Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 03
2. Biografische und politische Ereignisse
mit dem Schwerpunkt auf die Zeit 1929-1933 04
2.1 Wer war Gottfried Benn?
Wichtige Ereignisse seines Lebens 04
2.2 Biografische Daten von Klaus Mann 07
2.3 Die politische Situation in Deutschland 1929-1933 09
3. Die Kontroverse zwischen Klaus Mann und Gottfried Benn 10
3.1 Der Brief von Klaus Mann
und Gottfried Benns öffentliche Antwort 10
3.2 Weiterer Verlauf der Auseinandersetzung
und Gottfried Benns politische Entwicklung 12
3.3 Erörterung und Ergebnisse 15
Anhang: Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
„Benn ist ein großer Poet: Einige seiner dunkel suggestiven, tragisch kühnen Verse haben sich mir für immer eingeprägt, ihr Rhythmus bleibt mir im Blut wie das Echo früh gehörter, früh geliebter Zaubersprüche. Auch persönlich stand ich damals auf herzlichem Fuße mit dem äußerlich so korrekten und konventionellen Visionär, der es nicht unter seiner Dichterwürde fand, neben- oder hauptberuflich als Spezialist für Haut- und Geschlechtskrankheiten in einem Berliner Arbeiterviertel tätig zu sein.“ (Klaus Mann zit. in Decker, 2006, S. 230) Mit diesen Worten beschreibt der Schriftsteller Klaus Mann, Sohn von Thomas Mann und Neffe von Heinrich Mann, den expressionistischen Lyriker und Arzt Gottfried Benn 1942 in seiner Autobiografie „Der Wendepunkt“ (vgl. Decker, 2006, S. 230). Trotz dieser lobenden Worte gibt es etwa neun Jahre zuvor eine Auseinandersetzung in schriftlicher Form zwischen Gottfried Benn und Klaus Mann aufgrund Benns politischer Position.
Gottfried Benn, ein Einzelgänger, der die Menschheit und alles, was mit ihr zu tun hat, ablehnt, wendet sich 1933 den Nationalsozialisten zu, empfängt mit Überzeugung den „Neuen Staat“. Klaus Mann, der zu dieser Zeit im Exil in Frankreich lebt, verehrt Benn - doch dessen politische Position kann er nicht akzeptieren. So formuliert er seine Enttäuschung darüber in einem persönlichen Brief vom 9. Mai 1933 an Benn, den dieser in öffentlicher Form im Berliner Rundfunk beantwortet („Antwort an die literarischen Emigranten“). Der genaue Wortlaut ist den beiden Briefen im Anhang zu entnehmen. Mann reagiert daraufhin 1. September 1933 gleichfalls mit einer öffentlichen Stellungnahme in der Exilzeitschrift „Die Sammlung“ und findet harte Worte der Kritik.
Nach der ersten Euphorie erkennt Benn, dass er zu weit gegangen ist und wendet sich schließlich vom Nationalsozialismus ab. Hier stellt sich die Frage, ob und inwiefern der Brief von Klaus Mann zu diesem Wandel beigetragen hat. Diese Frage soll in dieser Arbeit erörtern werden.
Zunächst gehe ich auf Gottfried Benn als Person und auf wichtige Ereignisse seines Lebens ein. Hier orientiere ich mich stark an der Biografie „Der Zeitzeuge -
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Gottfried Benn 1929-1949“ von Joachim Dyck, da in diesem Buch die für diese Arbeit besonders wichtige Zeitspanne detailliert beschrieben ist Auch Klaus Mann stelle ich kurz vor und nenne einige wichtige biografische Daten. Mir ist es wichtig zu verstehen, in welcher Situation beide sich vor, während und nach dem Kontakt zueinander befinden, um ihre Motive und Positionen besser nachvollziehen zu können. Daher liegt der Schwerpunkt der vorgestellten biografischen Ereignisse auf der Zeit von 1929-1933. Für den gleichen Zeitraum zeige ich einige wichtige politische Ereignisse in Deutschland auf, die für den Briefwechsel wesentlich gewesen sein könnten.
Im dritten Teil stelle ich Manns Brief und Benns Antwort sowie den folgenden Verlauf der Auseinandersetzung und die weitere Entwicklung von Benns politischer Haltung vor. Auf dieser Grundlage kann erörtert werden, welchen Anteil Manns Kritik an Benns politischer Einsicht haben könnte, oder ob möglicherweise ganz andere Dinge in Benns Leben zu diesem Wandel beigetragen haben.
2. Biografische und politische Ereignisse mit dem Schwerpunkt auf die Zeit 1929-1933
Es folgt der theoretische Teil dieser Arbeit, in dem ich das Leben sowie die politische Position von Benn und Mann jeweils kurz vorstelle. Dann gehe ich kurz auf die geschichtlichen Ereignisse in Deutschland 1929-1933 ein.
2.1 Wer war Gottfried Benn? Wichtige Ereignisse seines Lebens
Gottfried Benn wird am 2. Mai 1886 im Dorf Mansfeld (Westprignitz) geboren (vgl. Brode, 1978, S. 11). Sein Vater ist Pfarrer der Dorfgemeinde. Ab dem Jahr 1896 besucht Benn ein Gymnasium in Frankfurt/Oder, wo er sieben Jahre später sein Abitur ablegt. Er beginnt ein Theologie- und Philosophie-Studium in Marburg, welches er allerdings nach zwei Semestern abbricht, um in Berlin Philologie zu studieren (vgl. ebd., S. 21). Aber auch dieses Studium bricht er nach kurzer Zeit ab, woraufhin er endlich die Zustimmung seines Vaters erhält, Medizin zu studieren, obwohl dieser anfangs gegen dieses Studium ist. Er beginnt das Studium in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen. Benn schreibt über die Schule: „Für jedes Semester, das man studierte, musste man ein Jahr aktiver Militärarzt sein. Im Übrigen war das Leben
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dort das vollkommen freier Studenten, wir hatten keine Uniform“. Im Alter von 25 Jahren legt er dann das medizinische Staatsexamen ab (Benn zit. in Brode, 1978, S. 28).
Neben seinem Interesse an der Medizin ist Benns große Leidenschaft das Schreiben. Immer wieder erscheinen Gedichte von ihm in verschiedenen Zeitschriften, wie z.B. in der expressionistischen Zeitschrift „Die Aktion“ (vgl. ebd., S. 28f.). Als seine Mutter an Krebs erkrankt, kommt es zu einem schweren Zerwürfnis zwischen Benn und seinem Vater, der nicht erlaubt, dass sein Sohn die Schmerzen der Mutter mit Morphium erträglicher macht. Kurze Zeit später stirbt seine Mutter. Später schreibt Benn das Gedicht „Pastorensohn“, in dem er seinen Hass und seine Wut gegenüber dem Vater formuliert (vgl. ebd., S. 29). Mit 28 Jahren, im Juli 1914, heiratet Benn die Schauspielerin Eva Brandt, mit der er ein Jahr später die Tochter Nele bekommt (vgl. ebd., S. 35f.). Nach dem Tod seiner Frau an Folge einer Operation (vgl. ebd., S. 52), gibt Benn die gemeinsame Tochter zu Pflegeeltern nach Dänemark. Er hat einige Geliebte, bis er eine Beziehung mit der Schauspielerin Lili Breda eingeht, die sich drei Jahre später aus wirtschaftlichen Gründen das Leben nimmt. (vgl. Dyck, 2006, S. 15).
Schon im Jahr 1929 denkt Benn über die politische Entwicklung in Deutschland, genauer über die gesamte Menschheit tief pessimistisch (vgl. ebd., S. 19). Ärzte haben es in dieser Zeit sehr schwer, leben fast am Existenzminimum und empfinden das wirtschaftliche Klima der Weimarer Republik als feindlich. Zudem hat Benn zu dieser Zeit so gut wie keine Einnahmen als Schriftsteller (vgl. ebd., S. 21f.).
Durch Arbeiten beim Rundfunk ab Ende 1929 hat er die Möglichkeit, wöchentlich im Radio Gedichte und anderes zu lesen und entsprechend einen regelmäßigen Verdienst zu erhalten. Des Weiteren kann er so als Lyriker präsent bleiben (vgl. ebd., S. 33).
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Arbeit zitieren:
2010, Die Kontroverse zwischen Gottfried Benn und Thomas Mann, München, GRIN Verlag GmbH
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