Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Textsorte und Textsortenbeschreibung 4
3 Die Textsorte „Kontaktanzeige“ 8
3.1 Funktion 9
3.2 Situation 12
3.3 Thema und Struktur 14
3.4 Formulierungsadäquatheit 18
4 Schlusswort 20
5 Anhang 21
5.1 Abbildungen 21
5.2 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 24
5.3 Literaturverzeichnis 25
2
1 Einleitung
Ein Inserat kann in vielfältigster Weise in Zeitungen erscheinen. Einige suchen einen festen Partner, andere Ehemann oder Ehefrau. Man sucht Reisebegleiter, Mitglieder für die Sportmannschaft oder Babysitter. Es gibt Inserate, die gezielt auf sexuelle Vorlieben und Tätigkeiten ausgerichtet sind und solche, die einfache Brieffreunde werben. Diese Arbeit wird sich auf die Kontaktanzeige spezialisieren.
Unter Kontaktanzeige versteht man allgemein eine Zeitungsannonce, in der die Inserenten nach persönlichen Kontakten suchen. Dabei gehe ich in dieser Arbeit von dem grundlegenden Textmuster ´jemand x(y) sucht jemanden z(y)´ 1 aus. Als Beispiele dienen hierbei Kontaktanzeigen aus den Tages- bzw. Wochenzeitungen DER TAGES-SPIEGEL, DIE WELT, OSTSEE-ANZEIGER, BLITZ AM SONNTAG und BERLI-NER ZEITUNG aus dem Zeitraum Dezember 2010 bis Januar 2011.
Ziel dieser Arbeit wird es sein, die Kontaktanzeige zu analysieren, um so Gemeinsamkeiten und Kriterien aufzuzeigen. Damit wird bewiesen, dass es sich dabei um eine geschlossene Textsorte handelt, in der sich spezifische Formen und Funktionen finden lassen.
Im Kapitel 2 wird die hier Verwendung findende Theorie zur Textsortenanalyse von Heinemann/Heinemann erklärt. Die Vorausgehende Basis wird die Einordnung von Kontaktanzeigen in die verschiedenen Bereichsebenen nach Gansel/Jürgens liefern. Die konkrete Anwendung dieser Grundlagen lässt sich schließlich in Kapitel 3 finden, das in Anlehnung an das Modell von Heinemann/Heinemann in vier Abschnitte eingeteilt ist.
1 ´Y´ sei hier die Personenbeschreibung, also zum einen die Eigenbeschreibung des Inserenten und zum anderen die Fremdbeschreibung des zu Suchenden (die Vorstellungen, die der Suchende vom späteren Kontaktpartner hat). Die Komponente sei hier aufgenommen, auch wenn nicht alle verwendeten Inserate das ´Y´ bedienen. Anders als die hier betrachteten Kontaktanzeigen erfüllen Inserate mit finanziellem Interesse so gut wie immer das Muster x bietet etwas. Dies sind zumeist Annoncen zum Zweck der gewerblichen Prostitution, die beinahe ausnahmslos aus einer Eigenbeschreibung bestehen und den Bereich der Suche oder Vorstellung des Gesuchten nicht thematisieren. Sie werden im Verlauf dieser Arbeit keine Beachtung finden.
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2 Textsorte und Textsortenbeschreibung
Um bestimmte Texte miteinander vergleichen, sie beschreiben oder charakterisieren zu können, ist eine Einordnung in bestimmte Systeme hilfreich. Dabei zeigen sich dann schon bei grober Betrachtung Eigenschaften, die im weiteren Verlauf möglicherweise Aufschluss über Parallelen geben könnten. Zur Einordnung von Kontaktanzeigen eignet sich das System der hierarchischen Klassifikation von Gansel/Jürgens. 2
(Tab. 1: Hierarchische Klassifikation)
Die oben aufgeführte Tabelle bezieht sich direkt auf die hier besprochene Problematik der Textsorte Kontaktanzeige. Ausgehend von der Textklasse 3 ließe sich die Kontaktanzeige demnach in die Klasse der Medientexte einordnen, die wiederum in die Textordnungen Journalismus, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit unterteilt werden kann. 4 In unserem Fall gehört ein Kontaktinserat in die Ordnung Journalismus. Auf der hierarchisch niedrigeren Ebene findet man die Textfamilie, in diesem Fall Anzeigentext. 5 Diese Textfamilie gliedert sich schließlich in die verschiedenen Textsorten. Geht man von den offensichtlichen Merkmalen aus, kann man bereits erste Schlüsse über Form und Funktion von Kontaktanzeigen ziehen. Da sie zur Klasse der Medientexte gehören, ist eine allzu wissenschaftliche Formulierung auszuschließen. Das bedeutet also, dass die Inserate mit höchster Wahrscheinlichkeit in der Umgangssprache verfasst werden. Die Familie der Anzeigentexte konstatiert gewisse Formulierungen, die eine positive Selbstdarstellung verfolgt und eventuell auch werbenden Charakter enthält.
2 Vgl. Gansel/Jürgens 2007, S. 70.
3 „Wir definieren Textklasse als das Vorkommen einer Menge von Texten in einem abgegrenzten, durch situativ-funktionale und soziale Merkmale definierten kommunikativen Bereich, in dem sich Textsorten ausdifferenzieren.“ Gansel/Jürgens 2007, S. 70.
4 Vgl. Gansel/Jürgens 2007, S. 71.
5 Des Weiteren werden beispielsweise Informationstexte, Meinungstexte und Unterhaltungstexte als Vertreter von Textfamilien aufgeführt. (Vgl. Gansel/Jürgens 2007, S. 71).
4
Zusammengefasst bedeutet dies, dass je weiter man auf den Ebenen unterteilt, die bestimmten Merkmale und Charakteristiken spezifischer werden. Heinemann/Heinemann erklären hierzu:
„Wir können zahlreiche Texte zu einer Klasse zusammenfassen und damit eine ‚Großklasse’ bilden […] mit einem großen oder sehr großen Geltungsbereich. Weit wichtiger aber für das Sich-Zurecht-Finden der Menschen in den Weiten gesellschaftlicher/kommunikativer Ordnungen aber sind Text-Klassen von relativ geringem Geltungsbereich, die dafür aber einen um so höheren Grad der Merkmalhaftigkeit aufweisen. Eben diese Klassen mit relativ geringem Geltungsbereich, und damit verbunden mit einer relativ niedrigen Stufe der Abstraktion von den zugrunde liegenden realen Ordnungen, wollen wir hier Textsorten nennen.“ 6
Dieses grobe Wissen reicht natürlich nicht aus, um haltbare Aussagen über Kontaktanzeigen machen zu können, denn noch ist der Begriff lediglich durch ein allgemeines Wissen 7 geprägt. Der nächste Schritt führt demnach weiter an die konkrete Beschreibung der Grundeinheit Textsorte heran. Noch immer existiert in der Linguistik keine allgemeingültige Definition der Textsorte. „Einerseits werden etwa gesprochene und geschriebene, wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche oder fiktionale und nichtfiktionale Texte als […] Textsorten bezeichnet“ 8 , andererseits verwende man diesen Begriff im engeren Sinne für Rundfunknachrichten, Reklame, Gebrauchsanweisungen u.a. 9 Diese Kontroverse hat sich auch in den vergangenen Jahren nicht geklärt. In Betrachtung der hierarchischen Klassifikation von Gansel/Jürgens und der Einordnung von Textsorten nach Heinemann/Heinemann erscheint mir dir Textsorten-Definition von Heinemann am schlüssigsten. Er schreibt:
„Textsorten werden allgemein als Sammelbegriff verstanden für eine finite Menge - durch Übereinstimmung textkonstitutiver Merkmale gekennzeichneten - realen und virtuellen Textexemplaren. Die Zuordnung eines konkreten Textexemplars zu einer Textklasse niederer Abstraktionsebene, einer Textsorte, erfolgt auf Basis des Wiedererkennens/Identifizierens von Grundkomponenten eines idealtypischen Textmusters und weiterer Spezifika einer Menge von Textexemplaren. Darstellbar ist das Wissen über Textsorten, das als Resultat kommunikativer Erfahrungen der Individuen gelten darf, durch Bündelung solcher Merkmale unterschiedlicher Ebenen.“ 10
Um also genaue Aussagen über eine Textsorte machen zu können, benötigt man ein System, eine Einteilung von Betrachtungs- und Untersuchungsebenen, so genannte Klassifikationsprinzipien.
6 Heinemann/Heinemann 2002, S. 142.
7 Allgemeines Wissen wird hier als Weltwissen gebraucht. Das schließt in diesem Fall also jenes Wissen ein, das Textrezipienten von Kontaktanzeige haben (dass jemand jemanden sucht, sich selbst beschreibt, möglicherweise seine Vorstellung vom Wunschpartner äußert u.v.m.).
8 Stammerjohann, Harro 1975, S. 496.
9 Stammerjohann, Harro 1975, S. 496.
10 Heinemann, Wolfgang 2000, S. 518.
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Vor einer Textsortenanalyse steht man vor der Frage, welche dieser Klassifikationsprinzipien im Folgenden verwendet werden sollten. Die Wissenschaft bietet hierfür eine Vielzahl an möglichen Modellen. Heinemann/Viehweger bemerken hierzu: „Seit den ersten Anfängen einer Textsortenklassifikation gibt es […] zahlreiche Typologien, die Texte bzw. Gespräche nach einem prominenten bzw. dominanten Kriterium zu bestimmen versuchen und somit eine - wie auch immer geartete - homogene Typologisierungsbasis anstreben.“ 11
Sie erläutern daraufhin die Modelle von Eigenwald (1947), Grosse (1976) und Henne/Rehbock (1982), „die Texte bzw. Gespräche nach Tätigkeitsbereichen, Textfunktionen bzw. soziologisch relevanten Gesprächsbereichen klassifizieren.“ 12 Kritisiert wird dabei, dass Texte nicht - wie in den genannten Theorien angenommen - „eindeutig zu bestimmen sind“ 13 .
Das Modell, das Heinemann/Viehweger daraufhin vorstellen ist im Gegensatz zu den von ihnen kritisierten Theorien nicht auf dominante Kriterien ausgelegt. So stehen die Einteilungen bei ihnen in keiner hierarchischen Ordnung, sondern nebeneinander. Das ist in dem Sinne vorteilhaft, da ein Text beispielsweise in seiner Funktion durchaus vielschichtig sein kann. 14 Heinemann/Heinemann setzen an genau diesem Punkt an: „[…] Es ist ohne Frage richtig, dass sich die Repräsentanten bestimmter Textsorten nur bedingt ähnlich sind, dass die konkreten Ausprägungen der Textsorten immer wieder je nach dem speziellen Interaktionszusammenhang, in dem sie gebildet werden, differieren. Aber -und darauf kommt es uns in diesem Zusammenhang an - wir könnten im Alltag nicht von ‚Textsorten’ sprechen, wenn es nicht bestimmte übereinstimmende Konstanten in Textexemplaren gäbe. Und der Eruierung eben dieser textkonstitutiven und textsortenspezifischen Konstanten gilt unser Bemühen.“ 15
Aufgrund dieser und im folgenden Verlauf weiteren Faktoren erscheint das Modell nach Heinemann/Heinemann am geeignetsten, um die Bandbreite an Textbeispielen mitei-nander zu vergleichen und so auf eine eindeutige Textsortencharakteristik zu kommen. 16 Das Modell erreicht dies mithilfe des Ausgangspunktes der Mehrdimensionalität (indem es vier Ebenen bestimmt: Funktionalität, Situationalität, Thematizität und Strukturiert-
11 Heinemann/Viehweger1991, S. 137.
12 Heinemann/Viehweger 1991, S. 138.
13 Heinemann/Viehweger 1991, S. 142.
14 Vgl. 3.1.
15 Heinemann/Heinemann 2002, S. 146.
16 Der Bezug zwischen Heinemann/Viehweger und Heinemann/Heinemann kann hierbei gezogen werden, da beide Beschreibungsmodelle identisch sind (Heinemann/Heinemann fassen lediglich zwei Ebenen zusammen, übernehmen die Inhalte jedoch gänzlich). Das unterstreicht auch der Verweis bei Heinemann/Heinemann 2002, S. 147: „In der Darstellung beschränken wir uns hier nur auf die Nennung der Subkategorien, die für den größten Teil der Textsorten von Relevanz sind (eine eingehende Erörterung der Problematik findet sich in Heinemann/Viehweger 1991, 147ff. […])“.
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heit, Formulierungsadäquatheit), der Subdifferenzierung dieser Ebenen und der daraus resultierenden Merkmalidentifizierung.
Abb. 1: Beschreibungsmodell Heinemann/Heinemann
Natürlich ergibt sich durch eine Auflistung der zuzuordnenden Merkmale noch keine ausreichende Beschreibung der Textsorte Kontaktanzeige.
„Die entscheidenden Schritte für die Textsortenkennzeichnung müssen vom Textinterpreten vorgenommen werden: die Aussonderung aller nichttypischen Merkmale, die Selektion und Wichtung aller für die jeweilige Textsorte relevanten und konstitutiven Parameter […] und schließlich die Bündelung und Integration der konstitutiven Merkmale zu der je spezifischen Merkmalkomplexion der jeweiligen Textsorte. Erst eine solche Bündelung von möglichst wenigen Merkmalen unterschiedlicher Provenienz macht Textsorten miteinander vergleichbar, lässt Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen ihnen deutlich hervortreten.“ 17
17 Heinemann/Heinemann 2002, S. 149.
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Arbeit zitieren:
Julia Steinborn, 2011, Die Kontaktanzeige - Eine Textsortenanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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