„Wir spielten und spielten und spielten,
so dass es das reine Wunder ist,
das wir uns nicht totgespielt haben.“
Astrid Lindgren
Das Gesundheitswesen in Deutschland unterliegt seit einigen Jahren einem steten Wandel hinsichtlich der Strukturierung und Finanzierung, um nachhaltig hohe Leistung bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Dabei ist es auch ein zunehmendes Anliegen, Berufspflegende lang und gesund an ihrem Arbeitsplatz zu halten. Die Arbeit beschäftigt sich speziell mit dem Berufsbild der Gesundheits‐ und Kinderkrankenpflege und geht der Frage nach, ob „Spielen“ im beruflichen Alltag als obligater Arbeitsinhalt dazu beitragen kann, die Arbeitszufriedenheit und das Wohlbefinden der Pflegenden zu beeinflussen. Die Ergebnisse werden mit Hilfe einer Literaturrecherche, der aktuellen Studienlage sowie einer eigenen ergänzenden Datenerhebung ermittelt. Es wird ist festgestellt, dass es keine Diskussion oder den Nachweis eines Zusammenhanges zwischen Arbeitszufriedenheit und „Spielen“ im pflegerischen Alltag bei Gesundheits‐ und Kinderkrankenpflegenden gibt.
Schlü sselwö rter: Spiel - Gesundheits‐ und Kinderkrankenpflege - Phä nomen Salutogenese - Sozialkapital ‐ immaterielle Ressource ‐ Berufszufriedenheit
I
INHALTSVERZEICHNIS
Abstract. I
Inhaltsverzeichnis II
1. Einleitung 1
1.1 Hintergrund 1
1.2 Motivation zum Thema 2
2. Theoretischer Rahmen 3
2.1 Das Wesen des Spielens 3
2.1.1 Begriff der Kindheit 4
2.1.2 Spielhistorie 4
2.1.3 Spielformen 5
2.2 Das Berufsbild der Gesundheits und Kinderkrankenpflege (GKKP) 6
2.2.1 Ausbildungsinhalt 6
2.2.2 Bedeutung des Spielens im Krankenhaus 7
2.2.3 Bedeutung des Spielens fu r die GKKP 8
2.2.4 Arbeitszufriedenheit 9
2.3 Salutogenese 10
2.3.1 Sozialkapital 11
2.3.2 Spielen als Copingstrategie fu r die GKKP? 12
3. Forschungsfrage und Hypothese 12
4. Literaturrecherche 14
5. Forschungsstand 15
5.1 Recherche Fach und Allgemeinliteratur 15
5.2 Aktuelle Studienlage 18
5.3 Eigene Untersuchung 21
5.3.1 Der Fragebogen 22
5.3.2 Die Untersuchung 22
6. Ergebnisse 23
7. Fazit und Diskussion 28
8. Verzeichnisse 30
8.1 Literaturverzeichnis 30
8.2 Abbildungsverzeichnis 34
8.3 Abkürzungsverzeichnis 35
II
9. Anhang 36
9.1 Fragebogen 36
9.2 Danksagung 38
III
Das Gesundheitswesen in Deutschland zeichnet sich durch eine hohe Leistungsfä higkeit aus; das beweist eine Studie durch den europä ischen Vergleich mit 13 Lä ndern (vgl. Beske, Drabinski & Zö llner, 2004, S.140). Ungeachtet dessen gibt es gerade in Deutschland zahlreiche Verä nderungen, auf die das Gesundheitswesen reagieren muss, um diesem Anspruch auch weiter gerecht zu werden. Dazu gehö ren der sichtbare demographische Wandel, eine Zunahme der chronischen Erkrankungen, bedingt u.a. durch eine hö here Lebenserwartung, sowie die Finanzierungsumstellung auf das DRG‐Fallpauschalensystem (vgl. Badura, Walter & Hehlmann, 2010, S.20; Hoehl & Kullick, 2008, S.7). Es werden neue Anforderungen an Unternehmen und Arbeitnehmer gestellt, wobei sich einerseits die Zahl der benö tigten Arbeitskrä fte verringern wird, um weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu kö nnen, andererseits rü ckt der Mensch mit seinen kognitiven Fä higkeiten in den Fokus des Interesses. Es gilt, den daraus entstehenden hö heren Arbeitsbelastungen positiv entgegenzuwirken (vgl. Glaser, Herbig & Gunkel, 2006, S.11). Psychischer Stress wirkt dabei auf die Arbeitszufriedenheit und kann zu psychosomatischen Erkrankungen wie Erschö pfung oder Burn‐out fü hren (vgl. Rais, 2000). Insbesondere im Pflegebereich wird dies deutlich und kann im Ergebnis hä ufiger zu einem vorzeitigen Berufsausstieg fü hren (vgl. Hasselhorn et. al. 2003). Doch wohin fü hrt dieser Weg? Die gemeinsame Kommission der Bertelsmann‐ und Hans‐Bö ckler‐Stiftung gibt 2004 in ihrer Erklä rung einen neuen wichtigen Impuls fü r eine sinnvolle Zielerreichung: Sie bescheinigt Deutschland zwar eine wirtschaftliche Hochleistung mit viel Investition in Reparatur und Kompensation der gesundheitlichen Probleme, dafü r aber wenig in ihre Verhü tung (vgl. Bertelsmann Stiftung und Hans‐Bö ckler Stiftung, 2004, S.20). Damit sind die sozialen Sicherungssysteme nicht dauerhaft zu bewä ltigen. Es gilt, verstä rkt die Mensch‐Mensch‐Schnittstelle in Unternehmen als gesundheitsrelevantes Problem anzugehen (vgl. Badura et. al., 2008, S.2). Zur gleichen Schlussfolgerung kommen auch Hoehl und Kullick (2008), die im Zuge gesellschaftlicher Verä nderungen ein sich wandelndes berufliches Selbstverstä ndnis, Verä nderungen der sozialen Rahmenbedingungen und erhö hte Prä vention als dringend notwendig sehen.
1
Welche Auswirkungen haben die genannten Verä nderungen im Bereich der Kinderkrankenpflege? Bleibt genü gend Zeit fü r die kleinen Patienten? 1 Ist die Qualitä t ihrer Pflege noch ausreichend gewä hrleistet? Die vorgelegte Bachelorarbeit betrachtet deshalb ein Teilgebiet des Tä tigkeitsbereiches der Berufsgruppe der Gesundheits‐ und Kinderkrankenpflege, speziell das Spielen im pflegerischen Alltag und versucht, die aktuelle Arbeitssituation und Zufriedenheit dieser Beschä ftigten aufzuzeigen und ebenso die Sichtweise der stationä r zu betreuenden Kinder in Bezug auf ihre Rechte einer ganzheitlich orientierten Betreuung.
Die vorliegende Arbeit ist aus sachlichen und persö nlichen Interessen heraus entstanden. Als ausgebildete Kinderkrankenschwester nimmt die Autorin erstens das eigene Berufsbild sensibler wahr und bemerkt im Berufsalltag unmittelbar die steigenden Arbeitsbelastungen. Spielen mit dem zu pflegenden Kind gilt als Teil der tä glichen Pflegearbeit , doch bei der eben beschriebenen gesellschaftlichen Lage stellt sich zwangslä ufig die Frage, wie „wichtig“ dieser Teil sein darf. Fä llt „Spielen“ auch unter die Reduzierungsmaßnahmen bei zu hohem Zeitdruck? Eine weitere Ausbildung der Autorin zur Spielzeuggestalterin lä sst durch die Fokussierung auf das Spiel eine zweite Komponente erkennen, die der soziokulturellen Betreuung des zu pflegenden Kindes. Hier ist fü r sie ein interessantes Phä nomen beobachtbar: Einerseits wird der Bereich des Spielens oft nur unzulä nglich von der Berufsgruppe abgedeckt, obwohl er als Bestandteil der ganzheitlichen Pflege gilt, andererseits gibt es viele Gesundheits‐ und Kinderkrankenpflegerinnen 2 (im Nachfolgenden immer GKKP genannt), die zufrieden mit ihrem Beruf scheinen. Sie zeigen eine hohe Wertschä tzung dem Kind gegenü ber und spielen gern und bewusst mit diesem.
Zum dritten spielt, von der Autorin wahrgenommen, das Thema „Spielen“ im Berufsleben aus der Sicht der Gesellschaft eine eher untergeordnete Rolle, das dem Kind und dem Freizeitbereich, aber weniger einem Berufstä tigen zugestanden wird.
1 In der Arbeit wird ausschließlich die mä nnliche Patientenbezeichnung verwendet; diese stellt aber
keine Diskriminierung gegenü ber der weiblichen Form dar.
2 In dieser Arbeit wird ausschließlich die weibliche Berufsbezeichnung verwendet. Die Autorin hat sie deshalb gewä hlt, da Frauen nach wie vor den weitaus grö ßten Anteil in dieser Berufsgruppe
stellen. Dies bedeutet aber keinerlei Diskriminierung gegenü ber der mä nnlichen Form.
2
Ein letzter Grund steht fü r das ausnahmslos positive Erleben der Autorin im Zusammenhang mit dem eigenen Spielen im pflegerischen Alltag. Ihre durchgefü hrte Recherche der Fach‐ und Allgemeinliteratur lä sst die Autorin zu der Annahme kommen, dass sich das gewä hlte Thema eher als ein Nischengebiet darstellt; dies ist aus ihrer Sicht und der von ihr genannten Grü nde nicht gerechtfertigt und soll deshalb Beachtung finden. Aufgrund der Annahme erscheint eine eigene ergä nzende Untersuchung fü r sie gerechtfertigt. Diese Arbeit untersucht anhand einer Literaturanalyse sowie einer Fragebogenerhebung, wie sich das Phä nomen „Spielen“ erklä ren lä sst und ob zwischen den dargestellten Beobachtungen Zusammenhä nge bestehen.
Jede Forschungsfrage ist neben ihren aktuellen Belangen in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext zu sehen, um sie richtig einordnen zu können. Diese Arbeit betrachtet das Spielen im Berufspflegealltag aus zwei Richtungen: einmal aus der Sicht der GKKP in Bezug auf ihre Spieltätigkeit und Arbeitszufriedenheit, zum anderen aus der Sicht der kindlichen Patienten in Bezug auf ihre Bedürfnisse. Das Untersuchungsgebiet ist der Arbeits‐ und Organisationspsychologie zugeordnet. Gleichzeitig soll in der Arbeit ein Phänomen dargestellt werden, das von Immanuel Kant so umschrieben wird:
„Erscheinungen, sofern sie als Gegenstand nach der Einheit der Kategorien gedacht werden, heißen Phaenomena.“ (Kant, 1781, S.249)
Nach Ansicht der Autorin ist ein Phänomen die Vorstellung von etwas Ungeklärtem, das sich auflöst, sobald es sich erklären lässt (vgl. auch Kant, 1993, (1781) S.299, (A 251)).
Um in der vorliegenden Arbeit von einem gemeinsamen Verstä ndnis der Begrifflichkeiten auszugehen, werden diese nachfolgend erlä utert. Besondere Sorgfalt wird auf das Verstä ndnis und die Bedeutung des Spielens gelegt, deshalb sind diese Kapitel ausfü hrlicher beschrieben.
Das Thema Spielen ist in der Literatur viel beachtet und erforscht worden. „Spielen ist eine aus der Neugierde geborene Auseinandersetzung mit der Umwelt, die selbstbestimmt, zweckfrei, freiwillig und lustbetont stattfindet.“ (spiel gut, 1999, S.7)
3
Spielen stellt fü r ein Kind ein Grundbedü rfnis dar wie Essen und Trinken und steht damit auf der niedrigsten Stufe der Maslowschen Bedü rfnispyramide (vgl. Wagner, 2008, S.547). In den ersten sechs Lebensjahren spielt ein gesundes Kind etwa 15.000 Stunden, wenn es dazu die Mö glichkeit bekommt (vgl. spiel gut, 1999). „Das Spiel eines seelisch gesunden Kindes ist geprä gt von Freude, Konzentration, Fantasie und Spontanitä t.“ (Maywald, 2010, S.140)
Das Spiel zeichnet sich „durch das Fehlen eines materiellen Ergebnisses“ aus (Charteau, 1946). Der U bungseffekt gilt dabei als Nebenergebnis (vgl. Scheuerl, 1997). Spiel ist allein oder miteinander mö glich mit oder ohne Spielzeug, welches als Hilfs‐ oder Ersatzmittel dient. Spielzeug soll und darf uneindeutig sein, damit Raum fü r Phantasie bleibt (vgl. Schä fer, 1992, S.3). Johan Huizinga befasste sich 1938 mit dem Spiel als Gesellschaftskultur. Er bescheinigt dem Spiel ein Streben nach Entspannung, dem eine gewollte Anspannung vorausgeht (vgl. Huizinga, 1938).
Aus neurobiologischer Sicht werden bei dem Gelingen einer Spielaktion Endorphine ausgeschü ttet, die einen Glü ckszustand nach sich ziehen (vgl. Hü thner & Fischer, 2010).
2.1.1 BEGRIFF DER KINDHEIT
Wenn die Historie der Kindheitsentwicklung betrachtet wird, so ist festzustellen, dass der abgrenzende Begriff „Kindheit“ erst im 14. Jahrhundert, also im Spä tmittelalter, geprä gt wurde. In dieser Zeit wurde das besondere Wesen und Spielverhalten dieser Altersgruppe deutlicher wahrgenommen und von den Erwachsenen abgegrenzt (vgl. Aries, 1978, S. 560). Als Kindheitsbereich ist die Zeit zwischen Geburt und Pubertä t definiert. Dabei wird deutlich, dass das Kind einerseits in hohem Maß auf den Schutz sowie die kö rperliche und seelische Wertschä tzung durch Erwachsene angewiesen ist, andererseits aber selbst ü ber Gestaltungskraft verfü gt, um auf soziale Beziehungen Einfluss zu nehmen (vgl. Brü ndel & Hurrelmann, 1996, S.17).
2.1.2 SPIELHISTORIE
Das Spiel ist in mehrfacher Hinsicht untersucht worden, so u.a. nach der Entwicklung des Kindes. Es wurde deutlich, dass Spielformen aufeinander aufbauen und eine Form in der jeweiligen Entwicklungsstufe des Kindes besonders vorherrscht. Die Untersuchung fand auch im jeweiligen Kontext der Gesellschaft statt. So war im Calvinismus das Spielen vö llig verpö nt (vgl. Werner‐Hervieu, 1983,
4
Arbeit zitieren:
Astrid Wahlers, 2011, Das Phänomen "Spielen" in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege im Blickwinkel der Salutogenese, München, GRIN Verlag GmbH
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