2
INHALTSVERZEICHNIS
1 V o r s t e l l u n g d e s S k a n d a l 4
1.1. Biographie Kuni Tremel-Eggerts 4
1.2. Der Skandal 5
2 G r u n d s ä t z l i c h e E i g n u n g d e s P r o j e k t 6
3 D i d a k t i s c h e s „ P o t e n t i a l “ d e s a n v i s i e r t e n P r o j e k t 8
3.1. Identitätsbewusstsein 9
3.2. Moralisches Bewusstsein 11
3.3. Ergänzung: Bewusstsein für Multiperspektivität 12
4 E i n o r d n u n g d e s P r o j e k t s i n e i n e K l a s s e n - / A l t e r s s t u f e 1 3
5 P r ä s e n t a t i o n s f o r m e n 1 4
6 F a z i t 1 6
7 L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s 1 7
7.1. Quellen 17
7.2. Aufsätze und Zeitschriftenaufsätze 17
7.3. Zeitungs- und Zeitschriftenartikel 17
7.4. Internetseiten 17
7.5. Sammelbände und Monographien 18
3
Einleitung
Die vorliegende Arbeit stellt die Ehrung der fränkischen Heimat-Schriftstellerin Kuni Tremel-Eggert (1889-1954) aus dem Jahr 2007 als mögliches Thema für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten im Schuljahr 2010/11 unter dem Titel Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte vor.
Nach einer kurzen Biographie Tremel-Eggerts sowie einer Vorstellung des Skandals unter Einbezug einer Begriffsdefinition soll die grundsätzliche Eignung des potentiellen Projekts für den Bundeswettbewerb geprüft werden.
Neben einer Betrachtung grundsätzlicher Kriterien zur Themenwahl (wie etwa der Quellensituation) soll das Hauptaugenmerk dabei auf die Frage gerichtet sein, welch didaktisches „Potential“ das anvisierte Projekt birgt, soll heißen, inwieweit das Projekt zu einem reflektierteren Geschichtsbewusstsein der Schüler/-innen beitragen kann. Hierzu soll mit den verschiedenen Dimensionen von Geschichtsbewusstsein nach PANDEL gearbeitet werden. 1
In einem letzten Schritt soll begründet werden, warum die vorliegende Arbeit das potentielle Projekt vor allem in die gymnasiale Oberstufe verordnet. Darüber hinaus soll eine Empfehlung hinsichtlich der Präsentationsform des Projekts erfolgen.
1 PANDEL, Hans-Jürgen: Dimensionen des Geschichtsbewusstseins. Ein Versuch, seine Struktur für Empirie und Pragmatik diskutierbar zu machen, in: Geschichtsdidaktik, Jg. 12 (1987), S. 130-142., abgerufen von:
http://www.sowi-online.de/reader/historisch-politisch/pandel_dimensionen.htm, eingesehen am 20.11.2010.
4
1 . Vorstellung des Skandals
1.1. Biographie Kuni Tremel-Eggerts
Kuni Tremel-Eggert, die 59jährige Bauerntochter aus Franken und Verfasserin von „Barb,
Roman einer deutschen Frau“ wurde in München als Mitläuferin eingestuft und muß 2000
Mark Sühne zahlen. Man hatte ihr vorgeworfen, als Spitzenautorin des Eher-Verlages
Aktivistin gewesen zu sein. Frau Eggert beteuerte ihre Harmlosigkeit. Zeugen stimmten ihr bei,
so daß die Kammer zu dem Schluß kam: „die Eggert war nur ein schwaches Weib.“ 2
Mehr als diese kurze Schlagzeile waren dem Spiegel 1948 die Vorgänge rund um den Entnazifizierungprozess der Heimat-Schriftstellerin Kuni Tremel-Eggert nicht wert. Das kann kaum verwundern - der künstlerische Wert ihres Schaffens ist mehr als fragwürdig. Als rührselig-verklärend werden ihre (frühen) Erzählungen und Romane beurteilt, als Schilderungen eines kleinbürgerlich-bodenständige[n] Milieu[s] proto-Ausprägung. 3 nationalsozialistischer Von der Weimarer Republik zum
Nationalsozialismus erfolgte ihre Entwicklung von faschistoider Heimatdichtung zur NS-Propagandaliteratur. 4 Zitate wie das folgende - ihrem Roman Freund Sansibar entnommen - machen das verständlich: das Judentum sei […] eine Eiterbeule im Volkskörper, aus der quillt alles Unglück, alles Elend, aller Jammer, Not und Krieg. 5 Derlei antisemitische Hetze findet sich gerade in ihren letzten Romanen vor 1945 zu Hauf; sie machen Tremel-Eggert zu einem der unzähligen Schreibtischtäter des sog. Dritten Reiches - sogar noch zu einer viel gelesenen: Allein die gewaltige Auflage ihres Romans Barb von - je nach Quelle 750.000 bis 1.000.000 Exemplaren - macht Tremel-Eggert zu der erfolgreichsten Autorin nationalsozialistischer Zeit, wenn nicht gar zu einer der erfolgreichsten deutschen Autorinnen überhaupt. 6
Nach dem Kriegsende belegten die Alliierten Tremel-Eggert in allen vier Besatzungszonen mit Schreibverbot. Dies bedeutete das Ende ihres bis dato erfolgreichen Autorendaseins. In der lokalen Erinnerung indes blieb sie vorerst präsent; 1958, nur ein Jahr nach ihrem Tod, benannten die Bürger ihres Heimatortes Burgkunstadt eine Straße
2 Personalien. Kuni Tremel-Eggert, in: Der Spiegel (13/1948) vom 27.03.1948, S. 21.
3 HILLESHEIM, Jürgen; MICHAEL, Elisabeth: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. Biographien - Analysen
- Bibliographien, Würzburg 1993, S. 435.
4 Ebd., S. 435.
5 TREMEL-EGGERT, Kuni: Sansibar. Roman aus unseren Tagen, München 1938.
6 Die Lieblingsbücher der Deutschen im Dritten Reich, unter: http://www.welt.de/kultur/article9090884/
Die-Lieblingsbuecher-der-Deutschen-im-Dritten-Reich.html, eingesehen am 20.11.2010.
5
nach der Schriftstellerin, die den Ort mehrfach zum Schauplatz ihres Schreibens gemacht hatte.
1.2. Der Skandal
In der Folgezeit wurde es still um Tremel-Eggert. Erst ihr 50. Todestag im Jahr 2007 beförderte sie wieder in das Licht der Öffentlichkeit; die damit verbundenen Vorgänge brachten einen Skandal, den die vorliegende Arbeit exemplarisch als mögliches Thema für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten im Schuljahr 2010/11 vorstellen möchte.
Unter dem Aufruf des amtierenden Bürgermeisters von Burgkunstadt, Heinz Petterich, sowie dem selbsternannten Heimatforscher Richard Kerling veranstaltete die oberfränkische Stadt eine Gedenkfeier anlässlich Tremel-Eggerts; die Lokalzeitung Fränkischer Tag Obermain berichtete von dem Ereignis u.a. wie folgt:
Dabei [bei der Gedenkfeier] mussten Schulkinder ein Gedicht der Hetzerin vortragen.
„Heimatforscher“ Richard Kerling hielt einen erbaulichen Festvortrag, in dem er sich
allenfalls lau von der Judenhetze der „Geehrten“ distanzierte. Anschließend wurde auch noch
eine Ausstellung über ihr „Leben und Werk“ eröffnet. 7
Diese nachträgliche Ehrung einer - wenigstens in den 1940er Jahren - offenkundigen NS-Propagandistin brachte erwartungsgemäß einiges Entsetzen (so etwa von Seiten des Heimatforschers Josef Motschmann 8 ) und großes, auch überregionales Medieninteresse; u.a. der Spiegel berichtete. 9 Auch angesichts dieser Entwicklung rückten Petterich und Kerling jedoch nicht von der Ehrung ab: Man stehe nach wie vor zu der Heimatdichterin 10 ; gerade Tremel-Eggerts Frühwerk sei eine wertvolle Quelle für die lokale Alltags- und Mentalitätsgeschichtsschreibung 11 und besitze auch ungeachtet späterer Verfehlungen der Autorin an Wert. Problematisch sei lediglich […] die Maßlosigkeit sensationsorientierter Vorwürfe […].
7 Nicht bereit zur Distanzierung, in: Fränkischer Tag Obermain vom 20.04.2007, S. 12.
8 Heimatdichterin betrieb antisemitische Hetze. Brisanz. Josef Motschmann geht auf Distanz zur heutigen
Veranstaltung zu Ehren Kuni Tremel-Eggerts und erklärt seine Beweggründe, in: Fränkischer Tag Obermain
vom 14.04.2007, S. 14.
9 Braune Poetin, in: Der Spiegel (18/2007) vom 30.04.2007, S. 165.
10 „Kein entschuldigender Urteilssatz“. Gedenkfeier-Referent Richard Kerling aus Burgkunstadt nimmt zur
Kritik an der Veranstaltung zu Ehren Kuni Tremel-Eggerts Stellung, in: Fränkischer Tag Obermain vom
20.04.2007, S.12.
11 Ebd.
Arbeit zitieren:
2010, Der Skandal um die Ehrung Kuni Tremel-Eggerts, München, GRIN Verlag GmbH
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