Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Figurenbeschreibungen im Text und deren filmische Umsetzung 4
2.1. Riccardo Fontana 4
2.2. Kurt Gerstein 6
2.3. Der Doktor 9
2.4. Papst Pius XII. 11
3. Auffälligkeiten in der Szenenabfolge und im Inhalt
3.1. Kurze Beschreibung der Szenen im Text 13
3.2. Der Film im szenischen und inhaltlichen Vergleich 14
4. Das Fazit 16
5. Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
Diese Hausarbeit befasst sich sowohl mit Rolf Hochhuths Bühnenstück „Der Stellvertreter“, welches 1963 uraufgeführt wurde, als auch mit seiner tatsächlichen Umsetzung in Constantin Costa-Gavras Kinofilm „Der Stellvertreter. Amen.“ aus dem Jahr 2002.
Seinerzeit sorgte das christliche Trauerspiel von Rolf Hochhuth für Aufruhr, für Diskussionen und Proteste. Ebendies gelang dem griechischen Regisseur Constantin Costa-Gavras, und das fast vierzig Jahre später. Zuerst sorgte er mit dem Plakat von Oliviero Toscani, welches Kruzifix und Hakenkreuz blutrot miteinander verbindet 1 , für einen Skandal. Die abgemilderte, deutsche Version, ein Lichtstrahl, der durch ein Fenster ins Innere einer Kirche dringt und ein blasses Hakenkreuz auf den Boden zeichnet, war im Vergleich mit dem Original eher unauffällig. 2 Stattdessen wurde der Film selbst bei der Berlinale kontrovers aufgenommen. 3 Das erste Kapitel widmet sich den vier Hauptcharakteren, Gerstein, Riccardo Fontana, dem Doktor und Papst Pius XII., den Personenbeschreibungen im Buch und deren filmischer Umsetzung. „Dabei wird immer vom Text ausgegangen und darauf basierend die Umsetzung durch den Film betrachtet. Damit wird der Eigenständigkeit der beiden Medien Rechnung getragen.“ 4 Im folgenden Kapitel der Arbeit geht es um die auffälligen Unterschiede in der Szenenabfolge und im Inhalt. Um diese herauszustellen wird zunächst die Szenenabfolge des Buches beschrieben, danach die des Films und im Anschluss folgt ein Vergleich der beiden Medien und Ausführungen über Ergänzungen oder Auslassungen. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Fazit in Form einer persönlichen Filmkritik. Bei der Recherche zu dieser Hausarbeit gestaltete es sich als schwierig zu diesen spezifischen Themen passende Forschungsliteratur zu finden. Daher werden die Thesen hauptsächlich von Filmkritiken aus bekannten Filmzeitschriften oder aus dem Internet und von persönlichen Beobachtungen unterstrichen.
1 Dotterweich, Tamara: Das verordnete Schweigen. Ein Film über die Rolle der Kirche im Dritten Reich. In: Nürnberger Zeitung. URL: http://www.nordbayern.de/filmkritik. asp?art=14915&man=2 (02.06.2002).
2 Ebd., URL: http://www.nordbayern.de/filmkritik. asp?art=14915&man=2 (02.06.2002).
3 Seeßlen, Georg: »Ein Unfilm als Symptom. Costa-Gavras versucht sich an einer Verfilmung von Rolf
Hochhuths „Der Stellvertreter“«. In: epd Film 56 (6/2002), S. 24-29, hier S. 25.
4 Poppe, Sandra: Visualität in Literatur und Film. Eine medienkomparatistische Untersuchung moderner Erzähltexte und ihrer Verfilmungen. Göttingen 2007, S. 125.
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2. Die Figurenbeschreibungen im Text und deren filmische Umsetzung
In den Bühnenanweisungen von Rolf Hochhuth werden die einzelnen Figuren schon „in der Ausführlichkeit und Genauigkeit eines Filmdrehbuchs“ 5 beschrieben, keine Besonderheit bei Bühnenanweisungen. Da es sich in diesem Fall allerdings nicht nur um die übliche Beschreibung von Kleidung oder Verhalten, sondern um die Beschreibung von Wesenszügen handelt, ist es interessant näher darauf einzugehen. Daher werden in diesem Kapitel die wichtigsten Hauptfiguren vorgestellt, wie im Buch beschrieben, und sich danach mit ihren filmischen Pendants beschäftigt. Der Bezug auf Filmkritiken und den persönlichen, subjektiven Eindruck entscheidet hier über die Beurteilung einer gelungenen Umsetzung. Da jeder Leser oder Zuschauer dies anderes sehen kann, jeder hat schließlich eine eigene Vorstellung von der Umsetzung einer Beschreibung wie zum Beispiel „Format des absolut Bösen“ 6 , kann die folgende Untersuchung nicht verallgemeinert werden und muss als eine persönliche Meinung gelesen werden.
2.1. Riccardo Fontana
Riccardo Fontana wird in den Bühnenanweisungen als Jesuitenpater beschrieben und es wird dem Leser bereits vor seinem ersten Auftritt suggeriert, dass Hochhuth Fontana erfinden musste. 7 Unter seinem Namen fasst er einige der Kirchenmänner zusammen, die sich gegen das System stellten und selbst ihr Leben gaben um das anderer Personen zu retten, auf Seite 23 im Buch ist konkret der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg erwähnt. Daher wird auch sein Aussehen nicht beschrieben, im späteren Verlauf wird erwähnt, dass er eine Soutane trägt, an welche er sich den Judenstern heftet. Der Nuntius klärt den Leser über Riccardos Alter auf: „Was sind sie jung: siebenundzwanzig Jahre“. 8 Aber der Jesuitenpater wird im Folgenden vielmehr durch sein temperamentvolles Wesen und seine (berechtigte) Ungeduld gekennzeichnet und ebenso durch seinen starken Glauben. Er ist, wie
5 Steiner, Jacob: Die Bühnenanweisung. Göttingen 1969, S. 38.
6 Hochhuth, Rolf: Der Stellvertreter. Ein christliches Trauerspiel. Hamburg 1998, S. 45
7 Hasenberg, Peter:»Der Stellvertreter Amen«, in: Filmdienst 55 (11/2002), S.26-27, hier S. 27.
8 Vgl. Hochhuth, Stellvertreter, S. 25.
4
viele der anderen Charaktere auch ein „Stellvertreter“ für eine Haltung, die in einem Rollenbild umgesetzt wird. 9
In Constantin Costa-Gavras Film spielt Mathieu Kassovitz den jungen Riccardo. Erst in der sechsten Szene, nach fast einer halben Stunde Laufzeit, tritt Riccardo das erste Mal auf. Zuvor wurde die „Vorgeschichte“ von Gerstein erzählt, nun beginnt, wenn man so will, die eigentliche Verfilmung des Buches. Der Zuschauer ist von diesem Zeitpunkt an nicht mehr bloß auf den einen Hauptcharakter fokussiert, er kann nun zwei verschiedene Perspektiven nachvollziehen. Riccardo steht dabei für einen Mann der Kirche, der, gegen alle Widerstände den Papst zum Reden bringen will und bis kurz vor dem Ende an die Institution Kirche glaubt. Nachdem er feststellen muss, dass seine Bemühungen umsonst waren und dass der Papst weiterhin schweigen wird, verliert er den Glauben an diese Institution und „geht ins KZ ‚als Opfer für seine Kirche’“. 10 Gerhart Waeger bezeichnet den Riccardo des Films in seiner Kritik als „ein[en] Christ der Tat [..], der nicht zuletzt die Ehre der katholischen Kirche, oder zumindest ihrer Basis, retten soll.“ 11 Nachdem also Riccardos Weltbild völlig erschüttert wurde, erscheint er, im Film wie im Buch, als ein gebrochener Mann. In der vorletzten Szene des Films versucht Gerstein, Riccardo mit einem gefälschten Dokument aus dem Konzentrationslager zu befreien. Als Riccardo auftritt ist er von den Qualen gekennzeichnet, er ist dreckig, unrasiert und trägt noch immer die Soutane mit dem Judenstern. Aber das kennzeichnet nur sein körperliches Leid. Sein leerer Blick verrät die seelischen Qualen, die Erkenntnis, dass die Kirche, der er und seine Familie sich ein Leben lang verschrieben hatten, die Nazi-Gräuel ohne zu handeln zulässt. Und so ist auch die These von Peter Hasenberg in seiner Kritik nicht zutreffend: „edel und ungebrochen erstrahlen die Idealisten - Gerstein und Fontana.“ 12 , da sowohl Riccardo als auch Gerstein, wie später noch gezeigt wird, von der Kirche enttäuscht den Tod finden. „Das Böse, das für Riccardo […] in der Gestalt des „Doktors“ nichts anderes als der Teufel selbst und damit zum negativen Gottesbeweis geworden ist, muss ihm am Ende auch als Person gegenüberstehen.“ 13 Dieses Böse, der Doktor, schickt ihn in den Tod mit den
9
Schweizerhof, Barbara: Dem Nazi-Schick widerstehen. In: taz.de. URL: http://www.taz.
de/index.php?id=archivseite&dig=2002/06/01/a0196 (01.06.2002).
10 Vgl. Seeßlen, Unfilm als Symptom, S. 26.
11 Waeger, Gerhart: Verräter in eigener Sache. «Der Stellvertreter» von Costa-Gavras. In: Neue Züricher Zeitung online. URL: http://www.nzz.ch/2002/05/31/fi/article86NQX.html (31.05.2002).
12 Vgl. Hasenberg, Der Stellvertreter, S. 27
13 Vgl. Seeßlen, Unfilm als Symptom, S. 26.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Lena Spiekermann, 2008, „Mein Gott, was hätte das für ein Film werden können!“, München, GRIN Verlag GmbH
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