Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Text (Mt. 21,33-46) 4
2.1. Eigene Übersetzung 4
2.2. Textkritik zu Vers 39 und Vers 44 5
3. Einordnung und Gliederung des Textes 7
3.1. Abgrenzung und Kontext 7
3.2. Syntaktische und semantische Analyse (incl. Gliederung) 8
4. Analysen 12
4.1. Analyse des bildspendenden Bereichs 12
4.2. Analyse der intertextuellen Referenzen und Bildfeldtraditionen 14
4.3. Literarkritik 17
4.4. Formgeschichte 18
4.4.1. Gattungsbestimmung 18
4.4.2. Sitz im Leben 19
4.5. Traditionsgeschichte 19
4.6. Historische Rückfrage 20
4.7. Redaktionskritik 20
5. Fazit und homiletische Besinnung 22
6. Literaturverzeichnis 23
6.1. Abkürzungsverzeichnis 23
6.2. Textausgaben und Quellen 23
6.3. Hilfsmittel 23
6.4. Einleitungen, Theologien, Kommentare 23
6.5. Monographien 23
6.6. Aufsätze 24
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1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit untersucht mit Mt. 21,33-46 einen der spannendsten aber auch schwierigsten Texte des Neuen Testaments, der zudem im Verlaufe der Jahrhunderte sehr oft und z.T. auch kontrovers diskutiert worden ist. Nicht selten sah man in ihm gefährliche antijüdische Tendenzen 1 , doch wird sich zeigen, dass das Gleichnis eine Botschaft enthält, die für alle Menschen gleichermaßen galt und gilt (Vgl. 4.7. und 5.). Bei erstmaliger Lektüre drängen sich zudem einige Fragen auf. Wie lassen sich die Metaphern (Weinberg, Weinbergbesitzer, Knechte, Sohn, Pächter, Eckstein, Früchte) deuten? Handelt es sich bei der Parabel um eine Allegorie oder um ein Gleichnis, das vielleicht sogar auf Jesus zurückgeht? Wieso töten die Weingärtner die Knechte des Weinbergbesitzers? Was hat das alttestamentliche Zitat vom Eckstein mit der Parabelerzählung zu tun? Und was wollte Jesus den Hohenpriestern und Pharisäern mit dem Gleichnis deutlich machen? Was kann uns der Text heute sagen?
Um all diese Fragen zu klären, soll die vorliegende Perikope, die in der Lutherbibel mit „Von den bösen Weingärtnern“ 2 überschrieben ist, anhand von synchroner und diachroner Fragestellungen der historisch-kritischen Exegese untersucht werden. Nachdem zunächst eine eigene Übersetzung der Perikope vorgestellt (Vgl. 2.1.), und der textkritische Befund diskutiert wird (Vgl. 2.2.), soll der zu untersuchende Text in den Kontext des gesamten Matthäusevangeliums eingeordnet werden und zudem gegliedert, und syntaktisch wie semantisch untersucht werden (Vgl. 3.). In Kapitel 4.1. wird dann der soziokulturelle Hintergrund des Gleichnisses analysiert um den Realitätsbezug zu prüfen, bevor in 4.2. der Gebrauch von intertextuellen Referenzen und Metaphern untersucht wird. In den Kapiteln 4.3. bis 4.7. werden dann diachronische Methoden an den Text angelegt, um den „Sitz im Leben“ und die Intention des Verfassers näher zu beleuchten. Abschließend wird dann in Kapitel 5 ein Fazit gegeben, in dem auch die Bedeutung der Perikope für uns heute herausgestellt werden soll.
1 Vgl. Schramm/Löwenstein, Unmoralische Helden, 42.
2 Lutherbibel mit revidierter Textfassung von 1984.
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2. Text (Mt. 21,33-46)
2.1. Eigene Übersetzung 33a „Hört ein anderes Gleichnis:
33b Ein Mann war ein Hausherr, welcher einen Weinberg pflanzte, 33c und einen Zaun 3 um ihn setzte, einen Weinkelter in ihm grub, einen Turm baute,
33d und ihn an Weingärtner 4 verpachtete 33e und auf eine Reise ging.
34a Als aber die richtige Zeit der Früchte herbeikam, 34b sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern aus 34c um seine Früchte zu empfangen.
35a Und, nachdem die Weingärtner seine Knechte ergriffen hatten, 35b schlugen sie den einen, töteten den anderen und steinigten den dritten. 36a Wiederum sandte er andere Knechte aus, mehr als beim ersten Mal, 36b und sie taten ihnen ebenso. 37a Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen, 37b während er sagte: „Vor meinem Sohn werden sie kehrtmachen 5 .“ 38a Aber die Weingärtner sprachen zueinander, nachdem sie den Sohn gesehen hatten:
38b „Dieser ist der Erbe. Kommt lasst uns ihn töten und sein Erbe behalten.“, 39a und nachdem sie ihn ergriffen hatten, 39b warfen sie ihn aus dem Weinberg hinaus 39c und töteten ihn. 40 Wenn nun der Herr des Weinberges kommt, was wird er mit jenen Weingärtnern tun?“
41a Sie sagen zu ihm: „Er wird die Bösen selbst übel umbringen 41b und den Weinberg anderen Weingärtnern verpachten, die ihm die Früchte zu ihrer rechten Zeit zurückgeben.“
42a Jesus spricht zu ihnen: „Habt ihr niemals in den Schriften gelesen: 42b „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zu einem Eckstein 6 geworden. Vom Herrn ist dieser geworden und er ist wunderbar in unseren Augen.“?
43a Deswegen sage ich euch, dass das Königreich des Gottes von euch genommen wird
43b und einem Volk gegeben wird, das seine 7 Früchte bringt. 44a Und der, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden. 44b Aber auf den er fällt, den wird er zermalmen.“
45a Und, nachdem die Hohenpriester und Pharisäer das Gleichnis von ihm gehört hatten,
45b erkannten sie, dass er über sie spricht. 46a Und, während sie versuchten ihn zu ergreifen,
46b fürchteten sie die Menschenmenge, da sie ihn für einen Propheten hielt.
3 fragmo, j kann „Mauer“, „Zaun“ oder „Hecke“ heißen.
4 gewrgo, j wörtlich „Bauer“ oder „Geschäftsmann“, in diesem Zusammenhang sicher Weingärtner.
5 ev n&tre, pw auch „respektieren“, „sich fürchten“, „zögern“.
6 kefalh. gwni, aj wörtlich: Haupt der Ecke.
7 auv th/ j bezieht sich auf h` basilei, a, d.h. gemeint sind die Früchte des Königreichs Gottes.
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2.2. Textkritik zu Vers 39 und Vers 44
Anders als die Biblia Hebraica Stuttgartensia, die in Form des Codex Leningradensis den ältesten ganz erhaltenen Text präsentiert, bietet das Novum Testamentum Graecae in der 27. Auflage (NA 27 ) eine Textkollation und liefert damit basierend auf unzähligen Handschriften bereits den Versuch einer Rekonstruktion des wahrscheinlich ursprünglichen Textes. Der kritische Apparat des NA 27 verzeichnet diejenigen Textstellen, zu denen es Varianten in einigen Handschriften gibt. Auch in der vorliegenden Perikope „Die bösen Weingärtner“ gibt es an einigen Stellen Diskussionsbedarf. Zwei davon sollen hier näher untersucht werden.
kai. labo, ntej auv to. n ev xe, balon e; xw tou/ av mpelw/ noj kai. av pe, kteinan V. 39)
Zu Vers 39 verzeichnet der kritische Apparat des NA 27 zwei alternative Lesarten, die jeweils die Ereignisabfolge des „Aus-dem-Weinberg-werfen“ und des „Töten“ vertauschen. Lesart B 8 : kai. labo, ntej auv to. n av pe, kteinan kai. ev xe, balon e; xw tou/ av mpelw/ noj
Lesart C 9 : kai. labo, ntej av pe, kteinan auv to. n kai. ev xe, balon e; xw tou/ av mpelw/ noj
Die beiden Lesarten B und C unterscheiden sich nur durch die Stellung des auv to. n und sind ansonsten identisch. Wie im Parallel-Text Markus 12,1-12 wird hier der Sohn des Hausherrn noch im Weinberg getötet und anschließend aus dem Weinberg geworfen. Man könnte die beiden Varianten, die hauptsächlich durch den westlichen Texttypus bezeugt werden, und der hier, da er nicht mit dem alexandrinischen Texttypus übereinstimmt, einen eher geringeren Textwert besitzt 10 , als Angleichung an Markus verstehen. Die Ereignisabfolge der Lesart A, die auch Lukas 20,9-19 bringt, könnte bereits das Kreuzesgeschehen Jesu reflektieren, der auch außerhalb der Stadt gekreuzigt wurde. 11 Setzt man dies voraus, so wird Lesart A die ursprünglichere gewesen sein, - was auch die äußere Textbezeugung belegt -, da sie für eine nachösterliche Matthäusredaktion spricht (Vgl. 4.3.).
8 Bezeugt durch Majuskel D (Codex Bezae Cantabrigiensis), altlateinische Handschriften, Kirchenvater Lucifer.
9 Bezeugt durch Majuskel Θ, Kirchenvater Irenäus (in armen. Übersetzung).
10 Vgl. Aland, Der Text des Neuen Testaments, 118f.
11 Vgl. Metzger, Textual Commentary on the NT, 47.
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V. 44) 12 Îkai. o` pesw. n ev pi. to. n li, qon tou/ ton sunqlasqh, setai\ ev fV o] n dV a' n pe, sh| likmh, sei auv to, nÅÐ 13
Lesart B 14 : Vers 44 wird ausgelassen!
In einigen Handschriften des westlichen Texttypus, sowie in syrischen Handschriften wird Vers 44 komplett ausgelassen. Das Fehlen des Verses könnte sich dadurch erklären, dass ein Abschreiber versehentlich vom letzten Wort des Verses 43 auv th/ j zum letzten Wort des Verses 44 auv to, n gesprungen ist und so die dazwischen liegenden Wörter ausgelassen hat. 15 Zudem ist es wahrscheinlicher, dass ein Abschreiber etwas weglässt, als dass er etwas dazu dichtet. Auch die äußere Bezeugung für Vers 44 ist außerordentlich gut, sodass nicht von einem lukanischen Einfluss auszugehen ist. 16 Lediglich die Majuskel Θ lässt das einleitende kai weg, was durch einen Abschreibfehler zu erklären ist. In der Forschung ist dieser Vers dennoch nicht unumstritten. So sieht Klauck hier doch einen Einfluss von Lk. 20,18 und plädiert auch aus inhaltlichen Gründen für eine Streichung des Verses. 17 Auffällig ist tatsächlich, dass sowohl Matthäus als auch Lukas diesen Vers bezeugen, Markus allerdings nicht. Diese sogenannten „Minor Agreements“, d.h. kleinere Übereinstimmungen von Matthäus und Lukas gegen Markus, die auch an einigen anderen Stellen im Neuen Testament zu finden sind, lassen sich durch eine Modifikation der Zweiquellentheorie erklären, die davon ausgeht, das Matthäus und Lukas nicht direkt aus Markus geschöpft haben, sondern vielmehr aus einer Überarbeitung des Markusevangeliums, die Deuteromarkus genannt wird. 18 Andreas Ennulat argumentiert auch gegen eine Angleichung an Lk. 20,18 und sieht in der fast wörtlichen Übereinstimmung zwischen Mt. 21,44 und Lk. 20,18 einen Beleg für eine deuteromarkinische Bearbeitungsstufe. 19 Meines Erachtens ist diese Theorie sehr schlüssig und spricht zusammen mit der sehr guten Bezeugung von Mt. 21,44 dafür,
12 Vers 44 wird bezeugt von den Majuskeln א (Codex Sinaiticus), B (Codex Vaticanus), C (Codex Ephraemi Syri rescriptus), L, W, Z, Θ (allerdings ohne das einleitende kai), von den Minuskeln 0102, f 1 und f 13 , vom Mehrheitstext (einschl. byzantinischer Koine), von lateinischen und syrischen Lesarten und einigen koptischen Handschriften.
13 Klammern aus NA 27 übernommen; sie unterstreichen die textkritische Unsicherheit dieses Verses.
14 Vers 44 wird ausgelassen von Majuskel D (Codex Bezae Cantabrigiensis), Minuskel 33, altlatenischen Handschriften, vom Syrus Sinaiticus, Vater Origen, Vater Eusebius von Caesarea.
15 Vgl. Metzger, Textual Commentary on the NT, 47.
16 Vgl. Luz, EKK I/3, 217.
17 Vgl. Klauck, Allegorie und Allegorese, 289f.
18 Vgl. Schnelle, Einleitung in das Neue Testament, 192-195.
19 Vgl. Ennulat, Minor Agreements, 267-269.
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Stefan Prill, 2011, "Die bösen Weingärtner" - Eine Exegese von Matthäus 21,33-46, München, GRIN Verlag GmbH
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