Wie konzipierte sich das Frauenbild zu Zeiten der Franco- Ära?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.4
2. Gesamtüberblick der Situation der Frau von 1939- 1975 S.5
2.1. Grundzüge des Systems Francos S.6
2.2. Beruf und Bildung S.8
2.3. Institution Familie S.13
2.4. Die Kirche und die „Sección Femenina“ S.15
3. Veränderungen nach 1975 S.17
4. Fazit S.19
5. Literaturverzeichnis
3
1. Einleitung
Nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges 1939 und somit dem Sieg der Nationalisten über die Liberalisten, begann in Spanien die bis 1975 andauernde Franco- Ära, eine „Phase der Regression“ 1 , die Spaniens Geschichte nachhaltig prägte. Die Errungenschaften der zweiten Republik, die in Spanien von 1931- 1936 2 herrschte, wurden nahezu komplett durch neue Reformen und Gesetzeseinführungen des Franco- Regimes zunichte gemacht. Zu den Innovationen der zweiten Republik zählten das Vorantreiben und die zögernde aber fortschreitende Adaption des Liberalismus, Kommunismus, der Freimaurerei und des Sozialismus. 3 Die zweite Republik zeigte sich vor allem fortschrittlich in Bezug auf den Zugewinn an Rechten für die Frau. Es wurde eine Zahl von Reformen eingeführt, die bedeutend für die weiblichen Staatsbürger dieser Zeit gewesen sind: Die Wahlstimme der Frau wurde anerkannt, die Zivilehe sowie die Scheidung legalisiert. Außerdem hatten Mann und Frau arbeitsrechtlich annähernd die gleichen Grundlagen und es wurde eine Gesetzgebung eingeführt, die arbeitende Mütter schützte. Symbolisch für die neue Bewegung in Richtung Gleichberechtigung war die Tatsache, dass 1932 elf Frauen in das Spanische Parlament gewählt wurden. Dies konnte als ein großer Erfolg der zuvor stattgefunden politischen Reformen gewertet werden.
Unter der Herrschaft Francos, die bis zu seinem Tod im November 1975 andauerte, wurde sich jedoch bewusst jeglicher Modernisierung entzogen und sich zurück auf traditionelle Werte und Strukturen besonnen. Franco beschrieb es mit der „, Rückkehr zu den ureigensten Elementen des spanischen Wesens’“ 4 . Es wurde schnell klar, dass die Frau nach franquistischen Grundprinzipien als das unterlegene Geschlecht eingeordnet wurde 5 ; dies beschränkte sich nicht nur auf eine internalisierte, nicht gesetzlich festgelegte Ideologie, sondern gipfelte in der Einführung von Gesetzen, die den weiblichen und den männlichen Staatsbürgern unterschiedliche Rechte einräumten. Es gab augenscheinlich abweichende Beurteilungskriterien für Mann und Frau und unangemessenes Verhalten konnte in einer
1 Dreymüller, Cecilia Die Lippen des Mondes. Spanische Lyrikerinnen der Gegenwart, Wilhelmsfeld: Gottfried
Egert Verlag 5 1996, S.6, Z.5
2 Vgl. Bernecker, Walther L. Spanische Geschichte Von der Reconquista bis heute, Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2002, S.150
3 Vgl. Bernecker, Walther L. Spanische Geschichte, S.177
4 Bernecker, Walther L. Spanische Geschichte, S.177, Z.30-31
5 Vgl. Benería, Lourdes Mujer, economía patricarcado durante la España franquista, Barcelona: Anagrama
1977, S.23
4
möglichen Bestrafung durch die unter Franco eingeführten geschlechterspezifischen Gesetzlichkeiten münden. 6 Nachdem ein erster Überblick über die Grundprinzipien des franquistischen Regimes gegeben wird, findet eine Darlegung des Themengebiets Bildung und Beruf statt, welches in dieser Ausarbeitung den Schwerpunkt darstellt. Daraufhin findet sich ein Abschnitt über die Institution Familie, sowie den Einfluss der Kirche und speziell die „Sección Feminina“. Den Schluss bildet ein Fazit des Untersuchungsgegenstandes, in dem außerdem das CEDAW kurz angerissen wird. In dieser Ausarbeitung kann aufgrund des begrenzten Umfanges nur auf die für die weiblichen Staatsbürger relevanten Gesetzeseinführungen oder politischen Reformen eingegangen werden, sicherlich gibt es noch weitere maßgebliche Veränderungen, die aber hier nicht berücksichtigt werden können.
2.Gesamtüberblick der Situation der Frau ab 1939
Mit dem Übergang zum neuen Regime unter Francisco Franco ab 1939 setzte eine Reihe spürbarer Veränderungen ein, die sich auf sämtliche Lebensbereiche der Spanier erstreckten. Für die Frau bedeutete die Zeit der Franco- Ära einen massiven Rückfall zurück zu den ursprünglichsten Werten und Verhaltensmustern, die kaum Spielraum für eine individuelle Entwicklung ließen. Ihr Bewegungsspielraum war hauptsächlich auf ihr eigenes Zuhause beschränkt, ihre Berufstätigkeit wurde auf weniger qualifizierte Arbeitsplätze reduziert, insofern es ihr überhaupt gestattet war zu arbeiten, und sie sollte dem Ehemann gegenüber ehrfürchtig und demütig sein . Der Frau wurde es strengstens empfohlen, sich von nun an nach dem neuen „ideal feminino“ zu richten, das das Leitbild für die spanische Frau darstellte. Die in Deutschland zu der Zeit verbreitete Redewendung „Kinder, Küche, Kirche“ wurde von den Franco- Anhängern adaptiert und an das Spanische angepasst, in dem es dann hieß: „casa, cocina, calceta“. 7 Dieser Leitspruch beinhaltete die drei Aspekte im Leben einer Frau, denen die ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen sollte: Neben dem Großziehen und Hüten der Kinder gehörten das Kochen und der regelmäßige Kirchgang zu den bedeutendsten Tätigkeiten der der Frau. In Federico García Lorcas Drama „Yerma“ wird dieser Tatbestand gut von der Hauptfigur Yerma thematisiert:
6 Vgl. Truxa, Silvia Die Frau im spanischen Roman nach dem Bürgerkrieg, Frankfurt: Verlag Klaus Dieter
Vervuert 1982, S.20-21
7 Vgl. Benería, Lourdes Mujer, economía y patriarcado durante la España franquista, S.24
5
Pero yo no soy tú. Los hombres tienen otra vida: los ganados, los árboles, las conversaciones, y
las mujeres no tenemos más que ésta de la cría y el cuidado de la cría. 8 .
Es wurde von Grund auf davon ausgegangen, dass die biologisch bedingten Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht „bedeutende Auswirkungen auf Intelligenz, Handlungsweise und Gefühlsleben“ 9 hätten. Mitunter strebten Franco und seine Parteimitglieder einen Zustand an, wie in der Zeit vor 1931, also dem Jahr, in dem die zweite Republik ausgerufen wurde. 10 Somit waren die Spanierinnen weiterhin den konservativen Ideen eines Staatsoberhauptes unterworfen und in ihrer Emanzipation fortwährend gehemmt wie zuvor schon durch die Richtlinien des Diktators Miguel Primo de Rivera, der von 1923 bis 1930 Spanien regierte. Die Beweggründe Francos, die ihm ein solch festgefahrenes Ideal einer Frau verschafften, sind zum Teil auf seine Mutter zurückzuführen, die für ihn scheinbar als perfekt galt und sein Frauenbild maßgeblich formte. Sie selbst erfüllte die typischen Rollenklischees und schien sich ihrer Rolle widerstandslos hingegeben zu haben. 11
2.1. Grundzüge des Systems Francos
Das System Francos beruhte auf dem klassischen Katholizismus und gründete weniger auf demokratischen Grundideen als auf eigens eingeführte Grundgesetze, die aber nicht mit einer „kodifizierten Verfassung“ 12 gleichzusetzen waren. Die Diktatur Francos schaffte „gravierende […] ökonomische[…] Ungleichgewichte“ 13 , welche durch die Einführung der von Franco unterstützten Gesetzlichkeiten erst hervorgerufen wurden. Neben den gesetzlichen Einschränkungen herrschte eine noch viel gravierendere Form der Unterdrückung, nämlich der weite Schatten der Angst, der sich während der Franco- Ära über das Land erstreckte. Durch die permanente Furcht waren die Menschen gefügiger, niemand traute mehr seinem Nächsten, das Misstrauen und die Unsicherheit seinen Mitmenschen gegenüber bestimmte den Alltag. Es war ein schleichender Prozess, den Franco durch seine Regierungsweise immer weiter vorantrieb.
8 Benería, Lourdes Mujer, economía y patriarcado durante la España franquista, S.6, Z.21-24, Auszug aus
Federico García Lorca “Yerma”
9 Truxa, Sylvia Die Frau im spanischen Roman nach dem Bürgerkrieg, S.20, Z.35-36
10 Vgl. Dreymüller, Cecilia Die Lippen des Mondes. Spanische Lyrikerinnen der Gegenwart, S.6
11 Vgl. Martín Gaite, Carmen Usos amorosos de la postguerra española, Barcelona: Anagrama 1987, S.18
12 Bernecker, Walther L. Spanische Geschichte, S.178, Z.6
13 Preston, Paul Spanien: Der Kampf um die Demokratie, Rheda- Wiedenbrück: Daedalus- Verlag 1987, S.17,
Z.30-31
6
Ab 1945 trat in Spanien das „Fuero de los Españoles“ in Kraft, welches die Grundrechte der Spanier sicherte, jedoch immer noch den „Grundprinzipien des Staates“ unterlegen war. Anhand dieses Gesetzes sollte eine demokratische Grundlage suggeriert werden um unter Anderem die Lage in Spanien aufgrund der nach dem zweiten Weltkrieg ausgebrochenen Guerillakämpfe zu beruhigen. 14
Franco sah sich zweifellos als einen Missionar und überzeugten Patrioten, der eine bestimmte Vision seines Vaterlandes hatte und diese gemäß seinen Maßstäben verwirklichen wollte. Darunter fiel, dass sein Land einem autoritären System unterstellt war. 15 Im Laufe der knapp 36 Jahre Spaniens unter Franco als Machthaber wurde der Frau praktisch jede rechtliche Grundlage entzogen, die ihr eine „legal abgesicherte Eigenständigkeit“ 16 garantiert hätte. Mit dem Beginn des Franco- Regimes war die Frau wieder der Entscheidungsmacht ihres Mannes unterstellt und ihm rechtlich untergeordnet. Bis zum Jahre 1978 galt in Spanien weit reichend der „Código Civil“ von 1889, dieser entsprach dem von Napoleon eingeführten „Code Civil“ aus dem Jahre 1810. Der Code enteignete die Frauen von nahezu allen bürgerlichen Rechten. Sie war ihrem Ehegatten zum Gehorsam verpflichtet, was nicht nur durch die kirchliche Hochzeit besiegelt wurde, sondern sogar gesetzlich untermauert war. Denn bis zu ihrem 25. Lebensjahr war sie ihrem zugehörigen Vormund oder Vater zum Gehorsam verpflichtet, diese übergaben die Verantwortung nach der Heirat an den Ehemann. 17 Darüber hinaus war es der Frau nur mit Erlaubnis ihres Ehemannes gestattet gerichtlichen Verhandlungen beizuwohnen, Immobilien zu kaufen- oder verkaufen und über eigene Güter zu verfügen. 18 Des Weiteren musste die Frau den Auflagen ihres Mannes Folge leisten und sollte im selben Hause wohnen wie er. Außerdem waren die Zivilehe sowie die Scheidung verboten und die Legalisierung der Abtreibung wurde nach der Einführung in der zweiten Republik wieder rückgängig gemacht. Immerhin erlaubte es der Código Civil der Frau, sich von ihrem Mann zu trennen, falls er sie zur Prostitution bewegen wollte. 19 Im Juli 1961 wurde das „ley de los derechos de la mujer“ eingeführt, dieses Gesetz und eine Reihe weiterer neuer Reformen traten im Jahre 1970
14 Vgl. Bernecker, Walther L. Spanische Geschichte, S.178
15 Vgl. Tamames, Ramón Espejo de España/ España 1931-1975 Una antología histórica, Barcelona: Editorial
Planeta 1980, S.237
16 Dreymüller, Cecilia Die Lippen des Mondes. Spanische Lyrikerinnen der Gegenwart, S.6, Z.12-13
17 Vgl. Dreymüller, Cecilia Die Lippen des Mondes. Spanische Lyrikerinnen der Gegenwart, S.6
18 Vgl. Di Febo, Giuliana Resistencia y movimiento de mujeres en España, S.130
19 Vgl. Di Febo, Giuliana Resistencia y movimiento de mujeres en España, S.136
7
Arbeit zitieren:
Maya Marquardt, 2009, Wie konzipierte sich das Frauenbild zu Zeiten der Franco-Ära?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde: Wie konzipierte sich das Frauenbild zu Zeiten der Franco-Ära? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde: neuer Titel erschienen: Wie konzipierte sich das Frauenbild zu Zeiten der Franco-Ära?
Maya Marquardt hat einen neuen Text hochgeladen
Suche nach Sicherheit in stürmischer Zeit
Tschechen, Slowaken und Deutsc...
Hans Lemberg, Michaela Marek, Benes Zdenek, Dusan Kovac
Oh je, wie doch die Zeit vergeht. Geboren in den 20ern
BDM und Hitlerjugend ... ... d...
Geo Kaef
Interculturele Leerprocessen - Interkulturelles Lernen: Hoe Verandert ...
Dipl -Soz -Wiss Guenter Wiedemann
Essen und Trinken wie in alter Zeit
0 Kommentare