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Gliederung
1 Einleitung 3
2 Inhaltliche Abgrenzung eines möglichen Holocaust-Lehrstückes 4
3 Erfüllt das Thema die inhaltlichen Anforderungen eines Lehrstückes? 6
4 Einblick - aktuelle Thesen der Geschichtsdidaktik zum Thema Holocaust 9
4.1. Von Holocaust-Didaktikern erkannte Probleme. 9
4.2. Lösungsvorschläge der Didaktik 13
5 Lehrkunstdidaktik als Geschichtsdidaktik zum Holocaust - Analyse. 15
6. Fazit 19
7 Literaturverzeichnis 20
7.1. Aufsätze 20
7.2. Monographien und Sammelbände 20
7.3. Internet-Recherche 20
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Einleitung
Von ihren geistigen Vätern wird die Lehrkunstdidaktik als eine „spezielle Didaktik“ beschrieben, welche sich auf die „Kunst des Lehrens“ beziehe: Eine „anspruchsvolle Gestaltung von Lehraufgaben und Lernsituationen“. 1 In der Tat: Im Zentrum stehen keine „(…) Formeln, Formulierungen und Formalitäten (…)“ 2 , nach welchen sich Unterricht wie ein Schachspiel planen ließe- sozusagen nach einem „Schema F“. Gegen derartige Didaktik wandte man sich ausdrücklich 3 . Mittelpunkt der Lehrkunstdidaktik bilden stattdessen die so bezeichneten „Lehrstücke“. Sie sind (meist in so genannten „Lehrkunstwerkstätten“ 4 ) konkret ausgearbeitete, mitunter fächerübergreifende Unterrichtseinheiten- zusammengefasst in einem Projekt.
Dementsprechend ist jedes Lehrstück eine Art „Unikat“ und speziell gestaltet für ein bestimmtes Thema in einer bestimmten Jahrgangsstufe. In aller Regel hebt es sich durch seine besondere Gestaltung vom „normalen“ Schulalltag ab 5 .
Natürlich birgt dies neben einer ganzen Reihe von Vorteilen auch entscheidende Nachteile: Für jedes noch nicht behandelte Thema muss erst geprüft werden, ob es sich überhaupt für ein Lehrstück eignet. Ist dies der Fall, beginnt die eigentliche Arbeit: Das Stück muss konzipiert und im Unterricht getestet werden- was einen enormen Zeitaufwand bedeutet und es unmöglich macht, die Lehrkunstdidaktik als vollständigen Alternativweg zu herkömmlichen Unterrichtsmodellen zu sehen. Ein Anspruch, den Berg und Schulze- ihre wichtigsten Theoretiker- aber auch gar nicht erst erheben. Nichtsdestotrotz bietet die Lehrkunstdidaktik sowohl einen originären Ansatz 6 , der nicht dem Alltag des Unterrichts entspricht, als auch die Möglichkeit, trotz ihres Projektcharakters von einer engagierten Lehrkraft in der Regel ohne größeres Budget
1 Vgl. BERG, Hans Christoph: Lehrkunstdidaktik - Entwurf und Exempel einer konkreten
Inhaltsdidaktik. Auf: http://www.sowi-online.de/journal/2004-1/lehrkunst_berg.htm, Stand: 07.11.2009.
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. ebd.
4 Diese Werkstätten und die dabei geltenden Regeln erläutert Berg u.a. in: BERG, Hans Christoph /
SCHULZE, Theodor: Lehrkunst. Lehrbuch der Didaktik. Neuwied 1995, S.32-34.
5 Vgl. BERG: Lehrkunstdidaktik - Entwurf und Exempel (…).
6 Klafki hierzu: „Für mich steht heute außer Zweifel, dass die Lehrkunst-Konzeption ein originärer
Ansatz der zeitgenössischen Didaktik ist.“, zitiert nach: KLAFKI, Wolfgang: Exempel hochqualifizierter
Unterrichtskultur. In: BERG, Hans Christoph / SCHULZE, Theodor: Lehrkunstwerkstatt I. Neuwied
1995. S.13-35, davon S.14.
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durchgeführt werden zu können. Sie ist daher kein utopisches Konzept, welches nur an wenigen Projektschulen realisierbar wäre.
Aufgrund dieser Punkte sowie der überwiegend positiven Rezension der Lehrkunstdidaktik 7 möchte diese Arbeit prüfen, inwieweit sich deren Ideen heranziehen lassen für ein besonders schwieriges und in der Geschichtsdidaktik viel diskutiertes Thema: Die Darstellung des Holocaust im Geschichtsunterricht.
Hierzu wird in mehreren Schritten vorgegangen. In einem ersten Arbeitsgang steht eine genaue inhaltliche Abgrenzung des Themas (verbunden mit einem Blick auf den Lehrplan), was Voraussetzung für alle weitere Arbeit sein muss. In Anschluss daran erfolgen methodische Überlegungen: Eignet sich die schwierige Materie inhaltlich überhaupt zu einer Darstellung in einem Lehrstück? Außerdem: Was ist der aktuelle Forschungsstand der Geschichtsdidaktik zum Holocaust, welche Schwierigkeiten erkennt sie? Ausgehend von diesen Erkenntnissen will die Arbeit in einem letzten Schritt prüfen, inwieweit sich solch aktuelle, fachspezifische Forschung mit der Theorie der Lehrkunstdidaktik vereinbaren lässt, wo die Chancen eines Lehrstückes zu diesem Thema liegen, aber auch mögliche Grenzen aufzeigen. Abschließend findet sich eine Zusammenfassung der gewonnenen Resultate.
1 . Inhaltliche Abgrenzung eines möglichen Holocaust-Lehrstückes
Zuerst also eine inhaltliche Festlegung und Abgrenzung für ein mögliches Lehrstück. Als Voraussetzung für ein derartiges Projekt lege ich das Folgende fest: Die Schüler/innen sollen bereits in das Thema Nationalsozialismus eingeführt sein, also z.B. in Machtergreifung, Partei, Führermythos. Erwartet wird zumindest ein Basiswissen über die Vorgeschichte der Weimarer Republik und die Strukturen der NS-Herrschaft.
Wichtigster inhaltlicher Punkt dieses Projekts sollte, wie schon erwähnt, das nicht ganz einfach zu vermittelnde Thema „Holocaust“ sein. Hierzu ein Blick in den Lehrplan Geschichte der bayrischen Gymnasien (nach G8) 8 : Dieser sieht für die neunte Jahrgangsstufe das Thema „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ als wichtigen Punkt an, der auf etwa ein Drittel aller Unterrichtseinheiten des Schuljahres festgelegt
7 Vgl. z.B. das Zitat Klafkis, vorangehende Fußnote (6).
8 Vgl.: Ebene drei des bayerischen Lehrplans für Gymnasien - Jahrgangsstufen-Lehrplan im Fach
Geschichte für neunte Klassen (G8). Auf: http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/
g8.de/index.php?StoryID=26228&PHPSESSID=c626de4c0fad86f9cd88ee527fe56f1d, Stand:
07.11.2009.
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wird (siebzehn Stunden). Dabei nehmen „die Ideologie des Nationalsozialismus mit ‚Rassenlehre’, Antisemitismus und ‚Führergedanke’“, „Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der Juden sowie weiterer Bevölkerungsgruppen“ ganz zentrale Punkte ein 9 .
Ich bin der Ansicht, dass sich das Thema „Holocaust“ für ein Lehrstück sehr gut mit unmittelbar verwandten Themen zu einem einheitlichen Block ergänzen ließe, ohne dabei dessen Qualität und inhaltliche Abgeschlossenheit zu gefährden. Ein in seiner Thematik vollständiges und homogenes Lehrstück würde ich am ehesten mit dem Titel „Das Menschenbild des Nationalsozialismus“ versehen, was neben der systematischen Vernichtung Million europäischer Juden während des Holocaust auch die schrecklichen Vorgänge um Euthanasie und Verfolgung politischer Gegner im NS-Regime mit einschlösse. Aber auch die Rolle der deutschen Bevölkerung, deren Gleichschaltung und die Bedeutungslosigkeit des Individuums in der NS-Diktatur sollten unter diesem Projekttitel Erwähnung finden. Hiermit wären auch- ganz nebenbei- weitere Punkte des Lehrplans abgedeckt.
Mit dieser inhaltlichen Wahl ginge ein Projekt nicht nur mit dem Fachlehrplan Geschichte konform. Mindestens genauso bedeutend wäre der Dienst, den es für Ebene eins des Lehrplans leisten könnte: Die grundsätzlichen Ziele des Gymnasiums. Hier wird gefordert, ein „kulturelles, ethisch-religiöses und ökonomisches Wissens- und Wertefundament“ zu schaffen, „den Kindern und Jugendlichen ihre Verantwortung für sich selbst und für andere bewusstzumachen“, Respekt gegenüber den Mitmenschen, usw. 10 Kaum ein Thema kann hierzu so viel leisten wie eine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit dem Thema „Menschenbild der NS-Zeit“.
Für ein Projekt hieße das, das inhaltlich oberste Ziel nicht etwa z.B. im korrekten Erlernen der ereignisgeschichtlichen Vorgänge auszumachen. Primärziele müssten vielmehr sein: Eine tiefgehende Erkenntnis der Schüler/innen hinsichtlich der Verwerflichkeit rassistischer und menschenverachtender Ideologien; daneben: die Verantwortung, die jedem einzelnen Menschen zu Teil wird, solche Systeme zu verhindern/sich dagegen aufzulehnen (das englische Stichwort lautet: „one can make a
9 Vgl. ebd., Absatz G 9.2: „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg (ca.17 Std.)“.
10 Zitiert nach: Ebene 1 des bayerischen Lehrplans für Gymnasien, Punkt 1.1: „Profil und Anspruch des
bayerischen Gymnasiums“, Absatz (5): „Verantwortung“. Auf: http://www.isb-gym8-
lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26350, Stand: 07.11.2009.
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difference“) 11 , oder aus dem Lehrplan zitiert: das „Bewusstsein von der Gefährdung der Demokratie durch extremistische Kräfte; Bereitschaft zum persönlichen Engagement für unsere freiheitlich-demokratische Wertordnung“ 12 .
2 . Erfüllt das Thema die inhaltlichen Anforderungen eines Lehrstückes?
Der Gegenstand für ein Projekt wäre hiermit abgesteckt; es soll nun betrachtet werden, inwieweit die Lehrkunstdidaktik ihrer Theorie nach überhaupt ein Lehrstück „Menschenbild im Nationalsozialismus“ zulässt. Konkreter formuliert: Gibt es Kriterien, nach denen die Stoffe der Lehrstücke ausgewählt werden? Falls ja- erfüllt das anvisierte Themengebiet diese Kriterien?
Konzentrieren werde ich mich dabei auf gut überprüfbare Punkte der Lehrkunstdidaktik-Theorie, wie z.B. eine von Berg erarbeitete Acht-Punkte-Liste 13 , wobei ein jeder Punkt wesentlicher Bestandteil von Lehrstücken sein soll.
Bereits ein erstes Überfliegen dieser „Quintessenz“ eines jeden Lehrstückes macht deutlich: Die Liste liefert vor allem Anweisungen für die methodische Konzeption, also die Verarbeitung des Inhalts, nicht für den Inhalt selbst. Was diesen betrifft, gibt es nur wenige Richtlinien: So nennt Berg unter Punkt (2) (= „Konzentration auf die Gestaltung von Lehrstücken“) 14 lediglich, dass man nicht beliebige Unterrichtsinhalte wählen sollte, sondern komplexe und in sich zusammenhängende Lehraufgaben. Diese seien durch eine zentrale Thematik bestimmt und ermöglichten/erforderten eine zusammenhängende Gestaltung- eine Voraussetzung, welche das anvisierte Projekt spielend liefern kann (siehe „Inhaltliche Abgrenzung“).
Das viel bedeutendere, eigentlich einzig wirkliche Kriterium, was die inhaltliche Auswahl eines Lehrstückes betrifft, liefert Punkt (3) der Liste Bergs: Das „Prinzip der exemplarischen Inhalte“ 15 . Wie wichtig das „Exemplarische“ für die Lehrkunstdidaktik ist, zeigt, dass deren Theorie oftmals zusammengefasst wird unter „exemplarisch: genetisch - dramaturgisch“. „Exemplarisch“ der Inhalt, „genetisch-dramaturgisch“ die
11 Vgl. HEYL, Matthias / MARONDE-HEYL, Margit: Materialien zur Unterrichtseinheit „Die
Gesellschaft des Holocaust“. Forschungs- und Arbeitsstelle „Erziehung nach/über Auschwitz“, Hamburg
1999. Auf: http://www.fasena.de/download/material/GdH.pdf, Stand: 07.11.2009.
12 Vgl. Ebene 3 des bayerischen Lehrplans für Gymnasien - Jahrgangsstufen-Lehrplan im Fach
Geschichte für neunte Klassen (G8), Absatz „Grundwissen“.
13 Vgl. BERG: Lehrkunstdidaktik - Entwurf und Exempel (…).
14 Vgl. ebd.
15 Vgl. ebd.
Arbeit zitieren:
2009, Das Thema „Holocaust“ als Lehrstück im Sinne der Lehrkunstdidaktik? , München, GRIN Verlag GmbH
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