1 Einleitung
Vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit einer linguistischen Analyse des Lehrwerkes English G Band 3, und zwar im Hinblick auf die beiden linguistischen Teilbereiche Semantik und Lexikographie. Untersucht werden sollen vor allem Übungen, die sich der Semantik und der Lexikographie zuordnen lassen, und deren positiven und negativen Aspekte herausgearbeitet werden. Dabei werden diese beiden linguistischen Teilbereiche zunächst erklärt, bevor das Lehrwerk einer genauen Analyse unterzogen wird. Anschließend werden mögliche Übungen zu beiden Teilbereichen vorgestellt und bewertet. Die Übungen, auf die in vorliegender Arbeit verwiesen wird, befinden sich im Anhang ab Seite 16 (in der Reihenfolge in der sie auch im Text genannt werden).
1.1 Definition: Semantik
Semantik meint die Wissenschaft von der Bedeutung der Zeichen, deshalb wird auch oft von 'Bedeutungslehre' gesprochen. 'Bedeutung' meint dabei sowohl die wörtliche als auch die Satzbedeutung. Als Teildisziplin der Linguistik beschäftigt sich die Semantik ausschließlich mit sprachlichen Zeichen und deren Beziehungen unter- und zueinander. Dabei werden diese Beziehungen eingeteilt in Hyponymie, Synonymie, Polysemie, Antonymie. (Aitchison 2001: 60; Lyons 1991: 1)
Nach de Saussure 1 ist das Zeichen eine mentale Einheit, die aus zwei untrennbaren Seiten besteht, nämlich einer Vorstellung beziehungsweise einem Konzept und einem Lautbild. Dabei meint 'Zeichen' einzelne Wörter, Sätze, Phrasen oder Morpheme. Die Wortbedeutung ist erschließbar durch die Beziehung zwischen den beiden Seiten des Zeichens. Der Eigenwert eines Zeichens erschließt sich dabei nur in Abgrenzung zu konkurrierenden Einheiten. (Kastovsky 1982: 18-19; Jackson, Amvela 2000: 55)
1.2 Definition: Lexikographie
Die Lexikographie ist zuständig für das Erstellen von Wörterbüchern, und zwar hauptsächlich auf der Basis von Korpora. Dabei wird unter Berücksichtigung semantischer Gesichtspunkte vor allem mit Definitionen gearbeitet. Jedoch umfasst der Begriff 'Lexikographie' nicht nur das Erstellen von Wörterbüchern, sondern auch deren
1 Der Schweizer Ferdinand de Saussure ist der Begründer der modernen Linguistik. Im Jahre 1916
wurde posthum sein Werk „Cours de linguistique générale“ veröffentlicht, worin er wichtige
Grundlagen zur Sprachbeschreibung beschreibt. (Herbst 2008: 23)
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Analyse hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit. (Herbst 2008: 252) Die Informationen, die zu Wörterbucheinträgen gegeben werden, sind vor allem Informationen zu Aussprache, Schreibung, grammatischer Zugehörigkeit, aber auch Beispielsätze, idiomatische Wendungen und Informationen zu Varietäten werden angegeben - im Bereich der Lernerwörterbücher natürlich vor allem Informationen zum Amerikanischen Englisch neben dem standardmäßig unterrichteten Britischen Englisch. (Herbst, Klotz 2004: 243)
Im Bereich der Lernerwörterbücher gibt es - im Vergleich zu allgemeinen Wörterbüchern - besondere Gesichtspunkte, die es bei der Erstellung dieser Wörterbücher zu beachten gilt. Diese Wörterbücher sind - wie der Name schon sagtfür Lerner konzipiert, also für Personen, welche die Sprache als Fremdsprache erlernt haben und sich deshalb in ihren Bedürfnissen und Ansprüchen hinsichtlich eines Wörterbuches signifikant von denen eines Muttersprachlers unterscheiden. (Herbst, Klotz 2004: 242)
1.3 Aufbaubeschreibung der Hausarbeit
Nachdem nun die beiden im Lehrwerk zu untersuchenden linguistischen Bereiche erklärt wurden, soll als nächstes der bayerische Lehrplan 2 jeweils für beide Teilbereiche zitiert werden. Anschließend wird dann jeweils die Umsetzung des Lehrplans im Lehrwerk untersucht und die Übungen zu beiden Teilbereichen analysiert, wobei besonders auf positive und negative Aspekte eingegangen werden soll. Zunächst wird der Teilbereich Semantik abgehandelt, anschließend der zweite Teilbereich Lexikographie. Abschließend werden mögliche Übungen zu beiden Teilbereichen vorgestellt und deren positive Aspekte begründet. Im Anhang findet sich das Literaturverzeichnis, die in der Hausarbeit genannten Übungen aus dem Lehrwerk als Scan (in der Reihenfolge wie sie im Text genannt werden) sowie die „Wahrheitsgemäße Erklärung“.
2 Übungen aus dem Bereich der Semantik im Lehrwerk
Sucht man im bayerischen Lehrplan für Gymnasien nach Vorgaben zur Semantik, so findet man Folgendes:
2 Für die 7. Jahrgangsstufe des Gymnasiums (G8) mit Englisch als 1. Fremdsprache
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Sprache: Wortschatz und Idiomatik: Die zur Bewältigung der genannten
kommunikativen Aktivitäten und der ausgewiesenen Themenbereiche notwendigen
lexikalischen Einheiten (auch idioms, collocations, phrasal verbs; weitere
grammatische Fachbegriffe) kennen und anwenden.
Idiome sind Typen von Kollokationen, die aus zwei oder mehr Wörtern im Kontext bestehen. Dabei kann man die Bedeutung eines Idioms nicht durch wörtliche Übersetzungen der Einzelkomponenten herausfinden. (Jackson, Amvela 2000: 65) Kollokationen bestehen aus mehreren Wörtern, die zueinander in einer 'meaning relation' (Jackson, Amvela 2000: 113) stehen. Dies bedeutet, dass durch das Auftreten eines Wortes das Auftreten bestimmter anderer Wörter zusammen mit ersterem vorhergesagt werden kann. (Jackson, Amvela 2000: 91-92)
Im Bereich der collocations und idioms bietet das Lehrwerk eine Reihe von Übungen. Beispielsweise findet man im Schülerbuch auf Seite 27 eine Übung (exercise 13), bei der die Schüler Wortfelder aus dem Lektionstext herausarbeiten und diese in Gruppen ordnen sollen. Die Übung ist eine Focus on words-Übung und fordert den Schüler auf, alle Wörter zum Thema 'city' auf angegebenen Seiten herauszusuchen - als Beispiele werden angegeben: „transport: take the underground, get off the bus,…; buildings: visit a cathedral…”. Allerdings ist hinter dieser Übung kein Sinn erkennbar, was auch die Schüler erkennen könnten und diese Übung deshalb als demotivierend empfinden können.
Desweiteren findet sich eine Übung auf Seite 29 (exercise 2), bei der man zu vorgegebenen places in town - beispielsweise „At the railwaystation“ - jeweils vier Sätze bilden muss. Als Beispielsätze für „At the railwaystation“ sind gegeben: “Tickets are bought. Information is given. Friends are met.” Die Übung lässt sich einordnen als Training zum Paraphrasieren beziehungsweise Definieren. Hier können die Schüler durch Bildung einfachster Sätze bereits gelerntes Vokabular reaktivieren. Vor allem schwache Schüler profitieren von dieser Übung, denn sie dürften dadurch nicht überfordert sein und es können leicht Erfolgserlebnisse bei diesen erzielt werden. Darüberhinaus ist diese Übung motivierend, da die Schüler bei den Sätzen kreativ sein und ihrer Phantasie freien Lauf lassen können.
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Auf Seite 32 findet sich eine Word link-Übung (exercise 13). Darin geht es um Kollokationen, welche die Schüler bilden müssen. Zu Schwierigkeiten könnte es bei dieser Übung in Zusammenhang mit 'breakfast' kommen: die Kollokation mit 'breakfast' wäre zwar 'have breakfast', aber eine andere mögliche Lösung wäre auch 'get breakfast', so dass die Schüler durch die vorgegebenen Kollokationsgruppen verunsichert beziehungsweise verwirrt sein könnten. Der positive Aspekt an dieser Übung ist vor allem, dass die Schüler in einer weiterführenden Aufgabe dazu aufgefordert werden, mit den gebildeten Kollokationen eine Kurzgeschichte zu schreiben: „Now use one phrase from each group and write a short story.“ Dies ist ein guter Anschluss an die Aufgabe, denn durch die direkte Anwendung merkt sich der Schüler sicherlich zumindest einige der Kollokationen dauerhaft.
Auf Seite 86 des Schülerbuches werden die Schüler durch exercise 3 dazu angeregt, ein Wortnetz zu „Inuit traditions“ zu bilden in Bezug auf den dazugehörigen Lektionstext. Hierbei lernen die Schüler, aus einem Text zusammengehörende Informationen herauszuarbeiten. Optimalerweise sollte noch eine weiterführende Aufgabe zum Wortnetz gegeben werden - beispielsweise ein Guided Writing - damit die Schüler den Sinn hinter dieser Übung sehen und lernen, sich derart erarbeitete Wortnetze zunutze zu machen.
Eine weitere Übungen zu Kollokationen findet sich im Workbook auf Seite 23 (exercise 11). Hier sollen die Schüler Substantive zu fünf vorgegebenen Verben - make, do, get, go und become - zuordnen. Den Schülern soll durch diese Übung der Bedeutungsunterschied der zwischen einzelnen Verben bewusst gemacht werden - zum Beispiel make vs. do; get vs. become. Wünschenswert wäre hier eine anschließende Aufgabe, in der die Schüler die Kollokationen direkt anwenden können, um diese zu verinnerlichen beziehungsweise nicht im leeren Raum stehen zu lassen. Weiterhin findet sich in Bezug auf Semantik folgende Anforderung im Lehrplan:
Lernstrategien und Methoden selbständigen Arbeitens: Wortschatz durch
Möglichkeiten der Vernetzung reaktivieren bzw. vertiefen.
Dies wird im Lehrwerk durch verschiedenste Übungen umgesetzt. Beispielsweise findet
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sich auf Seite 62 des Schülerbuches eine Übung, welche den Schüler auffordert, ein Netzwerk zum Thema „Florida“ zu erstellen, welches in der Lektion ausführlich behandelt wurde. Die Übung ist gut durchdacht, denn im Anschluss werden die Schüler aufgefordert, mithilfe des Netzwerkes ihrem Banknachbarn etwas über Florida zu erzählen. Die Schüler dürfen zwar das Netzwerk verwenden, werden aber sicherlich versuchen, frei zu reden und deshalb optimalerweise nicht „am Blatt kleben“; vor allem stärkere Schüler können sich hier austoben, die schwächeren können sich eher an ihren Notizen festhalten und fühlen sich deshalb sicher. Diese Übung macht den Schülern den Sinn hinter einer solchen Übung - ein Netzwerk zu einem bestimmten Thema erstellen - deutlich, denn das Netzwerk wird direkt angewendet.
2.1 Homonymie
Ein weiteres Phänomen der Semantik ist die Homonymie. Dies meint die Situation, in der es zwei oder mehr Wörter mit der gleichen Form gibt. Auch wenn sie die gleiche Form haben, so werden sie als unterschiedliche Lexeme gesehen, vor allem weil sie unterschiedliche Bedeutungen haben, die nicht in Beziehung zueinander stehen. (Jackson, Amvela 2000: 61)
Dieser semantische Teilbereich findet keine Umsetzung im Lehrwerk. Im Gegenteil, es fehlen sogar Hinweise, wo dies hilfreich wäre. Beispielsweise werden zur Vokabel 'right' nur die Bedeutungen 'direkt, genau' angegeben. Es findet sich keinerlei Hinweis darauf, dass 'right' auch die Bedeutungen 'rechts' und 'richtig' umfasst. Zwar kann hier argumentiert werden, dass die beiden letzteren Bedeutungen von 'right' bereits in vorhergehenden Jahrgangsstufen eingeführt wurden. Jedoch wäre ein Hinweis auf die weiteren Bedeutungen sicherlich eine große Hilfe für schwache Schüler zur Wiederholung.
Der gleiche Fall liegt vor für 'to run', welches auf Seite 147 des Schülerbuches lediglich mit den Bedeutungen 'etwas leiten, durchführen' angegeben wird. Auf die Bedeutung 'rennen' wird nicht eingegangen, weil auch dies bereits zu einem früheren Zeitpunkt eingeführt wurde. Ein schwacher Schüler wäre jedoch hier für eine Wiederholung dankbar.
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2.2 Synonymie
Auch die Synonymie gehört zur Semantik. Zwei Wörter stehen in synonymer Beziehung zueinander, wenn ihre Bedeutungen gleich sind. (Jackson, Amvela 2000: 92) Im Schülerbuch finden sich dazu Übungen zum Beispiel auf Seite 48 (exercise 13). Hier sollen die Schüler in einem Text markierte Wörter durch Synonyme ersetzen. Eine weitere Übung findet sich im Schülerbuch auf Seite 67 (exercise 13). In einem Brief taucht in jedem Satz das Wort 'nice' auf, das durch gleichbedeutende Wörter ersetzt werden soll. Bei dieser Übung wird den Schülern die Bedeutung von Synonymen vor Augen geführt indem sie einen Brief präsentiert bekommen, der durch die ausschließliche Benutzung von 'nice' zur Beschreibung langweilig und eintönig wirkt. Dieses Bewusstmachen kommt den Schülern bei Guided Writing-Aufgaben zugute, denn die meisten von ihnen werden dann darauf achten, möglichst unterschiedliche Vokabeln zu verwenden.
2.3 Antonymie
Antonymie meint Gegensätzlichkeit. Ein Wort steht in antonymer Beziehung zu einem anderen, wenn es genau das Gegenteil bedeutet beziehungsweise ausdrückt. (Jackson, Amvela 2000: 98)
Im Buch findet sich dazu lediglich eine Übung. Nichtsdestotrotz ist diese Übung ideal, um Wortschatz zu reaktivieren. Darüberhinaus wirkt die Übung durch ihren Wettbewerbscharakter sehr motivierend (vor allem in dieser Jahrgangsstufe). Die Übung findet sich im Schülerbuch auf Seite 110 (exercise 4) und fordert den Schüler auf, Wortpaare zu finden, wobei als Beispiele neben Singular- und Pluralformen vor allem Gegensatzpaare zu finden sind. Die Übung ist sehr offen gestellt und wirkt auch dadurch motivierend, weil der Schüler sein eigenes Vokabular reaktivieren kann und dadurch großen Spielraum hat; der schwache Schüler wird nicht bereits dadurch frustriert, dass Wörter vorgegeben sind, von denen er eventuell einen Teil selbst nicht kennt, und kann somit auch Erfolgserlebnisse erzielen.
Andere Übungen finden sich dazu, wie bereits erwähnt, leider nicht im Schülerbuch, was ein großes Manko dieses Lehrwerkes darstellt. Lediglich im Vokabelteil werden zu einigen Wörtern deren opposites als Lernhilfe angegeben.
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Arbeit zitieren:
Manuela Schütz, 2011, Analyse semantischer und lexikographischer Aspekte im Lehrwerk, München, GRIN Verlag GmbH
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