bei Leipzig auftrat, „zog man in Berlin den
6 Vgl. Chronik der Deutschen, S.414.
7 Vgl. Chronik der Deutschen, S.433.
8 Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830, S.232f..
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Schluss, dass das Kriegsrecht die Auflösung des sächsischen Staates erlaube.“ 9 Preußen war bereit im Falle einer Totalannexion von Sachsen auf die polnischen Gebiete aus der zweiten und dritten Teilung weitestgehend zu verzichten. 10 Über die Gründe, warum Preußen auf den größten Teil der alten Besitzungen in Polen verzichten und Sachsen ganz annektieren wollte, geben die Quellen und die Literatur nur bedingt Auskunft. Es ist aber von preußischer Seite die ganze Zeit vor und während des Wiener Kongresses darauf bestanden worden, dass Sachsen ganz annektiert wird. Warum? Betrachtet man dazu die Einwohnerzahlen und anderen Angaben von Michael Erbe, 11 dann gewinnt man den Eindruck, dass Sachsen einer der bedeutendsten Wirtschaftsräume in Mitteleuropa war. Dresden und die Messestadt Leipzig galten und gelten heute noch als wichtige Handelszentren. 12 Es drängt sich daher die Vermutung auf, dass Preußen Sachsen als beachtliches Industriegebiet in seinen eigenen Wirtschaftsraum eingliedern wollte. Preußen war nicht übermäßig dicht besiedelt und es verfügte auch nicht über eine so gut entwickelte Wirtschaft. Diese Annahme würde auch das Festhalten an den preußischen Annexionsplänen logisch erklären. Man kann davon ausgehen, dass auch Mommsen diesen Gedanken zum Ausdruck bringen wollte und dies mit den Worten, „Die preußischen Politiker forderten diese Erwerbung von ganz Sachsen, die das preußische Staatsgebiet vortrefflich abgerundet hätte.“ 13 tat. Denn ein großer Zugewinn nicht-deutscher Bevölkerungsanteile erhöhte die Gefahr innerer Unruhen durch polnische Aufstände, die es schon in den vergangenen Teilungen gab. 14 Die Ethnienvielfalt in Preußen hätte sich durch den Landzuwachs aus dem polnischen Territorium weiter verstärkt und die polnische Bevölkerung wäre in keinster Weise eine Minderheit gewesen. Dies könnte neben den Zugeständnissen an Russland ein Grund für den weitestgehenden Verzicht Preußens auf polnische Gebiete gewertet werden. Ein anderer Grund liegt in den religiösen Differenzen. In Preußen und Sachsen lebten überwiegend protestantische Christen. Die polnische Bevölkerung hingegen war aber eher römisch- katholischen Glaubens. Aber auch Alternativen, wie, „Die möglichen Kompensationen in Form der ehemaligen französischen Provinzen im Rheinland
9 Mommsen, Wilhelm: Die Geschichte des Abendlandes, S.177.
10 Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830, S.166.
11 Vgl. Erbe, Michael: Internationale Beziehungen 1785-1830, S.164.
12 Der Brockhaus in fünfzehn Bänden, Band acht, S.290.
13 Mommsen, Wilhelm: Die Geschichte des Abendlandes, S.177.
14 Vgl. Chronik der Deutschen, S.438.
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