Inhalt
Vorwort 1
1. Symbole 2
2. Staatssymbole als stützende Elemente des Nationalstaates 3
3. Nationalfeiertage als Staatssymbole 4
3.1. Der Tag der Deutschen Einheit 6
3.3. Der „Quatorze juillet“ 14
3.3. Deutschland und Frankreich im Vergleich 18
4. Abschließende Betrachtung 20
Literaturverzeichnis 21
Quellen und Abbildungsverzeichnis 22
1
Vorwort
„Der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober trifft das Selbst-verständnis unserer Nation. Dieser Nationalfeiertag ist wertvoll für unser Land. Wir ehren damit die demokratische Revolution von 1989 und drücken unsere Freude über die wiedergewonnene deutsche Einheit aus. Der 3. Oktober als Symbol für die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit ist wichtig für die Zukunft unseres Landes […].“ (Bundespräsident Horst Köhler 1 )
Seit nun 20 Jahren feiert das vereinte Deutschland am 3. Oktober gemeinsam am Tag der Deutschen Einheit die Überwindung einer Diktatur und der Teilung des deutschen Volkes in zwei Staaten. Das Verhältnis der Deutschen zu diesem Feiertag scheint jedoch noch immer gefühlloser und weniger emotional als das in anderen Nationen der Fall zu sein scheint. Keine Paraden, wenig Pathos, wenig Leidenschaft.
Zu Beginn wird kurz untersucht, welchen Nutzen politische Symbole in einem (demokratischen) Staat haben, bevor im Anschluss näher auf die Bedeutung des Nationalfeiertags eingegangen werden soll und darauf, wie er als Symbol der Nation funktioniert und ob er einen Beitrag zur Legitimation des Staates gegenüber seinen Bürgern liefert. Darauf folgend widmet sich die vorliegende Arbeit speziell dem Tag der Deutschen Einheit als deutschen Nationalfeiertag. Nach einem kurzen historischen Abriss folgt eine Untersuchung, wie der Tag in Deutschland gefeiert wird. Danach wird ein Vergleich mit dem französischen Nationalfeiertag, den „Quatorze juillet“, stattfinden. Unterschiede zwischen beiden Nationalfeiertagen sollen vor allem darauf untersucht werden, inwieweit sich durch sie auch Unterschiede bei der Identifikation der Bürger mit dem Staat ergeben und wie diese sich auswirken. Abschließend folgt eine Einschätzung über die Zukunft des Nationalfeiertags in Deutschland. Dabei soll dargestellt werden, wie der Tag der Deutschen Einheit sich verändern könnte, um künftig eine größere Integrationskraft zu entwickeln, als dies derzeit der Fall ist.
1 In einem Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder zur geplanten Abschaffung des Tags der Deutsche Einheit als gesetzlichen Feiertag, 4. November 2004 (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. November 2004).
1
1. Symbole
Symbole sind nicht naturgegeben, sie sind sinnhaft aufgeladene, tradierte Erzeugnisse menschlichen Handelns. Sie sind veränderbar (hier mag das Beispiel des Sonnenrads ausreichen, das als Hakenkreuz in Deutschland fern seiner Ursprungsbedeutung als Glücksbringer symbolisch aufgeladen wurde) und jede Generation wird in ein neues Geflecht von Symbolen hinein geboren. Sie determinieren als verallgemeinerte soziale Tatbestände innerhalb einer Gesellschaft nahezu zwanghaft Teile des individuellen Bewusstseins innerhalb dieser Gesellschaft und verknüpfen kulturelle Bedeutung, einen gewissen Sinn mit materiellen (Wappen und Flagge eines Staates) und immateriellen Ausdrucksmitteln (Hymne, Gedenktage) 2 .
Nach George Herbert Mead und Émile Durkheim zeigt sich in Symbolen das kollektive Gewissen einer Gesellschaft, ihre Ideale und ihre Gefühle. Sie liefern damit die Grundlage dafür, dass Mitglieder einer Gesellschaft in einem gewissen Maße erfolgreich miteinander kommunizieren können - sind gleichzeitig aber codiert. Nur wer Zugang zu einer entsprechenden Gemeinschaft hat oder findet, kann ihre Symbole korrekt interpretieren - Symbole sind also in gewisser Weise ex-klusiv 3 .
Gleichzeitig stellen sie einen Zusammenhang her zwischen der Alltagsebene (in der jedes Gesellschaftsmitglied eigene Erfahrungen macht, eigene Sinnzusammenhänge erfährt) und der kollektiven Ebene (in der eine Gruppe gemeinsame historische Erfahrungen teilt und in der es eine gemeinsame Identität gibt). Vorausgesetzt man interpretiert die Nationalhymne als Symbol der Freiheit, so stellt sie damit eine Verbindung her zwischen der Freiheit des Einzelnen (die persönlichen Bürgerrechte, z.B. freie Wahl des Wohnorts) und der Freiheit als allgemeine politische Zielbestimmung des Staates (der bspw. mangelnde Freiheit in anderen Staaten dementsprechend anprangern sollte), in diesem Fall der Bundesrepublik Deutschland 4 .
Symbole können damit einen wichtigen Beitrag zur Legitimation eines Staates leisten und sorgen durch ihre Codierung gleichzeitig für eine Abgrenzung nach Außen 5 .
2 Endruweit/Trommsdorff 2002, 586f
3 Pribersky/Unfried 1999, 56
4 Deichmann 2007, 7
5 vgl. Pribersky/Unfried 1999, 56
2
2. Staatssymbole als stützende Elemente des Nationalstaates
Da Symbole also durchaus als sinnstiftend bezeichnet werden können, sind sie somit auch als ein Teil von Macht- und Herrschaftsstrukturen zu interpretieren. Gerade politische Symbole sind daher kein Selbstzweck, sie verfolgen ein Ziel. Sie können einem Staat - wenn sie akzeptiert sind - Legitimität verleihen 6 . Sie stützen
einerseits das bestehende Herrschaftssystem und schaffen andererseits eine Kontinuität einer Gesellschaft bis tief in ihre Vergangenheit hinein, in dem sie bestimmte Werte hervorheben, die auch in der aktuellen Gesellschaft eine große Bedeutung haben (sollten).
Staatssymbole definiert Klaus Stern als „sinnlich wahrnehmbare (hörbare oder sichtbare) Zeichen, die einen staatlichen oder nationalen Bezug von historischer oder gegenwärtiger Bedeutsamkeit besitzen […]“ 7 .
Die deutsche Nationalflagge (schwarz-rot-gold, in der Symbolik beruhend auf dem Hambacher Fest von 1832) ist beispielsweise ein Symbol der Einheit Deutschlands mit demokratischen Vorzeichen. Ebenso für Einheit und Freiheit steht das „Lied der Deutschen“ oder „Deutschlandlied“ (1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gedichtet, 1922 in der Weimarer Republik erstmals zur Nationalhymne ernannt) 8 .
Diese politischen Symbole liefern damit Hinweise auf das Selbstverständnis des Staates, auf seine politische Kultur und seine politischen wie gesellschaftlichen Strukturen. Sie sind von den Bürgern verinnerlicht und bilden den kulturellen Rahmen ihres politischen Handelns, Denkens und Redens 9 . Werte wie Freiheit und Gleichheit, auf die zahlreiche
Symbole der Bundesrepublik hinweisen, finden sich auch an zahlreichen Stellen im Grundgesetz wieder.
Durch entsprechende Symbole werden diese Werte erfahrbarer, greifbarer und bieten den Bürgern die Möglichkeit, eine emotionalere Bindung zu ihnen aufzubauen und dadurch persönliche Bekenntnisse zum und Anteilnahme am Staat ermöglichen. Symbole fördern dadurch die Integration innerhalb einer Gemeinschaft und schaffen ein Zusammengehörigkeitsgefühl und nationale Identität - nicht zuletzt, weil eine
6 Voigt 1989, 14ff
7 Stern 1984 ,277
8 vgl. Hattenhauer 2006, 37ff, 108f
9 Deichmann 2007, 7
3
Gesellschaft sich damit von anderen abgrenzt 10 . Ein Nationalstaat ohne jegliche
Symbole läuft damit Gefahr, von seinen Bürgern auf Dauer nicht akzeptiert zu werden. Ein weit verbreitetes mangelndes Nationalbewusstsein kann sich destabilisierend auf einen Staat oder zumindest seine aktuelle Herrschaftsform auswirken. Fehlen Identifikationsmöglichkeiten, wird der „Container“ Nationalstaat zur leblosen Zweckgemeinschaft, die leichter zerbrechen kann als eine Gemeinschaft mit eigenen (teils konstruierten) Symbolen, Geschichten, emotionalen Bindungen. Als ein Beispiel dafür kann die Weimarer Republik gelten, die bewusst auf eine Reihe von kraftvollen Symbolen verzichtete (
3. Nationalfeiertage als Staatssymbole
„Feiertagsgarantien […] stammen aus dem „Stoff“, aus dem mitunter auch „Träume“ […], vor allem aber Grundwerte sind, die neben der ratio die emotio des Menschen und Bürgers im Verfassungsstaat „ansprechen“. [Sie sind] ein Stück kollektiver Erinnerung eines Volkes.“ (Häberle 1987, 27f)
Aus den Feiertagen eines Staates lässt sich ebenso wie aus anderen seiner Symbole auf das Selbstverständnis des Staates schließen. Durch die Hervorhebung einiger Feiertage durch ihren Status als gesetzlich garantiert ergibt sich ein Bild, das der Bürger sich von seinem Staat machen darf und soll und das der Staat von seinen Bürgern hat. In ihnen kommt die kulturelle Identität und die Individualität eines Staates zur Geltung. Besonders hervorzuheben ist hier der Nationalfeiertag als eigens vom Staat festgelegter Feiertag - im Gegensatz zu den Feiertagen mit kirchlicher Tradition 11 .
Die Menschen in einem Staat haben innerhalb eines bestimmten Wertekanons das Bedürfnis bestimmte Ereignisse zu feiern. Bestes Beispiel dafür dürfte der weltweit bekannte „Indipendence Day“ in den USA sein, an dem die US-Amerikaner voller Inbrunst und mit großer Freude ihr Loslösen vom Vereinigten Königreich und damit ihre Freiheit und Unabhängigkeit feiern oder der „quatorze juillet“ in Frankreich, der mit einer Parade durch den Arc de Triomphe weiter über den Champs Elysée geschickt national symbolisch aufgeladene Bauten mit einbezieht.
Die Teilhabe am Nationalfeiertag kann in einer freien Demokratie nicht verordnet werden - anders als das bei diktatorischen Systemen der Fall ist (wie dies zuletzt die
10 Deichmann 2007, 10; Hattenhauer 2006, 7; vgl. Voigt 1989, 31
11 vgl. Krüdewagen 2002, 94
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Arbeit zitieren:
Sascha Wandhöfer, 2010, Der Nationalfeiertag als Symbol des Staates, München, GRIN Verlag GmbH
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