2
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Allgemeine Konzepte der Armutsmessung 5
III. Armutsmessung in den USA 6
1. Ursprung und Entwicklung der US-amerikanischen Meßmethode 6
2. Kritische Betrachtung 8
Empirischer Verlauf von Armut in den USA 12
1. Die Empirie der Armut vor 1960 12
2. Die Empirie derArmut von 1959 bis 1997 13
3. Zusammenfassung 14
IV. Struktur von Armut in den USA 16
1. Armut im Hinblick auf die geographische Struktur und die
Bev ölkerungsstruktur 16
2. Zusammenfassung 17
V. Ergebnisse und Schlußbemerkung 18
Literaturverzeichnis 21
3
I. Einleitung
In vielen wissenschaftlichen Quellen zum Thema Armut stößt man immer wieder auf die Fragestellung, wie sich Armut am besten definieren und messen läßt 1 . 1998 erhielt der indische Ökonom und Philosoph Amartya K. Sen für seine Beiträge zur Wohlfahrtsökonomik und Armutsforschung den Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften. Auch er befaßte sich mit dem Problem der Armutsmessung 2 .
Diese Arbeit hat die Konzeption der Armutsmessung in den USA zum Inhalt. Darüber hinaus soll die Struktur und der empirische Verlauf von Armut in den USA seit dem 2. Weltkrieg untersucht werden. In Kapitel II und III sollen im besonderen folgende Leitfragen verfolgt werden:
Wie definiert man Armut am besten und ist Armut überhaupt meßbar? Wie paßt das Konzept der amtlichen Armutsmessung der USA in dieses Bild? Ist dieses Konzept plausibel und sinnvoll?
Ist die Definition der Armutsschwelle (poverty line) 3 in den USA plausibel?
In Kapitel IV wird mittels ausgewählter Zeitreihen die Entwicklung in den USA analysiert. Dies geschieht insbesondere anhand der offiziellen amerikanischen Armutsstatistik des Bureau of Census 4 . Dabei finden auch selbst erstellte Tabellen, die aus dem vorhandenen Material gewonnen werden Verwendung. Hierbei treten insbesondere folgende Fragen auf:
Wie verhält sich die Entwicklung von Armut im Zusammenhang mit anderen volkswirtschaftlichen Indikatoren? Ist aus den Zahlen ein genereller Trend ableitbar? Ist dieser Trend plausibel?
Schließlich wird in Kapitel V die Struktur der Armut in den USA ebenfalls mit Hilfe ausgewählter Zeitreihen untersucht. D.h., daß dabei ein besonderes Augenmerk auf die verschiedenen ethnischen Gruppen der USA gerichtet wird.
Darüber hinaus soll Armut hinsichtlich der Größe des jeweiligen Haushalts untersucht werden. Aufgrund des Umfangs des statistischen Materials wird dabei zur Erleichterung auf eine deteillierte Betrachtung verzichtet. Vielmehr werden hier ausgewählte Daten von bestimmten Basisjahren untersucht. Dabei stehen insbesondere folgende Fragen zur Diskussion:
Ist Armut in den USA signifikant mit einer bestimmten ethnischen Gruppe verbunden? Hängt Armut entscheidend von der Haushaltsgröße ab? Wie verhält sich Armut in Abhängigkeit der Familienstruktur?
1 Vgl. Piachaud, David, Wie mißt man Armut, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 32, 1992, S. 63
2 Vgl. Sautter, Hermann/Serries, Christoph, Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1998 an Amartya K. Sen, in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, 28. Jg., H. 2, 1999, S. 87
3 Vgl. Seidl, Christian, Armutsmessung, in: Lexikon der Volkswirtschaft, hrsg. v. F. Geigant/F. Haslinger/D. Sobotka/H.M. Westphal, 6. Auflage, Landsberg am Lech 1994, S. 66
4 Vgl. Hanesch, Walter, Armut und Sozialhilfereform in den USA, in: WSI Mitteilungen, 50. Jg., H. 4, 1997, S. 266 f.
4
Was ist über Armut in Abhängigkeit des Bevölkerungsalters zu sagen? Wie ist die geographische Struktur von Armut beschaffen?
Welche möglichen Erklärungsansätze gibt es für derartige Strukturen bei der Verteilung von Armut?
Die Zielsetzung dieser Arbeit ist also eine möglichst genaue Analyse der Struktur und der empirischen Entwicklung von Armut in den USA unter besonderer Berücksichtigung der offiziellen Armutsstatistik des Bureau of Census. Anhand dieser Daten soll der Versuch unternommen werden, einen generellen Trend abzuleiten und einen Erklärungsansatz für diese Entwicklung zu liefern. Darüber hinaus soll das Konzept der Messung von Armut in den USA im Gesamtkontext der verschiedenen Methoden von Armutsmessung gesehen werden. Eine kritische Betrachtung der amerikanischen Methode steht hier im Mittelpunkt und soll mit anderen Methoden der Messung von Armut verglichen werden. Hier soll im besonderen auch auf neuere Entwicklungen eingegangen werden. Am Schluß wird eine Alternative für die amerikanische Armutsmessung geliefert. Zu den einzelnen Kapiteln lassen sich Hypothesen formulieren, wobei im Hauptteil dieser Arbeit gezeigt werden soll, daß diese Vermutungen zutreffen.
So ist z.B. zu vermuten, daß die Armutsmessung in den USA einige erhebliche Schwächen in der Festlegung der Armutsgrenzen aufweist. Die Definition von Armutsgrenzen ist immer problematisch und liegt im Ermessen derjenigen Institution, die für die Festlegung zuständig ist. Hier ist also eine gewisse Willkür anzunehmen 5 . Der Trend geht in den USA hin zu sinkenden Armutsraten. Dabei ist allerdings zu vermuten, daß es aufgrund des amerikanischen Konzeptes der Armutsmessung zu wesentlichen Verfälschungen dieses Trends kommt, die sich bei Verwendung einer anderen Meßmethode nicht ergeben hätten.
Es ist zu vermuten, daß Armut in den USA besonders rassenabhängig ist und insbesondere ein signifikanter Unterschied zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung besteht.
Im Gesamtzusammenhang des Seminars nimmt diese Arbeit also den Stellenwert ein, einen Überblick über die Empirie von Armut in den USA zu vermitteln und dient dabei als Einleitung des zweiten Teils über „Soziale Polarisierung und Armut in den USA“. Als Literaturquellen dient für dieses Thema insbesondere statistisches Material des Bureau of Census sowie andere Quellen, die aussagekräftige Armutsstatistiken zum Inhalt haben. Darüber hinaus wird Literatur zum Thema Armutsmessung verwendet, wobei auch die offizielle US-amerikanische Methode eine besondere Berücksichtigung findet.
5 Vgl. Piachaud, David, Wie mißt man Armut, a.a.O., S. 66 f.
5
II. Allgemeine Konzepte der Armutsmessung
Wenn man der Frage nachgehen will, ob Armut meßbar ist und wenn ja wie, benötigt man zunächst eine Definition von Armut. Leider gibt es allerdings keine solche Definition, die als allgemeingültig anzusehen ist. Es ist zunächst einmal zu beachten, daß Armut sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht konzipiert sein kann 6 . Bei der wirtschaftlichen Definition von Armut geht es um die Verfügbarkeit von Gütern und Dienstleistungen, also um die Frage, in welchem Umfang eine Person über Güter verfügen kann. Die soziale Definition von Armut geht allerdings weit über dieses Konzept hinaus und betrachtet vielmehr auch die soziologische Situation einer Person innerhalb einer Gesellschaft 7 . Hier werden also auch Bedürfnisse betrachtet, die nicht wirtschaftlicher Natur sind. Dieses Konzept soll hier allerdings vernachlässigt werden. Bei der ökonomischen Sichtweise geht es also um die Verfügbarkeit von Gütern und Dienstleistungen und daher auch im weiteren Sinne um das Einkommen, das notwendig ist, um diese Verfügbarkeit zu gewährleisten. Folgt man dieser Konzeption, so gilt eine Person als arm, wenn sie in ökonomischer Hinsicht einen Entzug erfährt 8 . Sie ist also nicht in der Lage, ihre ökonomischen Bedürfnisse zu befriedigen, die in einer gewissen Gesellschaft als Standard angesehen werden. Hier entsteht das Problem, wie ein solcher Standard festgelegt werden soll. Die Festlegung eines derartigen Standards erfolgt in der Regel durch die Bestimmung einer Armutsgrenze bzw. Armutsschwelle (poverty line) 9 .
Die Festsetzung der Armutsgrenze erfolgt entweder einem absoluten Armutskonzept oder einem relativen. Denkbar ist auch eine Mischform 10 .
Ein absolutes Armutskonzept folgt dabei dem Ziel, einen absoluten Standard zu setzen, der im Laufe der Zeit lediglich mit der Änderung des Preisniveaus fortgeschrieben wird. Bei einer solchen Definition einer Armutsgrenze wird der Tatsache allerdings nicht Rechnung getragen, daß sich die ökonomischen Bedürfnisse der Menschen im Zeitverlauf ändern 11 . Die offizielle Armutsmessung der USA folgt einer solchen absoluten Konzeption. Dies wird in Kapitel III noch genauer analysiert. Bei einem relativen Armutskonzept wird die Veränderung der Bedürfnisse der Wirtschaftssubjekte berücksichtigt und bei der Fortschreibung der Armutsschwelle beachtet. Das relative Konzept scheint eigentlich das plausiblere zu sein, da die Bedürfnisse der Menschen ja ganz wesentlich von gesellschaftlichen Strukturveränderungen, wie z.B. dem technischen Fortschritt, abhängen. Bei der Berechnung des volkswirtschaftlichen Outputs wird dem ja ebenfalls Rechnung getragen, indem der zugrunde gelegte Warenkorb in regelmäßigen Abständen verändert wird. Dennoch hält die USA an der Verwendung des absoluten Standards fest. Dies soll an späterer Stelle noch einmal aufgegriffen und kritisch betrachtet werden. Während bei der Festlegung eines absoluten Standards ein bestimmter Wert mehr oder weniger willkürlich festgelegt wird (z.B. minimale Unterhaltskosten), so wird bei Verwendung einer relativen Armutsgrenze der Standard so festgelegt, daß die unteren x
6 Vgl. Rainwater, Lee, Ökonomische versus soziale Armut in den USA (1950 - 1990), in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 32, 1992, S.196
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. Citro, Constance F./ Miachael, Robert T., Measuring Poverty. A new Approach, Washington D.C. 1995, S. 19 f.
9 Vgl. Seidl, Christian, Armutsmessung, a.a.O., S. 66
10 Vgl. ebd.
11 Vgl. Piachaud, David, Wie mißt man Armut, a.a.O., S.64 f.
Arbeit zitieren:
Manfred Schick, 1999, Basiskonzepte, Struktur und empirischer Verlauf von Armut seit dem 2. Weltkrieg in den USA, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Referat (Ausarbeitung), 20 Seiten
Armut aus soziologischer Sicht
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Die Feldtheorie Pierre Bourdieus
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Alzheimer in der Kinder- und Jugendliteratur - Ein Vergleich zwische...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 40 Seiten
Pierre Bourdieu - Habitus und sozialer Raum
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 19 Seiten
Das Verschwinden der Kindheit: Utopie oder Realität
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 18 Seiten
Zu: Pierre Bourdieu - Die feinen Unterschiede
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Die Theorie der Schweigespirale - Das sozialpsychologische Konzept der...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Seminararbeit, 21 Seiten
Das Sozio-ökonomische Panel, die ALLBUS-Umfrage und der Mikrozensus
Soziologie - Methodologie und Methoden
Hausarbeit, 20 Seiten
Armut im Wohlfahrtsstaat Deutschland
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit, 20 Seiten
Manfred Schick's Text Basiskonzepte, Struktur und empirischer Verlauf von Armut seit dem 2. Weltkrieg in den USA ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Manfred Schick hat den Text Basiskonzepte, Struktur und empirischer Verlauf von Armut seit dem 2. Weltkrieg in den USA veröffentlicht
Manfred Schick hat einen neuen Text hochgeladen
W Gugler
Rational Choice: Theoretische Analysen und empirische Resultate
Festschrift für Karl-Dieter Op...
Andreas Diekmann, Klaus Eichner, Peter Schmidt, Thomas Voss
Lehrbuch der Softwaretechnik: Basiskonzepte und Requirements Engineeri...
Basiskonzepte Und Requirements...
Helmut Balzert
Komparative empirische Sozialforschung
Anwendungsfelder und aktuelle ...
Tilo Beckers, Jörg Hagenah, Ulrich Rosar, Klaus W. Birkelbach
Armut und Radikalität? Soziologische Perspektiven zur Integration der ...
basierend auf dem "World Value...
Arno Tausch
0 Kommentare