II
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS II
1. VORBEMERKUNG 1
2. PRODUKTIONSBEDINGUNGEN HOCHMITTELALTERLICHER LITERATUR 1
2.1 HISTORISCHE MATERIALITÄT 1
2.2 GÖNNER UND AUFTRAGGEBER 2
3. BESONDERHEITEN HOCHMITTELALTERLICHER LITERATURPRODUKTION 3
3.1 AUTORKONZEPTION. 3
3.2 PUBLIKUM 4
3.2.1 Mündlichkeit 5
3.2.2 Schriftlichkeit 5
4. SCHLUSSBETRACHTUNG 6
BIBLIOGRAPHIE III
1
1. Vorbemerkung
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die gestellte Frage nach den Bedingungen und Besonderheiten der hochmittelalterlichen Literaturproduktion zu beantworten. Diese sollen anhand des Epilogs des Eneasromans Heinrichs von Veldeke dargestellt werden. 1 In diesem Kontext werden Bedingungen als historische Kriterien verstanden, die im Vorfeld der Be- und Erarbeitung eines Buches erfüllt sein müssen. Besonderheiten hingegen implizieren Merkmale oder Eigenschaften, die als Gegensatz zu etwas anderem, in diesem Fall dem neuzeitlichen Konzept des Buches, dargestellt werden müssen. Um diese logische Abfolge beizubehalten, sollen anfänglich die Produktionsbedingungen der höfischen Literatur zur Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert dargestellt und anhand des Inhalts des Epilogs des Eneasromans verdeutlicht werden. Anschließend wird auf die Besonderheiten hochmittelalterlicher Literaturproduktion eingegangen, wobei auch hier versucht werden soll, Hinweise darauf dem Epilog des Eneasromans zu entnehmen. Da diese kurze Hausarbeit vor dem Hintergrund eines Einführungsseminars vorgelegt wird und auf fünf Seiten beschränkt ist muss darauf hingewiesen werden, dass die thematische Erarbeitung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.
2. Produktionsbedingungen hochmittelalterlicher Literatur
2.1 Historische Materialität
Träger schriftlicher Texte war im Mittelalter das Pergament, welches aus Tierhäuten gewonnen wurde. Diese mussten aufwändig bearbeitet werden, um ein qualitativ hochwertiges Pergament herzustellen. Aus einem Tier konnten jeweils nur wenige Blätter gewonnen werden. Auch das Beschreiben der Blätter kostete sehr viel Zeit und Mühe, und erfolgte im Mittelalter natürlich handschriftlich. 2 Farbige Abbildungen ergänzten den Text. Auch der Eneasroman Heinrichs muss mit Miniaturen versehen gewesen sein, denn: her liez ez einer frouwen/ ze lesene und ze schouwen/ ê danne manz wol schreve (V. 13445-13447). Sie, die Gräfin von Kleve, bekam das unfertige Manuskript also nicht nur zu lesen, sondern auch, um es anzuschauen.
1 Heinrich von Veldeke: Eneasroman. Mhd./ Nhd. Nach dem Text von Ludwig Ettmüller ins Nhd. übersetzt,
mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Dieter Kartschoke. Stuttgart 1986 (Reclam
Universalbibliothek 8303 [10]).(V13429-13527).
2 vgl. Klein, Dorothea: Mittelalter. Lehrbuch Germanistik. Stuttgart 2006 (Metzler). S. 94ff.
2
Diese Tatsachen verdeutlichen, weshalb die Herstellung eines Buches im Mittelalter eine sehr kostspielige Angelegenheit war. Auch Heinrich von Veldeke kann nicht in der Lage gewesen sein, den von Vergil überlieferten lateinischen, und aus dem französischen Roman d’Éneas übertragenen, antiken Stoff unabhängig übersetzt und gedichtet zu haben. Wie im Mittelalter üblich bedurfte es dazu einem Auftraggeber.
2.2 Gönner und Auftraggeber
Im Epilog des Eneasromans wird Heinrich von Veldeke als einer gepriesen, von dem bekannt ist, dass er zu dichten versteht: daz is gnûgen wizzenlîch,/ daz herz tihten kunde. (V. 13434-13435). Man kann also davon ausgehen, dass er schon zu Lebzeiten eine Reputation hatte, welche ihm Aufträge einbrachte.
Man könnte aus dem Epilog schließen, dass die Gräfin von Kleve, welche als freigiebig, edel und großzügig beschrieben wird (vgl. V. 13448-13451), die Auftraggeberin des Eneasromans war. Für diese These spricht die „kulturelle Mittellage“ 3 der Heimat sowohl Veldekes als auch der der Margarete von Kleve. Die relative Nähe zur französischen Kultur würde den Zugang zum Roman d’Éneas erklären, welcher im Epilog indirekt als eine der Quellen genannt wird (vgl. V. 13431und 13507). Somit könnte der Wunsch nach einer deutschen Entsprechung in der Gräfin von Kleve geweckt worden sein. Da es keine historisch belegbaren Beweise für diese These gibt stellt Karen Opitz fest, dass die Identität von Veldekes erstem Gönner unklar bleiben muss. 4
Obgleich „die einschlägigen Abschnitte […] Veldeke abgesprochen“ 5 werden, gibt er darin Hinweise auf die Entstehungsgeschichte seines Romans. Es scheint plausibel, dass das unfertige Manuskript, welches während der Hochzeitsfeierlichkeiten der Gräfin von Kleve mit dem Landgrafen von Thüringen gestohlen wurde, erst neun Jahre später an Veldeke zurück gegeben wurde: der Pfalzgraf von Sachsen erteilte ihm den Auftrag, das Buch zu vollenden. Als weitere Mäzene werden der Sohn des Landgrafen Ludwig, Pfalzgraf Herman und Graf Friedrich genannt. 6
Die Verfertigung eines Buches finanziell zu fördern geschah im Mittelalter nicht nur aus purer Leidenschaft zur Literatur. Wehrli formuliert, dass sich die Dichtung höfischer Lite-
3 Schieb,Gabriele: Heinrich von Veldeke. Stuttgart 1965 (Metzler). S. 6.
4 Opitz, Karen: Geschichte im höfischen Roman. Historiographisches Erzählen im »Eneas« Heinrichs von
Veldeke. Heidelberg 1998. (Winter). S.61.
5 Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikenromane des Mittelalters. Berlin 2001 (Grundlagen der Germanistik;
39). S.77.
6 Der vorgegebene Rahmen dieser Arbeit erlaubt es nicht, en détail auf weitere Theorien bezüglich der
Überlieferungsgeschichte des Eneasromans einzugehen. Verwiesen sei auf die Diskurse von Frings, Schieb,
Wehrli, Kartschoke, Weicker, u.a., welche dem geneigten Leser ein Begriff sein werden.
Arbeit zitieren:
Kathrin Greyer, 2011, Ausgewählte Bedingungen und Besonderheiten hochmittelalterlicher Literaturproduktion, München, GRIN Verlag GmbH
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