Zusammenfassung
Hauflers Text befasst sich mit der „seitlichen“ Verschiebung von Handlungsmacht, die von den staatlichen Regierungen an nichtstaatliche Akteure übergeht. Die zunehmende Macht und der Einfluss von transnationalen Konzernen (TCs) sowie die damit verbundene Zunahme industrieller Selbstregulierung, anstelle von staatlichen Regulierungsmassnahmen, sindneben der Globalisierung - zentrale Untersuchungsgegenstände. In den letzten zwei Jahrzehnten fand in den Firmenstrategien, welche sich mit Regulierung befassten, ein signifikanter shift statt. Dieser führte von kompletter Abschottung bzw. Unterstützung nationaler Regelungen hin zu Harmonisierungsstrategien auf internationaler Ebene und v.a. hin zu verschiedenen globalen Selbstregulierungsstrategien, bei welchen nichtstaatlichen Akteuren nun eine grössere Bedeutung zukommt als zuvor. Bei der Auswahl der Strategien stehen die Schädigung des Geschäfts durch externe Regulierung sowie ein drohender Reputationsverlust im Zentrum. TNCs verfolgen Selbstregulierungsstrategien u.a. in der Hoffnung, dass Regelungen der Regierungen nicht zur Anwendung kommen. Zudem haben ichtregierungsorganisationen (GOs) mittels Aktivisten und Medien die Möglichkeit auf das Fehlverhalten von TNCs schnell und prominent aufmerksam zu machen, was zu einem schnellen Verlust des guten Rufes führen kann.
In den Jahren zwischen 1972 und 1992 wurden verschiedene, mehr oder weniger erfolglose Versuche unternommen, Regelungen aufzustellen, die das Verhalten von TNCs zu steuern vermögen. Regierungen und Wirtschaft unterstützten Regeln v.a. dort, wo sie freiwillig, vage formuliert und ineffektiv waren. Erste erfolgreiche globale Kampagnen diesbezüglich standen im Zusammenhang mit dem Umgang des südafrikanischen Apartheidregimes und Industrieunfällen grossen Ausmasses ab Ende der 1970er Jahre. Die durch den Wirtschaftsliberalismus der 1980er Jahre stimulierte Globalisierung begünstigte auch die Entwicklung von (Umwelt-)Verbänden, deren Zahl und Vernetzungsgrad stark wuchsen. Der 1992 in Rio de Janeiro abgehaltene UN-Umweltgipfel war die erste internationale Konferenz, an der Umweltaktivisten als agenda-setter direkten Einfluss auf die Benennung und Entwicklung von Umweltzielen nehmen konnten. Infolge des steigenden Einflusses der Umweltlobbies nahmen Selbstregulierungsstrategien in den Firmen zu und sie auferlegten sich häufig gleich selber sog. Codes of Conduct (CoCs) um ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Umwelt und ihren Angestellten gegen aussen zu bekunden. Zertifizierungsprozesse, wie jene der International Organization for Standardization (ISO), sind eine weitere Folge der Bemühungen, welche sich für einen Minimalstandard im Umgang mit der Umwelt einsetzen. Ganze Prozessabläufe
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- vom Rohstoff bis zum Endprodukt - wurden mit Zertifikaten versehen, wenn sie den Min-destanforderungen der entsprechenden NGOs, welche manchmal mit den Regierungen ausgearbeitet wurden, genügten: Eine neue Form von globalem Korporatismus begann sich zu entwickeln. Immer noch am Anfang dieses Prozesses stehend wird sich zeigen, ob dieser Mechanismus der Global Governance genügend effektiv und legitim ist. Kontextualisierung
Der Begriff Globalisierung erschien in den 1990er Jahren als neues Schlagwort. Die Definierung des Begriffs und die Nutzbarmachung für die Wissenschaft standen also zunächst im Zentrum (Keohane/Nye 2000: 104f.). In diesen Kontext reiht sich auch Hauflers Text ein, indem sie die Globalisierung, deren Ursachen sowie die wirtschaftlichen und politischen Implikationen charakterisiert (Haufler 2003: 229f.). Bei der Interpretation von Globalisierung spielen die grossen Fortschritte im Technologiesektor und die damit verbundene Senkung von Kommunikations- und Transaktionskosten sowie die Deregulierung und Öffnung nationaler Märkte eine zentrale Rolle. Trotz einer daraus resultierenden verändernden Rolle des Staates ist die Weltwirtschaft aber nicht perfekt integriert und (desintegrierend wirkende) institutionelle Differenzen zwischen den Staaten werden vorerst weiter bestehen. Die Globalisierung der Märkte findet statt, während entsprechende Regulierungsmassnahmen hinterherhinken (Guerrieri/Falautano 2000: 12-15). Demzufolge erhält auch der Begriff Governance neue Bedeutungen auf der Suche nach einer Neuregulierung der Märkte (vgl. Haufler 2003: 230). Gleichzeitig spielen auch die weitverbreiteten Ängste in der Gesellschaft und die damit ver-bundene Ablehnung gegenüber den Globalisierungsprozessen eine Rolle. NGOs portieren diese Ängste häufig mit Nachdruck oder sogar mit Gewalt (Siebert 2003: 3). Haufler räumt den Umweltverbänden in ihrem Text denn auch viel Platz ein und sieht sie als wichtige Akteursgruppe bei der Bestimmung neuer Regulierungsstrategien. Die TNCs nehmen ebenfalls eine wichtige Stellung in ihrer Analyse ein und sie fokussiert sich damit auf jene internationalen Institutionen, die in der Debatte um Global Governance zunehmend an Beachtung und Bedeutung gewinnen (vgl. Brand et al. 2000: 27).
Die nach dem Kalten Krieg angeblich gescheiterten sog. Grosstheorien der Politikwissenschaft führten zu einem vorübergehenden Theorienotstand, auf den die sich Mitte der 1990er Jahre intensivierende Globalisierungsdebatte folgte und die Theoriebildung wieder anregte. Der Global Governance-Diskurs stösst in dieser Debatte in die Lücke, welche die UN-Weltkonferenzen mangels Dauerhaftigkeit hinterliessen und als Gegenentwurf zum Neoliberalismus hätten wirken können (Brand et al. 2000: 25, 28). Hauflers Beitrag lässt sich in
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Arbeit zitieren:
M.A. Manuel Irman, 2008, Review zu "Globalization and Industry Self-Regulation" von Virginia Haufler (2003), München, GRIN Verlag GmbH
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