1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Wirtschaftspolitik und dem institutionellen Rahmen von Wirtschaftssystemen. Im ersten Punkt sollen die beiden Grundformen politischer Ordnung, die reine Marktwirtschaft und die totale Zentralerwaltungswirtschaft, dargestellt werden. Im nächsten Punkt erfolgt eine Darstellung der gesamtwirtschaftlichen Funktion polypolitischer Marktpreise. Hierauf wird ein Vergleich der beiden ordnungspolitischen Systeme der Zentralen- und Freien Marktwirtschaft vorgenommen. Den Abschluss bildet die Darstellung des Grundkonzepts der sozialen Marktwirtschaft. Hierbei soll insbesondere ein Schwerpunkt auf die von Walter Eucken entwickelten regulierenden und konstituierenden Prinzipien gelegt werden.
2 . Die polaren Prinzipien ordnungspolitischer Gestaltung
Bei den polaren Prinzipien ordnungspolitischer Gestaltung handelt es sich um idealtypische Wirtschaftssysteme. Diese sind lediglich Modellkonstruktionen, die sich in die Wirklichkeit nicht umsetzen lassen. In keiner uns bekannten Volkswirtschaft gibt es eine reine Marktwirtschaft, deren Wirtschaftsprozesse ausschließlich durch dezentrale Planung auf Basis der Marktform vollständiger Konkurrenz und ohne staatliche Beeinflussung gesteuert werden. 1 Ebenso verhält es sich mit dem Modell der totalen Zentralverwaltungswirtschaft, in dem geldlos und lediglich mengenmäßig alle Produktionsmittel und Verteilungsvorgänge zentralplanerisch reguliert werden. 2 Im folgenden Abschnitt sollen nun beide angeführten Modelle näher betrachtet werden. Zuerst soll das idealtypische Modell der reinen Marktwirtschaft vorgestellt werden.
2.1 Reine Marktwirtschaft
Das Modell der reinen Marktwirtschaft 3 zeichnet sich durch die folgenden Grundprinzipien aus: In der Wirtschaft herrscht private und unbeschränkte Verfügung über Produktionsmittel und Ertragsverteilung. Des Weiteren werden die Wirtschaftssubjekte allein von ökonomischen Überlegungen und Eigeninteressen geleitet. Die Festlegung des Wirtschaftsprozesses sowie der Wirtschaftsentwicklung erfolgen durch die ökonomischen Handlungen und Wirtschaftspläne der Unternehmen und Privathaushalte. Letztere erhalten
1 Peters, Ordnungspolitik, S. 19.
2 Peters, Ordnungspolitik, S. 19.
3 Peters, Ordnungspolitik, S. 19.
1
jedwede Güter und Dienstleitungen ausschließlich von den Unternehmungen. Im eigenen Haushalt wird weder produziert noch irgendeine Form handwerklicher Tätigkeit verrichtet. Alle Aktivitäten sowohl der Unternehmungen als auch der Privathaushalte werden durch die Märkte koordiniert. Auf diesen „vollkommenen Märkten“ herrscht die Marktform der vollständigen Konkurrenz im streng markt- und preistheoretischen Sinn. 4 Das Wirtschaftsgeschehen wird weder durch Machtgruppen noch durch den Staat beeinflusst. Dem Staat wird auch keine regulierende Funktion eingeräumt. Vielmehr findet die Gestaltung der Wirtschaftsprozesse durch die dezentrale Planung einer Vielzahl von privaten Unternehmern und Hausalten statt. Das hier vorgestellte Modell der reinen Marktwirtschaft verfügt über einen vollkommen harmonischen Wirtschaftskreislauf, der durch keinerlei Störungen güter- oder geldwirtschaftlicher Form beeinträchtig werden kann. Im Folgenden soll nun auf das ordnungspolitische Prinzip der Zentralverwaltungswirtschaft eingegangen werden.
2.2 Totale Zentralverwaltungswirtschaft
Das Modell der Zentralverwaltungswirtschaft 5 zeichnet sich durch die nachstehenden Prinzipien aus. Der Staat allein verfügt über die Produktionsmittel und ist der selbstständige Planungsträger der Wirtschaftsprozesse. 6 Alle Bereiche der Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen sowie die Ausbildung und der Einsatz von Arbeitskräften werden von einem staatlichen Monopol geregelt. Es obliegt ausschließlich der Staatsführung Planziele zu formulieren, welche die staatliche Plankommission mithilfe der volkseigenen Betriebe umzusetzen hat. Die zentrale Planbehörde ihrerseits trägt den volkseigenen Betrieben auf, was, wo, wann und in welcher Menge und Qualität zu produzieren ist. Das Produktionssoll regelt die Verteilung der Produktionsfaktoren Arbeit, Sachkapital und Boden auf die diversen volkseigenen Betriebe. „Die Konsumgüter und Gebrauchsgüter werden den Haushalten geldlos mittels eines Rationierungs- und naturalen Verteilungssystems zugeteilt“. 7 Die beiden vorgestellten Modelle der reinen Marktwirtschaft und der zentralen Verwaltungswirtschaft sind wirklichkeitsfremd. Keines der vorgenannten Modelle ist in einer Volkswirtschaft der Gegenwart realisiert. Die Realitätsferne beider Systeme unterscheidet sich jedoch fundamental. Das Modell der reinen Marktwirtschaft differiert nur in einigen
4 Peters, Ordnungspolitik, S. 19.
5 Vgl. Peters, Ordnungspolitik, S. 23.
6 Vgl. Peters, Ordnungspolitik, S. 23.
7 Peters, Ordnungspolitik, S. 23.
2
Punkten von der Wirklichkeit marktwirtschaftlich orientierter Systeme. 8 Das Totalmodell der Zentralverwaltungswirtschaft ist jedoch grundlegend von der Systemwirklichkeit entfernt. In einer Volkswirtschaft ist es nicht möglich solch einen immensen Planungsumfang, wie die zentrale Abstimmung aller Produktions- und Verteilungsvorgänge, zu bewerkstelligen. Die real existenten Wirtschaftssysteme sind alles gemischte Systeme, deren Determinanten und Funktionsweise es zu erforschen gilt. 9
3. Die gesamtwirtschaftlichen Funktionen polypolitischer Marktpreise
Da die Marktbeziehungen im Allgemeinen sehr komplex und in ihren vielfältigen Abhängigkeiten schwer erfassbar sind, erleichtert man sich dieses Problem, indem man sich ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit, also ein Modell, konstruiert. 10 Der marktwirtschaftliche Preisbildungsprozess lässt sich in idealtypischer Weise an der fiktiven Marktform der vollständigen Konkurrenz, also des vollkommenen Marktes, darstellen.
3.1 Prämissen des vollkommenen Marktes
Auf dem vollkommenen Markt stehen sich eine Vielzahl von Nachfragern (private Haushalte) einer Vielzahl von Anbietern (Unternehmern) gegenüber. Es wird angenommen, dass jeder der beiden Marktteilnehmer in seiner Größe so unbedeutend ist, dass er den Marktpreis nicht beeinflussen kann. Des Weiteren wird unterstellt, dass Anbieter und Nachfrager über alle für sie relevanten Faktoren des Marktgeschehens, wie das Gut und seine Eigenschaften, die angebotene und nachgefragte Menge dieses Gutes sowie die Güterpreise vollständig informiert sind. 11 Es herrscht somit der Zustand vollkommener Markttransparenz. Eine weitere Bedingung stellt die „unendlich schnelle Anpassungsfähigkeit“ der Marktteilnehmer da. 12 Treffen unter diesen Annahmen Angebot und Nachfrage aufeinander, d.h. angebotene Menge und nachgefragte Menge sind gleich, kommt es zu einer Räumung des Marktes. Die Räumung des Marktes wird durch den Gleichgewichtspreis erzielt. Jeder andere Preis würde zu einer Diskrepanz zwischen angebotener und nachgefragter Menge führen.
8 Peters, Ordnungspolitik, S. 25.
9 Peters, Wirtschaftssysteme, S. 132.
10 May, S. 138.
11 Vgl. May, S. 138.
12 Vgl. May, S. 139.
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Arbeit zitieren:
Christiane Massmann, 2011, Wirtschaftspolitik und institutioneller Rahmen, München, GRIN Verlag GmbH
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