1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Märchen ‚Das Märchen vom Murmeltier‘ von Clemens Brentano. ‚Das Märchen vom Murmeltier‘ gehört zu den ‚Rheinmärchen‘ und ist ein Märchen im Märchen.
Als erstes werde ich mich mit dem Begriff ‚Märchen‘ auseinander setzen und klären, was der Begriff bedeutet. Danach werde ich die Merkmale von Volks- und Kunstmärchen aufzeigen und versuchen den Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Märchen klar zu machen. Bevor ich dann untersuchen kann, ob es sich bei dem ‚Märchen vom Murmeltier‘ um ein Volks- oder um ein Kunstmärchen handelt, setze ich mich mit der Aufgabe dieses Märchens in den ‚Rheinmärchen‘ auseinander. Danach gebe ich den Inhalt des Märchens in verkürzter Form, aber mit allen relevanten Informationen, wieder.
Das Schlusskapitel widmet sich der Frage, ob ‚Das Märchen vom Rhein’ ein Volks-oder ein Kunstmärchen ist. Dazu werde ich die Eigenheiten von Brentanos Art Märchen zu schreiben aufzeigen. Dazu werde ich nur sehr wenige Beispiele geben, da es den Rahmen der Arbeit sprengen würde, auf alle sprachlichen Sonderheiten Brentanos einzugehen. Die gegebenen Beispiele reichen aber aus, sich vorzustellen, wie Brentano mit der Sprache in seinen Märchen gearbeitet hat. Ebenso behandelt dieses Kapitel die Punkte was aus dem Märchen zum Genre Volksmärchen und was zum Kunstmärchen zählt. Abschließend werde ich in diesem Kapitel ein Fazit ziehen, zu welchen Genre ich ‚Das Märchen vom Murmeltier‘ zähle.
3
2 Märchen
2.1 Begriffsbestimmung
Das Wort ‚Märchen‘ leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort ‚Mär‘ bzw. ‚Märe‘ ab. Zunächst war mit dem Wort Mär eine Neuigkeit oder Nachricht gemeint, allerdings gab es mit der Zeit einen Bedeutungswandel, womit das Wort später eher ein Gerücht bezeichnete.
Das Wort Mär wurde von dem Verb ‚maeren‘ ( ahd. ‚maren‘) abgeleitet. Das Verb ‚maeren‘ hat die Bedeutung etwas verkundigen.
Heutzutage ist das Wort ‚Märchen‘ die Bezeichnung für eine literarische Gattung. Begriffe wie Übernatürliches, Wunder oder Zauber sind mit dem Märchen verbunden. Dies findet sich auch in den Definitionsversuchen vieler Märchenforscher wieder. Als Beispiel eignet sich hier besonders Boltes Bestimmung des Märchens: „Unter einem Märchen verstehen wir […] eine mit dichterischer Phantasie entworfene Erzählung besonders aus der Zauberwelt, eine nicht an die Bedingungen des wirklichen Lebens geknüpfte wunderbare Geschichte, die hoch und niedrig mit Vergnügen anhören, auch wenn sie diese unglaublich finden.“ 1 Dabei muß allerdings erwähnt werden, das es bezüglich der Definition des Begriffes ‚Märchen‘ auch heute noch Diskussionen gibt, die in der Forschung nicht eindeutig geklärt sind. Aber diese Problemlage zu beleuchten ist kein Teil dieser Hausarbeit.
2.2 Volksmärchen vs. Kunstmärchen
2.2.1 Volksmärchen
Das Volksmärchen ist eine Erzählung, dessen Autor unbekannt ist und die mündlich überliefert wurde. Durch die mündliche Überlieferung ist das Volksmärchen nicht „in
1 Hermann Bausinger, Märchen, in: Brednich, Rolf Wilhelm. u.a. (Hg.), Enzyklopädie des Märchens.
Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, Berlin 1999, S. 235.
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jeder Formulierung fixiert“ 2 , d.h. durch die Weitererzählung gibt es von Volksmärchen mehrere Erscheinungsformen. Wichtige Merkmale der Gattung Volksmärchen sind: 1. „Das Jenseitige im Märchen [steht] als ein völlig Gleichberechtigtes neben dem Irdisch-Wirklichen“ 3 .
2. Ort und Zeit der Handlung des Märchens liegen nicht fest. „Die erzählte Geschichte wird nie in eine bestimmte Zeit gesetzt. Keine Anspielung verrät auch nur das Jahrhundert, in dem sie gedacht wird, geschweige denn, daß eine Jahreszahl genannt würde. […] Niemals wird in deutschen Märchen Ort oder Land der Handlung genauer bezeichnet.“ 4
3. Die Personen im Märchen haben selten bestimmte Namen, sondern heißen entweder nach einem bestimmten Merkmal wie ‚Rotkäppchen‘ mit der roten Kappe oder nach dem was sie sind, zum Beispiel ‚die böse Hexe‘. 4. Das Gute siegt und wird belohnt, während das Böse, ebenso wie schlechte Charakterzüge oder Handlungen bestraft werden. 5. Tiere können sprechen und sind mit den Menschen im Märchen entweder freundschaftlich oder feindlich gesinnt. Die Tiere sind oft Helfer der guten Persönlichkeiten des Märchens (vgl. der Biber im Märchen vom Murmeltier). Oftmals sind die Tiere auch durch Zauber und Flüche verwandelte Menschen. 6. Die Pflanzenwelt ist ebenso von der Übernatürlichkeit betroffen wie die Tierwelt. Entweder können Sie auf andere Art als durch Sprache mit den Personen des Märchens kommunizieren oder ihre Früchte haben bestimmte Eigenschaften.
7. „Vor allem aber sind die Märchen voll der seltsamen Gegenstände, denen wunderbare Fähigkeiten eignen.“ 5 Zum Beispiel wäre da der Schäferstab des Mädchens Murmeltier, der selbstständig die Wölfe vertreibt. 8. In vielen Märchen tauchen übernatürliche Gestalten wie Hexen und Zauberer auf. Diese haben eine menschliche Gestalt meist sehr hohen Alters. Zusätzlich haben Sie zauberische Fähigkeiten.
2 Mathias Mayer/Jens Tismar, Kunstmärchen, Stuttgart 3 1997, S. 1.
3 Friedrich Panzer, Märchen, in: Karlinger, Felix (Hg.), Wege der Märchenforschung, Darmstadt 1985,
S. 100.
4 Ebd., S. 89.
5 Ebd., S. 87.
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9. Die Zahl ‚Drei‘ spielt eine große Rolle in Volksmärchen, „indem Personen, Dinge, Maße regelmäßig in der Dreizahl erscheinen, drei Söhne also auftreten, drei Schwestern, drei Riesen“ 6 usw. 7
Dem Märchen gegenüber stehen die Gattungen der Sage und der Legende. Die Gemeinsamkeiten des Volksmärchens mit der Sage liegen darin, dass beide Erzählungen wegen der übernatürlichen Elemente nicht glaubhaft erscheinen. Der große Unterschied liegt aber darin, dass, wie schon erwähnt, sich im Märchen die Wirklichkeit und das Jenseitige gleichberechtigt nebeneinander stehen und sich vermischen, wogegen in der Sage die Wirklichkeit dem Jenseitigen bewusst gegenüber gestellt wird. Eine Sage ist „an einen bestimmten Ort geknüpft oder eine Sache irgendwelcher Art, einen Gegenstand, eine Erscheinung, einen Vorgang der wirklichen Welt“ 8 . Dies ist im Märchen auf keinen Fall so. Die Sage beruht darauf, dass man an die mythischen Handlungen der Erzählung glaubt.
Im Vergleich mit der Legende ist die Ähnlichkeit nicht so groß wie im Vergleich zur Sage. „Denn der Stoff im einzelnen und Ziel und Haltung im ganzen sind doch verschieden genug.[…] Die äußerlichen Bestandteile der Legende in Personen und Motiven zeigen sich mehr in den literarischen Novellenformen […] wie ‚Das Mädchen ohne Hände‘ und ‚Die Nelke‘ “ 9 . Legenden wurden von Geistlichen aufgezeichnet im Gegensatz dazu wurden Volksmärchen nur mündlich überliefert. Mit dem Begriff Volksmärchen werden vor allem die Brüder Grimm in Verbindung gebracht. 1812 erschien der erste Band ihrer ‚Kinder- und Hausmärchen‘. Einige ihrer bekanntesten Volksmärchen waren ‚Frau Holle‘, ‚Rotkäppchen‘, ‚Hänsel und Gretel‘, ‚Aschenputtel‘ und viele mehr.
6 Ebd., S. 95.
7 Vgl. ebd., S. 84-103.
8 Ebd., S. 100.
9 Ebd., S. 101.
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Arbeit zitieren:
Janin Huse, 2011, Das Märchen vom Murmeltier (Clemens Brentano): Volks- oder Kunstmärchen?, München, GRIN Verlag GmbH
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